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Thriller



Maurice Leblanc

Die Gräfin Cagliostro

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Die Gräfin von Cagliostro” legt der Berliner Verlag Matthes & Seitz den ersten Band seiner Arsene Lupin Reihe aus der Feder des populären französischen Autoren Maurice Leblanc vor. Es ist trotz des Hinweise auf die Jugend des Arsene Lupin nur chronologisch der erste Roman. Ab 1905 schrieb Leblanc erst für eine französische Tageszeitung die Geschichten um den Gentlemangauner. Der erste Band “Arsene Lupin, der Gentlemangauner” ist kurze Zeit später erschienen. Er offenbart noch die episodenartige Struktur in Kombination mit einer Mischung aus Rückblenden und eingestreuten Informationen. In den folgenden 15 Jahren hat Maurice Leblanc insgesamt ein Dutzend Romane um seine populäre Figur geschrieben, die erstmals auch 1910 auf der Kinoleinwand zu sehen gewesen ist. In einem seiner letzten Werke beschloss der Autor 1922/23, seinem Helden eine tragische Vergangenheit zu geben und verfasste “Die Gräfin von Cagliostro”. In seinem kurzen, aber prägnanten Nachwort stellt Richard Schrötter fest, das Flaubert und Maupassat die Vorbilder Maurice Leblancs gewesen sind. Später ist insbesondere die Figur des Fantomas von seiner Schöpfung beeinflusst worden. Der Autor gibt zwar seinem Dieb einen gewissen Ehrenkodex mit auf den Weg, aber in erster Linie lockt die Versuchung. Schon im ersten Roman hat Arsene Lupin manches Gaunerstück nur der Versuchung wegen durchgeführt und die ergaunerten Kunstschätze dem rechtmäßigen Eigentümer nicht selten gegen Zahlung eines bescheidenen Lösegeldes wieder überantwortet. Selbst der große britische Privatdetektiv Sherlock Holmes - der Name wurde aus urhebertechnischen Gründen leicht verändert, die Figur ist aber überdeutlich zu erkennen - wird bestohlen. Die Mischung aus Abenteuerroman und Detektivgeschichte - also Dumas und in seinem Fahrwasser folgend Leroux - überzeugte das Publikum. Geschickt vermischte Leblanc wie im vorliegenden Roman Fiktion und Fakten. Dabei nahm er immer wieder die in der breiten Masse verpönte Bourgeoisie aufn die Schippe. So ist auch die einflussreiche Dame - die Gräfin von Cagliostro” - ein typisches Beispiel für seine Vorgehensweise. Nur hat der Autor aus der Frau und Mitverschwörerin des Grafen seine Tochter gemacht. Jean Marais verkörperte den Alchimisten und Abenteurer in “Der Graf Cagliostro”, einem der ungemein populären Adventsvierteiler. Auch wenn eine Ironie der Fernsehgeschichte ausgerechnet dieser französische Beitrag zu einem Dreiteiler zusammengestrichen worden ist. Cagliostro ist unter dem Namen Giuseppe Balsamo 1743 in ärmlichen Verhältnissen geboren worden. Nach einer Ausbildung im Kloster ließ er sich in verschiedenen Ländern in obskuren Kräften ausbilden und stellte sich zum ersten Mal in Malta als Graf Cagliostro vor. Er heiratete die hübsche, ihm aber ergebene Lorenza Feliciani, mit welcher er schließlich in Frankreich nicht zuletzt dank der Freimaurerlogen Einfluss auf die höchsten politischen Kreise erhalten hat. Später ist er von der Inquisition wegen Häresie verhaftet worden und verbrachte die letzten Jahre im Gefängnis, in welchem er 1795 starb. Von Beginn an kokettiert Maurice Leblanc mit dieser bekannten historischen Persönlichkeit, in dem er die berüchtigte Popularität des Namens ausnutzt, um die Fronten von Beginn an zu klären. Der Leser muss sich dabei immer vor Augen halten, das im vorliegenden Roman die meisten Leser begierig darauf gewesen sind, Lücken im bewegten Lebenslauf der charismatischen Persönlichkeit Arsene Lupin geschlossen zu sehen und nicht als eine weitere Sensation das Interesse der Leser aufrechterhalten hätte. In dieser Hinsicht eine wunderschöne, aber verschlagene Frau, die möglicherweise langlebig, wenn nicht unsterblich ist, in die Handlung zu integrieren und sie ihre Kräfte mit dem jugendlichen, furchtlosen Arsene Lupin messen zu lassen, ist sicherlich ein interessanter Abschluss - der vorliegende Roman gehörte zu den letzten längeren Arbeiten um Arsene Lupin - als auch Auftakt zu einer der lesenswertesten französischen Pulpreihen.

