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Thriller



Messias

Ralf Isau

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Messias“ legt Ralf Isau vielleicht auch ein wenig auf der Dan Brown Welle schwimmend einen auf den ersten Blick weiteren Vatikan-/ Glaubens Thriller vor. Überzeugte Isaus verletzter Roman „Die Dunklen“ trotz einiger Schwächen aufgrund seiner originellen Gestaltung, enttäuschte „Der Mann, der nichts vergessen konnte“ durch eine antiquierte Idee, oberflächliche und eindimensionale Charaktere sowie einem vorhersehbaren Plot. „Messias“ liegt qualitativ zwischen den beiden Büchern. In seinem Nachwort versucht Ralf Isau seine Leser auf die kleinen Wunder in einer zynisch gewordenen Welt einzustimmen. Sein Buch legt auch gleich mit dieser Bestimmung los. Im 15. Jahrhundert tötet ein junger Ordensbruder durch eine Unaufmerksamkeit einen Jungen. Er wird nicht mit dem Tote bestraft, sondern soll in der Abgeschiedenheit des Klosters seinen Frieden mit Gott machen. Ein Engel erscheint in seiner Zelle und fordert von ihm und seinen Nachkommen insgesamt einhundert gute Taten. Sprung ins 21. Jahrhundert. In einem kleinen Ort in Irland bereitet sich die Gemeinde auf das bevorstehende Osterfest vor. Ein mehr als einhundert Jahre alter Mann, der schon eine Reihe von Wunderheilungen vollbracht hat, repariert gerade die altersschwachen Kirchenbänke und unterhält sich mit seinem Freund, dem Pfarrer der Gemeinde. Plötzlich wird die Kirche von einem grellen Licht erleuchtet. Als die beiden Männer wieder sehen können, liegt plötzlich ein nackter Mann mit einer Dornenkrone auf dem Haupt auf dem Boden. Seine Hände und Füße weißen alte und frische Stigmata auf. Er spricht altes hebräisch. Er nennt sich Jeshua – Jesus.

Genau wie die beiden Männer gerät die katholische Kirche in Rom in Aufruhr. Sollte etwa Gott seinen Sohn ein zweites Mal auf die Erde geschickt haben? Nach dem unerklärlichen Auftauchen des Mannes beginnen sich „Wunder“ und übernatürliche, allerdings auch bedrohliche Erscheinungen zu häufen. Der Vatikan schickt mit Hester McAteer seinen besten Ermittler, der in den letzten dreißig Jahren sehr viele Scharlatane entlarvt, Wunder untersucht und die Kirche immer wieder vor Schaden bewahrt hat. Eine Widerauferstehung Jesus könnte die katholische Kirche in ihrer jetzigen, dogmatischen Form zerreißen.

Für McAteer ist es aber auch eine Reise in die Vergangenheit. Er stammt aus der Gemeinde, er hat eine Frau verlassen, die er aufgrund seines treuen Glaubens zu Kirche nicht lieben und heiraten durfte und der über hundertjährige wundertätige Greis ist sein Vater. So führt McAteer quasi einen Zweifrontenkrieg. Als die örtliche Polizei auch noch die Leichenteile von zwei Menschen findet, deren Lage ein altertümliches Kreuz mit der Wiederauferstehungskirche in der Mitte findet, spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Die Idee aus dem Prolog mit den insgesamt einhundert Wundern um die Familienschuld abzutragen verschwindet unerklärlicherweise über weite Strecken des Buches in der Versenkung. Eine interessante Prämisse, welche Ralf Isau im Grunde ohne Not verschwendet und erst beim dramatischen, cineastischen Showdown wie vom Leser erwartet bzw. befürchtet wieder aus der Versenkung holt. Es ist enttäuschend, wie schematisch und pathetisch der Autor diesen kleinen, aber wichtigen Handlungsbogen vernachlässigt. Der Leser erhofft sich eine Verbindung zwischen der Wiederauferstehungsgeschichte und den Wundern, sie findet aber bis auf wenige Konstrukte nicht statt. Die Idee, den Leser für alltägliche kleine Wunder zu sensibilisieren, wird mit zu wenig Leben erfüllt. Mit etwas mehr Sorgfalt bei der Charakterisierung der kleinen Nebenfiguren und ihrem alltäglichen Kampf hätte eine Reihe von falschen oder richtigen Spuren ausgelegt werden können, denen der Leser in diesem stringenten, manchmal fast schon kargen Plot hätte folgen können. Die kleinen Wunder entpuppen sich nachträglich als Scharlatanerie bzw. hängen mit dem Familienfluch zusammen.

