Buffy & Angel


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:: 6x01 Bargaining
:: 6x03 After Life
:: 6x04 Flooded
:: 6x05 Life Serial
:: 6x06 All The Way
:: 6x07 Once More, With Feeling
:: 6x08 Tabula Rasa
:: 6x09 Smashed
:: 6x10 Wrecked
:: 6x11 Gone
:: 6x12 Doublemeat Palace
:: 6x13 Dead Things
:: 6x14 Older and Far Away
:: 6x15 As You Were
:: 6x16 Hell's Bells
:: 6x17 Normal Again
:: 6x18 Entropy
:: 6x19 Seeing Red
:: 6x20 Villains
:: 6x21 Two To Go
:: 6x22 Grave


Buffy Episodenguide


6x19 "Seeing Red"

[Warrens Rache]


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Regie:
Michael Gershman
Drehbuch:
Steven S. Deknight

Hauptdarsteller:
Sarah Michelle Gellar (Buffy Summers)
Nicholas Brendon (Xander Harris)
Emma Caulfield (Anya)
Michelle Trachtenberg (Dawn Summers)
James Marsters (Spike)
Alyson Hannigan (Willow Rosenberg)
Amber Benson (Tara Maclay)

Gastdarsteller:
Adam Busch (Warren Meers)
Tom Lenk (Andrew Wells)
Danny Strong (Jonathan Levinson)

Darsteller:
Garrett Brawith (Frank)
Tim Hager (Verwalter)
Amy Hathaway (rachsüchtige Frau)
Nicole Hiltz (Frau)
Christopher James (Wache #2)
James C. Leary (Clem)
Stefan Marks (Wache #1)
Kate Orsini (Mädchen im Bronze)

 Kurzinhalt
Warren, Andrew und Jonathan planen ihren nächsten großen Coup - ein Geldtransporter. Klar, daß die Jägerin da nicht tatenlos zusehen kann...


 Inhalt
Während Willow und Tara - endlich wieder vereint - glücklich morgens aneinandergekuschelt im Bett liegen, unterhalten sie sich über die Ereignisse der letzten Tage im allgemeinen und Spike und Anya im besonderen. Als Tara andeutet, daß die Beziehung zwischen Buffy und Spike durchaus längerer Natur gewesen ist, beschließt Willow, mit Buffy zu reden, doch der Raum der Jägerin ist leer.

Das liegt daran, daß diese gerade die Tür zum Versteck der Villains zerlegt, welches sie endlich gefunden hat. Leider kommt sie nicht mehr rechtzeitig - außer dem Schriftzug "Zu Spät" an einer Tafel und ein paar gigantischen Kreissägen ist nicht mehr viel in dem Haus übrig. Knapp gelingt es Buffy, der für sie ausgelegten Falle zu entkommen.

Warren, Andrew und Jonathan treiben sich derweilen in der Unterwelt herum - mit Erfolg. Ihre Beute: die Kugeln von Nezzla'khan, die ihrem Träger unverwundbar machen. Und als Warren seine Trophäe endlich in der Hand hält, ist klar, daß er diese Kräfte nicht nur zu seinem Schutz einsetzen will...


Für alle, die mehr wissen möchten, steht eine ausführliche Inhaltsangabe bereit.

 Episodenreview
von Jakob Sättler

"Seeing Red" ist eine der besten Episoden von Staffel 6. Und eine der umstrittensten der ganzen Serie. Das liegt an zwei Szenen: Der Badezimmer-Szene, in der Spike versucht, Buffy zu vergewaltigen, und der Schlußszene, in der Warren auf Buffy schießt und ein Querschläger auch Tara trifft.

Der Reihe nach: Eröffnungsszene der Folge mit Tara und Willow im Bett. Es ist offensichtlich, daß die beiden letzte Nacht Sex hatten, leidenschaftlichen Sex hatten. Die Folge macht da weiter, wo 6x18 "Entropy" aufgehört hat. So eindeutig auf Sex und körperlichen Kontakt bezogen hat man ihre Beziehung selten gesehen. So ziemlich jede Freundschaft oder Liebesbeziehung der Hauptcharaktere ist im Moment "screwed up" (= vermurkst, vermasselt), Willow und Tara bilden hier die glorreiche Ausnahme. Sie sind wieder glücklich vereint. Zu glücklich für das Buffyversum, in der noch keine Liebesbeziehung allzu lange bestehen durfte?