Sehr geschickt verbindet allerdings Leblanc diese frühe Geschichte des Arsene Lupins – der Name ist noch nicht gefunden, so nennt er sich selbst Raoul D´Aversy – mit weiteren späteren Abenteuern. So hat Caliostro vier Rätsel hinterlassen, von denen zwei Arsene Lupin ins einen späteren Abenteuern lösen wird. Ein drittes ist von einem jungen Mädchen aufgeklärt worden und das vierte steht im Mittelpunkt des vorliegenden Buches. Raoul beobachtet, wie eine Handvoll Männer eine hübsche Frau an einem einsamen Strand stehlen und sie für den Tod dreier ihrer Kameraden zur Verantwortung ziehen wollen. Genau wie die Männer sucht die Gräfin Cagliostro einen siebenarmigen Leuchter, der seit vielen Jahrhunderten verschollen ist. Raoul geling es nicht nur, mit einem Husarenstreich die Frau vor dem Tod durch Ertrinken zu retten, in der nächsten Szene führt er die Männer hinters Licht und kann zumindest einen Arm des Leuchters aus einer Säule bergen. Und das alles nur, um die Aufmerksamkeit und Liebe der geheimnisvollen, aber wunderschönen Frau zu erringen. Deren Herz lässt sich allerdings nicht so leicht erobern und erweichen. Im Gegensatz zum Untertitel „Die Jugend des Arsene Lupin“ ist der zwanzigjährige Held schon mehrmals nicht nur der Gräfin als geschickter und intelligenter Dieb aufgefallen. Mit sechs hat er ein wertvolles Halsband gestohlen, um seiner mittellosen Mutter zu helfen. Diese Episode erzählt Lupin dem Ich- Erzähler und damit direkt dem Leser im ersten Band. Von Reifeprüfung könnte der Autor eher sprechen. Obwohl sein Herz in Liebe für die deutlich ältere, aber sehr attraktive Gräfin entflammt ist, manifestieren sich seine moralischen Grundvorstellungen. Er scheut nicht, Menschen, die es verdient haben, zu töten. Aber nur Menschen, die aus Arsene Lupins manchmal sehr verdrehter Sichtweise Schuld auf sich geladen haben. Er ist noch nicht der arrogante und teilweise eitle Narziss, aber auf dem besten Wege dahin. Ganz bewusst beschreibt ihr Maurice Leblance entweder als tot traurig oder Himmel hoch jauchzend. Lupin berauscht sich an seinen Taten und prüft sich immer selbst. Die Extreme wechseln nicht selten innerhalb eines Kapitels. Auf der einen Seite beschreibt Lupin seine Geliebte, die sich aus dem Nichts heraus als Chefin einer Diebesbande erweist, als Frau, die Bäder im Jungbrunnen nimmt, die mehr als einhundert Jahre alt ist, welche die Tochter des Grafen Cagliostro – und nicht wie in der Historie dessen Ehefrau – ist. Sie hat immer ihre Schäfchen ins Trockene gebracht. Ein wenig zu theatralisch beschreibt Leblanc, wie sie nach der Rettung ihres Lebens etwas mehr als Dankbarkeit für den jungen, ihr nicht unbekannten Lupin empfindet. Nach dem dramatischen Auftakt versinkt insbesondere der Mittelteil des Romans zu sehr in überspielter Theatralik, bevor die beiden ungleichen Verbündeten sich wieder auf die Suche nach dem siebenarmigen Leuchter und vor allem in klassischer Abenteuermanier einem sagenhaften und seit vielen Jahren gut versteckten Schatz