In der ersten Hälfte des Buches versucht Ralf Isau noch die Auswirkungen eines derartigen, unerklärlich und wenn auf Wahrheitsgehalt geprüften Wunders auf unsere moderne Mediengesellschaft, die Menschen und vor allem die katholische Kirche in Ansätzen darzustellen. Ohne allzu belehrend vorzugehen gelingen ihm einige interessante auch dialogtechnisch hervorragend geschriebene Sequenzen. Im Verlaufe dieser intellektuell stimulierenden Diskussionen konzentriert sich der Autor aber mehr und mehr auf das Zölibat der ausschließlich katholischen Kirche – den Widerspruch zur evangelischen Glaubenskonfession ignoriert der Autor – und das Klischee der überdurchschnittlichen Zahl von homosexuellen katholischen Priestern. Der Glaubensmissbrauch insbesondere durch die Päpste und ihre orthodox konservative Auslegung der Bibel wird andiskutiert, aber mit dem eher enttäuschenden und unglaubwürdigen Ende negiert. Nach ungefähr drei Vierteln des Handlungsbogens beginnt Ralf Isau mit der Auflösung. Im Gegensatz zu einer Reihe von mystisch angehauchten Thrillern, deren Autoren unwillig oder unfähig sind, ihre Werke zufrieden stellend abzuschließen, hat sich Ralf Isau bis auf die kleinen Wunder aus dem Prolog dem Leser alles sehr ausführlich zu erläutern. Wie bei einem Zwiebelschalenmodell werden die einzelne Elemente der umfangreichen Verschwörung seziert und die Hintermänner benannt. Ihre Motivation ausführlich erklärt und schließlich in einen engen Zusammenhang mit dem Ort und den wichtigsten Protagonisten gestellt. Beginnt eine Kritik mit der Motivation so ist der zugrunde liegende Plan zu komplex und weißt zu viele Schwachstellen auf, um wirklich die Kirche als Ganzes zu erschüttern. Verschmähte Liebe in Verbindung mit der Entscheidung, das Zölibat zu akzeptieren anzubieten ist eine Herausforderung an die Leser. Dazu kommt, dass natürlich die Handlanger des im Hintergrund agierenden Antagonisten schnell aus dem Ruder laufen und auf eigene Faust ungeplant Menschen umbringen. Die grimmig düsteren Szenen braucht Ralf Isau, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Nach den zahlreichen Erläuterungen der meisten in einem engen Zusammenhang mit den Wundern der Auferstehung stehenden Phänomene, kommt eher als Klischee noch eine Entführungsgeschichte hinzu. Je näher sich „Messias“ seinem ultimativen Showdown nähert, um so deutlicher wird leider, das Ralf Isau sich wenige gute Gedanken um die Nuancen der Handlung eines Wiederauferstehungsthrillers gemacht hat. Das Geschehen verläuft routiniert und mechanisch, die liebevoll gezeichneten Charaktere durchlaufen schwere Glaubensprüfungen und müssen sich auch opfern, aber dem Buch fällt nach der Entlarvung des „Messias“ jegliches Überraschungsmoment. Die Szenen sind nicht langweilig geschrieben, insbesondere der Showdown in der Kirche wirkt ungemein dynamisch und packend, aber wie bei den letzten Thrillern eines Andreas Eschbach gelingt es Ralf Isau nicht, Idee und Handlung zu einem überzeugenden Ganzen zu verbinden.

Zu den Stärken des Buches gehört die lebhafte Beschreibung der irischen Mentalität, der einzigartigen Landschaft und die Entwicklung einer Handvoll von liebenswerten, wenn auch teilweise leicht klischeehaften Figuren. Der Leser ahnt schon sehr früh, wie sich McAteers familiäre Verstrickungen und Konflikte schließlich auflösen werden. Warum Ralf Isau dieses Moment nicht etwas differenzierter und emotional vielschichtiger, sowie origineller angelegt hat, ist eine der vielen Fragen, welche den Leser nach beendeter Lektüre mehr bewegen als die eigentliche Handlung. Warum wird McAteer, der treue bis naive Kettenhund des Vatikans und der absolute Verfechter des Glaubens – rückblickend nicht aus Überzeugung, sondern eher um die eigenen Schuldgefühle zu überdecken – derartig schnell bekehrt ? Er wird Augenzeuge eines vermutlich medizinischen Wunders, für das ein anderer Mensch sich opfert. Wie Ralf Isau zumindest impliziert, hat McAteers Vater schon lange vorher „Wunder“ vollbracht, für die es keine logischen Erklärungen gegeben hat. Also dürfte ihn dieses letztes mechanisch As in Isaus Ärmel nicht mehr derartig überraschen und aus dem Gleichgewicht bringen. Aber insbesondere diese drei trotz der Schwächen bei der Motivation der Charaktere angesprochenen Elemente des Buches ragen neben der guten explosiven und thrillertechnisch eleganten Einführung der an sich faszinierend provozierenden Idee aus der ersten Hälfte des Buches heraus. Die zweite Hälfte des Buches ist trotz einiger kleiner Höhepunkte teilweise enttäuschend schwach und mechanisch geschrieben. Der Autor macht es sich wie in „Der Mann, der niemals vergessen konnte“ viel zu einfach, seinen roten Faden abzuarbeiten und den Leser zu wenig wirklich zu überraschen.

Messias: "Ralf Isau"
Roman, Hardcover, 426 Seiten
Piper Verlag 2009

ISBN 9-7834-9270-1426

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