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Thriller



Martin Kay

Kalte Spuren

rezensiert von Thomas Harbach

Mit "Kalte Spuren" legt Martin Kay einen modernen Technothriller vor, der Ähnlichkeiten zu Michael Crichtons und Tom Clancys Arbeiten - beide Autoren werden im Laufe der Handlung erwähnt - aufweist, aber von einer nur auf den ersten Blick originellen Idee ausgehend zu viele Klischees miteinander verbindet. Martin Kay sagt in seinem ehrlichen Nachwort selbst, dass ihm das eigentliche Auftaktkapitel und die Grundidee förmlich zugeflogen sind und er diesen Technothriller schreiben musste. Die Arbeit an den ersten Kapiteln, die Zeichnung einer der Hauptpersonen Eileen Hannigan gingen schnell von der Hand. Die Rasanz ist klar zu erkennen. Der Roman beginnt im Grunde ideal. Eine Gruppe von in einem isolierten Habitat sich in der Theorie auf einen "künstlichen" Aufenthalt auf den Mars vorbereitenden Forschern finden eine Leiche mit einem Gewehr in der Nähe der Basis. Während zwei Forscher den Körpern zum zweiten Mal untersuchen wird das Habitat und die Zurückgebliebenen von einem intelligenten Marschflugkörper zerstört. Eileen Hannigan ist Agentin der Homeland Security. Bei der Verfolgung eines Verdächtigen wird ihr Partner ermordet, die Verfolgung des potentiellen Mörders endet ungewöhnlich. Sie erhält einen Anruf von einem Unbekannten, der sie warnt, dass sie jetzt das Opfer einer Jagd geworden ist. Sie soll einen bestimmten Weg fliehen, wo zwei Männer sie in einen Wagen ziehen und mit ihr vom Tatort wegbrausen. In einer anscheinend militärischen Basis erfährt sie von einem General, das sie vor Jahren an einem Geheimprojekt namens "Misty Hazard" teilgenommen hat. Anscheinend wurde bei allen Teilnehmern die Erinnerung an das Projekt unerklärlicherweise aus dem Gedächtnis gelöscht. Hannigan soll jetzt auf die Suche nach den anderen Mitgliedern am Projekt und den Hintermännern gehen, da zu befürchten steht, dass diese "Schläfer" von Unbekannten erweckt worden sind.
Zur gleichen Zeit in Deutschland fällt dem zusammen mit seinem Freund Andy in einer Disco weilenden Markus eine seltsame Pillendose in die Hand. Er findet eine Microspeicherkarte, die er von seinem Freund Kiffer öffnen läßt. Kaum ist der Code geknackt worden, erscheint eine Liste von zwanzig Namen und ihre militärischen Ränge. Auch Hannigan hat vom General eine Liste mit Namen erhalten, wobei nicht alle deckungsgleich zwischen den beiden Listen ist. In Markus Datei stehen fünf Namen mehr. Das diese Informationen wichtig sein müssen, hat Markus indirekt am eigenen Leib erfahren. Sein Freund Andy ist nach einem offensichtlich provozierten Streit in der gleichen Nacht erschossen worden. Durch einen Zufall entkommt Markus einem Angriff mit einem Helikopter auf Kiffers Apartment in letzter Sekunde.
Hilfe erhält Markus von der angeblichen Verhörspezialisten des Bundesnachrichtendienstes, die mehr weiß als sie vorgibt.
Für den Leser ist klar, dass sich Markus und Eileen Hannigan irgendwann auf ihrer ständigen Flucht begegnen müssen. Beide halten Schlüssel für eine geheimnisvolle, virtuelle Waffe in den Händen. Um es ihnen nicht leicht zu machen, hat Martin Kay um diese beiden Hauptpersonen und ihre zeitweiligen Helfer eine Reihe von teilweise sehr exzentrischen Nebenfiguren - siehe den Graf mit seinen weiblichen Bodyguards, die fetischähnliche Schutzkleidung aus Nanotechnologie tragen - platziert, welche den Beiden entweder helfen oder sie weiter in die Irre führen.
