Buffy & Angel


:: Staffel Eins
:: Staffel Zwei
:: Staffel Drei
:: Staffel Vier
:: Staffel FŘnf
:: Staffel Sechs
:: Staffel Sieben


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:: Staffel FŘnf


:: 6x01 Bargaining
:: 6x03 After Life
:: 6x04 Flooded
:: 6x05 Life Serial
:: 6x06 All The Way
:: 6x07 Once More, With Feeling
:: 6x08 Tabula Rasa
:: 6x09 Smashed
:: 6x10 Wrecked
:: 6x11 Gone
:: 6x12 Doublemeat Palace
:: 6x13 Dead Things
:: 6x14 Older and Far Away
:: 6x15 As You Were
:: 6x16 Hell's Bells
:: 6x17 Normal Again
:: 6x18 Entropy
:: 6x19 Seeing Red
:: 6x20 Villains
:: 6x21 Two To Go
:: 6x22 Grave


Buffy Episodenguide


6x19 "Seeing Red"

[Warrens Rache]


 ź Kurzinhalt :: Inhalt :: Synopsis :: Review :: Aha-Effekte :: Zitate :: Eure Meinung (11)  

Regie:
Michael Gershman
Drehbuch:
Steven S. Deknight

Hauptdarsteller:
Sarah Michelle Gellar (Buffy Summers)
Nicholas Brendon (Xander Harris)
Emma Caulfield (Anya)
Michelle Trachtenberg (Dawn Summers)
James Marsters (Spike)
Alyson Hannigan (Willow Rosenberg)
Amber Benson (Tara Maclay)

Gastdarsteller:
Adam Busch (Warren Meers)
Tom Lenk (Andrew Wells)
Danny Strong (Jonathan Levinson)

Darsteller:
Garrett Brawith (Frank)
Tim Hager (Verwalter)
Amy Hathaway (rachs├╝chtige Frau)
Nicole Hiltz (Frau)
Christopher James (Wache #2)
James C. Leary (Clem)
Stefan Marks (Wache #1)
Kate Orsini (M├Ądchen im Bronze)

 Kurzinhalt
Warren, Andrew und Jonathan planen ihren n├Ąchsten gro├čen Coup - ein Geldtransporter. Klar, da├č die J├Ągerin da nicht tatenlos zusehen kann...


 Inhalt
W├Ąhrend Willow und Tara - endlich wieder vereint - gl├╝cklich morgens aneinandergekuschelt im Bett liegen, unterhalten sie sich ├╝ber die Ereignisse der letzten Tage im allgemeinen und Spike und Anya im besonderen. Als Tara andeutet, da├č die Beziehung zwischen Buffy und Spike durchaus l├Ąngerer Natur gewesen ist, beschlie├čt Willow, mit Buffy zu reden, doch der Raum der J├Ągerin ist leer.

Das liegt daran, da├č diese gerade die T├╝r zum Versteck der Villains zerlegt, welches sie endlich gefunden hat. Leider kommt sie nicht mehr rechtzeitig - au├čer dem Schriftzug "Zu Sp├Ąt" an einer Tafel und ein paar gigantischen Kreiss├Ągen ist nicht mehr viel in dem Haus ├╝brig. Knapp gelingt es Buffy, der f├╝r sie ausgelegten Falle zu entkommen.

Warren, Andrew und Jonathan treiben sich derweilen in der Unterwelt herum - mit Erfolg. Ihre Beute: die Kugeln von Nezzla'khan, die ihrem Tr├Ąger unverwundbar machen. Und als Warren seine Troph├Ąe endlich in der Hand h├Ąlt, ist klar, da├č er diese Kr├Ąfte nicht nur zu seinem Schutz einsetzen will...


FŘr alle, die mehr wissen m÷chten, steht eine ausfŘhrliche Inhaltsangabe bereit.

 Episodenreview
von Jakob S├Ąttler

"Seeing Red" ist eine der besten Episoden von Staffel 6. Und eine der umstrittensten der ganzen Serie. Das liegt an zwei Szenen: Der Badezimmer-Szene, in der Spike versucht, Buffy zu vergewaltigen, und der Schlu├čszene, in der Warren auf Buffy schie├čt und ein Querschl├Ąger auch Tara trifft.

