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Thriller



Rex Miller

Im Blutrausch

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Frenzy” erscheint einzunzwanzig Jahre nach der Erstveröffentlichung 1988 Rex Millers zweiter Roman nach “Slob” in der Edition Phantasie auf Deutsch. Laut verschiedenen Interviews hat Rex Miller den vorliegenden Roman in achtzehn Minuten herunter geschrieben. Die Eile, mit welcher Miller den Text niedergeschrieben hat, bewirkte hinsichtlich des stringenten Plots eine unheimliche Dynamik, auf der anderen Seite wirken manche Handlungsstränge eher überhastet verfasst, bis zum Klischee durchkomponiert und die Romanze des ermittelnden Polizisten Jack Eichborn ist eine kaum veränderte Kopie des ersten Bandes. Kritiker haben sicherlich Recht, das „Frenzy“ in der Betrachtung der illegalen Untergrundpornographie deutlich weiter als Nicholas Cage „8 MM“ geht. Das ist nicht überraschend. Im Gegensatz zu der Multimillionen Dollar schweren Filmproduktion fällt es Rex Miller leichter, die schmierige, brutale Seite der S/M und Snuff Pornographie bis ins kleinste Detail darzustellen. In den zwanzig Jahren, die seit dem Erscheinen von „Frenzy“ vergangen sind, haben sich Autoren wie Andrew Vacchs deutlich intensiver und mit besser ausgearbeiteten Charakteren wie dem Privatdetektiv Burke mit dem Thema auseinandergesetzt.

Tiff ist eine etwas naive, aber sehr attraktive sehr junge Dame, die sich in den falschen Mann verliebt. Erst erobert der Gigolo ihr Herz, dann beginnt er sie – ihr unbewusst – systematisch sexuell auszubilden. Jeglichen Widerstand überwindet er erst mit guten Worten und schließlich Drogen. Danach lässt er sie anschaffen. Ihr erster Kunde ist ein perverser Sadist, der sie brutal verprügelt. Nicht mehr als Prostituierte einsetzbar wird Tiff an eine Pornofilmgruppe verkauft, welche besonders brutale S/M Filme dreht. Nachdem sich ihre Nützlichkeit abgenutzt hat, landet sie schließlich bei einem reichen Perversen, der sie tötet. Ein alltägliches Schicksal. Nur hat Tiff einen ungewöhnlichen Vater. Frank Spain ist ein professioneller Killer. Einer der besten und rücksichtslosesten Auftragsmörder. Emotionslos wie eine Maschine hat er bislang nur Menschen umgebracht, für die er einen Auftrag erhalten hat. Jetzt beginnt er erst nach seiner Tochter zu suchen. Rex Miller hat den Absturz Tiffs und die ersten Ermittlungen Spains in einer sehr guten Parallelmontage inszeniert, der Leser verfolgt das Geschehen in beiden Spannungsbögen auf Augenhöhe, ist allerdings gegen Frank Spain wissenstechnisch in einem eindeutigen Vorteil. Während Tiffs Verschwinden im Milieu distanziert, bis auf zwei extrem sadistische Szenen emotionslos und schonungslos beschrieben worden ist, erinnert Frank Spains Rachefeldzug an die Gewaltpornographie, welche Rex Millers Chaingang Romane gekennzeichnet hat. Im Gegensatz allerdings zu den Chaingang Büchern ist der Leser auf Spains Seiten und wird aus der Position des Voyeurs heraus emotional vom Autoren glänzend manipuliert. Jack Eichords Ermittlungen verbinden die beiden Handlungsebenen. Anfänglich ist der Leser insbesondere Eichord Meilenweit im voraus. Er weiß, wer das eigentliche Opfer und was ihr zugestossen ist. Er kennt die Motive Spains und kann sich mit ihnen identifizieren. Die Ermittlungen Eichord nehmen insbesondere dem elementaren Mittelteil die entsprechende Dynamik. Ob Rex Miller die nihilistisch dunkle Atmosphäre ein wenig aufhellen wollte, kann diskutiert werden. Das er aber Jack Eichord wieder eine Frau mit Vergangenheit kennen lernen lässt, ist dagegen die größte Schwäche des Romans. Isoliert von „Slob“ betrachtet wirkt diese Romanze eher künstlich und nicht natürlich. Im Vergleich zu „Slob“ dagegen einfallslos und ein Autor sollte sich nicht in seinem zweiten Roman schon wiederholen. Erst gegen Ende des Buches, spannungstechnisch im Grunde unnötig und zu spät, agiert Jack Eichord auf Augenhöhe. Zumindest impliziert stellt sich der Leser die Frage, ob die Figur des Detektivs nicht nachträglich eingefügt worden ist, um „Frenzy“ unnötigerweise in die „Chaingang Serie einzubinden.

