Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Anita Blake, Vampire Hunter (4)
:: Laws of the Blood (5)
:: Sachbücher über Vampire (1)
:: Southern Vampire Mysteries (3)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Vampire



Emilia Jones

Club Noir

rezensiert von Thomas Harbach

Die Chefredakteurin der kleinen Zeitschrift « Elfenschrift » Ulrike Stegemann veröffentlicht unter dem Pseudonym Emilia Jones in ihren ersten erotischen Roman, einen Vampirroman. Kaum ein anderes phantastisches Subgenre wurde so oft grenzüberschreitend genutzt wie die Geschichte der Untoten. Von Bram Stokers berühmten „Dracula“ stehen die Geschöpfe der Nacht in dem Ruf, eine unwiderstehliche erotische Ausstrahlung zu haben und diese geht über die Geste des Blutsaugens hinaus. In vielen Büchern steht das Saugen als Ersatz für den eigentlichen Geschlechtsverkehr, in vielen modernen Werken setzt man den Vampir gleich mit Impotenz. Erst im Zuge des Erfolges von Anne Rice Romanen und die nicht unbedingt mit offenen Armen aufgenommene Verfilmung von „Interview mit einem Vampir“ durch Neil Jordan öffnete die Tore für deftigere, erotischere Kost. Immer mehr übertrumpfte der Vampir den Mann nicht nur in Punkto Kraft oder Charisma, sondern auch im Bett. Emilia Jones „Club Noir“ nimmt sich dieser Thematik nicht nur an, sie ist das bestechende Element dieses erotischen, aber nicht pornographischen Buches. Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt und birgt im Kern auch keine großen Überraschungen. Das Dreieck der Protagonisten – ohne Berücksichtigung der oft eher eindimensional charakterisierten Nebenfiguren – zeichnet sich sehr schnell ab. Jesse Brown ist Engländerin und wird für vier Wochen nach Brüssel geschickt, um in einer Nebenstelle ihrer Galerie eine Ausstellung zu organisieren. Jesse Brown wird als durchaus attraktiv, intelligent mit einem schönen Körper beschrieben, sie hat seit längerer Zeit keine Beziehung mehr gehabt und sehnt sich nach starken Armen, aber vor allem einem gleichwertigen Partner. Gleichwertig bezieht sich neben den körperlichen Reizen auch auf den Intellekt. Auf der Gegenseite steht Louis, ein sadistischer veranlagter, arroganter Vampir, der Jesse das erste Mal in dem von Vampiren betriebenen, aber sowohl bei Blutprostituierten als auch Frauen auf der Suche nach dem besonderen Kick besuchten Nachtclub „Club Noir“ begegnet. Er möchte diese Frau besitzen und schert sich weder um die eisernen Regeln im Club noch um den zumindest anfänglichen Widerstand seines attraktiven Opfers. Seinen Gegenpart bildet Andrew, der älteste der Vampire und gleichzeitig zumindest Betreiber des Clubs. Er rettet Jesse vor dem Zudringlichkeiten Louis und beginnt sich – entgegen seiner Auffassung – in die junge Frau zu verlieben. Louis wartet nur darauf, an beiden Rache zu nehmen. Die Handlung ist sehr geradlinig, birgt nicht viel Überraschungen. Emilia Jones gelingt es trotzdem, insbesondere die beiden Vampire als attraktive, arrogante und narzisstische Männer zu beschreiben, die in erster Linie Vergnügen mit ihren willigen Spielgefährtinnen suchen, ihrer Macht und ihrer Überlegenheit aber sicher, vielleicht zu sicher sind. Erst im Laufe des Romans beginnt die Autorinnen ganz zielstrebig, neben den unverkennbaren männlichen Attributen auch die tierische Seite, die dunkle Seite des Vampirismus herauszuarbeiten und die Fokus von den beiden charismatischen, Jesse fast erdrückenden Figuren weg zu nehmen und der jungen Frau – und damit dem Leser – den notwendigen Raum zum Atmen zu geben. Vielleicht hätte es dem Roman noch besser getan, insbesondere Jesses Charakter noch stärker herauszuarbeiten, ihr ein wenig mehr Vorgeschichte zu geben und sie als willensstarke, beruflich erfolgreiche Frau zu beschreiben, die es sich selbst nicht erklären kann, warum sie ausgerechnet dem Bann dieser sehr unterschiedlichen Männer erliegt. Zu schnell, mit einem Hauch devoter Neigung unterliegt sie dem Drängen Louis, der ihre Hände gleich fesselt und sie fast mit Gewalt gefügig machen möchte. Diese Szene wird sich am Ende des Buches verstärkt noch einmal wiederholen, es fehlt aber insbesondere der Schlussszene eine erotische Steigerung, so wird Jesse am Ende wieder gefesselt, allerdings dieses Mal auf einen Stuhl und schnell ausgesaugt. In der Beziehung zu Andrew wird sie erst im Laufe der Zeit auch sexuell aktiver – auch wenn es wie ein Klischee klingt, Oralverkehr ist in den meisten erotischen Texten wie auch hier das erste Zeichen, das sich eine Frau „befreit“ und selbst die Initiative beim eigentlichen Verkehr ergreift-, damit schwenkt die Autorin von den sich manchmal wiederholenden Beschreibungen des Sex ab und fügt eine neue Komponente hinzu. Obwohl in einem erotischen Roman natürlich der Sex im Mittelpunkt stehen sollte und nur wenige Männer/ Menschen wert auf ausführliche und die „Handlungen“ hemmende Charakterisierungen legen, fällt es Emilia Jones zumindest zu Beginn der Beziehung zwischen Andrew und Jesse schwer, diese Chemie in Worte zu fassen. Beide Figuren wirken zu diesem Zeitpunkt noch ein wenig steif – das soll kein Wortspiel sein – und ungelenk. Erst im Laufe des Romans agieren sie überzeugender und wirken abgerundeter. In Bezug auf den finalen Konflikt zwischen Andrew und Louis gelingen ihr einige prägnante, gut geschriebene Sequenzen, in denen sie den unter der Oberfläche schwelenden bestialischen Charakterzug sehr gut herausarbeitet.