Der Reihe nach: Er├Âffnungsszene der Folge mit Tara und Willow im Bett. Es ist offensichtlich, da├č die beiden letzte Nacht Sex hatten, leidenschaftlichen Sex hatten. Die Folge macht da weiter, wo 6x18 "Entropy" aufgeh├Ârt hat. So eindeutig auf Sex und k├Ârperlichen Kontakt bezogen hat man ihre Beziehung selten gesehen. So ziemlich jede Freundschaft oder Liebesbeziehung der Hauptcharaktere ist im Moment "screwed up" (= vermurkst, vermasselt), Willow und Tara bilden hier die glorreiche Ausnahme. Sie sind wieder gl├╝cklich vereint. Zu gl├╝cklich f├╝r das Buffyversum, in der noch keine Liebesbeziehung allzu lange bestehen durfte?

Zur├╝ck zur Szene: Willow ist entt├Ąuscht, da├č Buffy ihr nichts von ihrer Beziehung zu Spike gesagt hat. Aber Tara macht ihr sehr s├╝├č und eindeutig klar, wieso Buffy geschwiegen hat (an dieser Stelle mal ein erster Hinweis darauf, wie klasse die Dialoge in der Folge geschrieben sind und wie herausragend die schauspielerischen Leistungen sind). Willow will f├╝r Buffy (wieder) die Freundin sein, der man alles erz├Ąhlen kann. So wie es fr├╝her war (3x15 "Bad Girls" oder 3x20 "The Prom" - Buffy weint sich bei Willow aus).

Dawn freut sich wohl am meisten (fast schon hysterisch), da├č Tara und Willow wieder zusammen sind. Das ist nicht verwunderlich, mochte sie die beiden doch schon immer sehr. Und als ihre Mutter gestorben war und auch Buffy ├╝ber 100 Tage von ihr gegangen war, waren Willow und Tara sozusagen Dawns "Ersatz-M├╝tter".

Buffy wird derweil von der Motors├Ągen-Konstruktion der Nerds fast get├Âtet. Die Nerds - angef├╝hrt von Warren - haben hier schon die Absicht, Buffy umzubringen. Man fragt sich, wieso sie so einen komplizierten Weg w├Ąhlen, die J├Ągerin aus dem Weg zu r├Ąumen. Wieso installierte man keine Schu├čanlage oder ├ähnliches? Typisch f├╝r die "B├Âsen" in Serien oder Filmen, immer einen umst├Ąndlichen Weg zu w├Ąhlen, den Feind aus dem Weg zu r├Ąumen. Wahrscheinlich wollen sie angeben, Eindruck schinden, ihre ├ťberlegenheit demonstrieren. Es ist ├╝berheblich. Aber Warren soll in dieser Folge ja noch einen effektiveren Weg w├Ąhlen, Menschen zu t├Âten.

Die Opening Credits. Zum ersten Mal wird Amber Benson, die Schauspielerin, die Tara spielt, als "Regular Cast" (= Stammbesetzung) aufgef├╝hrt, nicht mehr nur als "Guest Star" (= Gaststar). Ein neuer Vorspann f├╝r die 19. Folge einer Staffel? Ein erneuter Hinweis darauf, da├č in dieser Folge etwas mit Tara passieren wird...

Sp├Ąter ist Dawn bei Spike in der Krypta. Eine ihrer wohl reifsten Szenen, selten war sie so erwachsen. Vermutlich war es haupts├Ąchlich dieser Besuch, der Spike dazu gebracht hat, Buffy zu besuchen. Dazu unten mehr.

In der Zwischenzeit besorgt sich der Jonathan gegen├╝ber immer fieser auftretende Warren in seinem Gr├Â├čenwahn die Kugeln von Nezzla'khan, die ihn stark und unverwundbar machen. Die sich lange abzeichnende Entwicklung der Nerds ist nun ganz deutlich. Jonathan wird ausgenutzt, Andrew ist vollkommen unselbst├Ąndig, nicht zu Entscheidungen irgendwelcher Art im Stande (zum Beispiel moralischen...), Warren ist herrschs├╝chtig, machtbesessen, kennt keine Skrupel.