Zurück zur Szene: Willow ist enttäuscht, daß Buffy ihr nichts von ihrer Beziehung zu Spike gesagt hat. Aber Tara macht ihr sehr süß und eindeutig klar, wieso Buffy geschwiegen hat (an dieser Stelle mal ein erster Hinweis darauf, wie klasse die Dialoge in der Folge geschrieben sind und wie herausragend die schauspielerischen Leistungen sind). Willow will für Buffy (wieder) die Freundin sein, der man alles erzählen kann. So wie es früher war (3x15 "Bad Girls" oder 3x20 "The Prom" - Buffy weint sich bei Willow aus).

Dawn freut sich wohl am meisten (fast schon hysterisch), daß Tara und Willow wieder zusammen sind. Das ist nicht verwunderlich, mochte sie die beiden doch schon immer sehr. Und als ihre Mutter gestorben war und auch Buffy über 100 Tage von ihr gegangen war, waren Willow und Tara sozusagen Dawns "Ersatz-Mütter".

Buffy wird derweil von der Motorsägen-Konstruktion der Nerds fast getötet. Die Nerds - angeführt von Warren - haben hier schon die Absicht, Buffy umzubringen. Man fragt sich, wieso sie so einen komplizierten Weg wählen, die Jägerin aus dem Weg zu räumen. Wieso installierte man keine Schußanlage oder Ähnliches? Typisch für die "Bösen" in Serien oder Filmen, immer einen umständlichen Weg zu wählen, den Feind aus dem Weg zu räumen. Wahrscheinlich wollen sie angeben, Eindruck schinden, ihre Überlegenheit demonstrieren. Es ist überheblich. Aber Warren soll in dieser Folge ja noch einen effektiveren Weg wählen, Menschen zu töten.

Die Opening Credits. Zum ersten Mal wird Amber Benson, die Schauspielerin, die Tara spielt, als "Regular Cast" (= Stammbesetzung) aufgeführt, nicht mehr nur als "Guest Star" (= Gaststar). Ein neuer Vorspann für die 19. Folge einer Staffel? Ein erneuter Hinweis darauf, daß in dieser Folge etwas mit Tara passieren wird...

Später ist Dawn bei Spike in der Krypta. Eine ihrer wohl reifsten Szenen, selten war sie so erwachsen. Vermutlich war es hauptsächlich dieser Besuch, der Spike dazu gebracht hat, Buffy zu besuchen. Dazu unten mehr.

In der Zwischenzeit besorgt sich der Jonathan gegenüber immer fieser auftretende Warren in seinem Größenwahn die Kugeln von Nezzla'khan, die ihn stark und unverwundbar machen. Die sich lange abzeichnende Entwicklung der Nerds ist nun ganz deutlich. Jonathan wird ausgenutzt, Andrew ist vollkommen unselbständig, nicht zu Entscheidungen irgendwelcher Art im Stande (zum Beispiel moralischen...), Warren ist herrschsüchtig, machtbesessen, kennt keine Skrupel.

Buffy besucht Xander. Xander, der Buffy auch früher schon Vorhaltungen wegen ihrer Beziehung zu Angel gemacht hat, kann keinerlei Verständnis dafür aufbringen, daß Buffy sich zu Spike hingezogen fühlte und Sex mit ihm hatte. Spike, der im Gegensatz zu Angel noch nicht mal eine Seele hat - nur einen lächerlichen Chip. Buffy - bekannt dafür, nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" zu handeln - hält sich nicht vollkommen, aber weitgehend zurück damit, die Geschichte mit Anya als Retourkutsche gegen Xanders Vorwürfe einzusetzen. Sie ist nicht aufbrausend. Daß das Zurückkommen in diese Welt hart war, erwähnt sie zwar ebenfalls, aber auch das haut sie Xander nicht um die Ohren. Sie glaubt, daß sie einen Fehler gemacht hat, mit Spike so weit zu gehen.

Erneut sei die Bemerkung erlaubt, wie gut die Szenen in dieser Folge - hier die zwischen den beiden alten Freunden - geschrieben und gespielt sind. Das enttäuschte Vertrauen liegt regelrecht in der Luft - man spürt ganz deutlich, wie kraftlos und unenergisch Buffy ist, wie wenig Lust sie hat, laut zu werden und sich zu streiten. Dadurch, daß Buffy aufgeflogen ist, werden (endlich) die Dinge, die zwischen den Charakteren stehen, angesprochen - die Charaktere setzen sich mit ihnen auseinander. "Seeing Red" beendet den Stillstand und den ewig gleichen Trott, der teilweise in Staffel 6 vorherrschte, es geht weiter.



