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Vampire



Uwe Voehl

Vampir 8- Das Schloss der 1000 Tode

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Das Schloss der tausend Tode“ liegen im Rahmen der Anthologie Reihe „Vampir Horror“ die letzten vier Hexer Romane von Uwe Voehl behutsam überarbeitet als schöne, handliche Hardcover Ausgabe vor. Die ersten vier Romane sind in dem Band „Das Archiv der schwarzen Särge“ zusammengefasst worden. Es empfiehlt sich, den ersten Anthologieband zu erst zu lesen und dann sowohl vor dem Beginn der Lektüre dieser vier Romane das unterhaltsame Vorwort von Uwe Anton als auch das informative Nachwort von Uwe Voehl zu erst zu lesen.

Uwe Voehl geht in seinem Nachwort kurz auf die etwas kuriose Entstehungsgeschichte des fünften „Henker“ Romans ein. Die ersten vier Bände sind in der Vampir- Horror Reihe erschienen. Mit der Einstellung der Vampir- Horror fühlte sich Uwe Voehl ein wenig heimatlos. Nach Absprache mit Uwe Anton – wie von Uwe Anton im Vorwort humorvoll beschrieben – begann Uwe Voehl unter Antons Pseudonym Logan Derek die Teile sechs bis acht der Henker Reihe im Rahmen der Gespenster- Krimis des Bastei Verlags zu veröffentlichen. Für einen ersten Nachdruck in der Reihe „Dämonenland“ wollte Uwe Voehl die etwas sehr krassen Übergänge zwischen den Vampir- Henker Romanen und den Gespensterkrimis glätten, in dem er einen fünften Band nach einem alten angefangenen, aber nicht vollendeten Fragment für die Nachdrucke geschrieben hat. Aus diesem Fragment ist „Das Schloss der Tausend Tode“ geworden. Leider merkt der aufmerksame Leser dem Roman an, dass Uwe Voehl in erster Linie die losen Enden zwischen dem vierten und sechsten Band miteinander verbinden wollte. Immer wenn Uwe Voehls ausschweifende, morbide und atmosphärisch gut umgesetzte Phantasie zu streifen beginnt, führt der Autor den Plot wieder stringent, aber nicht immer effektiv zum eigentlichen Ziel zurück. Dabei weißt die Handlung mit dem im Grunde allgegenwärtigen Schloss in einer fremden( ?) Welt sehr viele interessante Ansätze auf. Ganz bewusst geht der Autor auf verschiedene Legenden ein und ist sich nicht zu schade, zum Beispiel auf Bram Stokers „Dracula“ in einer der am meisten überraschenden Szenen zurückzugreifen. Auch wenn der Henker nicht weniger vom Auftreten des Großvaters aller Vampire überrascht ist, kann er sich einige spöttische Kommentare bzw. Seitenhiebe nicht ersparen. Die erfrischend, bodenständige Vorgehensweise unterstreicht die Surrealität des Geschehens. Diese Plotebene wird von Uwe Voehl sehr gut vorbereitet. Im Gegensatz zu zum Beispiel Uwe Antons Gruselgeschichten, die in den Weltstädten wie London angesiedelt worden sind, konzentriert sich für Uwe Voehl der Horror im kleinen beschaulichen Dorf oder in grauen Städten wie Hagen. Den Kontrast zwischen der nur vordergründig ruhigen Dorfatmosphäre und den dunklen Mächten, oft aus grauer Vergangenheit heraufbeschworen, zeigt der Autor gleich in den ersten Sequenzen des Romans sehr gut auf. Da wird der Abendspaziergang mit dem dreijährigen Jungen und dem Hund zu einem Alptraum, als der Junge der Versuchung erliegt, in den seit vielen Jahren verlassenen und verruchten Dorfkrug einzudringen. Jede kleine Untat wird folgerichtig und konsequent bestraft. Im Vergleich allerdings zu den ersten vier Henker- Romanen gelingt es der Figur nur selten, im Rahmen der Odyssee durch eine groteske Phantasiewelt mit tödlichen Strudeln und boshaften Töchtern sowie verstimmten Nachbarn zu agieren. Ihm bleibt kaum die Zeit, auf das Geschehen zu reagieren und so resigniert der Henker zumindest vordergründig am Ende des Buches hinsichtlich der Machenschaften des Marquis. Das Ende des Romans ist ganz bewusst sehr offen gestaltet, um den Übergang zum einige Jahre vorher geschriebenen Hexer- Roman zu ermöglichen. Zusammenfassend ist „Das Schloss der tausend Tode“ eine ambivalente Arbeit mit Stärken insbesondere hinsichtlich der Atmosphäre und einiger makaberer Sequenzen, aber Schwächen bei der Charakterisierung der einzelnen Figuren und hinsichtlich des Gesamtplots, der zu sehr unter der angestrebten Verbindungskonstruktion leidet.
“Die Wölfischen” ist der erste Henker Roman im Rahmen der Gespenster Krimis gewesen. Seinen Protagonisten stellt Uwe Voehl in einer James Bond Hommage als Uwe Münch vor. Erst will in der Nähe Lüneburgs auf einem kleinen Dorf seinen langjährigen Freund besuchen. Bei der nächtlichen Fahrt auf regennassen Straßen kollidiert er beinahe mit einer seltsamen Erscheinung. Es begegnen ihm eine Handvoll von geheimnisvollen Jägern, bevor er dann von der Schwester seines Freundes geleitet endlich am Ziel ankommt. Dort wird während er duscht von Unbekannten seine Tasche durchsucht und die Henkermaske in einem Geheimfach entdeckt. Münch behauptet, zu einer Organisation der Henker zu gehören, aber nicht unbedingt der Henker zu sein, den der Leser bislang in verschiedenen Inkarnationen in den ersten Henkerroman kennen lernen konnte. Im Dorf haben sich einige Freunde versammelt, um auf die Wiederkehr der Wölfischen zu warten, einer bestimmten Figur aus dem Tarotspiel. Eher widerwillig wird Uwe Münch in die Geschehnisse mit hinein gezogen, als sein Freund plötzlich verschwindet. Kaum scheinen sich die erste Schleier zu lüften, zieht Uwe Voehl eine zweite Alptraumebene in den Roman ein und beginnt das bislang realistische Geschehen zu negieren.

