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Thriller



Rex Miller

Chaingang

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Chaingang” legt die “Edition Phantasia” den dritten Roman um Daniel “Chaingang” Bunkowski und den dritten Rex Miller Roman im Rahmen ihrer Paperbackreihe “Crime” vor. “Fettsack” definierte einen neuen Antihelden.
Rex Miller provokanter Debütroman “Fettsack” aus dem Jahr 1987 definierte Daniel Bunkowski als mehr als 500 Pfund schweren Verrückten mit mehr als dreihundert bestätigten zum Teil Auftragsmorden sowie einen kaum messbaren Intelligenzquotienten. Am Ende unterlag Bunkowski dem fast an diesem Fall zerbrechenden Detektive Jack Eichord, der in fast allen Rex Miller Romanen eine mehr oder minder wichtige Rolle spielt. Drei Jahre später folgte mit “Slice” eine Fortsetzung, die Bunkowski für den Leser eher schwerer überzeugend von den Toten wieder erweckt hat. Trotzdem gelang Rex Miller ein ausgesprochen stringenter, brutaler Roman mit einer zufrieden stellenden Auflösung. Miller machte allerdings nicht mehr den Fehler, seinen Antihelden am Ende des Buches sterben zu lassen. Bei “Chaingang” machte Rex Miller allerdings eine Reihe von aus kommerziellen Gründen erklärbare, aber angesichts der Qualität der bisherigen Bücher kaum verzeihbare Fehler. So verzichtete er gänzlich auf Jack Eichord, im Grunde mehr als der Nemesis Chaingang. In den bisherigen Büchern hat sich der gewichtige psychopathische Massenmörder mit so vielen Feinden final auseinandergesetzt, dass Jack Eichord als einziger Mensch, der ihn zumindest für kurze Zeit besiegt hat, alleine aus Spannungstechnischen Gründen aus dem Plot nicht wegzudenken wäre. Anstatt eine ähnliche charismatische Figur zu entwickeln, die Chaingang vielleicht final besiegen könnte, entsteht so im Verlaufe des Plots ein Vakuum, das selbst die teilweise exzessiven Ideen nicht zufrieden stellend schließen können.
So wird Chaingang vom Militär als perfekte Wunderwaffe für einen in erster Linie in Feindesland ausgefochtenen Konflikt angesehen. Im Bundesgefängnis von Marion festgehalten bilden die Militärs - eine eher groteske Idee - Chaingang aus und bauen für ihn ein riesiges Areal, auf dem er sich austoben kann. Überwacht werden soll er - schlechte Idee - mittels eines Peilsenders. Auch wenn Rex Millers Intention klar ist, insbesondere im Gefolge des Kalten Krieges das Machtgehabe der Militärs und ihre Rücksichtslosigkeit zu kritisieren - in diesem Punkt reiht sich “Chaingang” zum Beispiel in Romeros “Day of the Dead” ein, in dem selbst die rudimentären Reste des amerikanischen Militärs mit Zombies experimentiert haben - , wirkt die Vorgehensweise zu überambitioniert. Rex Miller hat - wie schon angesprochen - auf die Konzeption eines überzeugenden Antagonisten für Chaingang verzichtet, auch die wenigen erkennbaren Protagonisten wirken eher eindimensional bis klischeehaft entwickelt. Auf diesen Punkt muss noch einmal gesondert eingegangen werden, da nicht nur die Nebenfiguren unter ihren Charakterisierung förmlich leiden, sondern sich auch Rex Miller für den Leser eher paradoxerweise bemüht hat, “Chaingang” in den geschmacklich eher kranken Mainstream zu integrieren. Unabhängig von diesen noch anzusprechenden Punkt ist der Leser insbesondere den Nebenfiguren was den eigentlichen Plot angeht, Meilenweit voraus. Während die verschiedenen Profikiller inklusiv Chaingang sich noch in der extra für sie konstruierten Siedlung zu orientieren suchen, versuchen die Nachbarn dieser kleinen Missouri Stadt hinter den Plan des Militärs zu kommen. Natürlich mit fatalen Folgen für sie.

