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Zeitschriften / Magazine



Ronald M. Hahn, Michael K. Iwoleit & Olaf G. Hilscher (Hrsg.)

Nova Ausgabe 6

rezensiert von Thomas Harbach

Die sechste Ausgabe von „Nova“ beschließt das Jahr 2004. Gekennzeichnet von der Erweiterung auf europäische Autoren –diese werden mit einem Schwestermagazin ein eigenes Forum in Englisch erhalten- liegt der Schwerpunkt weiterhin auf deutschen Kurzgeschichten. In den letzten beiden Jahren hat sich ein fester Mitarbeiterstamm herausgebildet, die präsentierten Geschichten werden von Zeichnern wie Herausgeber Olaf G.Hilscher, Gabriele Reinecke, Michael Wittmann oder Matthias Klaus in unterschiedlichen grafischen Stilrichtungen illustriert. Dazu zwei oder drei sekundärliterarische Beiträge und in Nova 6 ein persönlicher Nachruf von Ronald M. Hahn auf Thomas Ziegler runden das bewährte Konzept ab.

Jan Gardemanns „Ein Abschiedsgeschenk von der Erde“ beginnt mit dem unbestimmten Gefühl, dass die hier aufgebaute Szenerie falsch ist. Auch im Laufe der Geschichte verlässt den Leser diese Unbeständigkeit nicht. Am Ende finden wir hier eine routiniert geschriebene Story mit einer in dieser Kombination nicht nachvollziehbaren, konstruierten Pointe und wenig überzeugenden Charakteren. Zu viele Elemente drückt Jan Gardemann eher in den Kontext als das sie zusammenfließen.

Holger Eckardts Multichannel Satire „ Gröschifuaz, ein Sommernachtstraum“ verliert im bitteren und geschmacklosen Ende seine ironische Schärfe. Eine „Traumschiff Surprise“ Episode, die heute Alibipolitikern wie Arnold Schwarzenegger in die Schuhe schieben könnte.

Marc-Ivo Schuberts „Vollbackup“ ist eine unterhaltsame ans Film Noir angelehnte Geschichte, deren Pointe viele Möglichkeiten offen und damit den Leser fast im Regen stehen lässt. Bis auf den Hauptprotagonisten wirken die anderen Figuren einen Hauch zu stereotyp, um in den gefährlichen Situationen den Leser an sich zu binden. Trotzdem überzeugt die geradlinige Handlung, während Thomas Wawerkas Spiel zwischen Realität und Illusion – „Hippokratisches Gleichnis“- den Leser lange im Dunkeln verharren lässt. Hat der Flug zum Mars stattgefunden oder nicht. Die Einführung fordert den Leser zur mehrmaligen Lektüre auf, doch dazu wirken die hier aufgestellten Theorien nicht komplex genug, die Charaktere zu undefiniert und das offene Ende all deutlich konstruiert.

Zielstrebig führt Robert Kerber seine „Fremde Lebensform hinter Glas“ ihrem unvermeidlichen Schicksal entgegen. Von der Arroganz der Götter in weißen Wissenschaftskitteln bis zu den Folgen rücksichtsloser Forschung, der Erkenntnis, dass das Ergebnis nicht immer , sondern ganz selten den Weg rechtfertigt. Unterhaltsam zwischen Ironie und Sarkasmus schwankend liefert der Autor eine leicht zu lesende, interessante Arbeit ab.

Michael K. Iwoleits Geschichte „Die letzten Tage der Ewigkeit“ beginnt wie eine Stereofassung von „Gattaca“. Zwei Freunde streiten sich um eine Frau und wer mehr aus sich macht, die bessere Karriere zusammenschmiedet, dem soll die holde Schöne gehören. Daraus entwickelt sich ein ungleicher Wettstreit, denn während Christopher als waghalsiger Testpilot im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, verdingt sich Boyd als Wissenschaftler. Als sich die Waage unabänderlich zur einen Seite neigt, kommt Boyd eine alle Theorien und Forschungen auf den Kopf stellende Erkenntnis. Was die Schaffung eines Schaffung eines Gottes mit den letzten Tagen der Ewigkeit zu tun hat, muss der Leser in dieser sehr kompakten, konzentriert geschriebenen und gelungen geplanten Story selbst erkennen. Zu Beginn entwickelt Iwoleit die Exposition mit der Gelassenheit und im Plauderton eines erfahrenen und selbstsicheren Autoren. Die größte Schwierigkeit ist es für den Autoren, die wissenschaftlichen Komponente anschaulich in seine Menage de Trois Situation zu übertragen und diese befriedigend aufzulösen. Die gewählte Lösung wirkt zu distanziert und trotz der enormen wissenschaftlichen Anstrengungen simpel effektiv. Was bleibt ist eine der besten Geschichten dieser „Nova“ Ausgabe, die unterstreicht, dass Iwoleit inzwischen wieder zu den innovativsten SF Autoren Deutschlands gehört, dass er auch die nachdenkliche Schwere seiner früheren Geschichten abgelegt hat.