„Kalte Spuren“ ist ein Actionthriller, in dem eine Reihe von Plotelementen durch eine wilde Abfolge von immer unwahrscheinlicher werdenden Actionszenen in modernster wie lauter und oberflächlicher „James Bond“ oder „XXX“ Manier miteinander verbunden werden. Während Hannigan noch eine ausgebildete Agentin ist, muss Markus wohlwollend als Laie betrachtet werden. Trotzdem gelingt es den Amateuren und semiprofessionellen Akteuren gegen ganze Heerscharren von Elitesoldaten zu bestehen, die nicht nur aufgrund ihrer modernen technischen Ausrüstung, ihrer Ausbildung, ihrer Überzahl und vor allem teilweise ihres Überraschungsmomentes alle Vorteile auf ihrer Seite haben. Und trotzdem bleiben sie reihenweise auf der Strecke, wobei Martin Kay während der verschiedenen Kampfszenen Spannung mit Splatterbeschreibungen verwechselt. Da platzen ebenfalls reihenweise Köpfe, zersiebt von Kugeln. Da sterben die Protagonisten auf beiden Fronten erbärmliche Tode, ohne das man wirklich Emotionen für diese eindimensionalen Figuren empfindet. Martin Kay benutzt keine drastische Sprache für die unzähligen Tode, er wickelt sie teilweise pathetisch und stereotyp ab. Von den Unwahrscheinlichkeiten dieser Situationen einmal abgesehen verliert der mitdenkende Leser insbesondere im viel zu langen Mittelteil das Interesse an den unglaubwürdigen Aktionen. Natürlich würde ein überdimensionaler Superagent wie James Bond die Spannung mindern, der unverwundbar die Welt vorm Abgrund rettet. Aber in dieser Hinsicht wirkt „Kalte Spuren“ wie ein unkontrollierter feuchter Traum von einer Actiongeschichte, unkontrolliert und unkontrollierbar. Mit dem anfänglich die Hannigan leitenden General verfügt der Roman über einen der exzentrischen Charaktere, der auf einem sehr schmalen Pfad zwischen überdimensionalem potentiellen Schurken und pubertierenden Klischee hin und her wandelt. Seine Lustphantasien inklusiv der Tatsache, dass er aus genetischen Gründen keinen Orgasmus bekommen kann, sind von Martin Kay oberflächlich pornographisch, aber an keiner Stelle provokant oder auch nur erotisch beschrieben worden. Vor allem wundert es den Leser nach kurzer Zeit, wie ein derartig Sex fixierter General überhaupt denken kann. Das er nicht nur über eine attraktive Sekretärin verfügt, sondern der Autor auch in diesem Punkt zum Overkill ansetzt, ist eine weitere schwerfällige Konstruktion des Buches.
Mit dem Klassendeutschen Markus verfügt der Roman über einen potentiellen Antihelden, der wie schon angesprochen schnell über sich hinauswächst und selbst den Profis dank der soliden Anleitung der ebenfalls attraktiven BND Agentin das Fürchten lernt. Den Sex als Lusterfüllung, aber nicht Beginn einer Beziehung einbegriffen. Markus erbricht sich im Verlaufe des Buches kontinuierlich. Ob Kay damit die Verwundbarkeit seines Protagonisten zum Ausdruck bringen wollte, sei dahingestellt. Wie manch andere kontinuierliche Wiederholung - siehe die Sexphantasien genauso wie das absolut unauffällige Waffenarsenal, das potentielle Mitwisser und Schläfer in kleinste Stücke reißt - nutzt sich der Effekt ab und zeigt, das es bei „Kalte Spuren“ einen gigantischen Qualitätsunterschied zwischen grundlegende zufrieden stellender Idee und simpler, fast schon simplifizierender Ausführung gibt.
