Buffy & Angel


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:: 6x11 Gone
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:: 6x14 Older and Far Away
:: 6x15 As You Were
:: 6x16 Hell's Bells
:: 6x17 Normal Again
:: 6x18 Entropy
:: 6x19 Seeing Red
:: 6x20 Villains
:: 6x21 Two To Go
:: 6x22 Grave


Buffy Episodenguide


6x22 "Grave"

[Der Retter]


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Regie:
James A. Contner
Drehbuch:
David Fury

Hauptdarsteller:
Sarah Michelle Gellar (Buffy Summers)
Nicholas Brendon (Xander Harris)
Emma Caulfield (Anya)
Michelle Trachtenberg (Dawn Summers)
James Marsters (Spike)
Alyson Hannigan (Willow Rosenberg)

Gastdarsteller:
Anthony Steward Head (Rupert Giles)
Tom Lenk (Andrew Wells)
Danny Strong (Jonathan Levinson)

Darsteller:
Brett Wagner (Trucker)
Steven W. Bailey (Höhlendämon)

 Kurzinhalt
Ein Freund hilft den Scoobies, Willow zu stoppen. Doch die Hexe hat noch ein paar Asse im Ärmel - und einen unfreiwilligen Helfer.


 Inhalt
Gerade rechtzeitig, und für alle - einschließlich Willow - sehr überraschend ist Giles nach Sunnydale zurückgekehrt. Von einem guten Bekannten mit mächtiger magischer Kraft ausgestattet, gelingt es ihm, die durchgedrehte Hexe unter einen Stasisbann zu zwingen.

So ergibt sich für ihn und Buffy die Gelegenheit, ihr Wiedersehen wenigstens etwas zu feiern, und Giles auf den aktuellen Stand in Sunnydale zu bringen.

Allerdings hat offenbar selbst Giles die Kraft von Willow unterschätzt. Denn trotz der Unfähigkeit, sich wegen des Stasiszaubers zu rühren, gelingt es dieser, die zur Bewachung abgestellte Anya unter ihre geistige Kontrolle zu bringen, und sie so zur unfreiwilligen Helferin ihrer Befreiung zu machen.

Als Buffy im anschließenden Kampf Giles zu Hilfe eilt, erzeugt Willow einen großen Feuerball, mit dem sie Andrew und Jonathan töten will - und jeden, der in ihrer Nähe ist, was in diesem Fall Xander und Dawn bedeutet, die mit den beiden Villains auf der Suche nach einem sicheren Versteck sind. Buffy bleibt keine andere Wahl, als loszustürmen, um die anderen zu warnen.

Nun steht Willow nur noch Giles gegenüber - der ihr nicht gewachsen ist, und von ihr vernichtend geschlagen wird. Sie nimmt auch noch seine magische Kraft in sich auf, eine Kraft, die sie den gesamelten Schmerz der Menschen auf der Welt spüren läßt.

Jetzt hat sie ein neues Ziel: diesem unterträglichen Schmerz ein Ende zu bereiten - und der Welt gleich dazu...


Für alle, die mehr wissen möchten, steht eine ausführliche Inhaltsangabe bereit.

 Episodenreview
von Jakob Sättler

"Grave" ist die letzte Folge der 6. Staffel, der 2. Teil des doppelfolgigen Staffel-Finales. Wie sich das für ein Finale gehört, ist die Episode action- und ereignisreich, spannend und emotionsgeladen.

Und enttäuschend. Abermals zeigt sich, daß David Furys Möglichkeiten, eine Geschichte stringent und gut strukturiert zu erzählen, beschränkt sind. Viele Szenen wirken in ihrer Anordnung und in ihrem Ablauf - vom hohen Kitschfaktor der gesamten Folge mal abgesehen - konstruiert, die Dialoge sind bestenfalls gut, meist jedoch simpel und nicht wirklich zufriedenstellend. Jedenfalls nicht gut genug für ein Staffel-Finale, daß das letzte Jahr abrunden und zumindest einige Entwicklungen abschließen soll. Vor allem in Bezug auf Buffys Entwicklung bleibt am Ende ein sehr großes Fragezeichen stehen. Außerdem geht David Fury alles andere als spitzfindig in der Erzählweise vor - er wählt die Holzhammer-Methode. Vielleicht kann er es nicht besser, vielleicht unterschätzt er die Fans. Wie auch immer - es nervt. So etwas kennt man aus Serien wie "Charmed" oder "Eine himmlische Familie" - von "Buffy The Vampire Slayer" erwartet man mehr Subtilität.