Das Spektrum der Erotik reicht vom leichten Bondage über alle Spielarten des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs bis schließlich zum vampiristischen Aussagen. Jones stellt insbesondere die anderen im Club verkehrenden Frauen eher als Mitglieder der Leder- und Latexszene dar, mit tiefen Ausschnitten und inzwischen süchtig nach dem Gefühl, ausgesaugt zu werden. Die Szenen insbesondere zwischen Jesse und Andrew sind erotisch sehr gut ausformuliert, die Autorin bemüht sich erst, eine romantische – erotische Atmosphäre zu erschaffen und bleibt sittsam im Softcorebereich. Ihre Frauen werden an die Grenzen der sinnlichen Wahrnehmung geführt und befriedigt zurückgelassen. Stilistisch ansprechend geschrieben funktionieren sie als Herz und Höhepunktes des erotischen Romans sehr gut. „Club Noir“ ist angenehme, erotisch prickelnde, aber nicht sonderlich anspruchsvolle Unterhaltung, eine kurzweilig zu lesende Geschichte und eine interessante Ergänzung zum inzwischen nicht mehr überschaubaren Vampirkosmos. Insbesondere für einen Erstling – Ulrike Stegemann hat bislang neben Kurzgeschichten zwei Romane wie die „Sirius“- Reihe des Mohlbergverlages als Koautorin geschrieben – eine runde Sache, nicht zu lang und vor allem bemüht sie sich, das Geschehen sehr kompakt und trotzdem atmosphärisch überzeugend – das reicht vom Gefühl, in Brüssel alleine durch die Straßen zu gehen bis zu dem kalten Samt, mit dem die Betten der Vampire überzogen worden sind – zu beschreiben.

-

Emilia Jones: "Club Noir"
Roman, Hardcover, 187 Seiten
plaisir dÁmour 2006

ISBN 3-9382-8119-7

Weitere Bücher von Emilia Jones:
 - Blutnächte
 - The Black Club, London

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::