Buffy & Angel


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:: 6x06 All The Way
:: 6x07 Once More, With Feeling
:: 6x08 Tabula Rasa
:: 6x09 Smashed
:: 6x10 Wrecked
:: 6x11 Gone
:: 6x12 Doublemeat Palace
:: 6x13 Dead Things
:: 6x14 Older and Far Away
:: 6x15 As You Were
:: 6x16 Hell's Bells
:: 6x17 Normal Again
:: 6x18 Entropy
:: 6x19 Seeing Red
:: 6x20 Villains
:: 6x21 Two To Go
:: 6x22 Grave


Buffy Episodenguide


6x17 "Normal Again"

[Zwei Welten]


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Regie:
David Solomon
Drehbuch:
Diego Gutierrez

Hauptdarsteller:
Sarah Michelle Gellar (Buffy Summers)
Nicholas Brendon (Xander Harris)
Emma Caulfield (Anya)
Michelle Trachtenberg (Dawn Summers)
James Marsters (Spike)
Alyson Hannigan (Willow Rosenberg)

Gastdarsteller:
Amber Benson (Tara Maclay)
Adam Busch (Warren Meers)
Tom Lenk (Andrew Wells)
Danny Strong (Jonathan Levinson)
Dean Butler (Hank Summers)
Rodney Charles (Pfleger)
April Dion (Mädchen)
Kirsten Nelson (Lorraine)
Sarah Scivier (Krankenschwester)
Kristine Sutherland (Joyce Summers)
Michael Warren (Psychiater)

 Kurzinhalt
Buffy wird während eines Kampfes von einem Dämon mit einem riesigen Stachel in den Arm gestochen, was mehr als nur unangenehme Folgen für die Jägerin nach sich zieht...


 Inhalt
Als Buffy auf der Suche nach den Villains durch die dunklen Straßen von Sunnydale schleicht, weiß sie nicht, das sie ihren Ziel schon sehr nahe ist - aus ihrem Kellerversteck heraus bemerken die Annähung der Jägerin via Überwachungskamera, und schicken ihr zur Begrüßung einen großen Dämon entgegen.

Während sie sich gegen den Dämon verteidigt, gelingt es dem, sie mit einem großen Stachel, der aus seinem Arm herausgleitet, zu stechen. Abrupt befindet sich Buffy nicht mehr auf der Straße, sondern in einer Nervenheilanstalt. Statt eines Dämons wird sie von zwei Pflegern festgehalten, und der Stich im Oberarm rührt von einer Spritze her, die man ihr gerade verabreicht...

Auch die nächsten Tage erlebt sie immer wieder solche Halluzinationen. In einer Sekunde arbeitet sie im Doublemeat Palace, und wird von ihrem Chef gerufen, in der nächsten ist sie in der Anstalt und soll ihre Drogen verarbeicht bekommen. Dann steht sie wieder am Grill im Burgerladen, und muß feststellen, daß sie die Pommes verbrannt hat.

Auch während der Patroullie ereilen sie diese Wahnvorstellungen - oder sind es gar keine Wahnvorstellungen? Ist gar Sunnydale nur eine Fantasie? Denn in der Anstalt warten Buffys Eltern Joyce und Hank - nicht geschieden und beide lebendig - und sie hoffen seit sechs Jahren jeden Tag, daß es ihrer Tochter bald besser geht...


Für alle, die mehr wissen möchten, steht eine ausführliche Inhaltsangabe bereit.

 Episodenreview
von Jakob Sättler

Das Zimmer, in dem Buffy verängstigt und verstört auf dem Boden sitzt, sich in eine Ecke kauert... Alles ist weiß, bis auf die Fesseln am Bett. Joyce, die noch lebt, und Hank, der noch mit Joyce verheiratet ist. Buffys Eltern, die in Sorge um ihre Tochter sind... Sechs Jahre, die nur in der Vorstellung stattgefunden haben. Die Überbringung der (wie soll man das nennen) existenziellen und gleichzeitig Existenz-vernichtenden Wahrheit durch einen Arzt, der Buffy die Lüge ihres Vampirjägerinnen-Lebens darlegt, indem er ruhig und sachlich auf sie einredet... "Normal Again" ist vielleicht die beste Folge der Serie überhaupt.