Um das Ganze mal mit ein paar Beispielen zu konkretisieren:

Im Aufbau mißglückt ist "Grave" zum Beispiel ganz am Anfang: Willow, Buffys beste Freundin, ist beseelt von dunkler Magie und liefert sich mit der Jägerin einen Kampf auf Leben und Tod. Eigentlich eine emotional erschütternde Sache für Buffy - sollte man jedenfalls meinen. Doch David Fury baut ausgerechnet an dieser Stelle das unausweichliche Buffy-Giles-Gespräch ein, daß im späteren Verlauf der Folge viel besser aufgehoben gewesen wäre. Die Szene müßte eigentlich Willow gehören, doch David Fury läßt die Hexe in diesem Moment links liegen. Er greift zu dem wenig originellen Kniff, Giles einen Bannzauber auf Willow legen zu lassen, der natürlich - man verzeihe den Spott - genau so lange andauert, wie Buffy und Giles Zeit brauchen, sich über die wirklich wichtigen Dinge auszutauschen, die geschehen sind, seit Giles Sunnydale vor etwa einem halben Jahr verließ.

Während die mächtige Evil Willow im Nebenraum nur durch diesen lächerlichen Zauber davon abgehalten wird, sich auf Buffy, Anya und Giles zu stürzen, kriegt Giles einen Lachanfall. Im Kontext ist das kaum nachvollziehbar und ziemlich unpassend. Die Szene an sich funktioniert jedoch. Man muß herzhaft mitlachen. Giles, der Ernste, Erwachsene, ist derjenige, der Buffy dazu bringt, ihren Humor wiederzufinden. Giles sieht die Dinge nicht zu ernst, er wahrt die notwendige Distanz und bringt Buffy dazu, sich endlich mal von außen, aus der Position eines Dritten, zu betrachten. Die eigenen Probleme sind immer nur so groß und schwer, wie man sie selbst sieht. Vor allem wissen "Tony" Head mit dem ansteckenden Lachen und auch Sarah Michelle Gellar (wie sich ihre Stimme beim Ausspruch des Wortes Sunnydale bricht) in dieser Szene unheimlich zu gefallen.

Allerdings: Giles' Entschludigung, daß er Buffy und die anderen nie hätte allein lassen sollen, und seine so einfach dahergesagte Bemerkung, manchmal sei das "Erwachsenste", was man tun kann, um Hilfe zu bitten, wenn man sie benötigt, überraschen etwas. Man erinnere sich, wie sehr Giles in 6x07 "Once More, With Feeling" und 6x08 "Tabula Rasa" davon überzeugt war, nach England zurückkehren zu müssen, um Buffy nicht im Wege zu stehen. Wenn er in der letzten Zeit seine Entscheidung wirklich so sehr bereute, wieso hat er nicht wenigstens mal angerufen?

Man sollte in diesem Punkt allerdings mit den Autoren nicht zu hart ins Gericht gehen: Giles Weggang resultierte aus dem Umstand, daß der Giles-Darsteller Anthony Stewart Head in seine Heimat England zurückkehren wollte und so nur für etwa eine halbe Staffel zur Verfügung stand. Mit diesem Dilemma sind die Autoren zwar nicht brillant umgegangen, aber sie haben die Sache alles in allem doch recht ordentlich gelöst.



Richtig schlecht hingegen ist die Szene, in der Buffy Dawn in dem Grab das Schwert gibt... ...und Dawn damit natürlich gleich gut kämpfen kann. Als Gag in einer witzigen Folge hätte man eine Dawn akzeptieren können, die sofort talentiert draufloskämpft. Aber dies als abschließende Entwicklung für Dawn im Finale einer Staffel zu bringen, die so realistisch und lebensecht daherkommen will - naja. Doch das stört gar nicht so sehr an der Szene.

