Buffy & Angel


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Buffy & Angel


Mit Buffy durch die Zeit


von Claudia Kern

"Ich bin meine Gedanken. Wenn sie in ihr existieren, enthält Buffy alles, was mich ausmacht und wird zu mir. Ich höre auf zu existieren. Niemand sonst existiert mehr. Buffy wird zu uns allen. Wir denken. Daher ist sie." - Oz in "Earshot"

Okay, ganz so intellektuell sollte man vielleicht nicht anfangen, also lassen wir Oz' verquerte Gedankengänge erst einmal hinter uns und wenden uns dem zu, was Buffy wirklich sehenswert macht:
David Boreanaz' Hintern
Giles im Smoking
Spike oben ohne
Natürlich ist die Rede von den unterliegenden Themen einer jeden Staffel, die weit über das hinausgehen, was man in einer Teenager-Vampirserie mit Seifenopern-Elementen eigentlich erwarten könnte. Oberflächlich betrachtet geht es zwar nur um die Auserwählte, die Vampire pfählt und auf der Suche nach einem Liebhaber ist, der vielleicht zur Abwechslung einen Puls hat und wärmer als Zimmertemperatur ist (was übrigens die Frage aufwirft, ob Nekrophilie in Kalifornien nicht unter Strafe gestellt wird?), aber unter dieser Oberfläche brodelt ein wahres... hm, was machen wir jetzt mit dieser Metapher? Was brodelt denn normalerweise unter Oberflächen... Magma vielleicht, aber ein wahres Magma klingt doof. Lava brodelt auch, ebenso wie Eintöpfe, aber letzteres klingt undramatisch und Lava ist nicht zählbar; eine wahre Lava geht also nicht. Feuerwerke brodeln nicht, würden aber passen. Kaffee? Nein, der kocht eher. Was soll's, retten wir uns also in die Mittelmäßigkeit: ... brodelt ein wahres Gemisch unterschiedlichster Ideen und Themen. Freudianische Gedanken tauchen ebenso auf wie Anlehnungen an Shakespeare und die Existentialisten. Immer wieder werden dabei auch Themen angesprochen, die man eher in einer Selbsthilfegruppe erwarten würde, als ein einer erfolgreichen Fernsehserie.
Sehen wir uns nur mal "The Body" an, eine Folge, die sicherlich auch einen deutschen Titel hat, den ich aber gerade nicht finde. In dieser Episode geht es nur um den Tod von Buffys Mutter Joyce und die Reaktionen, die Buffy und ihre Freunde darauf zeigen. Anyas Unverständnis und daraus resultierende Taktlosigkeit sind nur ein gelungener Charakteraspekt. Die Folge hat weder Musik noch einen Vorspann und wenn man überlegt, warum Buffy-Erfinder Joss Whedon diese Entscheidung getroffen hat, findet man nur eine Antwort: Er will dem Zuschauer zeigen, dass dies kein Spaß mehr ist. So sieht die Realität aus. Menschen sterben, ohne dass es einen höheren Grund gibt und andere Menschen schütteln diese Erfahrung nicht einfach ab, sondern leiden unter ihr. Passend dazu gibt es auch keinen wirklichen Abschluss dieser Trauer, sondern sie zieht sich durch den Rest der Serie bis hinein in die siebte Staffel.
Aber bevor ich anfange, wie Das Wort zum Sonntag zu klingen, sollten wir vielleicht besser über etwas anderes reden, nämlich über die anderen Themen bei Buffy. Man kann jede Staffel der Serie unter ein Motto stellen, eine Grundtendenz, die in den meisten Folgen widerhallt. In der ersten Staffel geht es um die Rollen, die man spielen muss und um die Akzeptanz des eigenen Schicksals. Jeder in Buffy spielt eine Rolle:
Buffy, die Auserwählte, die fast bis zum Ende der Staffel versucht daraus auszubrechen, es aber schließlich akzeptiert.
Giles, der Wächter, dessen Rolle untrennbar mit Buffys verbunden ist - ohne Auserwählte kein Wächter und umgekehrt... ist irgendwie logisch.
Willow, die schüchterne und heimlich in ihren besten Freund verliebte Hochbegabte. Ihre Rolle ist ebenso wie die der anderen Schüler ein Klischee, aber eines, das durch die Sprechweise der Figur und ihre Beziehungen zu ihren Freunden immer wieder untergraben wird. In der Realität reden Menschen vielleicht nicht wirklich so, aber wenn man Willow hört, glaubt man, sie sollten so reden.