Aber mal der Reihe nach.

Bruch mit dem Film

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, daß die Serie "Buffy The Vampire Slayer" nicht wirklich auf dem gleichnamigen Film von 1992 basiert, hier haben wir ihn. Die Einlieferung Buffys in eine Nervenheilanstalt hätte im Film auf jeden Fall vorkommen müssen, behandelte dieser im Gegensatz zur Serie doch genau die Zeit, in der Buffy ihren ersten Vampiren begegnete.

In der Serie kam diese Zeit immer nur in Rückblicken vor, vor allem in der Folge 2x21 "Becoming, Part I". Und wenn man sich Buffys Weinen nach ihrem ersten Vampirkampf im Badezimmer (während Joyce und Hank sich nebenan streiten) so vorstellt, muß man sagen: In diese Atmosphäre paßt die Einlieferung in eine Nervenheilanstalt gar nicht schlecht hinein.

Zwei gleichberechtigte Realitäten

Man muß allerdings sagen, daß Joyces Reaktion auf ihre erste Begegnung mit einem Vampir in 2x22 "Becoming, Part II" und ihr Verhalten in der anschließenden Konfrontation mit ihrer Tochter (die ihr gerade offenbart hat, sie sei eine Vampirjägerin) in Anbetracht der für den Zuschauer neuen Erkenntnis, daß Buffy schon mal wegen ihrer Vampirängste in einer Klinik war, im Nachhinein nicht mehr so ganz überzeugt.

Gut, wenn man das Buffyversum als die "falsche" Realität, als Buffys Imaginationswelt ansieht, dann paßt Buffys Begründung, ihre Mutter und ihr Vater hätten die Sache mit der Nervenheilanstalt im Laufe der Zeit vergessen, schon irgendwie - schließlich ist es Buffys Phantasiewelt, und da ist die Ausblendung dieses unliebsamen Ereignisses auch in den Gedanken der Menschen, die Buffy umgeben (die dann ja alle nur Kunstprodukte von Buffys Verstand/Unterbewußtsein sind), stimmig.

Sieht man das Buffyversum aber als die echte Realität an (und nimmt somit folgerichtig auch Buffys Nervenheilanstaltaufenthalt vor etwa 6 Jahren als Teil dieser Realität hin), dann hätte sich Joyce spätestens in 2x22 "Becoming, Part II" wieder an den früheren Klinikaufenthalt ihrer Tochter erinnern müssen - und sei es nur, daß sie sich bei Buffy entschuldigt, daß man ihr damals in LA nicht geglaubt hatte, als sie mit den Vampirgeschichten anfing. So etwas vergißt eine Mutter doch nicht. Eine Mutter, die so nur in Buffys Imaginationswelt existiert, vergißt so etwas möglicherweise (siehe der Absatz vor diesem hier), aber doch nicht eine "echte" Mutter.

Mit dem Gesagten könnte man nun annehmen, ich sei Anhänger der Theorie, daß das Buffyversum die unechte Realität ist (denn dann wäre ja soweit alles stimmig und logisch). Das bin ich aber nicht.

Ich glaube, die Autoren wollten uns zwei Realitäten präsentieren, die beide möglich sind. Eine Erkenntnis, wie sie "Normal Again" liefert, die alles noch mal in einem neuen Licht erscheinen läßt, wird immer hier und da das "Getriebe einer Serie" - sprich den "Plot" (= Handlung) - zum Knirschen bringen. Im Nachhinein läßt sich ein so schwerwiegendes Ereignis wie hier eine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt kaum vollkommen stimmig in eine Serie, die schon im sechsten Jahr läuft, einbauen. Daß es vor allem dann, wenn man das Buffyversum als echte Realität ansieht, zu Ungereimtheiten kommt, ist in meinen Augen kein ausreichender Grund zu sagen: "Dann muß das Buffyversum die unechte Realität sein und Buffys Anstaltsleben die echte!"

