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Thriller



Andreas Eschbach

Ein König für Deutschland

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Ein König für Deutschland” greift Andreas Eschbach nicht nur ein seit dem Jahre 2000 sehr brisantes Thema - Wahlmanipulation insbesondere in westlichen Demokratien und G8 Staaten auf -, er vermeidet den Fehler aus seinem 2005 veröffentlichten Werk “Der Nobelpreis” und einen lesenswerten “What if” Thriller in der Tradition des zu früh verstorbenen Michael Crichtons. Im Vergleich zu seinen letzten beiden Arbeiten ist die politische Farce auf beängstigenden realen Grundsätzen mit gut zweihundert Seiten kürzer und deutlich stringenter komponiert. Die Handlung beginnt in den USA, wo der naive und etwas Welt abgeschieden lebende Vincent - ein Programmierer der Extraklasse - gleich zu Beginn des Buches in engen Kontakt mit dem Gesetz kommt. Ein Bekannter hat mittels Vincents Programm tausende von Kreditkartendaten gestohlen und entsprechend zu Geld gemacht. Aus dem Gefängnis entlassen findet Vincent im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nur eine Beschäftigung: bei einer kleinen Computerfirma, in welcher in erster Linie gestrauchelte Programmierer unter einer nur auf den ersten Blick wohlmeinenden Chefin ihr behagliches Dasein fristen. Angeblich um einen möglichen Wahlbetrug durch die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2000 zu verhindern, soll er ein Programm schreiben, das Manipulation an den Wahlmaschinen ermöglicht. Die Republikaner erhoffen sich auf diese Weise, ihre Widersacher zu schlagen. Um das Chaos insbesondere um die Stimmenauszählung in Florida dem selbst politisch interessierten Leser wieder vor Augen zu halten, hat Andreas Eschbach seinen Roman mit insgesamt mehr als einhundert Fußnoten und Quellenverweisen versehen. Diese enge Anbindung an die noch heute phantastisch erscheinende Historie verleiht dem Buch insbesondere im ersten Drittel eine beängstigende Realität. Als Vincent ahnt, das sein Programm auch während der zweiten Wahl Bushs eingesetzt worden ist, flieht er in die Einsamkeit der grenzenlosen Weiten. Hier findet ihn der Geliebte seiner Chefin und zwingt ihn, ein Programm für die anstehende Landtagswahl in Hessen zu entwerfen. Sein bedrohlicher Auftraggeber - ein Illusionist und Zauberer - möchte diese Wahl zu einem Patt manipulieren, um bei der anstehenden Bundestagswahl groß bei den Parteien abzukassieren. Vincent flieht ihn letzter Sekunde und schickt eine CD mit dem Programm an seinen Vater, den Oberschullehrer Simon König, nach Deutschland. Dieser wird in die Ereignisse mit hineingerissen, als plötzlich eine attraktive geheimnisvolle Frau und der Zauberer die CD an sich bringen wollen. Aber Vincent hat in dem Computerprogramm eine Hintertür installiert, welche auf einzigartige Art und Weise beweisen kann, dass es möglich ist, Wahlcomputer ohne Spuren zu hinterlassen manipulieren kann. Weder Vincent noch sein Vater ahnen, das diese Entwicklung die Bundesrepublik zumindest zeitweise in ihren Urfesten erschüttern wird und unterstreicht, dass Verdacht und Beweis zwar ganz andere paar Schuhe sind.

In seinem Thriller “Der Nobelpreis” führte Andreas Eschbach den Leser auf eine gänzlich falsche Fährte, in dem er ihn belog. Am Ende stellte sich die Geschichte als tragisches Familiendrama ohne einen direkten Bezug zu einer möglichen Manipulation des bekanntesten Preises der Welt heraus. In “Ein König für Deutschland” dagegen wird eine Wahl zumindest offensichtlich manipuliert. Der Autor suggeriert, dass sowohl im Jahre 2000 als auch 2004 massiver Wahlbetrug in den USA stattgefunden hat. Eine mögliche Manipulation der Hessenwahl impliziert der Autor, aufgrund der auf den ersten Blick teilweise unmöglichen Ergebnisse wie Negativstimmen bzw. null Stimme für einen Kandidaten in einem Wahlkreis, obwohl dieser sich zumindest tapfer selbst gewählt hat. Die Bundestagswahl bildet den vorläufigen Höhepunkt dieser politischen Farce. Auf dem Weg dahin beschreibt der Autor nicht zuletzt dank einer Reihe von Seitenhieben auf die diversen Rollenspielgruppen, die inzwischen komplett der Realität sich entzogen haben und selbst die Gründung einer Partei ausschließlich als Spiel betrachten, eine im Grunde absurde Bewegung. Die Vereinigung zur Wiedereinführung der Monarchie mit einem neuen König, eben Simon König an der Spitze, wird zu einem Selbstläufer. Die Massenmedien sind von dem charismatischen Kandidaten, der gleichzeitig Geschichtslehrer ist, begeistert. Er gibt ihnen die richtigen Antworten und hinterfragt ihre Absichten. Sind nicht auch Großbritannien, Dänemark oder die Niederlande vollwertige Demokratien? Die Dialoge sind köstlich und gehören zum Pointiertesten, was Eschbach in seiner langen Karriere geschrieben hat. Die Wahl selbst wird zu einem überraschenden Medienereignis. Im Gegensatz zum Klappentext unterliegt Simon König nur vordergründig der Versuchung, Deutschlands Monarch zu werden. Im Gegensatz zu seinen Helfern, die der Machtgier unterliegen, will er in erster Linie die Möglichkeit eines Wahlbetrugs mittels Wahlcomputers aufdecken. Sowohl der Wahlausgang als auch die Reaktionen insbesondere der Bundesverfassungsgerichte setzen der politische Satire eine passende und überdenkenswerte Spitze auf. Eschbachs Problem ist eher, den Fluss der Handlung abzubremsen und das fiktive und plötzliche monarchistische Deutschland wieder in einen Stand zu versetzen, welcher der bitteren Realität entspricht. Das geht im Gegensatz zum geradlinigen, vielschichtigen und sehr spannend entwickelten Aufbau viel zu schnell und wirkt leider wie ein Antihöhepunkt. Selbst die jeweiligen persönlichen Epiloge hinterlassen auf der einen Seite einen eher unglaubwürdigen Eindruck, auf der anderen Seite kann sich der Autor einen Seitenhieb gegen die heimlichen Machthaber in den USA nicht verkneifen.

