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Vampire



Uwe Voehl

Vampir 7- Das Archiv der schwarzen Särge

rezensiert von Thomas Harbach

Im siebenten Sammelband der „Vampir“- Reihe veröffentlicht der Zaubermond die ersten vier „Henker“ Romane, welche Uwe Voehl für die „Vampir“ Reihe geschrieben hat. Vier die Neuauflage hat der Autor die Romane überarbeitet. Im achten Vampir- Horrorband mit dem Titel „Im Schloss der 1000 Tode“ folgen die drei unter dem Pseudonym Logan Derek für die „Gespenster- Krimis“ geschriebenen Henker- Romane sowie mit einem neuen zusätzlichen Kapitel versehen der Abschluss der Reihe, welcher bei den „Dämonen- Land“ Romanen erschienen ist.

Im ersten Roman der Serie „Das Archiv der schwarzen Serie“ spielt Uwe Voehl mit den Erwartungen der Leser. So beginnt das Buch auf zwei Handlungsebenen, eine spielt zur Zeit der französischen Revolution und beschreibt die Arbeit und das Leiden eines Henkers, welcher später durch seinen Betrug an einer Hexe verflucht wird. Auch wenn Uwe Voehl diese Geschichte in der Gegenwartshandlungsebene für die Leser noch einmal kurz zusammenfasst, ist das Springen zwischen den Zeiten solide angelegt und lenkt vom zu Beginn ein wenig statisch angelegten Agatha Christie und „Zehn kleine Negerlein“ Szenario ab. Mit Michael Berger führt Uwe Voehl allerdings sehr schnell einen Ich- Erzähler ein. Der aufmerksame Leser weiß relativ früh, egal wie beschwerlich sein Weg auch sein wird, Michael Berger ist der neue Henker, wenn auch eine Inkarnation dieser Fluch beladenen Gestalt, wie es sie zuvor noch nicht gegeben hat. Den Weg dahin hat der Autor allerdings mit sehr vielen interessanten, wenn auch nicht immer innovativen Ideen gepflastert. Vielmehr agiert er oft entgegen der Erwartungshaltung der Leser. So erweist sich zum Beispiel eine klassische Nebenfigur mit schurkischen Charakteristika im allerdings überhastet niedergeschriebenen Ende als Retter in letzter Sekunde. Die Henkersmaske sucht sich ihren Erben selbst aus, dieser Henker lebt schließlich vom Morden und entzieht seinen Opfern Lebensenergie. Natürlich funktioniert diese Verwandlung beim Helden Michael Berger nicht komplett, vorerst nistet sich nur der gute Teil in ihm ein. Das er weiterhin von einem Werwolf – einem angeheirateten Verwandten – gebissen worden ist, erschwert seinen weiteren Lebensweg. Um zu überleben, bleibt ihm nichts anderes übrig, als die inzwischen gestohlene Henkersmaske wieder in Besitz zu nehmen und die gute sowie böse Persönlichkeit des Henkers in sich zu vereinen. Kein leichter Weg, da sein Gegenspieler aus der Verwandtschaft kommt und deutlich rücksichtsloser als Michael Berger ist. Uwe Voehl nimmt sich in dem Auftaktroman wenig Zeit, um die einzelnen Charaktere – einige werden es sowieso nicht überleben – einzuführen. Nach dem Agatha Christie Auftakt laufen in sehr kurzer, kompakter Folge diverse Szenarien ab: Verwandlung in einen Werwolf, Gedächtnisverlust und das Aufwachen in einer auf den ersten Blick fremden Stadt, Jagd nach einem fliegenden Dämon, welcher Kinder raubt und schließlich mit Hilfe eines neuen Freundes und eines Okkultisten die Konfrontation in einer Parallelwelt. Das Tempo, welches Uwe Voehl vorliegt, ist atemberaubend und dem Leser bleibt kaum der Raum, sich auf den Haupthandlungsstrang zu konzentrieren. Sehr effektiv führt er vor dem obligatorischen die einzelnen Szenarien befriedigend und vor allem auch stilistisch überzeugend zusammen. Wenn das Haus des Onkels zusammen mit der Verwandtschaft in eine andere Dimension versetzt wird, damit die potentiellen Erben sich gegenseitig ausschalten und das Erbe – die Henkersmaske – zu suchen, gelingen dem Autoren einige sehr schöne, fast surrealistische und atmosphärisch dichte Szenen. Das von ihm intensiv beschriebene Archiv der schwarzen Särge ist ein bewundernswerter Einfall und gehört zu den Höhepunkten des stringenten, selbst nach 25 Jahren noch immer sehr gut zu lesenden Romans.