Die oberste Priorität der Buffy-Autoren beim Schreiben einer Folge oder Kreieren einer ganzen Staffel ist - soweit man das als Außenstehender einschätzen kann - nicht Stimmigkeit mit Vorherigem. BtVS hatte meines Erachtens immer andere Zielsetzungen, als ein einheitliches, perfekt ausgearbeitetes Universum zu schaffen (siehe u. a. die ungeklärten Fragen, wann eine Jägerin auftaucht, wie sie entdeckt wird, wie das mit anderen Dämonendimensionen ist). Daher sollte man kleineren "Plot Holes" (= Logikfehlern oder Handlungsfehlern) auch keine allzu große Bedeutung einräumen.

Die Zielsetzung dieser Folge war, zwei gleichberechtigte und gleich überzeugende Realitäten zu entwerfen. (Was damit bezweckt werden sollte, dazu unten mehr.) Von daher wäre es meiner Meinung nach verfehlt, nach möglichen, kleinen Fehlern zu suchen (so nach dem Motto: Was stimmt nicht, wenn das Buffyversum echt ist? Was stimmt nicht, wenn es die unechte Realität ist?), dann abzuwägen und sich so für die überzeugendere Realität (entweder Buffyversum oder die Anstaltsgeschichte) zu entscheiden.

Buffys Entscheidung und wie sie dazu kommt

Buffy sieht sich in "Normal Again" zwei Realitäten ausgesetzt. Nur eine der beiden kann echt sein, die andere ist bloße Imagination, ein Konstrukt ihrer Gedanken, eine Realitätsflucht. Nur welche Realität was ist, das weiß Buffy nicht. Die ihr nahestehenden Personen in beiden Realitäten versuchen, sie zu beeinflussen, sie auf ihre Seite zu ziehen. Und auch Buffy will die falsche Realität ausblenden, hinter sich lassen, endlich wieder vollständig in der echten Welt leben.

Buffy muß eine Entscheidung treffen, und das tut sie. Sie entscheidet sich für das Buffyversum, auch wenn es lange Zeit nicht so aussah.

Interessant ist, wie Buffy zu ihrer Entscheidung kommt. Ihre Mutter redet lange und behutsam auf sie ein in der Nervenheilanstalt, macht ihr Mut. Joyce sagt, daß Buffy so stark wäre, daß Buffy das Gefangensein in ihren Gedanken besiegen kann. Sie bestärkt Buffy, liebevoll, fürsorglich, wie eine richtig gute Mutter eben, die an ihre Tochter glaubt. Joyce will natürlich erreichen, daß Buffy sich vom Buffyversum lossagt... und erreicht das genaue Gegenteil.

Buffy hatte nach dem Tod ihrer Mutter in 5x16 "The Body" Zweifel. Wußte Joyce, daß Buffy sie liebte (5x18 "Intervention": das Gespräch mit Giles am Anfang der Folge)? War Buffy für ihren Tod verantwortlich, weil sie nicht schnell genug reagierte (5x17 "Forever": das Gespräch mit Angel)? Buffy fühlte sich überfordert mit der Aufgabe, für Dawn zu sorgen. Buffy empfand ihre Mutter immer als die starke Person im richtigen Leben. Buffy wußte nicht, ob sie auch so stark sein kann.

Indem Joyce wie oben beschrieben auf ihre Tochter in der Nervenheilanstalt einredet, räumt sie selbst einen Großteil dieser Zweifel Buffys aus. Buffy haben diese letzten Worte ihrer Mutter unendlich gut getan. Die Jägerin weiß nun, daß in der Stunde ihrer größten Selbstzweifel ihre Mutter da ist und an sie glaubt. Buffy hat die Möglichkeit, sich von ihrer Mutter, deren Tod ein so großes Loch in Buffys Leben gerissen hat, der so plötzlich kam, zu verabschieden.