Ein routinierter Leser erkennt relativ schnell, dass der fünfte Band der Henkerserie deutlich nach dem sechsten Roman entstanden ist. Die Charakterisierung der einzelnen Protagonisten wirkt trotz einer augenscheinlich gewissenhaften Überarbeitung des Romans noch ein wenig rau, ein wenig zu extrem. Es gibt für den Autoren keine mittlere Ebene, die meisten Figuren wirken sperrig und unzugänglich. Die Dialoge sind allerdings schon sehr realistisch, wenn insbesondere auch Uwe Münch manchmal ein wenig zu sehr ins Erzählen kommt. Die eigentliche Handlung ist kurzweilig, die einzelnen Höhepunkte sehr gut gesetzt und über weite Strecken kann sich der Leser sehr gut mit dem Geschehen identifizieren. Vor allem der Griff zu den Tarotkarten und ihr gezielter Einsatz in der Realität ist effektiv und eine neue Idee, geschmeidig umgesetzte Idee. Atmosphärisch wirkt der Roman deutlich weniger als packend als im Vergleich “Das Schloss der tausend Tode”. Atmosphärisch überzeugende Ansätze wie die anfängliche Fahrt durch den Regen und später die Erkenntnisse, als einziger Mensch, aber nicht als einziges Wesen in einem Mehrfamilienhaus zu wohnen, sind vorhanden und werden von Uwe Voehl sehr effektiv eingesetzt. Aber gegen Ende des Buches zerfällt der Plot in einzelne Szenen, die zwar isoliert gut geschrieben worden sind, aber nicht mehr ganz harmonieren. Zumindest impliziert hat der Leser das Gefühl, als wollte Uwe Voehl deutlich mehr experimentieren, als Uwe Anton bzw. die Gespenster Krimis zu dieser Zeit zugelassen haben. Die Figur des Henkers muss einem “neuen” Publikum vorgestellt werden und das nimmt insbesondere im letzten Teil des Heftromans zu viel Raum ein. Sie wirkt ein wenig zu alt vertraut und treibt im Kern den Spannungsbogen zu wenig heran. Uwe Voehl hat in seinem Nachwort Recht, die Unterschiede zwischen den ersten vier Henker- Romanen und dieser ersten Fortsetzung im neuen Gewand sind spürbar und konnten nur teilweise dank der Überleitung in “Das Schloss der tausend Tode” geglättet werden.