Folgendes stört auch nur ein bißchen: Buffy - in der 6. Staffel als Charakter demontiert bis zum "Geht-nicht-mehr" und daher folgerichtigerweise auch nicht diejenige, die diesmal die Welt retten darf - kriegt doch ihren Kampf kurz vor dem Ende des Staffelfinales. Zwar gegen relativ unbedeutende, irgendwie so in die Story reingewurschtelte Zombies, aber sie kriegt ihn. Weil man den Kampf für Dawn brauchte und weil man wohl im Hinblick auf die Erwartungen der Zuschauer doch nicht den Mut hatte, Buffy diesen Kampf zu verwehren. Schade, denn in dieser Staffel hätte es gepaßt, daß Buffy "leer" ausgeht.

Was an der Szene wirklich ärgerlich ist, ist die Art und Weise, wie Buffy Dawn eines der Schwerter überreicht (natürlich sind beide Schwerter in die Grabeshöhle hinuntergefallen...). Sie hat in der Hektik des Gefechts genug Zeit, laut zu überlegen: "Es sind zu viele - ich kann sie nicht alle allein bezwingen!" Sie hat Zeit, Dawn anzublicken und ihr in einer pathetischen Geste das Schwert zu überreichen. "Dawn, wirst Du mir helfen?" Warten die Dämonen jetzt neuerdings, bis die Hauptcharaktere sich in Ruhe bewaffnet haben, bevor sie angreifen?

Natürlich nicht. Aber David Fury mußte die Szene so zelebrierend in die Länge ziehen, weil diese den Wendepunkt in der Buffy-Dawn-Beziehung markiert. In der Buffy-Dawn-Beziehung geht es - nachdem die Kleptomanie-Geschichte um Dawn ohne großen Knall-Effekt im Sand verlaufen ist - in den letzten Folgen hauptsächlich darum, daß Dawn sich von Buffy wie ein Kind behandelt fühlt. Für die Blöden, die es immer noch nicht begriffen haben, baut David Fury genau dies sicherheitshalber (und etwas stümperhaft) noch mal in den vorherigen Dialog zwischen Buffy und Dawn ein. "Wieso hast Du mir nichts von Spikes Vergewaltigungsversuch gesagt?" "Ich versuche, Dich zu beschützen." "Ich bin kein Kind mehr!" Danke - also ob wir das nicht alles längst schon wüßten.

Aber es ist ja so wichtig - also alles lieber noch mal an dieser unpassenden Stelle wiederholen. Denn dann kommt ja die besagte Szene, die alles ändert. Buffy sieht ein, daß sie Dawns Hilfe braucht, daß sie sie nicht beschützen kann - sie dreht sich um 180 Grad und überreicht Dawn in so kitschiger Manier das Schwert, daß man Angst hat, der Schmalz könne aus dem Fernseher triefen. Und siehe da, Dawn zeigt sofort, daß sie tatsächlich kein Kind mehr ist.

Das ist so ziemlich das schlechteste "Storytelling" (= Geschichtenerzählen), das man bei BtVS je gesehen hat. Nicht nur, daß das Prinzip "Gefährte tritt in die Fußstapfen des protegierenden und dem Gefährten wenig zutrauenden Helden und zeigt selbst, was er draufhat" in jedem zweitklassigen Actionfilm verwurstet wird. Es wird auch noch so penetrant dargestellt - man kriegt die laue Quintessenz der Szene förmlich "in die Fresse geklatscht". Hatte die Serie sich bisher durch Subtilität und gute Darsteller ausgezeichnet, die es ermöglichten, daß manche Dinge nicht ausgesprochen werden mußten, so wird man hier regelrecht für dumm verkauft. Für wie dämlich hält uns David Fury? Oder kann er einfach nicht besser schreiben?



