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Zeitschriften / Magazine



^Rene Moreau

Exodus 27

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Exodus 27“ liegt dieses Mal keine reine Themenausgaben wie zum Beispiel „Die neuen Menschen“ vor. Die insgesamt elf Geschichten - die Herausgeber zählen auch Erik Simons Gedanken zur Phantastik der Eheleute Braun zu den Stores - werden in bekannter Manier von sehr guten, in unterschiedlichen Techniken erstellten teilweise farbigen Graphiken begleitet. Im Gegensatz zu den manchmal teilweise flammenden Vorwörtern ist das Editorial fast pflegeleicht. Im Mittelpunkt des graphischen Parts stehen die Welten des Crossvalley Smiths, einem unter Pseudonym veröffentlichenden Computergraphikkünstlers. Klaus N. Frick führt in dessen Arbeiten ein, wobei er die künstlerischen Aspekte von am Computer entstandenen Zeichnungen heftig und kontrovers für sich selbst diskutiert. Das anschließende Interview mit dem Graphiker ist deutlich aufschlussreicher und zeigt einen konträren Standpunkt. Crossvalley Smith unterscheidet zwischen dem technischen Hilfsmittel Computer und dem weiterhin vorhandenen künstlerischen Auge, die zusammenwirken müssen. Die in Farbe und exzellenter Druckqualität wiedergegeben Graphiken geben einen sehr guten Überblick über das Werk Crossvalley Smiths, wobei der Hinweis auf dessen Homepage mit 56 Bildwerken zu Motiven der „Raumpatrouille Orion“ - einige wenige Arbeiten werden stark verkleinert und in schwarzweiß ebenfalls dem Interview beigefügt - das künstlerische Spektrum noch stark erweitert. Seine außerirdischen Welten wirken exotisch und sind phantasievoll gestaltet. Die Kombination aus fotorealistischen Motiven - siehe auch das eindrucksvolle Titelbild - und kreativer freigeistiger Gestaltung funktioniert nicht immer perfekt. Manchmal wird das Auge zu sehr zu den integrierten „Fotos“ gelenkt und die Phantasie plötzlich wieder auf eine zu realistische Ebene zurückgeführt. Zusammengefasst sind die Graphiken aber eindrucksvoll und diese Werksschauen geben den einzelnen „Exodus“ Magazinausgaben ihren besonderen hervorzuhebenden Flair.