Buffy besucht Xander. Xander, der Buffy auch fr├╝her schon Vorhaltungen wegen ihrer Beziehung zu Angel gemacht hat, kann keinerlei Verst├Ąndnis daf├╝r aufbringen, da├č Buffy sich zu Spike hingezogen f├╝hlte und Sex mit ihm hatte. Spike, der im Gegensatz zu Angel noch nicht mal eine Seele hat - nur einen l├Ącherlichen Chip. Buffy - bekannt daf├╝r, nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" zu handeln - h├Ąlt sich nicht vollkommen, aber weitgehend zur├╝ck damit, die Geschichte mit Anya als Retourkutsche gegen Xanders Vorw├╝rfe einzusetzen. Sie ist nicht aufbrausend. Da├č das Zur├╝ckkommen in diese Welt hart war, erw├Ąhnt sie zwar ebenfalls, aber auch das haut sie Xander nicht um die Ohren. Sie glaubt, da├č sie einen Fehler gemacht hat, mit Spike so weit zu gehen.

Erneut sei die Bemerkung erlaubt, wie gut die Szenen in dieser Folge - hier die zwischen den beiden alten Freunden - geschrieben und gespielt sind. Das entt├Ąuschte Vertrauen liegt regelrecht in der Luft - man sp├╝rt ganz deutlich, wie kraftlos und unenergisch Buffy ist, wie wenig Lust sie hat, laut zu werden und sich zu streiten. Dadurch, da├č Buffy aufgeflogen ist, werden (endlich) die Dinge, die zwischen den Charakteren stehen, angesprochen - die Charaktere setzen sich mit ihnen auseinander. "Seeing Red" beendet den Stillstand und den ewig gleichen Trott, der teilweise in Staffel 6 vorherrschte, es geht weiter.



Bald darauf folgt die erste Szene, die diese Folge so wichtig und besonders macht. Spike versucht, Buffy zu vergewaltigen.

Vielen Fans ging die Szene zu weit - sie sei zu heftig gewesen und auch nicht notwendig f├╝r die Story. Spikes kommende Entwicklung - am Ende der Folge verl├Ą├čt er Sunnydale (siehe unten) - habe diese Szene nicht notwendigerweise verlangt. Man h├Ątte das Kommende auch anders erreichen k├Ânnen. Im Autorenteam von Mutant Enemy war sie sehr umstritten - viele lehnten sie ab. F├╝r Sarah Michelle Gellar und vor allem James Marsters war die Bade-Zimmer-Szene sehr schwer zu spielen. James Marsters gab in Interviews an, es sei ihm sehr schwer gefallen und habe ihn unheimlich belastet, sich Sarah als Vergewaltiger n├Ąhern zu m├╝ssen.

Wie auch immer man zu der Szene steht, es ging zwar wohl auch (aber nicht in erster Linie) darum, da├č nochmals gezeigt werden sollte, da├č Spike im Grunde b├Âse ist, da├č er keine Seele hat und schlecht f├╝r Buffy ist. Denn die Autoren haben gemerkt, da├č manche Spike-Fans ihren Charakter undifferenziert und unreflektiert anhimmelten und seine schlechten Seiten gar nicht mehr sahen. Sozusagen eine Art Klarmachung, da├č Spike ein "b├Âser Vampir" ist.

Die Szene hat zwar sicherlich auch irgendwie mit der Frage nach einem Gewissen von Spike zu tun und mit der Frage, inwiefern ihn der Chip in seinem Kopf "gut" gemacht hat. Man kann Spike in Staffel 6 nicht losgel├Âst von dem Chip betrachten, daf├╝r hat der Chip seinen Werdegang viel zu sehr mitbestimmt. Aber dennoch geht es hier in der konkreten Szene weniger um Gut/B├Âse-Schematas und wie der Chip da mit reinspielt, sondern viel mehr um ein Ausloten und Ausreizen von Spikes Charakter generell.

Spike empfindet keine Liebe f├╝r Buffy, so wie dies Angel getan hat. Spike ist besessen von Buffy, er will sie beherrschen, besitzen. Auch wenn er mit Sicherheit nicht lange mit ihm gl├╝cklich geworden w├Ąre (wegen fehlender Pers├Ânlichkeit) und es sp├Ąter bereute, ihn gebaut haben zu lassen (5x18 "Intervention", 6x01/02 "Bargaining"), man denke daran, wie sich Spike den Buffybot programmieren lie├č: als williges und ziemlich hirnloses Sexspielzeug (5x15 "I Was Made To Love You"). Das sagt viel dar├╝ber aus, wie Spike Buffy sieht und sie gerne h├Ątte: als Frau, die tut, was er will. Als sein Besitz.