Der zweite Roman “Besuch aus einem Totenhaus“ führt die Handlung nahtlos weiter. Michael Berger hat inzwischen die Henkermaske, nutzt sie aber vorsichtshalber wegen der kaum zu kontrollierenden Kräfte nicht. Er wohnt zusammen mit seinem rettenden Engel in einer kleinen Wohnung. Ein Bekannter begegnet in der Stadt einer jungen Frau, die überfallen worden ist. Als er ihr helfen will, sieht er einen grotesken Zirkus mit Frauen in Ketten durch die Straßen ziehen. Zuerst assoziiert er deren Erscheinen mit einem makaberen Werbegag mit einer Theaterveranstaltung und bietet Berger um Hilfe. Dieser sucht mit ihm zusammen eine Veranstaltung auf und gerät in einen verhängnisvollen magischen Kreislauf, aus dem er nur mit seiner Henkersmaske entkommen kann. Sehr geschickt spielt Uwe Voehl mit der Erwartungshaltung der Leser. Michael Berger ist ja durch den Biss seines Verwandten zu einem Werwolf geworden, in der fiktiven „Altstadt“ schlüpft er in die Rolle eines Professors, der seinen Studenten hilft, ein Theaterstück über inzwischen sechs Vollmondmorde aufzuführen. Als Satire gedacht soll das Stück mit seinen brutal- blutigen Exzessen schockieren. Schließlich muss Berger aus der Not den Werwolf im Stück spielen und für ihn vermischen sich Wirklichkeit und Fiktion. Als Gegenspieler zeichnet sich mehr und mehr ein Ogule ab, ein „mächtiges magisches Wesen, das einst der berüchtigte Magier Cagliostro geschaffen hat. Eine Eigenschaft des Wesens war es, sich in fremden Personen einzunisten und diese allmählich abzutöten. Es bezog seine Energie zum Weiterexistieren aber auch dadurch, dass es, hatte es erst einmal eine Gestalt übernommen, auch anderen Personen das Leben magisch aussog und wie eine große Batterie in sich sammelte“ (Seite 187). Unabhängig von diesem interessanten Gegenspieler bleibt Uwe Voehl bei den wahrscheinlich positiven Figuren wie zum Beispiel Silvia, der Sekretärin seines Onkels, sehr ambivalent. Sie taucht aus dem Nichts heraus auf und gibt dem noch unsicheren Michel Berger einige Ratschläge, von denen weder er noch der Leser weiß, ob diese grundsätzlich ehrlich gemeint sind. Die Höhepunkte des Romans sind gleich zu Beginn der groteske Zug des beängstigenden Zirkus durch die Nacht und später die Theateraufführung, welche Uwe Voehl impliziert mehr und mehr zu der Satire macht, an welcher der Theaterstückschreiber in seinem Manuskript noch gescheitert ist. Der Endkampf dagegen wirkt wieder - wie im ersten Roman - ein wenig zu überhastet, aber zumindest erscheint das Ende des Heftes abgerundeter als im Auftaktband. In Bezug auf den Protagonisten Michael Berger beschreibt der Autor noch dessen Konflikt zwischen der Versuchung, die Henkersmaske überhaupt nicht zu nutzen und der Notwendigkeit, an zwei elementaren Stellen diese zum Selbstschutz und vor allem nur - aus seiner Sicht - zur Vernichtung der Antagonisten einzuschätzen. Obwohl sich dieser innere Zwiespalt durch den Roman zieht, vernachlässigt Uwe Voehl nicht eine teilweise sehr unterhaltsame und nicht immer gänzlich erstgemeinte - nackte Männer, die morgens in rote Citreons steigen - Handlung.