Bald darauf folgt die erste Szene, die diese Folge so wichtig und besonders macht. Spike versucht, Buffy zu vergewaltigen.

Vielen Fans ging die Szene zu weit - sie sei zu heftig gewesen und auch nicht notwendig für die Story. Spikes kommende Entwicklung - am Ende der Folge verläßt er Sunnydale (siehe unten) - habe diese Szene nicht notwendigerweise verlangt. Man hätte das Kommende auch anders erreichen können. Im Autorenteam von Mutant Enemy war sie sehr umstritten - viele lehnten sie ab. Für Sarah Michelle Gellar und vor allem James Marsters war die Bade-Zimmer-Szene sehr schwer zu spielen. James Marsters gab in Interviews an, es sei ihm sehr schwer gefallen und habe ihn unheimlich belastet, sich Sarah als Vergewaltiger nähern zu müssen.

Wie auch immer man zu der Szene steht, es ging zwar wohl auch (aber nicht in erster Linie) darum, daß nochmals gezeigt werden sollte, daß Spike im Grunde böse ist, daß er keine Seele hat und schlecht für Buffy ist. Denn die Autoren haben gemerkt, daß manche Spike-Fans ihren Charakter undifferenziert und unreflektiert anhimmelten und seine schlechten Seiten gar nicht mehr sahen. Sozusagen eine Art Klarmachung, daß Spike ein "böser Vampir" ist.

Die Szene hat zwar sicherlich auch irgendwie mit der Frage nach einem Gewissen von Spike zu tun und mit der Frage, inwiefern ihn der Chip in seinem Kopf "gut" gemacht hat. Man kann Spike in Staffel 6 nicht losgelöst von dem Chip betrachten, dafür hat der Chip seinen Werdegang viel zu sehr mitbestimmt. Aber dennoch geht es hier in der konkreten Szene weniger um Gut/Böse-Schematas und wie der Chip da mit reinspielt, sondern viel mehr um ein Ausloten und Ausreizen von Spikes Charakter generell.

Spike empfindet keine Liebe für Buffy, so wie dies Angel getan hat. Spike ist besessen von Buffy, er will sie beherrschen, besitzen. Auch wenn er mit Sicherheit nicht lange mit ihm glücklich geworden wäre (wegen fehlender Persönlichkeit) und es später bereute, ihn gebaut haben zu lassen (5x18 "Intervention", 6x01/02 "Bargaining"), man denke daran, wie sich Spike den Buffybot programmieren ließ: als williges und ziemlich hirnloses Sexspielzeug (5x15 "I Was Made To Love You"). Das sagt viel darüber aus, wie Spike Buffy sieht und sie gerne hätte: als Frau, die tut, was er will. Als sein Besitz.

Buffys Widersprüchlichkeit (sie duldet Spike, bittet ihn um Hilfe, sucht seine Gruft auf, hat Sex mit ihm, will ihn später aber nicht mehr bei sich haben) hat Spike gereizt. Buffy mußte erobert werden und auf seine dunkle Seite gezogen werden. In 6x17 "Normal Again" hatte man zwar das Gefühl, Spike hätte dieses Vorhaben aufgegeben, hätte begriffen, daß das mit Buffy trotz all ihrer Abgründe und eigenen dunklen Seiten nicht funktionieren wird. Aber nach der Badezimmer-Szene muß man sagen, daß Spike Buffy doch nicht verstanden hat. Er begreift ihre schwierige Situation nicht, versteht nicht, wieso sie ihm so oft nachgegeben hat und dies nun nicht mehr kann und nicht mehr will. Er versucht es gar nicht erst - nicht wirklich. Spike sieht sich. Seine Bedürfnisse sind ausschlaggebend. In seiner egozentrischen Sichtweise ist er der Retter für Buffy. Buffys "helle" Sorgen sind in seiner Vorstellung weg, wenn sie nur zu ihm kommt und sich ihm ganz hingibt, in seiner "dunklen" Welt.

Buffy, mit leichten Schmerzen nach einem Vampirkampf, läßt sich ein Bad ein. Sie ist ausgepowert, schwach, braucht Erholung. Spike besucht sie - der Entschluß zum Besuch wurde wohl ausgelöst durch Dawns kurzen Besuch bei ihm. Spike entschuldigt sich, Buffy will nicht mit ihm reden - generell nicht und in der konkreten Situation sowieso nicht. Spike, der innerlich schon ängstlich wird, sagt - ganz im Sinne seines Ich-Weltbildes - es würde nicht immer nur um sie gehen. Spike bedrängt Buffy, wie er es früher schon oft getan hat - Buffy hat seinem Drängen ja doch immer nachgegeben (zum Beispiel 6x15 "As You Were" am Anfang).

