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Zeitschriften / Magazine



Hebben, Hilscher und Iwoleit (Hrsg)

Nova 19

rezensiert von Thomas Harbach

Die Nummer 19 ist die Abschiedsausgabe von Ronald M. Hahn, der als Herausgeber zurücktritt und sich aufs Altersteil zurückzuziehen beginnt. Ronald M. Hahn wird am Ende der vorliegenden ersten auch als E- Book erhältlichen „Nova“ Ausgabe in einem besonderen Memorandum zahlreicher Autoren ein besonderes Dankeschön überreicht. Santana Raus hat ein schönes, aber nicht herausragendes Titelbild gemalt.


Norbert Stöbes “Schwarze Schwäne” ist eine frustrierende Geschichte. Die Grundidee erinnert an eine interessante Variation des “Picknicks am Wegesrand”, mit einer gigantischen unbeweglichen, nach oben offenen Kugel, die eine Unzahl von verblüffend menschlich erscheinenden Gegenständen “ausspuckt”. Ein Wissenschaftsteam forscht schon seit vielen Jahren. Die inzwischen sterbenskranke einzige wahre Liebes eines der Forscher erscheint in der abgelegenen Taiga, um sich noch einen Wunsch zu erfüllen. Nach der Lektüre hat der Leser das unbestimmte Gefühl, als stehen sich Grundidee und Ausführung feindselig gegenüber. So feindselig, dass Stöbe sich geweigert hat, der Geschichte ein zufrieden stellendes Ende zu geben. Die Kugel ist eine Art MacGuffin, mit welcher der Autor nichts anfangen möchte, während die Figuren eindimensional und klischeehaft geschnitzt worden sind. Aus der Prämisse hätte eine sehr lesenswerte Novelle entstehen können.

“Konsumjunkie” aus der Feder Frauke Gimpel behandelt eine nicht unbedingt neue Idee. Perfekter und vor allem kostenloser Konsum unter Einhaltung der Spielregeln einer kapitalistischen Gesellschaft, die mehr und mehr zu einem Alptraum für ihre Bewohner wird. Die ewigen Werbeslogan sollen sicherlich auf unsere von Produktplacement durchdrungene Gesellschaft hinweisen. Das Problem dieser Geschichte ist, das der Plot zu simpel gestrickt und viel zu viel Wert auf das “Äußere” und damit der Werbung folgende gelegt wird als das die Autorin eine zufrieden stellende Geschichte mit in diesem Fall sympathischen Protagonisten erzählt, mit denen der Leser sich nicht unbedingt identifizieren muss, aber zum besseren Verständnis identifizieren sollte.

Schon die Illustration weißt auf das Thema von Arno Behrends „Die ganze Wahrheit“ hin. Die Idee, dass mittels Zeitsonden die wahren Hintermänner beim Kennedyattentat entlarvt und die ganzen Verschwörungstheorien in Luft aufgelöst werden, wird Amerikaner mehr als Europäer faszinieren. Das kurz vor der entscheidenden Pressekonferenz die für die Zeitsonde und deren Ergebnisse verantwortlichen Männer bei Attentaten verletzt bzw. ermordet werden, soll die Spannung erhöhen. Die Auflösung ist auf den ersten Blick verblüffend, auf den zweiten Blick absurd. Wenn Arno Behrends Prämisse Schule machen würde, dann herrschen in der Gegenwart Zustände wie im Chacago der dreißiger Jahre, die Einzelhändler würden die Supermarktketten in die Luft sprengen, die Ketten gingen gegen die Server der Internetfirmen vor und die städtischen Beamten gegen jegliche Aktivitäten. Stilistisch nett geschrieben, aber die wenig originelle Grundidee wird mit einer uninteressanten Handlung kombiniert. Wilfried Bienecks „Schlafende Hunde“ geht in eine ähnliche Richtung. Aus den siebziger Jahren heraus muss die Zeit bis in unsere Gegenwart wie ein gigantischer Roman eines Verrückten vorkommen. Das Problem an dieser kurzen, humorvollen Geschichte ist, dass der lakonisch frech geschriebene Anfang nicht unbedingt zu der bösen Pointe passt und der Leser nicht weiß, was aus der „Erfindung“ schließlich geworden ist.