Der dritte Roman „Das Strandhotel der sieben Schreie“ beginnt wieder mit einem Rückblick auf den ersten Henker. Dieser will eine junge, sehr hübsche Frau vor ihrer Hinrichtung als Hexe an der südfranzösischen Küste bewahren, er überredet die einfachen Fischer, sie der Wasserprobe zu unterwerfen. Ihm gelingt es, sie in letzter Sekunde zu retten, auch wenn seine eigentliche Intention danebengeht. Die junge Frau verflucht die Dorfbewohner, was natürlich Auswirkungen auf die Gegenwart hat. In dieser reist Michael Berger mit seinem Freund natürlich an der französischen Küste entlang. Sie quartieren sich in einem eher fragwürdigen Hotel ein. In dem Dorf wird demnächst eine Art Karneval gefeiert, welcher das Fest der sieben Schreie heißt. Am letzten Tag des Februars verkleiden sie sich und veranstalten einen Laternenumzug. Im Vergleich zu den ersten beiden Bänden der Serie weißt der dritte Romane nur einige wenige hervorragende Szenen auf. Zu denen gehört ein Einblick in Michael Bergers Eheleben mit Silvia und dem Plausch mit den Nachbarn. Diese Szene wirkt schon fast surrealistisch. Stimmungstechnisch gelingen Uwe Voehl einige sehr schöne Sequenzen, nur die Handlung leitet unter einer gewissen Vorhersehbarkeit und die Idee mit der Hexe und dem Fluch, der Auswirkungen auf die Gegenwart hat, ist nicht unbedingt originell. Während der Leser mehr über den ersten Henker erfährt und der Autor sich bemüht, dieser Figur eine überzeugende Tiefe zu verleihen, wirkt Michael Berger in seinem Verhältnis zur Henkermaske eher blass. Hier fehlt eine charakterliche Weiterentwicklung. Insbesondere aber die Antagonisten sind – im Vergleich zum zweiten Band – deutlich eindimensionaler und klischeehafter gezeichnet worden. Bis auf die „Eheszene“ kommt das Verhältnis zu oder mit Silvia auch nicht weiter voran, hier wünscht sich der Leser mehr Informationen. „Das Strandhotel der sieben Schreie“ ist routiniert geschrieben worden, aber dem Roman fehlen die außerordentlichen Einfälle und die grotesk surrealistischen Momente. Der Leser hat das Gefühl, als schlüge Uwe Voehl mit diesem dritten Band endgültig ein längeres Serienkonzept ein und versucht den übergeordneten Handlungsbogen durch einzelne, abgeschlossene Episoden zu strecken. Das letzte Abenteuer in der „Vampir“ Reihe ist „das Haus der Albträume“. Nach ihren Erlebnissen an der französischen Küste fahren die Freunde zusammen mit der rothaarigen, wohl proportionierten Hexe Silvia nach Paris, wo sie in einem Haus eines Freundes unterkommen. Allerdings will der Hausbesitzer die Mieter aus dem Haus treiben, um es effektiver zu nutzen. Dabei sind ihm ziemlich brachiale Methoden recht, was den Zorn einer Hexe heraufbeschwört. Im vierten Band lernt der Leser mehr den adligen Marquis de Feuile, welcher schon im siebzehnten Jahrhundert ein Buch über die dunklen Geheimnisse der Welt geschrieben hat. Dieser weißt Berger darauf hin, dass er für die neue Inkarnation des Henkers sowohl die schlechten als auch die guten Seiten der Maske akzeptieren muss. Im Epilog wird dieses Thema wieder aufgenommen, die Idee, welche Uwe Voehl impliziert ist allerdings schwach und durch die Einstellung der „Henker“ Romane sowie der „Vampir“ Reihe waren einige Leser - wie Frank Duwald, welcher ein enthusiastisches Vorwort für den Band geschrieben hat - enttäuscht. Natürlich lassen sich die bisherigen Ereignisse durch dieses Rahmen aus einer gänzlich anderen Perspektive betrachten, aber die Idee der weitergereichten Henkermaske wird ebenfalls negiert. Bis auf dieses schwache Ende ist „Das Haus der Alpträume“ ein streckenweise sehr gut geschriebener Roman, der insbesondere kurz vor dem Epilog über eine Reihe sehr guter, farbenprächtig beschriebener Szenen verfügt. Die obligatorische Traumsequenz - dieses Mal sieht sich Michael Berger als Jugendlicher - ist dagegen eher statisch und unterbricht den laufenden Handlungsbogen an einer unglücklichen Stelle.

Die Neuauflage der „Henker“ Romane erschließt einer neuen Generation von Lesern ein populäres Frühwerk Uwe Voehls. Die Romane ragen insbesondere aus den teilweise unglaublich schlechten und unter Zeitdruck niedergeschriebenen Heftromanen der „Vampir“- Reihe heraus. Wer Uwe Voehls Arbeiten an der „Coco Zamis“ Reihe kennt, wird einige Überschneidungen - weniger handlungstechnisch, sondern eher von der Struktur - erkennen, im Vergleich zu seinen gotisch- mystischen Kurzgeschichten, welche in der Sammlung „Schwarze Herzen“ veröffentlicht worden sind, zeigen sie einen ganz anderen Uwe Voehl, der mit den Klischees und Gesetzen des Horror- Heftromans manchmal sehr zum Vergnügen des Lesers spielt, dann allerdings auch wieder unheimliche und auch heute noch lesenswerte Szenen in seine geradlinigen, zeitlosen und ungemein unterhaltsamen Abenteuer integriert. Ein weiterer Pluspunkt ist die Zusammenfassung der „Henker“ Abenteuer in zwei „Vampir“- Sammelbänden, während Dan Schockers „Burg Frankenstein“ Romane über verschiedene Sammelbände teilweise in Kombination mit unterdurchschnittlichen Einzelromanen kombiniert worden sind.

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Uwe Voehl: "Vampir 7- Das Archiv der schwarzen Särge"
Roman, Hardcover, 447 Seiten
Zaubermond- Verlag 2008

Weitere Bücher von Uwe Voehl:
 - Coco Zamis 16: Der Buena Vista Todes-Club
 - Der Kuss der Medusa
 - Die Totenmesse
 - Schwarze Herzen
 - Vampir 12- Die Teufelsanbeter
 - Vampir 13- Fluch der Hexe
 - Vampir 8- Das Schloss der 1000 Tode

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