Nur daß Buffy dieses Mal nicht nachgibt. Spike wird unruhig, kriegt Angst. Er merkt, daß er Buffy für immer verlieren könnte. Sie ist unglücklich, das sieht er. Er auch. Dabei können sie beide in seiner irrtümlichen Vorstellung doch glücklich sein, wenn sie zusammen sind auf der dunklen Seite. Buffy reagiert nicht.

Sex. Das Körperliche. Das hat doch immer funktioniert (6x11 "Gone"). Er muß sie anfassen, dann wird sie schon schwach, dann kriegt er sie rum. Irrtum. Spike wird panisch. Er droht, seinen einzigen Lebensinhalt, Buffy, zu verlieren - Buffy ist im Begriff, ihr Leben ohne ihn weiterzuführen. Spike spürt zum ersten Mal wirklich die ganze Angst, Buffy zu verlieren. Buffy lehnt ihn ab, will Vertrauen und Liebe, nicht Spikes krankhafte Leidenschaft. Was für ein Quatsch, denkt Spike. Man muß sie zu ihrem Glück zwingen. Wieso reagiert Buffy diesmal nicht auf ihn? Er ist verzweifelt, viel verzweifelter als Buffy. Er muß sie noch härter anfassen, er muß nur sie nur richtig drängen und zwingen, dann wird es schon werden. Gewalt und Sex, das gehört bei ihnen doch zusammen (6x09 "Smashed"). Der letzte Versuch: Spike wendet Gewalt an.

Buffy - wie schon in der Szene mit Xander keineswegs voller Energie, sondern schwach und kraftlos - gelingt es nicht, ihre Slayerkräfte zu nutzen. Seelisch und körperlich ist sie dazu nicht in der Lage... Erst kurz bevor es zu spät ist, kann sie ihre Kräfte noch mal bündeln und Spike von sich stoßen. Buffy ist entsetzt. Spike ist entsetzt. Weil er Buffy verloren hat, aber auch wegen seiner Tat. Und hier spielt dann doch wieder das Gewissen und seine in den letzten Jahren ausgeprägte menschliche Seite mit rein.

Spike hat Buffy verloren. Für Buffys Verletzlichkeit und Verletztheit steht nach dieser Szene der für die Härte und Genesungskräfte einer Jägerin viel zu große blaue Fleck an ihrem Bein.



In der Zwischenzeit spielt sich Warren in der Bar auf. Wie die anderen Nerds-Szenen zählt diese hier zu den schwächsten der Folge. Xander erfährt von Warrens Kräften, was man wohl für den weiteren Verlauf der Episode brauchte. Wir erfahren, daß Warren - oh Wunder - ein Außenseiter an seiner High School war und von seinen Mitschülern gehänselt wurde. Das war's - mehr gibt die Szene nicht her. Daß die Nerds sexgeile und größenwahnsinnige Nervensägen sind, wußten wir schon. In punkto Charakterisierung liefert die Szene nichts Neues. Vielleicht mag es Zuschauer geben, die Andrew ganz witzig finden, aber Warren ist ätzend anzusehen.

Warren ist der erste "Big Bad" (Oberbösewicht), der einem nur fremd und unsympathisch ist. Die vorherigen Big Bads (kleine Ausnahme: Adam) waren einem irgendwie nahe. Man hat nicht unbedingt gewollt, daß ihre Pläne in Erfüllung gehen, aber sie waren originell, herrlich-selbstverliebt oder einfach nur irre. Es hat Spaß gemacht, sie zu sehen. Sei es der urböse Meister mit seinem Familiensinn, die durchgeknallte Drusilla mit eifersüchtigem Spike und der Buffy und die Welt vernichten wollende Angelus, seien es der politik-satirische Bürgermeister mit seinem Hang zur Sauberkeit und seiner väterlichen Liebe zu Faith oder sei es die super-egozentrische Glory mit ihren "Minions" (= Dienern) und ihren so schrägen und doch so wahren Monologen...