Reinhard Kleindl eröffnet den Reigen der Geschichten mit der in Briefform erzählten „Grüße aus der Behörde“. Der Beamte hat sich die Welt Untertan gemacht. Die Naturgesetze werden manipuliert, die bekannten Formeln aus allen Bereichen von der Physik über die Mathematik bis schließlich in einer Art ironischen Nachspiel der Wahrheit werden vereinfacht, begradigt. Der Ich- Erzähler schreibt seiner Mutter von einer Jagd auf einen Einbrecher durch die verschiedenen Abteilungen, die schließlich in einem visuell gut beschriebenen Moment am Fuße des Elfenbeinturms endet. Solide geschrieben, wenn auch die Briefform der grundlegenden Spannungskurve eher abträglich ist, präsentiert sich Kleindls „Behörde-gegen-alles“ Satire als ein lesenswerter Auftakt.
„Mnemosyne“ aus der Feder Martin Schemms versucht eine inzwischen im Rahmen der Science Fiction weit verbreitete Idee – Gedächtnisbackuplösungen – aufzufrischen. Dabei sind die Ansätze – Werbesprüche – gar nicht schlecht, aber die Umsetzung gipfelt schließlich in einer unbefriedigenden Auflösung – trotz aller Backups bleibt das Gedächtnis menschlich fehlerhaft – und wirkt in der vorliegenden Form ein bisschen unfertig. Eine relativ lange Einführung, in welcher der Autor den Protagonisten vorstellt, danach ein zufrieden stellender Schwenk auf das Leben danach, bevor Schemm unnötigerweise noch ein wenig Spannung in den ansonsten zufrieden stellenden Handlungsverlauf zu integrieren sucht. Viele gute Ansätze wie die Gegenfinanzierung der teuren Behandlung wirken eher theoretisch extrapoliert, während das Potential einer induzierten Schleichwerbung frustrierend oberflächlich gestreift worden ist. „Mayday“ von Wolf Welling versucht sich auch an einem älteren Sujets des Genres: nach der Sprachüberwachung durch implantierte eZecken ist natürlich der nächste logische Schritt die Überwachung der Gedanken. Aus dieser grundlegenden guten Ausgangsposition macht Welling zu wenig, in dem er dem Leser ein eher unbefriedigendes Ende anbietet, mit dem sich der Autor aus der Verantwortung hinsichtlich der schwierigen Position heraus stiehlt, in welche er seinen solide charakterisierten Protagonisten gebracht hat.
„Spritzenkinder“ von Verena Wolf variiert Ideen aus John Wyndham klassischem Roman „Dorf der Verdammten“. Nur züchtet der Mensch seine nächste Generation selbst. Stilistisch extrem distanziert und kompakt erzählt bietet die Geschichte zu wenige wirklich originelle Ideen an. Der Leser kann das Ende schon lange im Vorwege erkennen, wobei es sich die Autorinnen durch den gänzlichen Verzicht auf wissenschaftliche Erklärungen zu einfach macht. Auch scheinen die Folgen der Injektion bei Totgeburten und im Grunde aus Versehen nach der Geburt für tot erklärte Kindern gleich zu sein, obwohl unabhängig von den moralischen Implikationen die biologischen Abläufe gänzlich anders sind. „Gefressen!“ von Hans Jürgen Kugler ist eine weitere Variation bekannter Ideen. Die virtuelle Realität als Ausdruck einer neuen „Freiheit“. Anfängliche Dinosaurierspiele führen schließlich zu erotischen Irrealitäten, aus denen der Protagonist sich fast nicht mehr alleine befreien kann. Stilistisch solide, aber unauffällig offeriert Kugler dem Leser keine neuen Ideen und folgt den Prämissen, welche der Cyberpunk vor fast einer Generation aufgestellt hat.

Frank Neugebauer gibt selbst zu, dass er wenig über Afrika weiß. Trotzdem hat er versucht, die Rassenkonflikte und der Aberglaube der laut seiner Ansicht unteren Schichten des schwarzen Kontinents in seiner Geschichte „Kindersoldat Rinti“ auf eine Science Fiction Ebene zu extrapolieren. Dabei wirkt der Text überambitioniert und in jedem Abschnitt belehrend. Die episodenartige Struktur hilft nicht, die einzelnen Charaktere – insbesondere den Kindersoldaten Rinti – nur ansatzweise kennen zu lernen. Auf der einen Seite sucht Frank Neugebauer seinen Charaktere als eine Art gleichgeschaltetes, emotional abgetötetes Rädchen in einem im Grunde außer Kontrolle geratenen Getriebe zu beschreiben, auf der anderen Seite isoliert er die Figur zu sehr, entfremdet sie überdurchschnittlich vom Leser und verliert dadurch den kritischen Kern seiner von Mahnungen/ Botschaften getriebenen Geschichte aus den Augen. Weniger wäre deutlich mehr gewesen, um die tragischen Fehlentwicklungen insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent kritisch zu beleuchten und mahnend den Finger auf die „Wunden“ zu legen. Die beiden Farbillustrationen Gerd Freys unterstreichen die Kühle der ganzen Story. Frank Neugebauer sollte die Kernaspekte dieser Geschichte als Ausgangspunkt einer Novelle nutzen, das Überambitionierte aufs Wesentliche reduzieren und auf der emotionalen Ebene die Figuren für die Leser zugänglicher machen.