Der geradlinigste Roman der Sammlung ist wahrscheinlich “Die Herberge der bleichen Mörder”. In diesem kompakten Abenteuer spielt Uwe Voehl von Beginn an mit den Erwartungen seines Publikums. Das beginnt bei der rasanten Auftaktsequenz, in welcher der Ich- Erzähler ein hübsches Mädchen vor einem aus dem Nichts erscheinenden Mann mit einem Messer zu retten sucht. Der auf der Nordseeinsel reichlich vorhandene Sand als Blendmittel funktioniert nicht, da anscheinend nur das Messer real ist. Ins Nichts hinein verschwindet auch der Attentäter, auch wenn die Gestalt dem ich- Erzähler vertraut vorkommt. Es scheint sich um die Inkarnation eines Frauenmörders zu handeln, der allerdings vor vielen Jahren gestorben ist. Vorsichtig dringt man in das seltsame Geschehen auf der Insel ein. Eine Seance beschwört weitere Mordgestalten, deren schreckliche Taten Uwe Voehl in Zwischenkapiteln rekapituliert, deren Motive aber nicht klar ersichtlich sind. Augenscheinlich will jemand nicht nur die Bevölkerung tyrannisieren, sondern sucht übernatürliche Verbündete. Sehr geschickt offenbart der Autor seinen Lesern die Komplexität des Geschehens auf der auch bevölkerungstechnisch überschaubaren Insel. Es geschehen zwei Morde, die eine enge Verbindung zu den Seancen haben könnten. Nur die auf den ersten Blick verdächtige Frau scheint mit diesen Bluttaten nichts zu tun haben zu wollen. Da der Leser das Geschehen – bis auf die angesprochenen Zwischenkapitel – ausschließlich aus der Perspektive des Henkers verfolgt, wirkt der Roman deutlich dynamischer als einige der insbesondere zum Schluß konstruierten Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren suggerieren. Atmosphärisch dicht mit einem kleinen, aber nicht unbedingt effektiven Paukenschlag beendet Uwe Voehl das grausige Geschehen auf der Insel. Stimmungstechnisch gelingt es ihm ausgezeichnet, das raue und doch so faszinierende Inselleben in einfachen, aber effektiven Bildern zu beschreiben. Im Vergleich zu einigen anderen Henker- Romanen funktionieren im vorliegenden Band insbesondere die Nebenfiguren. Mit kurzen, prägnanten Beschreibungen gibt Uwe Voehl den einzelnen Typen überzeugende Charakterzüge. Der Ich- Erzähler wird mit einer Mischung aus Misstrauen und Bewunderung bei jeder seiner Handlungen beobachtet. Zur Mitte des Buches hat der Leser das Gefühl, als könne er das Geschehen wenn nicht kontrollieren, so zumindest überblicken, bevor zum obligatorischen Showdown hin wichtige Dämme brechen und Uwe Voehl seiner morbiden Phantasie freien Lauf lässt. Obwohl vielleicht die Idee, berühmt berüchtigte Mörder aus der Historie zu beschwören aus heutiger Sicht nicht unbedingt neu ist, funktioniert der Plot aufgrund der Ernsthaftigkeit, mit welcher der Autor die Handlung ausgesprochen geradlinig und bodenständig vorantreibt gut. So schließt Uwe Voehl schließlich den Kreis mit der Figur des BLEICHEN und konkretisiert die Bedrohung für die Protagonisten am Ende des Romans entsprechend.

Der bislang letzte „Henker“ Roman „Monster- Alarm“ schließt den Kreis zumindest der neuen Romane. Zwar geht Uwe Voehl auf die Fähigkeit der Henker- Maske ein, den jeweiligen Träger mit dem originären Geist zu verbinden, aber nach einem rasanten, aber sehr stark an den Vorgängerroman erinnernden Auftakt steht in erster Linie der Club der schwarzen Henker, die aus dreizehn Maskenträgern bestehende Vereinigung im Kampf gegen das Okkulte im Mittelpunkt des Geschehens. Augenscheinlich stellten die Begegnungen mit dem BLEICHEN und der Wölfischen nur einen düsteren Auftakt im Kampf gegen die Schergen des HAIs dar. Während Muench weiterhin der Ansicht ist, das Okkulte bekämpfen zu müssen, sehen einige seiner Mithenker wichtige Chance vertan, mit dem Wesen hinter den übernatürlichen Erscheinungen Kontakt aufzunehmen. Schnell steht Muench zwischen allen Fronten, zumal seine Freundin Rita plötzlich verschwunden ist. Anscheinend wollen die Mitglieder aus den eigenen Reihen sich nicht alleine auf das gesprochene Wort verlassen.

