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Vampire



Bernard Craw

Sanguis B.-Vampire erobern Köln

rezensiert von Thomas Harbach

Über Schwaben ist der Autor Bernard Craw nach Köln eingewandert, obwohl in Westfalen geboren. Seit 1988 in Literaturkreisen aktiv, auf seiner Homepage finden sich erste Einblicke in sein Schaffen und zumindest der Nachdruck seines ersten offiziellen Werkes, eines Fantasy- Romans, der auf Hugh Walkers Welt MAGIRA spielt. Im Fandom veröffentlichte Craw vereinzelt Rezensionen in Fanzines wie SOLAR- X oder dem MAGIRA Jahrbuch. Beruflich hat er nach Studium als Projektmanager bei einigen internationalen und nationalen Unternehmen gearbeitet und ein erzählendes Sachbuch zum Projektmanagement geschrieben. Ein aufmerksamer Leser findet einige der auf der Homepage angedeuteten Ideen, um die stetig gleichen Fehler zu vermeiden, auch im vorliegenden Roman integriert. Craw bemüht sich, die fiktive Geschichte durch die Nutzung von bekannten Alltagserlebnissen insbesondere zu Beginn der Handlung griffiger zu gestalten. Laut seiner These sollten es zugängliche Episoden sein, die durchaus einen amüsanten Charakter haben dürfen. Leider hält er an dieser Absicht im zweiten Teil des Buches nicht mehr fest.
In seinem Horrorthriller konzentriert er sich thematisch auf die Schwierigkeiten des Studentenlebens, die Frau, die immer die falschen Männer zu lieben scheint – später dreht er diese Perspektive und zeigt, dass zwischen einem Mann fürs Leben und dem fürs Bett doch bei manchen ehrgeizigen Frauen ein Unterschied gemacht wird- und das tägliche Zurechtkommen in einer „ungeordneten“ Lebensumgebung. Sehr leicht und unterhaltsam baut er eine angenehme Atmosphäre ein, bevor er dann mit dem wahrscheinlich schwierigsten Teil seines Buches beginnt. Ein auf den ersten Blick altbackenes Thema – Vampire – mit neuen Impulsen und Ideen zum Leben zu erwecken.

Im Auftaktkapitel „Infektion“ umgeht der Autor ganz bewusst und zielstrebig bemüht viele der klassischen Klischees. Er wirft quasi seine Protagonisten aus ihrer noch unfertigen Welt in eine gänzlich andere Existenzebene. Im Gegensatz zu Serien wie „Buffy“, in denen eher Jugendliche die Hauptrolle spielen, konzentriert sich Craw auf Studenten oder gerade ins Berufsleben getretene junge Frauen und Männer. Selbst noch nicht gefestigt, aber fest entschlossen, zumindest dem eigenen Leben ausreichend gute Seiten abzugewinnen, reagieren sie unterschiedlich auf die neue Daseinsart als brutaler Jäger. Sehr schnell, gewalttätig und rasant beschreibt der Autor die Metamorphose zu im Grunde klassischen Vampiren: Angst vor der Sonne, nicht mehr atmend und damit auch über keinen Puls verfügend, mehr Tier als Mensch und zumindest eine gewisse Scheu vor religiösen Artefakten – in Köln mit dem beherrschendem Dom eine Steigerung trockener Ironie. Craw versucht sehr schnell die Fallen der inzwischen wirklich bis ins Letzte beschriebenen Vampirthematik zu umgehen. Keine langweiligen Charaktere, im Grunde kaum Exposition, eine übergeordnete Ebene in Form von Zeitungsartikeln, Pressemitteilungen öffentlicher Hand und hysterischen Augenzeugenberichten. Der Leser wird – ohne das der Autor wirklich neue Impulse dem Genre vermittelt – schnell und effektiv in die Handlung einbezogen und verfolgt in Anlehnung an Romeros „Zombie“ – Genre die stetige Veränderung in der Stadt aus der eingeschränkten Perspektive der agierenden Protagonisten. Im nächsten Kapitel wird Craw eine nihilistische Atmosphäre in einer immer mehr umkämpften Stadt aufbauen und damit subtil, aber effektiv den Fokus von den Gothic Horrormotiven zu modernen Horror bzw. Paranoiathrillern verlagern. Die Zielrichtung deutet der Autor auch in einem Interview an:

„Aus der Sicht unmittelbar Betroffener geschrieben, ist dies ein Buch für diejenigen Leser, die sich, genau wie ich, fragen, warum es eigentlich möglich sein soll, die Ausbreitung des Vampirismus zu stoppen, handelt es sich doch um eine hoch ansteckende, sich blitzartig ausbreitende Seuche ohne Gegenmittel. In dieser Geschichte spiele ich durch, was wäre, wenn man einige der üblichen Prämissen des Vampirromans einmal bei Seite ließe: warum soll alles im Geheimen geschehen? Warum sollen uralte Ahnen über die neu geschaffenen Untoten wachen? Und warum sollen die Menschen am Ende gewinnen?“


Craw isoliert diese aber nicht von der gängigen Trivialliteratur. Als die Opfer ihren Zustand erkennen, führt der Weg in die Bücherei und von pulpigen Heftromanen bis zu Anne Rice wird alles als wissenschaftliche Grundlage untersucht. Überraschend ist bis zu diesem Zeitpunkt nur, dass Craws Charaktere nicht über eine gesunde Grundlage in cineastischen Vampirismus verfügen. Hier fehlt ein wenig Esprit und Witz, Anspielungen auf klassische Filme oder eine würdevolle Hommage auf denkwürdige Szenen – einer der Charakter versucht sich an einer Christopher Leeszene und scheitert – hätte dem Text gut getan. Craw geht sehr ernsthaft mit seinem Stoff an. Vampirismus wird schnell als Krankheit dargestellt. Als beginnende Seuche, deren Verbreitungsrate unglaublich hoch ist. So kann er geschickt zu Beginn der Handlung spekulieren und eine Reihe von Fährten legen, die überzeugend dargelegt werden. Allerdings legt er nur die alten Prämissen des Vampirromans – edle einsame Geschöpfe – und folgt damit dem Trend moderner und in erster Linie Filmepigonen. Unbewusst erinnert seine Vision an eine in Köln und als Thriller verkleidete Variation der Filme „Vampire“ von John Carpenter und natürlich der zweiten Hälfte von „From Dust till dawn“ aus dem Kneipenmilieu – keine andere Stadt symbolisiert auf der anderen Seite die gemütliche Kneipe und das kühle Kölsch am Abend – emporgehoben auf eine städtische und später staatenübergreifende Ebene.

Der Mittelteil stellt eigentlich für Craw in dem aufgezeigten Szenario die größte Herausforderung da. Er teilt seine Gruppe von Protagonisten auf und lässt einen von ihnen fast klischeehaft vom Militär quälen. Die Ordnungskräfte und Politiker versuchen der Seuche durch den Import von Menschenaffen als Nahrungsquelle Herr zu werden. Aus dieser originellen Idee macht Craw zu wenig, er lässt diesen Faden schnell wieder fallen und begreift in erster Linie den Zerfall der alten Ordnung und parallel die Entstehung des Vampirreiches. Dass in diesem eine Art Kleinstaatenherrschaft auf Monarchiebasis herrscht, die einzelnen Enklaven sich nicht grün sind und die Anführer oder Anführerinnen Despoten gleich mit Furcht und Gewalt herrschen, ist weder ein Novum, noch sonderlich überzeugend erzählt. Unwillkürlich hat der Leser den Eindruck, als wenn Craw positive und negative persönliche Empfindungen in die Handlung einstreut, aber keinen Impuls in eine neue Richtung gibt. Es wäre interessant, mal von einer Synthese auf politischer Ebene zwischen den Menschen und den Vampiren zu lesen. Letztere vielleicht als Großkapitalisten und Raider? Mehr Manipulation hinter den Kulissen als das klassische Recht des Stärkeren. Auch die schwarzweisse Malerei gegenüber dem sadistischen Militär wirkt zwar – nicht zuletzt dank der verschiedenen Berichte aus dem Irak leider - hochaktuell, aber auch ermüdend.