Buffys Widerspr├╝chlichkeit (sie duldet Spike, bittet ihn um Hilfe, sucht seine Gruft auf, hat Sex mit ihm, will ihn sp├Ąter aber nicht mehr bei sich haben) hat Spike gereizt. Buffy mu├čte erobert werden und auf seine dunkle Seite gezogen werden. In 6x17 "Normal Again" hatte man zwar das Gef├╝hl, Spike h├Ątte dieses Vorhaben aufgegeben, h├Ątte begriffen, da├č das mit Buffy trotz all ihrer Abgr├╝nde und eigenen dunklen Seiten nicht funktionieren wird. Aber nach der Badezimmer-Szene mu├č man sagen, da├č Spike Buffy doch nicht verstanden hat. Er begreift ihre schwierige Situation nicht, versteht nicht, wieso sie ihm so oft nachgegeben hat und dies nun nicht mehr kann und nicht mehr will. Er versucht es gar nicht erst - nicht wirklich. Spike sieht sich. Seine Bed├╝rfnisse sind ausschlaggebend. In seiner egozentrischen Sichtweise ist er der Retter f├╝r Buffy. Buffys "helle" Sorgen sind in seiner Vorstellung weg, wenn sie nur zu ihm kommt und sich ihm ganz hingibt, in seiner "dunklen" Welt.

Buffy, mit leichten Schmerzen nach einem Vampirkampf, l├Ą├čt sich ein Bad ein. Sie ist ausgepowert, schwach, braucht Erholung. Spike besucht sie - der Entschlu├č zum Besuch wurde wohl ausgel├Âst durch Dawns kurzen Besuch bei ihm. Spike entschuldigt sich, Buffy will nicht mit ihm reden - generell nicht und in der konkreten Situation sowieso nicht. Spike, der innerlich schon ├Ąngstlich wird, sagt - ganz im Sinne seines Ich-Weltbildes - es w├╝rde nicht immer nur um sie gehen. Spike bedr├Ąngt Buffy, wie er es fr├╝her schon oft getan hat - Buffy hat seinem Dr├Ąngen ja doch immer nachgegeben (zum Beispiel 6x15 "As You Were" am Anfang).

Nur da├č Buffy dieses Mal nicht nachgibt. Spike wird unruhig, kriegt Angst. Er merkt, da├č er Buffy f├╝r immer verlieren k├Ânnte. Sie ist ungl├╝cklich, das sieht er. Er auch. Dabei k├Ânnen sie beide in seiner irrt├╝mlichen Vorstellung doch gl├╝cklich sein, wenn sie zusammen sind auf der dunklen Seite. Buffy reagiert nicht.

Sex. Das K├Ârperliche. Das hat doch immer funktioniert (6x11 "Gone"). Er mu├č sie anfassen, dann wird sie schon schwach, dann kriegt er sie rum. Irrtum. Spike wird panisch. Er droht, seinen einzigen Lebensinhalt, Buffy, zu verlieren - Buffy ist im Begriff, ihr Leben ohne ihn weiterzuf├╝hren. Spike sp├╝rt zum ersten Mal wirklich die ganze Angst, Buffy zu verlieren. Buffy lehnt ihn ab, will Vertrauen und Liebe, nicht Spikes krankhafte Leidenschaft. Was f├╝r ein Quatsch, denkt Spike. Man mu├č sie zu ihrem Gl├╝ck zwingen. Wieso reagiert Buffy diesmal nicht auf ihn? Er ist verzweifelt, viel verzweifelter als Buffy. Er mu├č sie noch h├Ąrter anfassen, er mu├č nur sie nur richtig dr├Ąngen und zwingen, dann wird es schon werden. Gewalt und Sex, das geh├Ârt bei ihnen doch zusammen (6x09 "Smashed"). Der letzte Versuch: Spike wendet Gewalt an.