Mit Buffy geht es uneindeutig eindeutig weiter. Sie darf ein bißchen weinen, weil die Welt nicht untergegangen ist. Dawn glaubt natürlich, Buffy sei darüber enttäuscht und ist mal wieder sofort beleidigt und fühlt sich verstoßen - doch Buffy säuselt irgendwas von wegen: "Das sind Tränen des Glücks, Dummerchen!" und "ab jetzt wird alles anders - ich will Dir die ach so schöne Welt zeigen..."

Und es sind nicht nur Buffys Worte... In 6x02 "Bargaining II" entstieg Buffy schon einmal einem Grab. Es war Nacht. Buffy war allein. Die Jägerin fand sich in einer chaotischen, zerstörten, von Dämonen beherrschten Welt wieder. Ihre ersten Worte nach der Wiederauferstehung waren folgerichtig dieses so verstörte Gestammel: "Is this hell?"

Dieses Mal verläßt Buffy ihr Grab nicht allein, sondern in Begleitung ihrer Schwester Dawn. So ist der zu sehende Sonnenaufgang wohl nicht nur als Gegensatz zur Nacht in 6x02 "Bargaining II" zu verstehen, er hat auch mit Buffys Schwester zu tun ("Dawn" heißt auf deutsch "Morgendämmerung" oder "Sonnenaufgang"). Buffy betritt dieses Mal nicht eine Welt, die der Hölle gleicht, sondern sie findet sich auf einem unglaublich blühenden, mit den prachtvollsten Pflanzen verzierten Friedhof wieder. Die Frage, die wohl einen leichten Logikschnitzer aufzeigt - nämlich wo diese Pflanzen so schnell hergekommen sind; schließlich machte der Friedhof vorher nicht den Eindruck, als sei er ein malerischer Rosengarten - beschäftigt David Fury nicht weiter. Entscheidend ist die Assoziation, die wir (christlichen) Menschen mit einem so blühenden Platz verbinden... Buffy ist nach einer einjährigen Hölle im Paradies angekommen. Im Hintergrund singt Sarah McLachlan (die auch schon unter anderem zum Finale der 2. Staffel das phantastische letzte Lied "Full Of Grace" beisteuerte) ihr "Prayer of St. Francis":

Lord make me an instrument of your peace,
Where there is hatred let me sow love.
Where there is injury, pardon.
Where there is doubt, faith.
Where there is despair, hope.
Where there is darkness, light.
And where there is sadness, joy.
O divine master grant that I may
Not so much seek to be consoled as to console;
To be understood as to understand;
To be loved as to love
For it is in giving that we receive -
It is in pardoning that we are pardoned.
And it's in dying that we are born to eternal life.
Amen.


Nun, das Lied ist klasse - die Szene mag verstehen, wer will. Um's mal auf den Punkt zu bringen: Wo um alles in der Welt kommt Buffys plötzlicher Lebensmut her? Wieso erscheint die Welt auf einmal als Paradies? Buffy wurde quasi die ganze Staffel lang demontiert - sie wurde aus dem Himmel gerissen, haßte ihr neugeschenktes Leben, sie sprach nicht mit ihren Freunden, sie hatte harten und gewalttätigen Sex mit einem Vampir, den sie genau so ausnutzte, wie er sie ausnutzte - sie hatte Geldsorgen, hatte ihren Alltag nicht im Griff, brachte es nicht mal fertig, den Müll pünktlich rauszubringen. Sie war ganz unten... und nun endet alles ganz oben, im siebten Himmel. Wie das?