Joyce zählt einige der Fähigkeiten auf, die Buffy als Jägerin ausgezeichnet haben: Stärke, Kraft und Kampfgeist. Mit dieser Rückendeckung durch ihre Mutter kann sich Buffy wieder ihrem Leben als großer Schwester und als Jägerin stellen. Irgendwie grotesk, daß Buffy in einer Parallelwelt (in einer, wie sie ja letztlich glaubt, falschen Realität) die Kraft findet, ihr Leben wieder zu leben.

Was diese Entscheidung für den Zuschauer bedeutet, was überhaupt der Zweck dieser zwei Realitäten ist, dazu komme ich jetzt.

"Normal Again" als Herausforderung für den Zuschauer

Auch wenn "Normal Again" die vielleicht schönste, herzerwärmendste Buffy/Joyce-Szene der gesamten Serie enthält, die Buffy/Willow- und Buffy/Spike-Dialoge mehr als gelungen sind und Buffy in der Folge auf dem Prüfstand steht, so stand doch nicht Buffy im Mittelpunkt der Folge.

Im Mittelpunkt dieser Folge stand der Zuschauer. Und erst das Einbeziehen des Zuschauers macht diese Episode, die ohnehin sehr gut ist, zu einer der besten der ganzen Serie.

Nicht nur Buffy steht vor dem Problem, sich für eine Wirklichkeit entscheiden zu müssen. Auch der Zuschauer wird vor diese Frage gestellt (nicht zuletzt durch die Schlußszene, welche die Buffy des Buffyversums ja gar nicht mehr mitkriegt). Die Punkte, die Buffy, bevor sie auf Dawn losgeht, aufzählt (eine Jägerin, die mit einem Vampir schläft, den sie haßt; allgemein Dämonen und Vampire) und die das Buffyversum in ihren Augen zu diesem Zeitpunkt lächerlich und unwirklich machen, sind im Grunde an den Zuschauer gerichtet.

Auch er wird mit einer Realität konfrontiert, die ihm zunächst sicher nicht gefällt. Ihm wird subtil, aber doch eindeutig vor Augen geführt, wie er selbst sechs Jahre lang (!!!) den Abenteuern eines Mädchens zugesehen hat, die völlig unwirklich waren, die bloß in der Vorstellung der BtVS-Autoren existierten, die aber mit dem wirklichen Leben nichts zu tun hatten, da sie dort so nie hätten passieren können.

Es geht in "Normal Again" im Endeffekt um die Frage, was Phantasiegeschichten für den Zuschauer bedeuten. Sind sie Zeitverschwendung, bei Überdosis gar eine gefährliche Realitätsflucht, die in einer Klinik endet, oder geben sie dem Zuschauer auch etwas, bringen sie ihn weiter? Die Meinung der BtVS-Autoren ist klar, entscheidet sich Buffy (die Figur ihrer Gedanken, die Figur, die sie geschaffen haben) doch für die Phantasiewelt und somit gegen die Realität. Ein wenig erinnert das fast an Ally McBeals Halluzinationen, die dem Zuschauer ja auch immer als eine das Leben bereichernde Macke der neurotischen Anwältin präsentiert werden. Oder an Michael Ende, der in der "Unendlichen Geschichte" Stellung dazu bezieht, wie wichtig das Traumland "Phantasien" für die Menschen ist.

Aber die Autoren gehen dabei nicht so platt vor, uns ihre Meinung aufzwingen zu wollen. Sie wollen uns nicht in irgendeine Richtung drängen. Bevormundung ist nicht ihr Stil. Sie lassen uns mit den beiden Realitäten am Ende von "Normal Again" allein. "Hier", sagen sie uns, "macht selbst was draus!" Buffy hat sich entschieden. Sie will Teil des Buffyversums bleiben, weiterhin gegen Dämonen kämpfen. Ob die Zuschauer (von denen viele mit Buffy aufgewachsen und erwachsen geworden sind) weiterhin an ihren Abenteuern teilnehmen wollen, ist ihre subjektive Entscheidung.