Das „Heilmittel“ Sanguis B. wird erstaunlich verhalten eingesetzt. Im kleinen Labor entdeckt stellt der Autor die Schwierigkeiten einer industriellen Herstellung deutlich heraus – warum eigentlich, als die Protagonisten es entdecken, ist die Verbreitung der Seuche noch in vollem Gange und irgendwelche Großkapitalisten insbesondere den Rhein entlang hätten keine Probleme, ihre Industrie kurzfristig umzustellen, so schwer kann die Schöpfung des Mittels nicht sein, wenn es im Hauslabor gelingt – scheut sich aber auch hier, innovative und wirklich originelle neue Ansätze zu suchen. Vielleicht hätte Sanguis B. wieder ein Druckmittel der bösen Menschen/ Industriellen gegenüber den Vampiren darstellen können. Auch wenn der Autor selbst von einer neuen Perspektive spricht, folgt er nur den modernen Traditionen. Immer öfter verlieren die Menschen den Konflikt mit Viren, Vampiren oder Zombies. Insbesondere der Horrorfilm mit interessanten Auswüchsen wie „28 Days“ oder den schon erwähnten „Land of the Dead“ weisen klar in diese Richtung. In diesem Kontrast verliert das Buch einen Teil der angestrebten innovativen Frische und wird auf einen unterhaltsam geschrieben, aber keinesfalls wirklich innovativ neuen Vampirroman reduziert. Mit ironischer Schärfe oder wirklich dem Mut, etwas Neues anzustreben, hätte sich „Sanguis B.“ aus der Masse der wieder angebotenen durchschnittlichen Horrorliteratur herausgehoben. Auf der anderen Seite muss zum wiederholten Mal erwähnt werden, dass der Roman die erste veröffentlichte Arbeit Craws ist, und er wahrscheinlich in weiteren Büchern seine ureigene Stimme und Stimmung finden muss und wird. Hoffnungsvolle und interessante Ansätze finden sich in erster Linie zu Beginn des Buches, im Laufe der Handlung wird das Buch allerdings angepasster und damit durchschnittlicher. Langeweile kommt allerdings zu keinem Zeitpunkt der vielschichtig angelegten, aber oft zu eindimensional präsentierten Spannungsbögen innerhalb der übergeordneten Chronik des Zerfalls der Menschheit auf.

Das Ende des Romans ist unnötig offen, Craw bemüht sich noch unnötigerweise die Flanke mit dem „Ersten“ zu klären – vielleicht wäre es sogar interessant gewesen, diese Wurzeln im Dunkeln zu lassen.

Trotz der hier aufgeführten kleineren Schwächen wird der Roman von Craw angenehmen, aber auch unauffälligen Stil getragen. Die Dialoge sind über weite Strecken sehr natürlich, er benutzt seine Protagonisten als Identifikationsfiguren für ein eher jugendliches oder jung gebliebenes Publikum. Im Laufe der turbulenten Ereignisse beginnen die Leser sich mit ihnen zu identifizieren, zu Beginn wirken sie allerdings noch eindimensional und seltsam farblos. Die nihilistische Handlung wird von einer - zumindest was Köln betrifft – überzeugenden und detaillierten Beschreibung des Hintergrunds unterstützt. Craw geht nicht so weit, wie zum Thomas Ziegler in seinen Kölnkrimis, in denen die Stadt sich mehr in den Vordergrund drängt als die öfter eher eindimensionale und klischeehafte Handlung. Er bemüht sich schon um ein Gleichgewicht aus Handlung und Hintergrund. Für einen Erstling auch noch mit einem schwerlich um originelle Varianten zu bereichenden Thema liest sich der Roman recht flott, Vampirfreude könnte er einige schöne Blutsaugerstunden bereiten, aber als Ganzes betrachtet werden die – auch vom Autoren auf seiner Homepage geweckten – Erwartungen nicht gänzlich erfüllt.

Bernard Craw: "Sanguis B.-Vampire erobern Köln"
Roman, Softcover, 416 Seiten
Van Aken 2005

ISBN 3-9382-4409-7

Leserrezensionen

Leserrezensionen [Alle Rezensionen anzeigen (5)]
19.10.11, 06:45 Uhr
YETI
unregistriert


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