Mit der überarbeiteten Geschichte „Die Unsterblichen sind traumlos“ von Erst Vlcek schlägt Nova den Bogen zu einem der bekanntesten österreichischen Fanzines- dem Pioneer. In verschiedenen Interviews berichten Mommers und Vlcek, dass die intensive Beschäftigung mit den selbstverfassten Geschichten und die kritische Auseinandersetzung mit den Texten der anderen Fans eine gute Schule für angehende Profis gewesen ist. Geschickt führt der Autor seine Leser mit der Nutzung der Schatten , den Unsterblichen- ?- , in die Irre. Er baut auf der Erwatungshaltung der Leser auf und zieht dann mit fast sadistischer Freude den Teppich unter den Füßen weg. Zum Schluss mit einem starken Bild kombiniert er Ende und Neuanfang , der Kreis hat sich geschlossen. Im Gegensatz zu seinen späteren Romanen wirkt die Geschichte stilistisch trotz der Überarbeitung steif und stockend. Auf der anderen Seite integriert der Autor allerdings in die Kürze des Textes viele interessante Ideen und Sichtweisen. Eine lohnenswerte Wiederentdeckung.

Nach Kroatien steht die junge SF Szene Israels im Mittelpunkt dieser Ausgabe. Guy Hasson berichtet kurz und knapp über das expandierende Fandom. Dabei interessiert viel mehr, was er nicht schreibt- welche Rolle könnte utopische Literatur in einem derartigen politischen Pulverfass spielen ? Vielleicht könnten die Geschichten oder die Cons ein klein bisschen helfen, die Kluft zwischen den Völkern zu überwinden. Aber soweit ist das Land anscheinend noch nicht.
Seine rührende Kurzgeschichte „Alles was ich bin“ ist eine zunächst unterhaltsame, dann nachdenklich stimmende und schließlich beängstigende Vision tiefster Menschlichkeit. Was als launisches Experiment beginnt endet in Furcht, Wut und zerschmettert die Illusion, dass sich Liebende aufeinander zu bewegen sollte. Dank des Computers ist es jetzt möglich, nur das „Beste“ eines Menschen immer für sich zu haben.

Im sekundärliterarischen Teil ragt Florian Marzians Gasteditorial heraus, in dem er die Vergewaltigung der amerikanischen/englischen Originale durch deutsche Synchronsprecher anprangert. Er hat im Kern recht, seine Kritik lässt sich auf alle Sparten deutscher Schrift und Sprache ausdehnen. Bedenken muss man, dass ein vernünftig bezahlter Übersetzer oder eine gute und entsprechend bezahlte Synchronleistung bei den in alle Richtungen steigenden Preisen wahrscheinlich der letzte Nagel auf dem Sarg ist. Da helfen nur die Originalausgaben oder deutsche Autoren.
Marcus Gebelein setzt sich in „Das Dahinscheiden der Menschheit war mein Thema“ mit Dan Simmons Hyperion über weite Strecken geschickt, dann in Bezug auf die Verfilmung polemisch und bei der Übersetzung kritisch –siehe Editorial- auseinander. Dank seiner Kritik wird vielleicht eine weitere Lesergeneration auf den Geschichtenerzähler im positivsten Sinne
Dan Simmons aufmerksam.

Mit acht teilweise sehr lesenswerten Kurzgeschichten, die das gesamte Spektrum der Science Fiction zumindest anreißen, wenn nicht abdecken können, ist die vorliegende sechste Ausgabe eine empfehlenswerte Anschaffung für Freunde deutscher Kurzgeschichten. Zusammen mit Mommers „Visionen“ im Sahyol Verlag hat sich nach der kompletten Einstellung der umfangreichen Jeschke Anthologien im Heyne Verlag –eine Mischung aus internationalen und nationalen Autoren - zumindest wieder ein Forum etabliert, in dem die kürzeren Texte eine neue Heimstatt gefunden haben. Wie in den USA ist es einer Handvoll fanatischer Profis zu verdanken, dass diese vom Aussterben bedrohte literarische Art in diesen Reservaten sich langsam wieder erholen kann.

Ronald M. Hahn, Michael K. Iwoleit & Olaf G. Hilscher (Hrsg.): "Nova Ausgabe 6"
Magazin, Softcover, 178 Seiten
Verlag 1 (als Book on Demand) 2004

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