Buffy - wie schon in der Szene mit Xander keineswegs voller Energie, sondern schwach und kraftlos - gelingt es nicht, ihre Slayerkr├Ąfte zu nutzen. Seelisch und k├Ârperlich ist sie dazu nicht in der Lage... Erst kurz bevor es zu sp├Ąt ist, kann sie ihre Kr├Ąfte noch mal b├╝ndeln und Spike von sich sto├čen. Buffy ist entsetzt. Spike ist entsetzt. Weil er Buffy verloren hat, aber auch wegen seiner Tat. Und hier spielt dann doch wieder das Gewissen und seine in den letzten Jahren ausgepr├Ągte menschliche Seite mit rein.

Spike hat Buffy verloren. F├╝r Buffys Verletzlichkeit und Verletztheit steht nach dieser Szene der f├╝r die H├Ąrte und Genesungskr├Ąfte einer J├Ągerin viel zu gro├če blaue Fleck an ihrem Bein.



In der Zwischenzeit spielt sich Warren in der Bar auf. Wie die anderen Nerds-Szenen z├Ąhlt diese hier zu den schw├Ąchsten der Folge. Xander erf├Ąhrt von Warrens Kr├Ąften, was man wohl f├╝r den weiteren Verlauf der Episode brauchte. Wir erfahren, da├č Warren - oh Wunder - ein Au├čenseiter an seiner High School war und von seinen Mitsch├╝lern geh├Ąnselt wurde. Das war's - mehr gibt die Szene nicht her. Da├č die Nerds sexgeile und gr├Â├čenwahnsinnige Nervens├Ągen sind, wu├čten wir schon. In punkto Charakterisierung liefert die Szene nichts Neues. Vielleicht mag es Zuschauer geben, die Andrew ganz witzig finden, aber Warren ist ├Ątzend anzusehen.

Warren ist der erste "Big Bad" (Oberb├Âsewicht), der einem nur fremd und unsympathisch ist. Die vorherigen Big Bads (kleine Ausnahme: Adam) waren einem irgendwie nahe. Man hat nicht unbedingt gewollt, da├č ihre Pl├Ąne in Erf├╝llung gehen, aber sie waren originell, herrlich-selbstverliebt oder einfach nur irre. Es hat Spa├č gemacht, sie zu sehen. Sei es der urb├Âse Meister mit seinem Familiensinn, die durchgeknallte Drusilla mit eifers├╝chtigem Spike und der Buffy und die Welt vernichten wollende Angelus, seien es der politik-satirische B├╝rgermeister mit seinem Hang zur Sauberkeit und seiner v├Ąterlichen Liebe zu Faith oder sei es die super-egozentrische Glory mit ihren "Minions" (= Dienern) und ihren so schr├Ągen und doch so wahren Monologen...

Vielleicht liegt die Abneigung gegen Warren (abgesehen davon, da├č er als Figur keine Begeisterung entfachen kann) auch daran, da├č Warren ein Mensch ist, w├Ąhrend die anderen Big Bads D├Ąmonen waren und sozusagen einen Freibrief zum "B├Âse-Sein" besa├čen: Diese D├Ąmonen hatten kein Gewissen, also kann man ihnen ihre finsteren Pl├Ąne nicht wirklich vorwerfen, w├Ąhrend es bei Mensch Warren einfach nur erschreckend anzusehen ist, wie skrupellos er t├Âtet und seine Spuren verwischt, wie absch├Ątzig sein Frauenbild ist, wie selbstverliebt und ha├čerf├╝llt und rachedurstig er ist. Er erweitert sicherlich das Spektrum der B├Âsewichter in "Buffy The Vampire Slayer", aber er ist kein Big Bad, ├╝ber den man in vielen Jahren in einem Anflug von Nostalgie schwelgen wird.