Matthias Falkes lange Geschichte „Der Bruch der nordwestlichen Stelze“ ist einer der Höhepunkte der vorliegenden „Nova“ Ausgabe. Das klassische, weit hergeholte Science Fiction Szenario entfaltet sich vor dem Leser auf einer ausgesprochen persönlichen, sehr intimen Ebene. In der ersten Hälfte des Textes versucht man die vordergründigen Klischees – Eiszeit, harter Überlebenskampf weniger hundert Millionen Menschen auf dem Planeten – bekannten Szenarien zuzuordnen, bis Falke ein Szenario offenbart, das sehr positiv an den Gigantismus der frühen „Perry Rhodan“ Romane der Ära Scheer erinnert. Der Ich- Erzähler begleitet seine Ex- Freundin auf der Fahrt durch die Eisflächen zu ihrer schwer kranken Mutter, die in einer der unter Kuppeln befindlichen Siedlungen lebt. Auf der Fahrt haben sie eine Panne und suchen Zuflucht in einer sehr kleinen Kuppel, die sich nicht nur als urige „Kneipe“ für Durchreisende entpuppt, sondern deren auf den ersten Blick alter Patriarch sehr viel mehr über die Ereignisse der letzten zwanzig Jahre der fortschreitenden Eiszeit weiß als er anfänglich zugeben will. Der Leser bekommt die meisten Informationen in Form teilweise hektischer Zwiegespräche, in denen Matthias Falke vielleicht ein wenig überambitioniert den Bogen von leicht diktatorisch zum Wohl des ganzen Volkes agierenden Demokratien über die klassische Diktatur bis zum Anarchismus spannt. Immer mehr Kuppelstädte versuchen sich von der Union zu lösen und in der unwirtlichen Umgebung autark zu überleben, ohne das sie den Zweck der Union im Allgemeinen noch erkennen oder den Nutzen eines gigantischen auf Stelzen befindlichen Atomkraftwerkes. Der Titel der Geschichte bezieht sich nicht unaktuell auf einen Unfall an dem Meiler. Die nordwestliche Stelze ist gebrochen, der über früheren Wasser und jetzigen Eis stehende Reaktor drohte abzustürzen, was neben der Verseuchung für ein geheimnisvolles größeres Projekt bedeutet hätte. Dank Falkes dreidimensionalen Protagonisten, deren Ecken und Kanten überzeugend ausformuliert worden sind, ermüden die intellektuellen sich um die Quadratur des Kreises drehenden theoretisch politischen Diskussionen nicht. Sie stehen im Gesamtkontext der zugrundeliegenden Idee, die im Grunde undurchführbar, verzweifelt und das Aussterben der Menschheit nur aufschiebend erscheint. Das Ende der Geschichte ist angesichts seiner Abruptheit ein wenig unbefriedigend. Zusammengefasst eine lesenswerte Geschichte mit gut extrapolierten Ideen und wie schon angesprochen nicht unbedingt sympathischen, aber opportunistisch überzeugenden Charakteren, in die sich der Leser aufgrund des etwas phlegmatischen Auftaktes allerdings hineinarbeiten muss.

Die etwas absurde Suche nach dem richtigen Partner bzw. entsprechendem Ersatz behandeln die beiden folgenden Geschichten von Bernhard Kempen „Die Traumfrau“ und Nadine Bouton „Ich bin nicht ich“. Auch wenn die zweite Story etwas abwechselungsreicher konzipiert ist, liest sich Kempens Text besser. „Ich bin nicht ich“ springt zu sehr zwischen den Handlungsebenen hin und her, während Kempen eine Reihe von bekannten Klischees inklusiv eines zuckersüßen und für den Autoren eher untypischen Ende abarbeitet.

Martin Rumpfs „Die außerirdische Mutter“ behandelt das First Contact Thema im Rahmen einer Talkshow. Die Handlung wird ausschließlich in Interviewform mit entsprechenden Hintergrundregieanweisungen erzählt. Durch die nur vordergründig intime Nähe zu dem unsympathischen, von Ödipuskomplexen geplagten Charakter wirkt der Text noch sperriger und erzähltechnisch langweiliger als die wie bei Kempens Geschichte bekannte Idee suggeriert.

Gabriele Behrend versucht sich in „Lebendfleisch“ an einem Trip in die angeschlagenen Psychen, der sich erst im Verlaufe der eher sprunghaften Handlung als neuartige, natürlich bislang wenig erprobte Behandlungsmethode herausstellt. Die Kraft ihrer auch sprachlich überzeugenden Bilder kann die Autorin nicht durchhalten, gegen Ende mit weitergehenden aber subjektiven Erläuterungen verliert „Lebendfleisch“ ein wenig an Faszination, auch wenn sie in der Kombination herausfordernder Erzählstil in Kombination mit einigen guten, sehr überzeugend in die Handlung integrierten Ideen zu den besseren Texten dieser durchwachsenden „Nova“ Ausgabe gehört.