Xander, der etwas tollpatschige Freund, der nicht so heimlich in Buffy verliebt ist und nicht wahrnimmt, dass Willow den Boden anbetet, auf dem er läuft.
Cordelia, die Schulzicke, die in einer der überraschendsten Szenen der ersten Staffel gesteht, wie einsam sie in ihrer Popularität ist. Daraus ausbrechen kann sie jedoch nicht, denn dies ist die Rolle, die sie akzeptiert hat.
Damit hat Buffy-Gott Joss Whedon seine Figuren auf das Schachbrett gestellt und ich bin sicher, dass mir nicht als einzige die Ironie aufgefallen ist, die erste Staffel einer TV-Serie unter das Thema "Rollen" zu stellen. Findet das niemand sonst ironisch? Sicher? Nicht einmal ein Hauch von Ironie? Okay...
Aber auch andere Staffeln haben Themen und nachdem es in der ersten noch recht freundlich zuging, machte die zweite direkt klar, wo der Hammer hängt... metaphorisch gesprochen natürlich. Es gab in der ganzen Staffel keinen Hammer. Es gab einen in der fünften, aber das tut nichts zur Sache.
Verlust und Verantwortung waren die Themen dieser, also der zweiten Staffel. Da wurden Charaktere gemeuchelt und gefoltert und am Ende musste sich Buffy zwischen Angel und der Welt entscheiden. Zum Glück für die Welt entschied sie sich gegen Angel.
Die dritte beschäftigte sich dann mehr mit den Konsequenzen, um Lüge und um Wahrheit. Das konnte man am deutlichsten in der Entwicklung um Faith sehen, die auf der dunklen Seite der Macht landete, weil sie im Gegensatz zu Buffy nicht in der Lage war, sich dem zu stellen, was sie getan hatte (beispielsweise einen Nicht-Vampir zu pfählen, was dem eigenen Karma schon einen Schlag versetzt). Aber auch Buffy musste mit der Konsequenzen leben, die sich ergaben, als Angel zurückkehrte und sie dessen Überleben verschwieg.
In der vierten sahen wir dann, wie die Charaktere mit Veränderungen umgehen. Die Highschool war vorbei, das College rief einige (Buffy, Willow), Hollywood andere (Cordelia) und die Sinnkrise und Unentschlossenheit andere (Giles, Xander). Auf die Veränderungen folgten Opfer, denn ein zentrales Thema der fünften Staffel war, wer wann und für wen welches Opfer bringt. Buffys Entschluss, an Dawns Stelle in den Tod zu springen, ist ein Opfer, dass sie für Dawn und die Welt bringt. Giles' Opfer, Ben zu töten, obwohl der eigentlich unschuldig ist, wird für Buffy gebracht und Spike opfert sich in einer weiteren Folterszene (beinahe) für Dawn, beziehungsweise für Buffy.
Spike und Buffy sind dann auch die zentralen Charaktere der sechsten Staffel, denn hier geht es um Macht und Abhängigkeit. Die Machtspiele zwischen Buffy und Spike, Willows machtbesessene Magie-Abhängigkeit (immer noch eine der dümmsten Allegorien der Serie) und die Welteroberungsphantasien des Trios sind alles Aspekte dieses Themas.
Und das bringt uns zur siebten Staffel, die, wie Joss Whedon in Interviews ankündigte, den Kreis vollenden und den Bogen zur ersten Staffel schlagen sollte - hm, die Metapher funktioniert nicht wirklich, aber ihr wisst, was ich meine. Hier geht es um Identität. Sind die Freunde, mit denen man sich umgibt, wirklich das, was man glaubt oder spielen sie nur Rollen, die ihnen aufgezwungen wurden. Ich will niemanden spoilern, deshalb folgen hier keine Beispiele, aber die Ähnlichkeit zwischen dem Thema der ersten und dem der letzten Staffel weisen schon darauf hin, dass Joss Whedon es ernst mit seiner Ankündigung meint.
Gespannt sollten wir jetzt nur noch auf die Frage sein, wie er die Serie enden lässt: Werden wir ein Massaker der Charaktere erleben, wie manche glauben oder eine gegenseitige Liebeserklärung zwischen Buffy und Spike oder beides? In viel zu wenigen Wochen werden wir es wissen.