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Thriller



Sebastian Faulk

Der Tod ist nur der Anfang

rezensiert von Thomas Harbach

Es ist sicherlich keine Überraschung, dass Ian Flemings Erben sich doch entschlossen haben, nach Kingsley Amis, John Gardner und schließlich Raymond Benson mit Sebastian Faulks einen neuen neuen und vielversprechenden Autoren für die Abenteuer eines erwachsenen James Bond zu verpflichten. Ursprünglich hatte es geheißen, nur die Abenteuer eines jugendlichen James Bond geschrieben von Charlie Higson würden fortgesetzt werden. Jetzt liegt der ersten Band „Devil may care“ aus Faulks Feder auch auf Deutsch vor und den Leser erwartet eine weitere Überraschung. Während insbesondere „Casino Royale“ mit Daniel Craig in der Bond Rolle versucht hat, die Härte und besondere Note der ersten Bonds in die Gegenwart zu übertragen und plottechnisch auf die markanten und immer unglaubwürdiger werdenden Gimmicks zu verzichten, versetzt Faulks seinen James Bond direkt und ohne über los zu gehen zurück in die sechziger Jahre. Dabei werden sowohl die inzwischen abgedrehten Filme wie auch die Romane Gardners und Bensons komplett ignoriert. Sebastian Faulks konfrontiert den Leser mit einem James Bond, der Goldfinger besiegt und mit Blofeld die Klingen gekreuzt hat. Bond, der seine Ehefrau verloren hat und in „Man lebt nur zweimal“ als japanischer Fischer ohne Gedächtnis über mehrere Monate verschwunden gewesen ist. Ein Bond, dessen Körper von Narben gezeichnet. Ein Bond, der allerdings auch zu Leben versteht und dieses wahre Leben außerhalb des Dienstes für einen kleinen Augenblick zu genießen scheint. Die Bezüge zu Ian Flemings Büchern sind überdeutlich. Stellenweise ist es ein reines Vergnügen, die Anspielungen zu erkennen, stellenweise verhält sich Faulks aber auch wie ein überambitionierter Anfänger in der Spionage Profiliga. Wie zum Beispiel bei Goldfinger.
In Hinblick auf den sehr zufrieden stellenden Roman und noch besseren Film kopiert Sebastian Faulks fast frech ganze Passagen, in dem er seinen Antagonisten dieses Mal nicht beim Kartenspiel, sondern modern beim Tennis schummeln lässt. Die ganze Szene im vorliegenden Band wirkt weniger wie eine Hommage, sondern eine freche Kopie. Ein weiteres Problem liegt im eigentlichen Beginn des Buches. Bond erholt sich von einem besonders harten Auftrag, verschmäht Alkohol und Frauen – das genaue Gegenteil seines Erholungsaufenthalts im Sanatorium zu Beginn von „Feuerball“ – und überlegt sich ernsthaft, doch hinter den Schreibtisch zu wechseln, weil er ausgelegt ist. Da kommt ein Anruf von „M“ fast gerade richtig. Immerhin hat er eine attraktiven Ehefrau eines Versicherungsgeschäftsmannes gerade einen Korb gegeben. In London flirtet Bond wieder mit Ms. Moneypenny und wird vom absolut männlichen, immer noch Pfeife rauchenden und distanzierten M auf die Jagd nach einem Opiumschmugglerring geschickt, welcher Großbritannien unterwandern könnte. Bond ist natürlich enttäuscht. Er hat nicht weniger als die Rettung der Welt erwartet, wenn es nach seinem Autoren geht. Sebastian Faulks macht in dieser Sequenz den Fehler, den augenblicklichen Bond mit seiner „historischen“ Figur zu verwechseln, denn insbesondere Ian Flemings Bond hat in seinen ersten Abenteuern keine Superverbrecher gejagt und Großbritannien täglich vor der Vernichtung durch die Feinde im kalten Krieg gerettet. Selbst „Dr. No” kreuzte durch Zufall seinen Weg.