Niklas Peineckes „Ein Augenblick Äon“ ist erzähltechnisch eine Herausforderung, der zumindest auf den ersten Blick kein adäquater Inhalt gegenüber steht. Das Experiment gefällt entweder einem Leser oder es gefällt einem nicht. Allegorien auf die menschliche Zivilisation inklusiv eines ungewöhnlichen Happy Ends scheinen zu weit gegriffen. Wie die folgenden beiden Beiträge wirkt Peinecks „Ein Augenblick Äon“ eher wie eine verspielte Suche nach einer neuen erzähltechnischen Variante als ein abgerundeter Text. Reine Geschmackssache und deswegen auch schwer zu greifen.

Der internationale Beitrag ist Paul L. Methews „Genieß die Stille“. Stilistisch überambitioniert versucht Methews die wenigen nicht immer originellen Ideen hinter einer Pseudofassade aus verschiedenen Stilmustern zu verstecken. Anscheinend geht es zum einen um Invasoren, die durch eine neue Idee angelockt werden und zum anderen um Methews Liebe zu Katzen im Allgemeinen wie im Besonderen. Wie eine Reihe anderer Geschichten dieser „Nova“ Ausgabe stand experimentieren über erzählen. Da die Experimente eher langweilig geworden sind, wirken die Versuche, statt solider, origineller und interessanter Handwerkskunst etwas Abstraktes zu bieten fast verzweifelt.
Auch die Klassikergeschichte von Wolfgang G. Fienhold bleibt in dem Versuch stecken, verschiedene Fragmente zu einem Ganzen zu ordnen. Einzelne Teile wirken interessant, am Ende zerfällt die Geschichte wieder in ihre einzelnen Komponenten, von denen keine einzige wirklich innovativ oder neuartig ist.

Das „Nova“ Special „Good bye Ronnie!“ wirkt ein wenig befremdlich, denn Ronald M. Hahn ist erstens nicht tot und zweitens zieht er sich nur langsam in den Unruhestand zurück. Er hat als Mädchen für alles bei NOVA aufgehört. Während die ersten Widmungen insbesondere von Michael Iwoleit und Mitherausgeber Hilscher oder Horst Pukallus mit dem Menschen Hahn an erster Stelle und seinem Werk/Einfluss an zweiter Stelle auseinandersetzen, konzentrieren sich Franz Rottensteiner und Rainer Eisfeld mehr auf die Geschichte des Fandom sowie Hans- Ulrich Böttcher auf die Geschichte des Kurd Laßwitz Science Fiction Preises, den Hahn insgesamt sechsmal gewonnen hat. Die Artikel sind alle sehr lesenswert, wobei persönliche Anekdoten - Herrmann Ritter sei hier besonders hervorgehoben - und kritische Ambivalenz - diese Aufgabe übernimmt natürlich Franz Rottensteiner - gut gegeneinander aufgewogen sind. Viele ältere Fans in erster Linie der Generation one werden die Geschichten um die „Science Fiction Times“ und den „Kurd Laßwitz Preis“ kennen, für jüngere Leser ist es ausgesprochen interessant, die nicht immer einfache Geburt oder bei der „Science Fiction Times“ die Höhen und Tiefen in einer Vorinternetzeit zu verfolgen. Was bleibt ist eine Liebe zur Science Fiction und der schmale Grad zwischen Affront und Satire, auf dem sich Ronald M. Hahn als Schriftsteller, Agent, Herausgeber und schließlich auch kundige Sachbuchstimme bislang bewegt hat. Die vielen Fotos aus den bewegten Bierzeiten sprechen für sich und erinnern an eine Reihe von inzwischen leider zum Teil viel zu früh verstorbenen Persönlichkeiten des Fandoms.
„Nova 19“ ist von einer auch stilistisch breiten Anzahl von Zeichnern überwiegend sehr zufrieden stellend illustriert worden. Christian Günther, Christoph Jaszczuk, Jessica May oder Gloria Manderfeld - um nur einige wenige zu nennen - leiten die in dieser Ausgabe eher durchschnittlichen Geschichten sehr stimmungsvoll ein. Zusammenfassend überzeugen in erster Linie die bodenständigen Science Fiction Geschichten, die ihre Ideen durch dreidimensionale Charaktere untermauert geradlinig erzählen, während die experimentellen Texte zu wenig fokussiert und zu unnötig verspielt erscheinen. Eine durchwachsene Ausgabe, die neben den zahllosen Geschichten aus den sechziger/siebziger und achtziger Jahren des deutschen Fandoms (hier sei Rainer Eisfeld noch einmal besonders erwähnt) in erster Linie auf der graphischen Ebene zufrieden stellt.

Hebben, Hilscher und Iwoleit (Hrsg): "Nova 19"
Anthologie, Softcover, 221 Seiten
BOD 2012

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