Im Vergleich zu seinem ersten Roman gelingt es Rex Miller, die einzelnen Charaktere deutlich dreidimensionaler und intensiver zu beschreiben. Dominierte im ersten Werk seine „Erfindung“ oder besser Schöpfung „Chaingang“ das Geschehen, neben der kein Polizist bestehen kann, gelingt es dem Autoren sehr überzeugend, Frank Spain als professionellen Killer mit einer auf den ersten Blick altbackenen erscheinenden Würde und gleichzeitig brutalen und emotionslosen „Man on a Mission“ zu beschreiben. Der Leser nimmt dem Autoren an, das Frank Spain zwischen Privatleben – mit Tiff als seinem ganzen Stolz – und seinem Job unterscheiden kann. Rex Miller folgt allerdings auch der Vigilantenmentalität der „Death Wish“ Film. Der große Unterschied ist, das Frank Spain im Gegensatz zu Charles Bronson kein unbescholtener Mann ist und zweitens seine Gegner hundertmal gefährlicher sind als die „gewöhnlichen“ Gewaltverbrecher, denen Bronson in New York auf die Pelle rückt. Die Balance zwischen brutalen urbanen Horrorthriller und Gewaltpornographie ist schmal und im Verlauf des letzten Drittels des Romans überschreitet Rex Miller diese Grenze mehrmals. Auch wenn Frank Spain wenig echte Freude an seinem aus seiner Sicht notwendigen und berechtigten Rachefeldzug hat, verliebt sich Miller in die einzelnen Gewaltszenen. Nicht nur die Protagonisten fühlen sich beschmutzt, auch der Leser. Ähnliche Sequenzen hat man erst Jahre später in Jack Ketchums ähnlich schwer verdaulichem „The Girl next Door“ wieder gelesen. Frank Spain ergötzt sich nicht an dem Schmerz, den er zufügt, er sieht es als notwendige Bestrafung für die direkt oder indirekt am Tod seiner Tochter verantwortlichen Menschen. Fast biblisch wird das Motiv „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ überbetont. Dagegen ist Jack Eichord fast eindimensional angelegt. Er kann die Spuren der sich über den Kontinent ziehenden brutalen Mord- und Folterserie nur einsammeln und entwickelt trotz einer besseren Anlage wenige über den ersten Roman hinausgehende Charaktereigenschaften. Tiff an sich ist zu klischeehaft mädchenhaft, im Grunde zu dumm angelegt. Rex Miller nimmt sich nicht die Zeit, ihrer Figur ein sympathisches Profil zu geben. Jack Ketchum hat es in „The Girl next door“ erfolgreich versucht. Aber beide Mädchen erleiden ein grausames, teilweise unerträglich zu lesendes Schicksal. Alle anderen Figuren – in erster Linie Opfer – verschwimmen im Verlaufe des Buches zu sadistischen, mörderischen Unmenschen, die ihren Tod mehr als einmal verdient haben. Frank Spain lässt sie vor ihrem gewaltsamen Abgang zumindest einen kleinen Teil der Rechnung bezahlen.

Plottechnisch stellt „Frenzy“ eine deutlich Verbesserung gegenüber „Slob“ dar. Die grundlegende Geschichte ist realistischer und damit auch unangenehmer. Der Autor „liebt“ es, seinen Figuren Schmerzen zuzufügen und die sadistischen Details der verschiedenen Sexpraktiken gehen über die Voyeuristische hinaus. Die Dynamik der ersten Hälfte des Romans kann Rex Miller aber nicht bis zum Showdown durchhalten. Dieser wirkt teilweise zu eindimensional und vorhersehbar. Im Gegensatz zu dieser Schwäche hat Rex Miller von Beginn die Klischees des gesetzestreuen Durchschnittsbürgers negiert, der aufgrund der Unfähigkeit der Behörden gezwungen worden ist, das Gesetz in die eigene Hände zu nehmen. Frank Spain ist das typische Beispiel des falsches Mannes, den die Sexverbrecher reizen. Der Leser nimmt ihm seine rücksichtslose, brutale, aber effektive Vorgehensweise ab und nur selten muss Miller in seinem Plot auf konstruierte Brücken zurückgreifen. Die Neuauflage in der Edition Phantasie legt hoffentlich die Aufmerksamkeit auf diesen in Hinsicht auf Rex Millers sonstige Werke ungewöhnlichen Roman, der einem überstrapazierten Subgenre mit manchmal kaum erträglicher Gewalt und einer interessanten Mischung aus Shaun Hutson und Andrew Vachss zumindest kurzzeitig neue Impulse geschenkt hat.




Rex Miller: "Im Blutrausch"
Roman, Softcover, 288 Seiten
Edition Phantasia 2009

ISBN 9-7839-3789-7349

Weitere Bücher von Rex Miller:
 - Chaingang
 - Fettsack

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