Spike ist in seiner Gruft mit Clem. Wieder einer dieser gelungenen Dialoge. Spike ist schon immer sehr fixiert gewesen auf seine Partnerinnen. Seien es Cecily Addams im Jahre 1880 oder Drusilla oder Buffy (siehe vor allem 3x09 "Lovers Walk" - Spike bezeichnet sich als "love's bitch"). Seine menschlichen Seiten (zum Beispiel Dawn besch├╝tzen, den Scoobies helfen) hat Spike gro├čteils wegen/f├╝r Buffy in Staffel 5 entwickelt, als ihm bewu├čt wurde, da├č er Buffy liebt oder zumindest in sie verliebt ist. Er mu├čte gut sein, da├č er bei Buffy eine Chance hat, da├č er an sie rankommt. Da├č Buffy ihn letztlich endg├╝ltig abgelehnt hat, stellt Spikes ganze "menschliche" Existenz in Frage. Er hat alles auf eine Karte gesetzt - ... und verloren. Seine menschlichen Z├╝ge k├Ânnen ihm nach Zur├╝ckweisung durch Buffy nur als j├Ąmmerlich, als Selbstverrat, als L├╝ge vorkommen. Spike hat versucht, jemand zu sein, der er nicht ist. Die Katastrophe war fast unausweichlich, vorprogrammiert.

W├Ąre es ihm gelungen, Buffy auf die dunkle Seite zu ziehen und alles Menschliche abzustreifen, w├Ąre f├╝r ihn alles in Ordnung gewesen. Nach Buffys Zur├╝ckweisung aber steht er irgendwie in der Mitte zwischen Licht und Schatten. Er ist weder Fisch noch Fleisch, weder Mensch noch Vampir. Spike steht an einem Wendepunkt. Seine vampirischen "Instinkte" werden nicht nur pausenlos durch den Chip unterdr├╝ckt, Spike hat nun nicht mal mehr etwas, wof├╝r es sicht lohnt, seine vampirische Natur nicht zuzulassen.

F├╝r Spike ist die Lage klar. Der Chip ist schuld an seinem Dilemma. Sp├Ąter schwingt er sich auf sein Motorrad. Raus aus Sunnydale. Es scheint so, da├č er nun - nachdem er es schon l├Ąnger nicht mehr probiert hat - erneut versuchen wird, seinen Chip loszuwerden.

Zeitgleich oder kurz vorher bek├Ąmpft Buffy Warren. Unter Mithilfe von Jonathan gewinnt sie die Schlacht, Warren kann jedoch fl├╝chten. Jonathan hat sich (endlich!) separiert und gegen seinen einstigen Kumpanen gewendet. Er und Andrew, dem die Flucht mi├člang, werden von der Polizei abgef├╝hrt. Und bei dem Gemurmel von Andrew, als sie ins Polizeirevier gebracht werden, ist es nicht verwunderlich, da├č im Fandom vermehrt spekuliert wurde, ob Andrew trotz vergangener Szenen, in denen ganz offensichtlich der Eindruck entstand, er stehe auf Frauen, schwul ist.



Buffy und Xander beim Entschuldigungsgespr├Ąch. Xander, der sich (typisch m├Ąnnlich) mit gespreizten Beinen auf die Gartenbank setzt und vor dem anstehenden Gespr├Ąch nerv├Âs mit dem Fu├č wackelt, w├Ąhrend sich Buffy langsam mit gefalteten H├Ąnden und geschlossenen Beinen so setzt, da├č sie Xander direkt zugewandt ist - Buffy, die eher Blickkontakt sucht als Xander. Wie detailgenau Nick Brendon und Sarah Michelle Gellar hier spielen, was man in die Gesten alles reininterpretieren kann - erneut eine gro├čartige Szene.

Auch die anschlie├čende Umarmung nach dem Gespr├Ąch wei├č zu gefallen. Buffy, die Xander mit den Fingern den Hinterkopf streichelt und dann nicht beide Arme um Xander legt, sondern nur einen, w├Ąhrend sie die Hand des freien Arms von vorne irgendwo auf den Bereich zwischen Xanders Brust und Schulter legt... Die Umarmung sieht (trotz des Gr├Â├čenunterschieds zwischen Brendon und Gellar) bequem und vertraut aus. Tolle Chemie zwischen den beiden Darstellern.



Warren kreuzt auf, stinksauer. Buffy, also ausgerechnet eine Frau, hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, seine Nezzla'khan-Kugeln zerst├Ârt, ihm so seine St├Ąrke genommen und auch noch den ├ťberfall auf den Geldtransporter versaut. Das schreit nach Rache. Warren zieht eine Pistole und schie├čt voller Zorn unkontrolliert in Buffys und Xanders Richtung. Buffy und Tara werden von Kugeln getroffen. Willow sieht buchst├Ąblich rot. Amber Benson wird sp├Ąter in einem Interview sagen, da├č sie und Sarah Michelle Gellar nach dieser Szene geweint haben.