Die längste Geschichte einer „Exodus“ Nummer „Der Tanz der Seekühe“ liefert zum wiederholten Male Helmut Hirsch ab. Im Gegensatz zu seinen interessanten und vielschichtigen Space Opera aus früheren „Exodus“ Ausgaben kommt dieses Mal das Fremde auf die Erde. Flugratten sind ein unter Artenschutz stehendes Spielzeug der Reichen. Die Tiere sind aber intelligent, was den Menschen nicht bewusst ist. Hinzu kommt, das die Freiheitsliebenden Tiere das Abschlachten von Seekühen und ihre Nutzung als Nahrungsgrundlage beobachten und ihre eigenen Schlüssen daraus ziehen. Wie bei einigen anderen Geschichten dieser Sammlung beinhalten die Kurzgeschichten sehr viele Ideen, die für längere Texte bis zur Novelle ausreichend sind. Die Charakterentwicklung insbesondere der menschlichen Protagonisten ist sprunghaft, wesentliche Veränderungen ihres Wesens werden ihm vorbeifliegen beschrieben, aber weder direkt aus ihren Handlung entwickelt noch sind die entsprechenden Katalysatoren überzeugend herausgearbeitet. Es sind die vielleicht schwächsten Protagonisten seiner bisherigen im „Exodus“ Magazin veröffentlichten Arbeiten. Teilweise unsympathisch, leblos oder beim dramatischen Höhepunkt karikierend überzeichnet. Das Ende der Geschichte ist zu sehr auf eine mahnende Botschaft und anschließendes Happy End zugeschnitten als das sie trotz aller Relevanz nachhaltig überzeugen kann. Alleine die Sequenzen aus der Perspektive der Flugratten – auch wenn deren Gruppenverhalten fast zu sehr vermenschlicht worden ist – beleben die ansonsten eher wenig zu statische Handlung. Aus den guten Ideen hätte Helmut Hirsch deutlich mehr machen können
Michael Tillmanns „Beksinksi- Heimat der Gräber“ ist trotz ihres plottechnischen Alleinstehungsmerkmals in das Universum anderer früher in „Exodus“ veröffentlichter Tillmann Geschichten mit eingebunden. Der Ich- Erzähler strandet mit seinem Raumschiff auf dem abgeschiedenen Planeten Beksinki, auf der eine außerirdische, inzwischen ausgestorbene Rasse alle ihre Toten beerdigt hat. Der Planet besteht im Grunde nur aus Gräbern und einer auf der nördlichen Hemisphäre liegenden Funkstation, welche der Erzähler zu erreichen sucht, um diesem unheimlichen und unheilvollen Ort zu entfliehen. Michael Tillmann gelingt es, eine dunkle, aber nicht nihilistische Stimmung aufzubauen, die leider immer wieder durch die nicht gänzlich zufrieden stellenden Zwischenaktie in kursiver Schrift unterbrochen wird. Vor allem wirkt das Ende - es handelt sich um eine Art unfreiwilligen Test mit einer art Faust´schen Pakt - angesichts der über weite Strecken wirklich interessanten, sehr bodenständig und stringent erzählten Story zu aufgesetzt, zu überambitioniert. Bis dahin ist „Beksinks- Heimat der Gräber“ aber trotz einer bekannten Ausgangsprämisse - siehe insbesondere die diversen Hal Clement Geschichten, in denen sich menschliche Protagonisten auf Extremwelten auch zum einzigen Kontaktpunkt mit Liste, Tücke und einem eisernen Willen durchschlagen mussten - eine ausgesprochen unterhaltsame Story. Der Leser wünscht sich, noch mehr über diese fremdartige Zivilisation zu erfahren. Die Vermutungen des Ich- Erzählers sind ausgesprochen spannend entwickelt und lassen dem außen stehenden „Zuhörer“ die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von dieser fremdartigen Planeten zu machen.