Vielleicht liegt die Abneigung gegen Warren (abgesehen davon, daß er als Figur keine Begeisterung entfachen kann) auch daran, daß Warren ein Mensch ist, während die anderen Big Bads Dämonen waren und sozusagen einen Freibrief zum "Böse-Sein" besaßen: Diese Dämonen hatten kein Gewissen, also kann man ihnen ihre finsteren Pläne nicht wirklich vorwerfen, während es bei Mensch Warren einfach nur erschreckend anzusehen ist, wie skrupellos er tötet und seine Spuren verwischt, wie abschätzig sein Frauenbild ist, wie selbstverliebt und haßerfüllt und rachedurstig er ist. Er erweitert sicherlich das Spektrum der Bösewichter in "Buffy The Vampire Slayer", aber er ist kein Big Bad, über den man in vielen Jahren in einem Anflug von Nostalgie schwelgen wird.



Spike ist in seiner Gruft mit Clem. Wieder einer dieser gelungenen Dialoge. Spike ist schon immer sehr fixiert gewesen auf seine Partnerinnen. Seien es Cecily Addams im Jahre 1880 oder Drusilla oder Buffy (siehe vor allem 3x09 "Lovers Walk" - Spike bezeichnet sich als "love's bitch"). Seine menschlichen Seiten (zum Beispiel Dawn beschützen, den Scoobies helfen) hat Spike großteils wegen/für Buffy in Staffel 5 entwickelt, als ihm bewußt wurde, daß er Buffy liebt oder zumindest in sie verliebt ist. Er mußte gut sein, daß er bei Buffy eine Chance hat, daß er an sie rankommt. Daß Buffy ihn letztlich endgültig abgelehnt hat, stellt Spikes ganze "menschliche" Existenz in Frage. Er hat alles auf eine Karte gesetzt - ... und verloren. Seine menschlichen Züge können ihm nach Zurückweisung durch Buffy nur als jämmerlich, als Selbstverrat, als Lüge vorkommen. Spike hat versucht, jemand zu sein, der er nicht ist. Die Katastrophe war fast unausweichlich, vorprogrammiert.

Wäre es ihm gelungen, Buffy auf die dunkle Seite zu ziehen und alles Menschliche abzustreifen, wäre für ihn alles in Ordnung gewesen. Nach Buffys Zurückweisung aber steht er irgendwie in der Mitte zwischen Licht und Schatten. Er ist weder Fisch noch Fleisch, weder Mensch noch Vampir. Spike steht an einem Wendepunkt. Seine vampirischen "Instinkte" werden nicht nur pausenlos durch den Chip unterdrückt, Spike hat nun nicht mal mehr etwas, wofür es sicht lohnt, seine vampirische Natur nicht zuzulassen.

Für Spike ist die Lage klar. Der Chip ist schuld an seinem Dilemma. Später schwingt er sich auf sein Motorrad. Raus aus Sunnydale. Es scheint so, daß er nun - nachdem er es schon länger nicht mehr probiert hat - erneut versuchen wird, seinen Chip loszuwerden.

Zeitgleich oder kurz vorher bekämpft Buffy Warren. Unter Mithilfe von Jonathan gewinnt sie die Schlacht, Warren kann jedoch flüchten. Jonathan hat sich (endlich!) separiert und gegen seinen einstigen Kumpanen gewendet. Er und Andrew, dem die Flucht mißlang, werden von der Polizei abgeführt. Und bei dem Gemurmel von Andrew, als sie ins Polizeirevier gebracht werden, ist es nicht verwunderlich, daß im Fandom vermehrt spekuliert wurde, ob Andrew trotz vergangener Szenen, in denen ganz offensichtlich der Eindruck entstand, er stehe auf Frauen, schwul ist.



Buffy und Xander beim Entschuldigungsgespräch. Xander, der sich (typisch männlich) mit gespreizten Beinen auf die Gartenbank setzt und vor dem anstehenden Gespräch nervös mit dem Fuß wackelt, während sich Buffy langsam mit gefalteten Händen und geschlossenen Beinen so setzt, daß sie Xander direkt zugewandt ist - Buffy, die eher Blickkontakt sucht als Xander. Wie detailgenau Nick Brendon und Sarah Michelle Gellar hier spielen, was man in die Gesten alles reininterpretieren kann - erneut eine großartige Szene.

Auch die anschließende Umarmung nach dem Gespräch weiß zu gefallen. Buffy, die Xander mit den Fingern den Hinterkopf streichelt und dann nicht beide Arme um Xander legt, sondern nur einen, während sie die Hand des freien Arms von vorne irgendwo auf den Bereich zwischen Xanders Brust und Schulter legt... Die Umarmung sieht (trotz des Größenunterschieds zwischen Brendon und Gellar) bequem und vertraut aus. Tolle Chemie zwischen den beiden Darstellern.