Mit Sicherheit hat der Liedtext bei der Beantwortung dieser Frage eine Schlüsselfunktion. Irgendwie ist es einfach und banal. Und irgendwie auch wieder nicht. Es hat damit zu tun, daß Willow die Welt nicht untergehen ließ. Hoffnung. Es hat wohl auch etwas damit zu tun, daß Giles wieder da ist. Daß die Zeit alle Wunden heilt, daß auf Regen irgendwann auch wieder Sonnenschein folgt. Es hat etwas damit zu tun, daß ihre Beziehung zu Spike aufgeflogen ist, daß sie sich mit ihrem Freund Xander aussprechen konnte. Daß sie die Kraft hatte, Giles von sich aus alles zu erzählen. Sie hatte schon vor längerer Zeit begriffen, daß sich in ihrem Leben etwas ändern mußte, nur hatte sie lange Zeit nicht die Kraft, die Veränderungen vorzunehmen. Es hat sehr viel mit Liebe zu tun, mit der Liebe Buffys zu ihrer Schwester Dawn etwa. Es hat mit dem Glauben an das Gute zu tun und mit dem Vertrauen darauf. Es hat etwas damit zu tun, daß der Sinn des Lebens ist, einfach zu leben. Daß Buffy nun selbst beherzigen möchte, was sie ihrer Schwester vor einem Jahr mit auf den Weg gab, bevor sie sich heroisch und messianisch selbst opferte für die Rettung der Welt: "Dawn, the hardest thing in this world is to live in it. Be brave. Live. For me." (= "Dawn, das Härteste in dieser Welt ist, in ihr zu leben. Sei tapfer (mutig). Lebe. Für mich.")

Aber es hat auch etwas damit zu tun, daß Gummibärchen nicht sprechen können. Daß Gänseblümchen niemals zwei Meter groß werden und daß Computer Viren haben. Und daß diese Staffel nun mal mit dieser Folge endet und man die Serie nicht noch ein Jahr so düster und "depressivmachend" zeigen und den Charakter Buffy weiter so durch den Dreck waten lassen kann, ohne die Fans zu vergraulen.

Die Paradies-Szene ist überschwenglich, gefühlsduselig. Auch hier paßt das Wort 'kitschig'. Eindeutig. Uneindeutig ist: Die Autoren geben jede denkbare Antwort auf die Frage nach Buffys neuem Lebensglück - und somit gar keine. Vielleicht, weil sie selbst keine wissen, oder weil sie sich nicht anmaßen wollen, eine zu geben. Vielleicht wollen sie niemanden vor den Kopf stoßen. Vielleicht trauen sie sich auch einfach nicht. Vielleicht sind sie bescheiden, vielleicht auch feige.



Wo wir schon bei Szenen sind, die am Ende der Folge stehen:

Andrew und Jonathan - wo sind die Konsequenzen, die Jonathan ziehen wollte? Erwachsen werden! Ab ins Gefängnis, wie er sich in der letzten Folge so fest vornahm. Nun heißt es - ab nach Mexiko! Seine Entschlossenheit ist weg. Eigentlich hatte man gehofft und auch ein bißchen geglaubt, daß Jonathan den Absprung von Andrew und Warren schafft. Letztlich bleibt er (zumindest in dieser Staffel) doch der dumme, kleine Junge...



Die letzte Szene verdirbt einem die Folge noch mal so richtig. Die Staffel endet mit einem der plumpesten Cliffhanger, die man bei BtVS je gesehen hat: Spike erhält seine Seele wieder.

Bisher hatte noch jedes Season Finale eine Schlußeinstellung, die einem tief unter die Haut ging. Natürlich hatten auch die letzten Szenen von Season 2 (die Worte des Ortsausgangsschildes "Now leaving Sunnydale - Come back soon") oder auch Taras Schlußworte in Season 4 ("You think you know ... what's to come ... what you are. You haven't even begun.") einen gewissen zukünftigen Aspekt in sich. Ebenso wie der Schluß-shot auf das Skelett des Meisters in Season 1 (wenn man an die Eröffnungsfolge von Season 2 denkt - die Knochen des Meisters werden ausgegraben, um den Meister wiederzubeleben). Aber in diesen Einstellungen überwog dennoch die Endgültigkeit, diese Szenen schlossen etwas ab. So wie es am Ende von Season 3 (der Shot auf das Jahrbuch "Sunnydale High '99 - The Future Is Ours") oder am Ende von Season 5 (Buffys Grabstein mit der Inschrift: "Buffy Anne Summers - 1981-2001 - Beloved Sister - Devoted Friend - She saved the world - a lot") ganz deutlich wird.