Wenn schon keine Weltrettung, dann zumindest ein charismatischer, körperlich entstellter Superschurke, mit dem der Agent mit der Lizenz zum Töten die Klingen kreuzen kann. Ein Schurke, dessen Chauffeur gleich zu Beginn des Buches rücksichtslos eine Katze überfährt. Ein schönes Bild, mit dem Sebastian Faulks die emotionale Gleichgültigkeit Gorners klar seinem Protagonisten und dem auch dem Leser vor Augen führt. Natürlich entspricht Gorner als Antagonist insbesondere Flemings und damit den meisten der Bond Verfilmungen Schurken. Körperlich deformiert - eine Hand ist eine nicht ganz ausgebildete Affenhand. Ein fanatischer Hasser des britischen Königreichs, der sich schließlich doch als der Superschurke entpuppt. Sein ursprünglicher Plan - wie er Bond natürlich anvertraut, als der Geheimagent sich in seinen Händen befindet - würde zu lange dauern, als plant er die schnelle Vernichtung Großbritanniens, in dem er wiederum in klassischer Bondmanier einen internationalen Konflikt zwischen den Supermächten provoziert. Auch hier läßt „Thunderball“ grüßen, während Groner unleugbar die psychotischen, aber zumindest teilweise charismatischen Züge eines „Dr. No“ sein Eigen nennt. Natürlich verfügt er über einen Sidekick, in diesem Fall einen emotionslosen Mann mit einem operierten Schädel, der als sein Ausdruck von Ironie eine Fremdenlegionskappe trägt.

In Hinblick auf seine Protagonisten erweitert Faulks nur in einem einzigen Punkt das bislang Fleming´sche Universum. Selbst in Bonds russischer Akte steht, dass seine große Schwäche hübsche Frauen sind und er einem entsprechenden Hilfsgesuchen nicht widerstehen kann. Darum gibt es im vorliegenden Band auch zwei schöne Frauen, Zwillingsschwestern, wie es den Eindruck hat. Die eine Schwester ist Bänkerin und bietet Bond um Hilfe, ihre drogenabhängige Zwillingsschwester zu retten. Natürlich aus den Fängen des Schurken. Die Schwester heißt Poppy und nicht nur einmal möchte der Leser von Nomen est Omen sprechen. Wer an diesen Zufall nicht glauben will, wird am Ende des Buches mit einer leidlich zufrieden stellenden Erklärung befriedigt, die allerdings auch direkt aus Ian Flemings Feder stammen könnte. Im Gegensatz zum schon 1964 gestorbenen Ian Fleming hat Sebastian Faulks aus der Perspektive einer ganzen Generation später den Roman teilweise im Zeitalter des Summers der Liebe 1967 und vor allem einer latenten Emanzipation angesiedelt. Bond zeigt er bis auf die sexuellen Dinge als emotional veraltet und stellenweise starköpfig. Das Problem des vorliegenden Bandes liegt in der Tatsache, dass er diese Themen anreißt, sie aber nicht weiter extrapoliert und damit insbesondere in den ruhigen Passagen eine emotionale Leere produziert, die gut gezeichnete Frauenfiguren wie Scarlett blass und eher Stichwort gebend erscheinen lässt. Diesen Eindruck versucht Faulks mit einer Reihe von Erklärungen am Ende des Buches wieder zu negieren, da ist es aber teilweise schon zu spät.

Viel interessanter und aktueller sind die Plätze, an denen Faulks seinen ersten Bondroman spielen lässt. London und Paris sind akzeptabel, durch die UdSSR mit Geld aus einem Bankraub und einem gestohlenen Wagen zu flüchten, schon exotischer, aber interessant. Der Hauptteil der Handlung spielt allerdings im Irak zu einer Zeit, als der Schah gerade zurückgekehrt ist und das Land sich in einem fragwürdigen Zwitterzustand zwischen Islam und Kommerz befunden hat. Faulks zeigt die dekadente Seite, mit exotischen und teuren Nachtclubs, in denen die Liebe von hübschen, leicht bekleideten Frauen ohne monetäre Gegenleistung angeboten wird, in denen der Alkohol in Strömen fließt und der Kaviar mit Esslöffeln verzehrt wird. Faulks beschreibt den Irak als ein Land, das weiß, das es von den Großmächten ausgenutzt wird und aus dieser Position das Beste macht. Zwar könnte der erste Showdown in jeder Wüste spielen, aber zumindest die Exotik dieses auch zeitlich fremden Landes fasst Faulks in griffige und vor allem überzeugende Bilder.