Warren kreuzt auf, stinksauer. Buffy, also ausgerechnet eine Frau, hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, seine Nezzla'khan-Kugeln zerstört, ihm so seine Stärke genommen und auch noch den Überfall auf den Geldtransporter versaut. Das schreit nach Rache. Warren zieht eine Pistole und schießt voller Zorn unkontrolliert in Buffys und Xanders Richtung. Buffy und Tara werden von Kugeln getroffen. Willow sieht buchstäblich rot. Amber Benson wird später in einem Interview sagen, daß sie und Sarah Michelle Gellar nach dieser Szene geweint haben.

In den zahlreichen Internet-Foren zur Serie gingen, als Staffel 6 in den USA lief, wilde Spekulationen bezüglich eines "Big Scooby Death" (=Tod von mehreren Scoobie-Gang-Mitgliedern) am Ende der Staffel um. Folge 19 ist die viertletzte Folge der Staffel...



Inszenatorisch beeindruckend an "Seeing Red" ist, wie real Gewalt dargestellt wird. Bei BtVS gibt es in nahezu jeder Folge Szenen, in denen entweder mit bloßen Händen oder Pflöcken, Schwertern, Pfeil und Bogen, hin und wieder auch mit modernen Schußwaffen (6x04 "Flooded", 2x10 "What's My Line Part II" ) gekämpft wird. Diese Kampfesdarstellungen sind aber fast immer überzeichnet, haben oft was Comichaftes, auf jeden Fall sind sie fernsehgerecht: Wenig Blut, man weiß, daß Buffy und Co. gewinnen, Buffy hat immer einen coolen "One-Liner" (= Einzeiler) auf den Lippen. Bis auf wenige Szenen (3x12 "Helpless", 5x16 "The Body" - Buffy hat große Probleme, den Vampir im Leichenschauhaus zu vernichten) sind die Kämpfe fern von echter, realer Bedrohung, wie sie jemand im wirklichen Leben verspüren würde.

In "Seeing Red" wird Gewalt vor allem in den zwei umstrittenen Szenen auf einmal sehr untypisch dargestellt: Spike, der versucht, Buffy im Bad zu vergewaltigen (1), und die Schlußszene, in der Warren um sich schießt und Buffy und Tara trifft (2).

1.) Bis es Buffy endlich gelingt, ihre Slayer-Kräfte zu nutzen und Spike von sich zu stoßen, wirkt sie verletzlich wie ein normales Mädchen. Keine Martial-Arts-Techniken, kein Selbstbewußtsein, coole Sprüche, sondern Hilflosigkeit, Schrecken und Angst. Es ist keine der Situationen in der Beziehung Buffy-Spike, in der Gewalt auch für Buffy sexuell stimulierend wirkt (6x09 "Smashed", Andeutungen wohl auch in 6x13 "Dead Things" (Handschellen)) - hier geht es - ganz real - um einen Mann, der es nicht ertragen kann, daß seine Angebetete nicht mit ihm zusammensein/schlafen will, und der daher versucht, sie zu vergewaltigen.

2.) Das viele Blut von Buffy und Tara. Blut stand in der Serie zwar immer schon für Leben (Spike in 5x22 "The Gift"), aber es war irgendwie mystisch überzeichnet, bei den Vampiren hat es neben seiner Funktion als "Lebenssaft" einen erotisch-romantischen Anstrich gehabt (2x21 "Becoming" - Angel wird zum Vampir).

In "Seeing Red" ist es nur noch (man beachte den Folgentitel) "rotes" Blut: Willow, die wie in einem realistisch gemachten Kriegsfilm durch den Schuß mit Taras Blut regelrecht "vollgespritzt" wird; Xander, der Buffys Schußwunde zuhalten will, es aber nicht richtig verhindern kann, daß immer mehr Blut austritt und sich Buffys Pullover damit vollsaugt. Wir sind nicht mehr in einer mystischen Abenteuer-Vampir-Serie, wir sind plötzlich in einer perversen Realität, in der wir die Folgen einer unglaublichen, von Menschenhand begangenen Tat betrachten müssen. Der Cliffhanger mit Willows roten Augen ("rot sehen", ganz im Sinne des Folgentitels), den Autor Steven S. Deknight - es war nicht seine Idee - noch so lobte, wirkt an dieser Stelle fast unpassend, ist die Szene vorher doch so abartig echt, daß Magie in ihr keinen wirklichen Platz findet.