Die Schlußeinstellungen von Season 1 bis 5 markierten den Abschluß eines Abschnitts, sie hatten etwas Fesselndes, Packendes. Sie beschäftigten die Gedanken, ohne daß man (wie in Season 6) direkt und unverhüllt reingerieben bekam, was die Zukunft bringt. Die bisherigen Endeinstellungen hatten irgendwie eine "ewige Botschaft", sie beinhalteten eine ganz simple Erkenntnis oder vielleicht eher eine Stellungnahme der Autoren. Sie waren beschreibend, klar und doch von einem Tiefgang, dessen Dimension sich einem auch nach dem zehnten Ansehen der Folge nicht voll erschließt. Was uns hingegen in Season 6 präsentiert wurde, das war ein Seifenopern-Cliffhanger, mehr nicht.

Natürlich wollten die Autoren uns ab 6x19 "Seeing Red" glauben machen, Spike wolle seinen Chip verlieren, nicht seine Seele wiederbekommen. Und hier, am Ende der Staffel, durfte dann die "Bombe" platzen. Es hat lange Diskussionen im Fandom gegeben, ob Spikes Wunsch nach Seele glaubwürdig ist. Man kann gute Argumente dafür finden. Und gute dagegen. Jedenfalls verwundert es ein bißchen, daß er im Sinne dieses Testes "töten" muß, um seine Seele wiederzukriegen (na gut, er tötet Dämonen, keine Menschen). Daß er Sunnydale so wutentbrannt verläßt und daß er von Buffy vorher als "bitch" (= Hure, Hündin, Schlampe) spricht. Daß er die ganze Zeit vom Chip redet, der sein (untotes) Leben so schlecht gemacht hat, nicht von seiner vampirischen Seite. Verhält man sich so, wenn man wahrhaft und aufrichtig (mit Seele) das Herz seiner Angebeteten erobern will?

Man kann es wohl hinnehmen. Spikes Charakter beinhaltet wohl diese Möglichkeiten. Nahliegender wäre allerdings gewesen, daß er seinen Chip loswerden will. Aber damit wollten einen die Autoren ja genau reinlegen. Ob einem dieses "In-die-Irre-Führen" gefällt, ist eine andere Frage. Da man es von den Buffy-Autoren ohnehin gewohnt ist, an der Nase herumgeführt zu werden, konnte man sich eigentlich schon denken, daß auch hier der Schein trügt. Spätestens dann, als einem auffiel, daß Spike nie explizit sagte, was er vorhatte.



Die Folge hatte aber auch ein paar großartige Dinge zu bieten: Alyson Hannigan (auch wenn es etwas unmotiviert aussah, wie sie beim Heraufbeschwören des Tempels die Hände hervorstreckte) spielte sich als Evil Willow einen Wolf. Dominant, frei von Zwängen, böse - mit dieser typischen Grundstellung - leicht gespreizte Beine - meine Herren. Die Special Effects (zum Beispiel der Sturm, der aufzieht, oder der Haarfarbenwechsel von Evil Willow zu Willow) waren super für das beschränkte Budget einer TV-Serie.

Auch das "Setting" war überdurchschnittlich. Der Friedhof verlieh eine tolle Atmosphäre (endlich mal ein Season Finale auf einem Friedhof) - und auch der von Willow zu Tage beförderte Tempel hatte packende Wirkung mit der Schlangenstatue und den Satans-Symbolen. Sein Aufsteigen im Morgengrauen - umgeben von einem heftigen Sturm - vermittelte ein beklemmendes Gefühl von Gottlosigkeit. Toll gedreht.