machen. Wie stark Leblanc im vorliegenden Buch das Abenteuergenre Alexandre Dumas parodiert, erkennt der Leser in erster Linie in der Art und Weise, wie die einzelnen Szenen aufgebaut sind. Im Gegensatz zu seinen früheren Büchern definiert Leblanc die einzelnen Figuren weniger über ihre Taten und die öffentliche Reaktion, als zum Teil zu blumige Dialoge. Kaum hat der Autor allerdings die einzelnen Fronten etabliert, nimmt der Roman ab der Hälfte wieder Fahrt auf und wirkt für ein Buch dieses Alter ungemein dynamisch. Dabei konzentriert sich Leblanc in erster Linie auf die analystischen Fähigkeiten Arsene Lupins. Er löst das Rätsel der versteckten Edelsteine und führt die Gräfin Cagliostro mit ihren Helfern an den entsprechenden Ort. Danach zeigt er seiner Geliebten, dass er immer noch ein As im Ärmel hat. Viel weniger überzeugend und vor allem nicht unbedingt glaubwürdig ist das Bäumchen-wechsel-Dich Spiel mit einer Jugendfreundin Lupine. Auf der einen Seite versucht der Autor zu suggerieren, das der jungendliche Dieb der deutlich älteren und charismatischen Gräfin in Liebe verfallen ist, auf der anderen Seite riskiert er Kopf, Kragen und die Ehre, um seine Jugendliebe auch unter Aufgabe des Schatzes zu retten. Leblanc aber in seinem Plot diesen Widerspruch zu wenig heraus und verfällt insbesondere im überlangen Showdown auf die Nutzung einiger Klischees. Das der Epilog süß sauer ist und vor allem im Vergleich zu den ersten, deutlich später spielenden Bänden der Reihe ein wenig zu bemüht, zu aufgesetzt wirkt, schwächt das Lesevergnügen ab. Im Grunde beschreibt Leblanc eine Episode aus dem Leben des Gentleman- Verbrechers, auf welche in einem von Lupins letzten Abenteuern wieder eingegangen wird. Dieses Schließen des Kreises wird solide ausgeführt, aber der Leser verfolgt nicht die Lehrjahre des erfolgreichen und dreisten Diebes. Im Vergleich zu den fast kargen, ungemein kompakten Episoden, welche die Grundlage der ersten Bände bilden, wirkt „Die Gräfin Cagliostro“ teilweise doch zu sehr gedehnt, die Dialoge überdurchschnittlich gestelzt und viel zu oft erläutern die einzelne Charaktere ihre Handlungen den jeweiligen Widerparts als das der Autor ihre Aktionen direkt und geradlinig beschreibt. Unabhängig von dieser inhaltlichen Schwäche hat der Berliner Verlag mit dem ersten Band einer neuen „Arsene Lupin“ Reihe ganze Arbeit geleistet. Ein schönes Layout, ein unterhaltsames Nachwort inklusiv eines informativen Glossars, die Originalzeichnungen und ein auffälliges Titelbild . Alleine die Tatsache, das die über verschiedene Verlage und teilweise seit vielen Jahrzehnten nicht aufgelegten Romane hier in einer einheitlichen Edition vorgelegt und veröffentlicht werden, sollte Empfehlung genug für diese Reihe sein.

Maurice Leblanc: "Die Gräfin Cagliostro"
Roman, Hardcover, 342 Seiten
Matthes& Seitz 2008

ISBN 9-7838-8221-6103

Weitere Bücher von Maurice Leblanc:
 - Arsene Lupin und der Schatz der Könige von Frankreich

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