Die Schlußszene bietet jedenfalls sehr wohl die Möglichkeit, die Klinikrealität entgegen Buffys Entscheidung doch als die echte Realität anzusehen: Denn in dieser Szene ist Buffy nicht im Krankenhaus wiedererschienen, nur der Zuschauer, Buffys Eltern und der Arzt sind wirklich hier. Buffy weiß nicht, daß die Personen der Klinikrealität (und auch der Zuschauer) sie apathisch in einer Ecke sitzen sehen. All das kriegt Buffy nicht mit. Sie ist im Buffyversum geblieben.

Insofern unterscheidet sich die Schlußszene von allen anderen Krankenhaus-Szenen davor. In allen Szenen vorher waren Buffy und der Zuschauer gemeinsam in der Klinik - der Zuschauer begleitete Buffy sozusagen dahin - in der letzten Szene ist es nur der Zuschauer, der auf die "leere Hülle" von Buffy blickt. Buffy ist nicht bei ihm. Sie hat sich vorher für das Buffyversum entschieden. Sie ist ab dem Punkt ihrer Entscheidung fürs Buffyversum (am Ende der Folge) nicht mehr in der Klinikrealität anzutreffen.

Der Zuschauer aber erhält noch mal Einblick in die Klinikrealität, diesmal ohne Buffy. Und gerade das begründet die Möglichkeit, daß die Klinikrealität doch die echte sein könnte: Für Buffy ist die Klinikrealität am Ende von "Normal Again" vorbei, der Zuschauer aber sieht sie noch. Dieses eine Mal begleitet er Buffy nicht, in dieser Schlußszene ist der Zuschauer sozusagen von Buffy emanzipiert und sieht etwas, das Buffy nicht sieht.

Weitere Punkte zu "Normal Again"

  • Buffys häufiges Weinen kriegt eine ganz neue Bedeutung, wenn man ihre Abenteuer als Jägerin als die Gedanken einer psychisch-labilen Klinik-Patientin sieht...


  • Altbekanntes: Buffy, die (auf dem Friedhof) mal wieder schnippig gegenüber Spike ist und nicht mit ihm reden will, die vor der Realität flüchtet (hier in eine andere Realität, in 6x13 "Dead Things" glaubte sie, "falsch" aus dem Reich der Toten zurückgekommen zu sein), die durch gutes Zureden wieder dazu gebracht werden kann, an sich selbst zu glauben (hier durch ihre Mutter, in 6x15 "As You Were" durch Riley), Dawn, die sich (wieder oder immer noch) von ihrer Schwester verstoßen fühlt - all das hatten wir schon mal. Zwar vielleicht nicht immer so gelungen wie in "Normal Again" - aber im Grunde wiederholt "Normal Again" hier viel bereits Gesehenes.

    Vor allem, daß Dawn sich von Buffy verstoßen fühlt, dürfte so langsam wirklich jeder begriffen haben. Auch wenn es Sinn macht, dies in "Normal Again" noch mal zu zeigen - diese ewigen Szenen, die nichts wirklich Neues in Bezug auf die Beziehungen der Charaktere liefern, verärgern einen langsam, aber sicher. Es ist zwar wohl realistisch, daß Dawn dieses Gefühl über einen längeren Zeitraum hat. Somit ist sicherlich eine gewisse Rechtfertigung da, Dawns Empfinden in vielen Folgen darzustellen. Aber eine Serie verdrießt den Zuschauer, wenn sie zu lange auf der selben Stelle tritt (allgemein ein großes Problem von Staffel 6).


  • Sarah Michelle Gellar spielt sich mal wieder um Kopf und Kragen. Ihre Darstellung einer hilflosen, psychisch-kranken Patienten war einfach grandios. Das ging durch Mark und Bein.


  • Diego Gutierrez hat hier zum ersten und bisher einzigen Mal ein Drehbuch für BtVS geschrieben. Ansonsten ist er auch für die Serie tätig - die Schluß-Credits weisen ihn als Assistenten von "Show Runner" Joss Whedon aus.