"Grave" hatte auch eine im positiven Sinne kitschige Szene zu bieten. Xander, der mit Geschichten über Kindheitserinnerungen seine Freundschaft zu Willow untermauert und so die gute Magie, die der magisch "aufgeladene" Giles schon auf Willow übergehen ließ, zur vollen Entfaltung brachte. Xander-Darsteller Nick Brendon freute sich in Interviews besonders, daß auch er mal die Welt retten durfte. Daß die Autoren die Charaktere so lebensnah schreiben - Stichwort: damals im Kindergarten die "crayon-breaky Willow" (= Buntstift-zerbrechende Willow) - und mit solchen Einfällen wie der Geschichte um die Buntstifte aufwarten, begeisterte ihn zutiefst. Um den Schlußdialog noch intensiver wirken zu lassen, ließen sie wohl Xander im ersten Teil das Staffelfinales 6x21 "Two To Go" Anya erzählen, er fühle sich schuldig und mies, weil er nicht sofort reagiert habe, als er Warren mit der Waffe sah. Nun darf Xander den Tag und mit ihm die Welt retten.



Wie im letzten Review angekündigt, noch ein paar Worte zu Evil Willow und wieso ihre Existenz eigentlich ein schwacher Trickgriff der Autoren ist, die Serie im sechsten Jahr noch interessant zu halten.

Charaktere, die ursprünglich der guten Seite (man verzeihe die Schwarz-Weiß-Malerei, aber so wird es einfach eindeutiger) angehören und dann ähnlich wie Willow in 6x20 "Villains" bis 6x22 "Grave" sich direkt gegen ihre Freunde stellen, ihnen die abschätzige Meinung ins Gesicht geigen; Charaktere, die böse werden, zu Selbstüberschätzung neigen, von ihrer neuen Freiheit und Macht begeistert sind und Grenzen weit überschreiten - solche Charaktere sehen wir bei BtVS nicht zum ersten Mal.

Sowohl Angel/Angelus als auch Faith - mit Abstrichen wohl sogar Buffy selbst in 2x01 "When She Was Bad" (oder in 3x14 "Bad Girls") - haben vielleicht nicht genau die gleiche, aber zumindest eine ähnliche Charakterentwicklung wie Willow in den letzten drei Folgen durchgemacht. Insbesondere viele der Vorwürfe, die Willow Dawn und Buffy entgegenbringt, erinnern stark an diffamierende und vorwerfende Aussprüche Faiths in Richtung der Scoobies, insbesondere in Richtung Buffy in Staffel 3. Auch die Auflösung von Willows "Dark-Magic-Trip" kommt bekannt vor: Ähnlich wie Willow hier zusammenbricht, nach dem "Kampf" geschwächt nur noch mit Fäusten auf Xander einschlagen kann, während dieser sie an sich drückt, um so den letzten Widerstand zu brechen, so ist auch Faith in der Buffy-Ableger-Serie "Angel" (1x18 "Five By Five") in Angels Armen zusammgebrochen.

Die Ansprachen der Scoobies Richtung Evil Willow erinnern stark an das, was damals Angelus zu hören bekam: "Irgendwo in Dir drinnen steckt der wahre Angel / die wahre Willow, bekämpfe Deine Dämonen, blablabla."

Diese Wiederholungen, die nicht als gelungene Referenzen anzusehen sind, sondern eher von einer gewissen Einfallslosigkeit und Stagnation der Serie zeugen, sind zwar schwach, aber keine allzugroße Enttäuschung.

Enttäuschend ist, wie das große Thema von Staffel 6 - Verantwortung für die eigenen Taten - im Falle von Willow behandelt wird: Nämlich gar nicht, um es mal provozierend zu sagen. Willow befindet sich (ähnlich wie damals Angel als Angelus) weitestgehend in einem Zustand der Schuldunfähigkeit. Willow wird beherrscht und gelenkt von einer dunklen Macht, als sie Warren tötet. Sie ist nicht sie selbst, sondern steht unter einem fremden Einfluß. Willow begeht zwar den Mord, aber dabei ist sie nur eine Art Werkzeug, die antreibende Kraft ist die Dark Magic.