Ein weiteres Problem sind die einzelnen Charaktere. Sie wirken teilweise zu eindimensional und zu klischeehaft. Diese Schwäche beginnt bei der vorhersehbaren Charakterisierung des jungen Superprogrammierers Vincent, der sich als Figur nach einem noch interessanten Auftakt eher zurückentwickelt. Die Szenen während seines Gefängnisaufenthaltes stehen in einem zu starken Kontrast zu der spannenden Parallelhandlung in Deutschland und langweilen eher. Simon König als potentieller charismatischer Monarch eines neuen Deutschlands entwickelt sich nach einem absichtlichen trockenen Auftakt sehr gut weiter. Er wächst in seine Rolle hinein und hält mit seinen auf historischen Fakten basierenden Antworten den Journalisten und der Öffentlichkeit einen Eulenspiegel ins Gesicht. Eine weitere Figur ist der Zauberer Zantini, der mit seinen verblüffenden nur auf den ersten Blick magischen Tricks ungemein unterhält. Es ist schade, dass Eschbach nicht den Mut hat, seine Manipulationen würdig zu beenden und auf das dumpfe Klischee der demokratiefeindlichen Rechten als Hintergrundauftraggeber zurückgreifen muss. Warum nicht den Mut haben, einer in der Wählergunst immer mehr sinkenden Volkspartei den schwarzen Peter zuzuspielen? Zantinis Ende ist verdient, wenn auch tragisch. Nach einem sehr guten Anfang macht Andreas Eschbach allerdings zu wenig aus dieser Figur und lässt den einzigen wirklich interessanten Charakter zu lange im Untergrund bzw. im Süden Europas verschwinden. Simon Königs Helfer ist ein Selfmademillionär, der mit Rollenspielen sein Geld gemacht hat. Anfänglich von der Idee der Aufdeckung eines historischen Komplotts begeistert verliert der Charakter insbesondere nach der Wahl an Dreidimensionalität. Unterhaltsam ist der Einzug der Rollenspieler in den Bundestag und das Staunen über die “echte” Kulisse. Danach lässt Eschbach die Figur aufgrund von Königs Handlungen wie eine heiße Kartoffel fallen. Es sind die Frauenfiguren - eine Mutter, eine ehemalige und plötzlich wieder Ehefrau, die für die High Society lebt und nach achtzehn Jahren der Trennung über ihren Schatten springt - und die platonische Internetgeliebte mit ihren außergewöhnlichen Modegeschmack -, welche am ehesten enttäuschen. Keine Figur wird wirklich überzeugend beschrieben. Nicht selten erinnern sie an eine Aneinanderreihung von Klischees. Es ist kein Wunder, dass eine behaarte Frau von Andreas Eschbach detaillierter und liebevoller beschrieben wird als die zukünftige Königin von Deutschland. Im Vergleich zum unterhaltsamen und diskussionswürdigen Plot wirken alle Figuren ein wenig zu statisch beschrieben und agieren teilweise zu mechanisch.

Unabhängig von dem eher schwachen Ende liest sich “Ein König für Deutschland” nicht nur sehr unterhaltsam, das Buch zwingt zum Nachdenken über die offensichtlichen Schwächen unserer parlamentarischen Demokratie. Auch wenn die unwahrscheinlich zu überwindenden Hürden viele Riegel vorgeschoben haben. “Ein König für Deutschland” ist mehr als eine politische Farce, das Buch ist eine unterhaltsam geschriebene Warnung vor absoluter Technikgläubigkeit oder der Idee, dass Mensch nicht immer durch eine Hintertür der Maschine direkt oder indirekt seinen kriminellen Willen aufzwingen könnte.

Andreas Eschbach: "Ein König für Deutschland"
Roman, Hardcover, 491 Seiten
Bastei- Verlag 2009

ISBN 9-7837-8572-3746

Weitere Bücher von Andreas Eschbach:
 - Ausgebrannt
 - Black Out
 - Das Marsprojekt 3- Die gläsernen Höhlen
 - Das Marsprojekt 4: die steinernen Schatten
 - Das Marsprojekt 5: die schlafenden Hüter
 - Der Nobelpreis
 - Die seltene Gabe
 - Herr aller Dinge
 - Perfect Copy
 - Perry Rhodan 2295: Die Rückkehr
 - Perry Rhodan 2503 - Die Falle von Dhogar
 - Quest
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