Vor allem hat der Autor extreme Probleme, die Spannungskurve aufrecht zu erhalten. Der fast klassische Beginn, sich aus verschiedenen bekannten Thrillerelementen zusammensetzend, mit der Entwurzelung verschiedener Protagonisten und ihres kontinuierlichen Überlebenskampfes gegen Elemente/ Geheimdienste/ kriminelle Elemente, die mehr über ihren Hintergrund wissen als sie selbst, kann als solide „Bourne“ Kopie noch durchgehen. In die gleiche Kerbe - nur fünf bis zwanzigfach verstärkt - schlägt die Idee der absichtlichen Gedächtnislöschung, während die potentielle Geheimwaffe inklusiv des entsprechenden Gegenmittels auf Virenbasis den zu langen, zu phlegmatischen Mittel des Buches dominiert. Die sich jederzeit verwandelnde Kreditkarte mit einem unbegrenzten Limit wie auch die Herstellung perfekter Ausweiskopien jeglicher Richtung vom Führerschein bis zum Dienstausweis der wichtigsten Geheimdienste macht es den Protagonisten sehr viel leichter, vor ihren Häschern zu fliehen. Das insbesondere der paranoide amerikanische Geheimdienst über derartige nicht zu ortende Wundermittel für seine potentiellen Agenten oder Führungsoffiziere verfügt, wirkt hart gesprochen absurd. Diese MacGuffin ermöglichen es Martin Kay, insbesondere die Hannigan nicht nur aus aussichtslosen Situationen herauszuführen, sondern verschiedene Reisestationen dieses global angelegten Romans ohne größere Schwierigkeiten zu erreichen. So überzeugen die Verschwörungs- und Paranoiaszenarien angesichts dieser Vorgaben zu wenig, zumal wie schon angesprochen der Autor immer wieder neue Figuren und neue Thesen einführt, ohne das der Roman bis zum überstürzten und mittels Atombombenexplosion auch nicht ganz zufrieden stellenden Ende sich in eine Richtung entwickelt. Diese Ambivalenz könnte der Spannungserhöhung dienen, hier unterreicht sie nur, mit welchem Tempo von seiner Grundidee ausgehend der Autor den Band niedergeschrieben hat. Dieses hohe Erzähltempo übertüncht angesichts der Vielzahl von Actionszenen, die positiv vor unterschiedlichen Hintergründen und an verschiedenen Plätzen auf der Erde spielen, manche plottechnische Konstruktionsschwäche und lässt die Lektüre deutlich kurzweiliger erscheinen als sie in Wirklichkeit und bei aufmerksamen Hinterfragen mancher Aspekte wirklich ist.
In technischer Hinsicht schöpft Kay manchmal unmotiviert aus dem Vollen. Die menschlichen Klone wirken eher angesichts der gegenwärtig realistischen Hintergrunds zu modern, zu konstruiert eingesetzt, während der Autor sich hinsichtlich der verschiedenen Geheimdienste und ihrer Motivationen zu sehr im Dunkel hält und stetig Antworten verweigert als den Handlungsbogen voranzutreiben. „Kalte Spuren“ wirkt wie ein überambitioniert konstruierter Thriller, der etwas sorgfältiger überarbeitet hätte werden müssen. Stilistisch präsentiert sich Martin Kay uneinheitlich. Manche Dialoge wirken zu steif, zu schwerfällig. Bei den Beschreibungen versucht er entweder zu sehr ins Detail zu gehen oder an anderen Stellen mit Plattitüden cool zu wirken. Die überzogenen Actionszenen funktionieren aber teilweise ausgesprochen gut und gehören zu den Höhepunkten des zu kompliziert statt komplex angelegten Buches. Auf der Charakterebene weißt das Buch sehr starke Schwächen auf, während die verschiedenen Hinrichtungen von in erster Linie Unschuldigen manchem Waffenfetischisten einen Orgasmus bringen, den Kay seinem General ein Leben lang verwehrt.

Martin Kay: "Kalte Spuren"
Roman, Softcover, 408 Seiten
Atlantis- Verlag 2012

ISBN 9-7838-6402-0360

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