Uwe Post kurzweilige Satire „Luna Bräu“ gehört trotz einiger plottechnische Konstrukte ebenfalls zu den unterhaltsamen Geschichten. Er beginnt mit einer Idee, die Fredric Browns Ultrakurzgeschichte vom letzten Mann auf der Erde entliehen worden sein könnte, extrapoliert diese Prämisse - Braumeister auf dem Mond erhält Besuch und muss um sein Leben fürchten - mit einigen fast grotesken Gedanken und beendet seinen kurzen Text offen, aber anschaulich. Uwe Posts humoristischer Stil macht „Luna Bräu“ zu einem kurzweiligen Lesevergnügen, das von seinen bizarren Ideen überdurchschnittlich profitiert.
Christoph von Zastrow beschreibt in „Clean“ eine im wahrsten Sinne des Wortes feuchte wie besonders reine Liebesgeschichte, wobei der Leser etwas unschlüssig zurückbleibt, ob sich von Zastrows Protagonistin nicht manche Dinge eingebildet hat. Der Autor variiert verschiedene Erzählstile und die Frage nach der Auflösung des Plots bestimmt die erste Hälfte der Story. Wie bei einigen anderen in dieser Ausgabe vom „Exodus“ Magazin versammelten Geschichten ist die Distanz zwischen Charakteren und Leser deutlich spürbar, negiert vielleicht in einigen Fällen auch die Intentionen der Autoren. Zumindest bietet von Zastrow in dieser lesenswerten Story dem Leser eine auf den ersten Blick logisch erscheinende Erklärung des Geschehens an.

„Die Außerirdischen holen den Germanistikprofessor“ schließt den literarischen Teil der vorliegenden „Exodus“ Ausgabe ab. Eine Allegorie auf die Kraft der Dichtkunst, die weder von den grauen Theorien der Wissenschaftler/Forscher/Germanistin eingefangen werden kann, noch für Außerirdische zur Imitation freigegeben werden sollte. Im für die Brauns so signifikanten humorvollen Ton geschrieben ahnt der aufmerksame Leser die Sinnlosigkeit der Mission der Außerirdischen - oder sind es nur Stellvertreter für die künstlerisch unterentwickelten Industrienationen - schon nach dem ersten Drittel der Geschichte. Der Nachruf aus dem „Heyne Science Fiction Jahr 2009“ - von Erik Simon geschrieben - schließt die vorliegende siebenundzwanzigste Ausgabe von „Exodus“ ab. Leider so distanziert und durchkonstruiert wie seine Prosa versucht Erik Simon dem Leser einen kleinen Einblick in die Phantastik der kurz nacheinander im Herbst 2008 verstorbenen Eheleute Braun zu geben. Dabei bleibt vieles leider im Ansatz stecken und der Leser hat das unbestimmte Gefühl, als würde Erik Simon eher eine Pflichtaufgabe erledigen, in der er Respekt für deren literarische Leistung ausdrückt, aber im Grunde keinen Zugang zu ihrem vielschichtig zu interpretierenden Werk findet.

Auf der graphischen Ebene überzeugen neben dem schon eingangs erwähnten Streifzug durch Crossvalley Smiths Werk die Zeichnungen Thomas Frankes - natürlich zur Braun- Geschichte -, Hubert Schweizers - dessen Stil hervorragend zu den Flugratten Helmut Hirschs passt - mit Illustrationen zu den beiden längsten Geschichten der Ausgabe sowie Andrä Martynas. Ihre Arbeiten ragen aus der übersichtlichen Qualität der Graphiken heraus und begleiten die Geschichten ausgesprochen harmonisch auf der zeichnerischen Ebene. Qualitativ wirken die Kurzgeschichten im Durchschnitt etwas schwächer als in den letzten beiden Ausgaben. Das liegt weniger an den teilweise ausgesprochen originellen Ideen, die sie präsentieren, sondern an der manchmal zu hölzernen, zu distanzierten Umsetzung sowie der Tatsache, das der Rahmen für das Potential der Texte eindeutig zu eng ist. Unabhängig von der literarischen Einschränkung ist auch die siebenundzwanzigste Ausgabe von „Exodus“ eine im Vergleich zu den anderen semiprofessionellen Magazinen überdurchschnittliche, empfehlenswerte Ausgabe.

^Rene Moreau: "Exodus 27"
Anthologie, Softcover, 105 Seiten
Exodus Verlag 2010

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