Warum Rex Miller eher ambivalent und nicht wirklich überzeugend angefangen hat, aus “Chaingang” eine Art Helden zu machen, bleibt unverständlich. Der Charakter gibt auf dem Papier für diese Entwicklung zu wenig her. Ihn mit Freddy Krueger vergleichen zu wollen obwohl er eher Jason aus den „Freitag, der 13.“ Filmen gleicht, kommt nicht in Betracht. In den nächsten Büchern wird diese Idee noch weiter fortgesetzt, in dem Chaingang zum Beispiel auf seine gewalttätige Mutter trifft, die angeblich für sein jetziges Wesen alleine verantwortlich ist. Im bislang letzten Buch der Serie attackiert Chaingang sogar einen ehemaligen Doktor eines Konzentrationslagers. Obwohl immer noch grenzwertig milderte die kurzlebige unabhängig produzierte Comicserie die Figur noch weiter ab. Chaingang ist im vorliegenden Band immer noch ein psychopatischer Massenmörder, der sich drastisch der Zahl vierhundert für Opfer nähert. Rex Miller fallen eine Reihe von perfiden Mordmethoden ein, die Chaingang mit brutalster Gewalt und sadistischer Freude umsetzt. Dabei wandelt der Autor auf einem extrem schmalen Grad. Zum einen wirkt es unglaubwürdig, dass sich Tierschänder - ein wiederkehrendes Motiv in verschiedenen Miller Romanen - oder Drogendealer sowie korrupte Politiker oder unfähige Militärs ausgerechnet wie bei einer Parade unglaubwürdig auf dem Übungsgelände versammeln und somit zum Freiwild Chaingangs werden. Von den verschiedenen Massenmördern abgesehen, die wie Chaingang zu idealen, aber natürlich auch unkontrollierbaren Waffe ausgebildet werden sollten.
Nach einem soliden und teilweise überraschenden Auftakt, in dem weder Chaingang noch der Leser die wahren Absichten hinter der Verlegung nach Marion ahnen - ist der Mittelteil des Buches immer noch zufrieden stellend, sicherlich phasenweise spannend, aber in erster Linie als Aneinanderreihung von Chaingangs Gewalttaten gegen - wie schon angesprochen - Menschen, die es natürlich verdienen, auf grausamen Weise ums Leben zu kommen auch vorhersehbar. Im Vergleich zum ersten Band der Serie, in dem das Tempo und die Spannung zum finalen Showdown hin stark ansteigen, ist Rex Miller bei der Auflösung von “Chaingang” leider nur der obligatorische James Bond Schluss eingefallen. Das Gelände wird gesprengt und somit in den Augen der Öffentlichkeit alle relevanten Spuren beseitigt. Mit dieser Vorgehensweise macht es sich Rex Miller zu einfach, zumal er zu auffällig auf die obligatorischen wie auch folgenden Fortsetzungen hinweist. Im Gegensatz zu vielen anderen eher urbanen Thrillern, in denen Rex Miller die schmierige sadistische Unterwelt beleuchtet hat, fühlt er sich offensichtlich in dem militärischen Umfeld nicht sonderlich wohl. Dem vorliegenden Roman fehlt die dichte dunkle nihilistische Atmosphäre dieser Bücher - hier seien sowohl “Fenzy”, aus der Chaingang Serie der Eichborn Thriller “Iceman” oder wie schon angesprochen der Auftaktroman “Slob” expliziert genannt - , Rex Miller konzentriert sich sehr stark auf seinen nicht gänzlich überzeugenden Plot und stellenweise reduziert der Autor insbesondere seine markanteste Schöpfung auf eine Art “Freddy Krueger” der Schwergewichtsklasse, der inzwischen zu einem Kultphänomen, aber keinem ernstzunehmenden Feind geworden ist. Sicherlich wird das Buch in erster Linie die zahlreichen Chaingang Jünger ansprechen, welche die Taten ihres Heroen huldigen und nicht unbedingt über Plottiefe oder gar Charakterisierung von Figuren nachdenken, welche die nächsten zehn Seiten sowieso nicht unbedingt überleben werden. Steffen Winkler hat für diese Leser den Roman mit seinem passenden Titelbild gut und prägnant zusammengefasst. Um aus dem bekannten Szenario wirklich einen originellen und packenden Roman zu machen, fehlt Rex Miller überraschenderweise das Gefühl für Satire oder zumindest Groteske. Die Ansätze sind vorhanden, doch aufgrund seiner biederen, wenn auch im Rahmen der Serie wie schon angesprochen brutalen Erzählstruktur verschenkt Miller zu viele gute Ansätze und der Plot gleitet so von einem Chaingangmord zum nächsten. In dieser Hinsicht ist der vorliegende Band der bislang schwächste Roman der Serie, der deutlich aufzeigt, das ein Konzept nicht durch stetige Wiederholung vor unterschiedlichen Hintergründen originell und überzeugend bleibt. Joachim Körber hat eine solide Übersetzung für einen eher enttäuschenden, durchschnittlichen und unglaublich viel Potential verschenkenden Roman angefertigt.



Rex Miller: "Chaingang"
Roman, Softcover, 400 Seiten
Edition Phantasia 2010

ISBN 9-7839-3789-7431

Weitere Bücher von Rex Miller:
 - Fettsack
 - Im Blutrausch

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