In den zahlreichen Internet-Foren zur Serie gingen, als Staffel 6 in den USA lief, wilde Spekulationen bez├╝glich eines "Big Scooby Death" (=Tod von mehreren Scoobie-Gang-Mitgliedern) am Ende der Staffel um. Folge 19 ist die viertletzte Folge der Staffel...



Inszenatorisch beeindruckend an "Seeing Red" ist, wie real Gewalt dargestellt wird. Bei BtVS gibt es in nahezu jeder Folge Szenen, in denen entweder mit blo├čen H├Ąnden oder Pfl├Âcken, Schwertern, Pfeil und Bogen, hin und wieder auch mit modernen Schu├čwaffen (6x04 "Flooded", 2x10 "What's My Line Part II" ) gek├Ąmpft wird. Diese Kampfesdarstellungen sind aber fast immer ├╝berzeichnet, haben oft was Comichaftes, auf jeden Fall sind sie fernsehgerecht: Wenig Blut, man wei├č, da├č Buffy und Co. gewinnen, Buffy hat immer einen coolen "One-Liner" (= Einzeiler) auf den Lippen. Bis auf wenige Szenen (3x12 "Helpless", 5x16 "The Body" - Buffy hat gro├če Probleme, den Vampir im Leichenschauhaus zu vernichten) sind die K├Ąmpfe fern von echter, realer Bedrohung, wie sie jemand im wirklichen Leben versp├╝ren w├╝rde.

In "Seeing Red" wird Gewalt vor allem in den zwei umstrittenen Szenen auf einmal sehr untypisch dargestellt: Spike, der versucht, Buffy im Bad zu vergewaltigen (1), und die Schlu├čszene, in der Warren um sich schie├čt und Buffy und Tara trifft (2).

1.) Bis es Buffy endlich gelingt, ihre Slayer-Kr├Ąfte zu nutzen und Spike von sich zu sto├čen, wirkt sie verletzlich wie ein normales M├Ądchen. Keine Martial-Arts-Techniken, kein Selbstbewu├čtsein, coole Spr├╝che, sondern Hilflosigkeit, Schrecken und Angst. Es ist keine der Situationen in der Beziehung Buffy-Spike, in der Gewalt auch f├╝r Buffy sexuell stimulierend wirkt (6x09 "Smashed", Andeutungen wohl auch in 6x13 "Dead Things" (Handschellen)) - hier geht es - ganz real - um einen Mann, der es nicht ertragen kann, da├č seine Angebetete nicht mit ihm zusammensein/schlafen will, und der daher versucht, sie zu vergewaltigen.

2.) Das viele Blut von Buffy und Tara. Blut stand in der Serie zwar immer schon f├╝r Leben (Spike in 5x22 "The Gift"), aber es war irgendwie mystisch ├╝berzeichnet, bei den Vampiren hat es neben seiner Funktion als "Lebenssaft" einen erotisch-romantischen Anstrich gehabt (2x21 "Becoming" - Angel wird zum Vampir).

In "Seeing Red" ist es nur noch (man beachte den Folgentitel) "rotes" Blut: Willow, die wie in einem realistisch gemachten Kriegsfilm durch den Schu├č mit Taras Blut regelrecht "vollgespritzt" wird; Xander, der Buffys Schu├čwunde zuhalten will, es aber nicht richtig verhindern kann, da├č immer mehr Blut austritt und sich Buffys Pullover damit vollsaugt. Wir sind nicht mehr in einer mystischen Abenteuer-Vampir-Serie, wir sind pl├Âtzlich in einer perversen Realit├Ąt, in der wir die Folgen einer unglaublichen, von Menschenhand begangenen Tat betrachten m├╝ssen. Der Cliffhanger mit Willows roten Augen ("rot sehen", ganz im Sinne des Folgentitels), den Autor Steven S. Deknight - es war nicht seine Idee - noch so lobte, wirkt an dieser Stelle fast unpassend, ist die Szene vorher doch so abartig echt, da├č Magie in ihr keinen wirklichen Platz findet.