  • In Amerika lief die sechste Staffel von Buffy parallel zur vierten Staffel von "Charmed". Die Charmed-Folge 4x07 "Brain Drain" behandelt eine ähnliche Thematik wie "Normal Again": Die Quelle versetzt ]Piper in ein tiefes Koma, in dem sie eine alternative Realität durchlebt... Angeblich sollte "Normal Again" nicht erst die 17. Folge der sechsten Staffel sein, sondern schon wesentlich früher angesetzt werden (so um Folge 10 rum). Aber weil gerade erst besagte Charmed-Folge im Fernsehen gezeigt wurde, entschloß man sich (wohl um nicht wie Nachmacher dazustehen), die Folge deutlich später in der Staffel anzusiedeln.

    In jedem Fall ist der Vorwurf, Buffy The Vampire Slayer würde bei Charmed "klauen", ziemlich aus der Luft gegriffen. Die Idee, daß der Zuschauer nicht weiß, welche von verschiedenen Realitäten die "wahre" ist, hat es nämlich schon lange vor Charmed gegeben. Es ist ein immer wieder auftauchendes Erzählmotiv in vielen Büchern und Filmen, den Zuschauer im Unklaren darüber zu lassen, was wirklich und was unecht ist. Oftmals werden Dinge im Nachhinein auch als Traum dargestellt.

    Zur Veranschaulichung ein paar Beispiele von Büchern oder Filmen, bei denen sich Welten vermischen, neue Realitäten auftauchen, alte als Traum oder Gedankenkonstrukt entlarvt werden oder Ähnliches: das Buch "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende, der Blockbuster "Matrix", das Musikvideo "Thriller" von Michael Jackson in der langen Version, der Film "A Beautiful Mind", die letzte Staffel der Comedy-Serie "Roseanne", der Film "Twelve Monkeys", vor allem aber wohl die "Deep Space Nine"-Folge 6x13 "Far Beyond The Stars", die ähnlich wie "Normal Again" den kompletten Hintergrund der Serie in Frage stellt.


  • Eine großartige Interpretation zur Folge, die sich nicht mit der Frage, welche Realität die richtige ist, beschäftigt, läßt sich hier finden. Der Autor dieser Interpretation, die leider englisch ist, stellt die beiden Realitäten gegenüber und zählt auf, was sie für Buffy bedeuten: Die Klinikrealität ist Schutz, Behütetsein, Buffys Mutter lebt, Buffys Vater hat sie nicht verlassen, Buffy kann hier Kind sein, hat keine Pflichten, man kümmert sich um sie. Das Buffyversum hingegen bedeutet für Buffy: Ihre Mutter ist tot, ihr Vater hat sie alleingelassen, sie ist allein mit der Aufgabe, sich um Dawn zu kümmern, Buffy hat Geldsorgen, und selbstverständlich ist da noch die Last der Welt, mit der sich eine Jägerin tagtäglich rumschlagen muß.

    Fast gibt Buffy der verlockenden "Asylum"-Realität ("Asylum" = psychiatrische Klinik, aber auch ein anderes Wort für "sanctuary" = Schutzgebiet, Schutz, Zuflucht) nach. Doch durch die Worte ihrer Mutter findet sie nach Meinung des Autoren die Kraft, sich von dem Wunsch nach etwas, was niemals sein kann, zu lösen. Bildlich gesprochen: Nicht Buffy war in einer Klinik, sondern die Klinikrealität war in Buffys Kopf, sie steht für ihre unerfüllten Sehnsüchte und Wünsche - seit dem Tage, als Buffy zum ersten Mal von ihrer Bestimmung erfahren hat. Deswegen ist die Klinik in der Schlußszene auch noch zu sehen. Sie ist immer noch in Buffys Kopf, nur daß Buffy die Tür zu diesem "Raum", in dem die Klinik ist, geschlossen hat. Buffy kommt ein großes Stück voran, sie akzeptiert das Leben, was sie hat. Sie ist bereit, die wirkliche Welt - das Buffyversum - zu meistern. Insofern steht "Normal Again" im Tenor von Staffel 6: "Growing Up!" Buffy wird in dieser Folge "erwachsen".