Plottechnisch nimmt Uwe Voehl die gerade Struktur der „Herberge der bleichen Mörder“ wieder auf. Im Sammelband bleiben dem Leser die verschiedenen Querverweise sehr viel stärker im Gedächtnis als in der sich über einen deutlich längeren Zeitraum hinstreckenden Veröffentlichung im Rahmen einer Anthologie Heftromanreihe. Wirkten die ersten neuen Abenteuer des Henkers noch allein stehend, ist es für das Verständnis der unterschiedlichen Positionen wichtig, alle Romane in der hier angebotenen chronologischen Reihenfolge gelesen zu haben. Nur folgerichtig löst sich in diesem Roman sein letztes Band mit der Realität auf. Er wird geschickt durch die Anführer der Gruppe und ihre gegen die Satzung verstoßende Vorgehensweise isoliert und führt fortan einen Zweifrontenkrieg. Im Gegensatz allerdings zu den anderen „Henker“ Romanen kann der Ich- Erzähler viel stärker agieren als reagieren. Dadurch wirkt sein Charakter auch dreidimensionaler, die Handlung deutlich packender. Auf der anderen Seite bedingt die Ich- Erzähler Perspektive und der fehlende Zugriff auf Informationen außerhalb der Kernbetrachtung des Protagonisten, dass vieles mehr ein bisschen umständlich durch Dialoge erläutert werden muss. Diese Zwiegespräche sind zwar stilistisch ansprechend und deutlich zeitloser als bei vielen anderen Heftromanen der siebziger und achtziger Jahre geschrieben worden, sie hemmen aber in wichtigen und packenden Sequenzen teilweise den Lesefluss. Hinsichtlich einer morbiden Atmosphäre kann Uwe Voehl in „Monster- Alarm“ nicht an die teilweise sehr guten Arbeiten der anderen hier gesammelten „Henker“ Romane anknüpfen. Dafür sind die Antagonisten aber zugänglicher und damit überzeugender gezeichnet, auch wenn am Ende des Bandes irgendwie der Platz nicht mehr für ein gänzlich zufrieden stellendes Ende der Geschichte gereicht hat. Wie das impliziert offene Ende suggeriert, wollte sich Uwe Voehl nicht ganz vom Geist des „Henkers“ verabschieden, auch wenn er in den Bänden fünf bis acht weniger prägnant, weniger dominierend in Erscheinung tritt. Der Leser hat schnell das Gefühl, das Uwe Muench einige der Geistererscheinungen auch ohne die Henkersmaske und die Verbindung mit dem Geist des ersten Henkers lösen könnte. Unabhängig von den hier angesprochenen Schwächen ist „Monster- Alarm“ ein zufrieden stellendes Ende der Serie, das ganz bewusst den Rahmen breiter setzt als die vorangegangenen Romane.

Wie der erste Band „Das Archiv der schwarzen Särge“ zeigt auch „Das Schloss der tausend Tode“, wie qualitativ überlegen die „Henker“ Serie vielen anderen herunter geschriebenen Arbeiten gewesen sind. Stilistisch ansprechend, atmosphärisch kompakt mit gut gezeichneten, zugänglichen Figuren, teilweise mit den Klischees des Genres spielend unterstreicht Uwe Voehl, das er seine Vorbilder wie Neal Davenport, Ernst Vlcek oder Hugh Walker nicht kopieren wollte, sondern sich an ihren Stärken orientierend eigene interessante Wege gegangen ist. Die Neuauflage in den beiden schön gestalteten Zaubermond Hardcovern ermöglicht es einer neuen Generation von Lesern, eine der sicherlich lesenswertesten Minihorrorserien behutsam überarbeitet und nur wenig modernisiert kennen zulernen.


Uwe Voehl: "Vampir 8- Das Schloss der 1000 Tode"
Anthologie, Hardcover, 447 Seiten
Zaubermond Verlag 2009

Weitere Bücher von Uwe Voehl:
 - Coco Zamis 16: Der Buena Vista Todes-Club
 - Der Kuss der Medusa
 - Die Totenmesse
 - Schwarze Herzen
 - Vampir 12- Die Teufelsanbeter
 - Vampir 13- Fluch der Hexe
 - Vampir 7- Das Archiv der schwarzen Särge

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