Sicherlich und hoffentlich werden Willows Morde in der nächsten Staffel thematisiert (und hoffentlich auch Trauer um Tara). Für diese Staffel bleibt leider festzuhalten, daß die Autoren vor der letzten Konsequenz, aus Willow selbst (nicht nur aus der Willow-"Dark Magic"-Kombination) eine Mörderin zu machen, zurückgeschreckt sind. Die Autoren sind nicht den ganzen Weg gegangen, sondern haben den eingeschlagenen Weg mit einer Art Hintertürchen versehen. Sie konnten uns den Kampf "Willow vs. The Scoobies" präsentieren, ohne dafür das liebenswerte rothaarige "Mauerblümchen" Willow völlig aufgeben zu müssen.

Zugegeben, beim Zurückgreifen auf Dark Magic, da war Willow sicher - wenn auch unter Schock stehend - zurechnungsfähig und ist somit anfangs doch selbstverantwortlich. Aber es ist die Frage, wann genau die Dark Magic die Oberhand gewonnen hat. Zumindest zu dem Zeitpunkt, zu dem Willow Warren tötet, war Willow ganz deutlich mehr von der Dark Magic gelenkt als selbst noch steuerungsfähig und Herrin der eigenen Gedanken. Und da man Buffy ihren Versuche, die Scoobies in 6x17 "Normal Again" zu töten, ja auch nachgesehen hat - eigentlich reicht schon die bloße Anwesenheit einer "bewußtseinssteuernden Kraft" wie hier der Dark Magic, daß Willows Rachefeldzug einfach nicht in der letzten Konsequenz als Rachefeldzug, der von ihr selbst durchgeführt wird, rüberkommt.

Wie gesagt, Willows Taten werden mit Sicherheit Folgen haben, wohlmöglich wird Willow selbst zu ihrer größten Anklägerin werden ("Wie konnte ich das nur tun?"), natürlich wird die Beziehung Willows zu ihren Freunden eine andere sein. Aber die Person, die die Morde begangen hat und gegen die Scoobies kämpfte, war eben nur sehr bedingt die Willow, die wir bisher kannten und die wir in Staffel 7 wiedererleben werden (davon ist jedenfalls auszugehen).

Die Idee, Willow gegen die Gruppe zu stellen, war von vornherein nicht gut. Wenn man aber schon so weit geht und die befreundeten Protagonisten in einen gegenseitigen Kampf auf Leben und Tod schickt, dann muß man das auch voll durchziehen und darf nicht mit so einem "faulen Trick" arbeiten.

Der Eindruck bleibt hängen, daß die Autoren nur auf den Effekt hinauswaren, einen Kampf innerhalb der Scoobies inszenieren zu können. Wir müssen Glory, die Göttin, als "Big Bad" toppen - wie sollen wir das machen? Da bleibt wohl nur der Kampf zwischen Freunden. Das zieht immer, hat sich schon oft bewährt. Die Frage nach der Notwendigkeit dieses Kampfes bleibt unbeantwortet. Der instrumentalisierte Tod von Tara, die aus der Serie rausgeschrieben wurde, als wäre sie jemand x-Beliebiges, bleibt hängen. Tara wurde ein simples Mittel zum Zweck.

Und dabei ist der Zweck noch nicht mal ersichtlich: Gerade nach Faith und Angelus - worin soll der Sinn liegen, Willow böse zu machen? Das Erwachsenwerden - Hauptthema von BtVS - wird hier durch böse Magie und Mystik viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt.



Das Staffelfinale sei eine "sinnlose Materialschlacht" und böte "ein Klischee auf dem anderen", hat jemand in einem Fan-Forum geschrieben. Nun, er hat gar nicht so unrecht. "Two To Go" und "Grave" gehen jedenfalls zu keiner Zeit so packend unter die Haut, wie das vergangene, finale Episoden getan haben.

Hoffen wir auf die nächste Staffel. Soviel sei verraten: Der folgende Ausspruch von Willow aus diesem Staffel-Finale soll in der Eröffnungsfolge von Staffel 7 gleich auf sehr interessante Weise aufgegriffen werden: "Buffy... I gotta tell ya... I get it now. The Slayer thing really isn't about the violence. It's about the power." (= "Buffy... Ich muß dir sagen... Ich verstehe es jetzt. Bei der ganzen Slayer-Sache geht es nicht um Gewalt. Es geht um Macht.")