In Hinblick auf den kalten Krieg und vor allem die politische Situation insbesondere in den sechziger Jahren – auch wenn der Schurke im Grunde den Bogen von Stalingrad bis zum Schah mehr oder minder expliziert spannt – geht Sebastian Faulks teilweise sehr fahrlässig mit den Fakten um und versucht eine Agentenparallelwelt zu erschaffen, in welcher sich Bond im Konflikt mit seinen überdimensionalen Superschurken nach Belieben bewegen kann.
Leider geht Sebastian Faulks insbesondere mit dem Kalten Krieg zwischen Westen sowie Osten und den abgekühlten Beziehungen zwischen Großbritannien und der USA sehr fahrlässig um. Was benötigt wird, integriert der Autor in die laufende Handlung, was seinen Intentionen widerspricht wird entweder in künstlerischer Freiheit bearbeitet oder unter den Tisch fallen gelassen. Das die Amerikaner auf die Briten sauer sind, weil sie sich nicht am Vietnamkonflikt beteiligt haben, verdammt Felix Leiter als Angestellter der Pinkerton Agentur zu einer Nebenrolle. Auf der anderen Seite spielt er Amerikaner aber auch rückblickend ein doppeltes Spiel und scheint zumindest in einen wichtigen Teil der Vorbereitung einbezogen worden zu sein. Warum Bond auch ein persönliches Interesse in weiblicher Form an diesem Fall haben muss, wird von Sebastian Faulk nur unzureichend herausgearbeitet. Immerhin hat er einen klaren Auftrag von „M“ erhalten und Bonds Selbstzweifel sind immer wieder zwischen den Missionen, aber niemals während einer Mission aufgekommen. Das betont auch Faulks, wenn er davon schreibt, das Bond seinen besonderen Status als Agent mit der Lizenz zu Töten nicht unbedingt mit weiteren Doppel Null Agenten teilen möchte. Faulks versucht, den dunklen, brutalen Ton der Originalromane – hier fliegen die Köpfe und werden Körper von Maschinen zerrissen – mit einem Blockbuster typischen Plot, welcher nicht neu ist, zu verbinden. Dabei agiert er nicht nur in der plötzlich überhasteten Vorbereitung gegen jegliche bisher aufgebaute Logik, Faulks vergisst, dass er sich in den sechziger Jahren befindet und versucht die Gefahr des Atomterrorismus einfach zurückzuversetzen. Wie ein Großteil der eigentlichen Gefahr unabhängig von Bond beseitigt wird, widerspricht der bisherigen Agentenlogik Flemmings. Die Reihenfolge stimmt einfach nicht und negiert vor allem den im Mittelpunkt unnötig langen Spannungsaufbau.

Es ist sicherlich nicht einfach, einen James Bond Roman zu schreiben. Auch die ersten Arbeiten John Gardners und Raymond Bensons enttäuschten in vieler Hinsicht. Den Roman auch noch in die Blütezeit des Fleming´schen Bonds zu verlegen und den Handlungsfaden unmittelbar nach dem Tod des Autors Mitte der sechziger Jahre beginnen zu lassen, ist ein doppeltes Wagnis, dem sich Sebastian Faulk tapfer stellt, das aber seine literarischen Fähigkeiten und vor allem seinen Ideenreichtum übersteigt. „Der Tod ist nur der Anfang“ liest sich flott, ist stellenweise auch ein echter James Bond Roman, der leider aus vielen bekannten Versatzstücken zusammengesetzt worden ist. Dadurch wirkt er weniger wie eine eigenständige Arbeit als eine kontinuierliche Hommage.





Sebastian Faulk: "Der Tod ist nur der Anfang"
Roman, Softcover, 351 Seiten
Heyne Verlag 2008

ISBN 9-7834-5326-6025

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