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Thriller



Scott Frost

Fear

rezensiert von Thomas Harbach

Nach “Risk” liegt mit “Fear” - der deutsche Titel ist sehr unglücklich gewählt, das Original drückt mit “Never Fear” genau das deutlich besser zum Plot passende Gegenteil aus - liegt der zweite Roman aus der Feder des amerikanischen Drehbuchautoren Scott Frost vor. Frost hat unter anderem für “Twin Peaks” und “Babylon 5” geschrieben. Schon in seinem Erstling ebenfalls um die Kommissarin Alex Delillo hat der Autor auf einen äußerst cineastischen Stil zurückgegriffen. Der Plot ist vor allem auch dank der kurzen, aber prägnanten Kapitel sehr effektiv und dynamisch vorangetrieben worden. Alles Attribute, welche auch den zweiten Roman auszeichnen. Nur ist die Erwartungshaltung deutlich höher. Es empfiehlt sich, “Risk” zu erst zu lesen. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren werden deutlicher, auch wenn der Leser nach der Lektüre beider Romane “Fear” als unglaubwürdiger und vor allem hinsichtlich Delillos schicksalhafter Begegnungen unwahrscheinlicher einstufen wird. Im ersten Band ist sie zusammen mit ihrer halbwüchsigen Tochter einem verrückten Serienkiller entkommen. Zu Beginn des zweiten Bandes wird sie zu einem Tatort gerufen. Am Ufer des L.A. Rivers liegt ein Toter. Augenscheinlich ihr Halbbruder, von denen Existenz sie bis vor wenigen Augenblicken nichts wusste. Ihr Vater hat die Familie sehr früh verlassen, verlassen müssen. Zurückgeblieben sind nur die Fernsehepisoden und ein B- Kinofilm, in denen er kleine Nebenrollen spielte. Auf den ersten Blick hat sich ihr Halbbruder selbst umgebracht, aber es gibt kein Motiv. Durch einen Zufall findet sie heraus, dass die Morde mit den Untaten des Riverkiller in einem Zusammenhang stehen könnte. Dieser hat vor zwanzig Jahren drei Frauen ermordet. Zwei der Opfer hat er vergewaltigt. Während Delillo mit ihren Ermittlungen nur schwerlich vorankommt, ermordet ein Unbekannter alle möglichen Zeugen hinsichtlich des Selbstmordes ihres Bruders. Schnell erkennt die Kommissarin, das es damals einen einzigen wirklichen Verdächtigen für die drei Morde gegeben hat: ihren Vater. Dieser ist augenscheinlich nicht tot, wie alle Vermutungen und scheint nach L.A. zurückkehren zu wollen. Um den wahren Täter zu stellen oder sich neue Opfer zu suchen?

Wie “Risk” spielt “Fear” wird “Fear” fast ausschließlich aus der Ich- Perspektive Delillos erzählt. Diese Erzählebene lässt den Zuschauer sehr nahe an das Geschehen heranrücken. Er ist immer auf Augenhöhe mit der Kommissarin. Alle Hinweise kann er sich im vorliegenden Roman auch selbst erschließen. Es gibt keine versteckten Fallen oder verborgene Beweisstücke, die in letzter Sekunde auftauchen. Alleine von der technischen Seite ist “Fear” wie “Risk” ungemein packend und intensiv geschrieben worden. Scott Frost wechselt dabei sehr geschickt das Tempo. Er lässt seinen Figuren einige Momente, um einfach einmal Luft zu holen, die einzelnen sehr unterschiedlichen Fakten zumindest zu ordnen, bevor der Autor mit der nächsten Actionszene die Spannungsschraube weiter andreht. Da “Fear” nicht über einen derartig explosiven Plot wie “Risk” verfügt, wirkt das Buch deutlich reifer, vielschichtiger und eleganter. Die sadistischen Splatterszenen des ersten Romans sind deutlich reduziert worden. Menschen sterben weiterhin oder werden schwer verletzt, aber es fehlt das teilweise doch in “Risk” etwas übertriebene sadistische Element. Auf der anderen Seite ist Scott Frost allerdings auch ein absoluter Profi, der genau weiß, wie er sein Publikum locken kann. Und das macht er in manchen Szenen zu glatt, zu professionell und ein wenig zu konstruiert. Immer wenn die von seinen Figuren aufgestellten Thesen zu komplex, zu kompliziert werden, gelingt es Frost, mit einfachen, aber sehr effektiven Erläuterungen die Aufmerksamkeit seines Publikums zu fokussieren und zumindest vordergründig jegliche Ecken und Kanten des Romans positiv zu glätten. Wie “Risk” hängt allerdings die Glaubwürdigkeit der Geschichte an den sehr unterschiedlichen Protagonisten. Fängt der Leser die intensive Auseinandersetzung nicht mit der Hauptprotagonistin an, sondern konzentriert sich auf den Schattenantagonisten - ihren Vater - stellen sich eine Reihe von Fragen. So soll der Mann immer wieder für ein oder eineinhalb Jahre ein Bühnenengagement gefunden haben, bevor ihn ein rachsüchtiger Polizist wieder aufgetrieben hat. Hier stellt sich die Frage, ob trotz aller Chamäleonartigen Fähigkeiten eine derartige Odyssee überhaupt möglich ist. Vor allem mit die Figur nicht alle paar Jahre ihren Namen ändern, sondern im Zeitalter von “google” im Grunde mit jedem neuen Auftritt. Augenscheinlich verschwindet der Mann sofort nach der letzten Vorstellung. Die Wahrscheinlichkeit, das er gleich nach dem Auftritt in Bar für seine Leistung bezahlt wird, erscheint eher gering. Weiterhin ist die Theaterwelt nicht so groß, das sie einen derartig charismatischen Schauspieler wie hier beschrieben wirklich vor der Polizei lange verstecken kann. Es wäre authentischer gewesen, wenn The Man sich in andere Jobs geflüchtet hätte. Obwohl Dellilos Vater nur einen wirklich markanten “live” Auftritt im ganzen Roman hat, durchzieht seine Persönlichkeit das Buch. Viele Plotelemente leben alleine von der Frage, ist er schuldig, drei Frauen ermordet zu haben oder nicht. Der Leser lernt ihn nur durch die Augen seiner Tochter kennen, die in den wirklich unglaubwürdigen Passagen des Buches auf Traumerscheinungen aus ihrer Vergangenheit angewiesen ist. Auch in Bezug auf Dellilos Charakter muss der Leser zwischen der Figur isoliert vom Roman und ihrem bisherigen Schicksal unterscheiden. Immerhin suggeriert Scott Frost, dass Dellilo die Tochter eines Serienkillers ist, die augenscheinlich im ersten Roman Psychopathen anzieht wie die Motte das Licht. Das wirkt ein wenig zu viel des Guten und die Glaubwürdigkeit der Reihe leidet mit diesem vorliegenden zweiten Buch. Auf der anderen Seite als Figur zwischen Hoffen und Zweifeln gelingt es Scott Frost, sie als erwachsene Frau mit Schwächen, aber auch Stärken zu zeigen. Im ersten Buch hat sie unterstrichen, wozu Mutterliebe fähig ist. Im vorliegenden zweiten Band dagegen zeigt sie ihre Beharrlichkeit, aber auch ihren Gerechtigkeitssinn, der stärker als Blut ist. Zu den besten Passagen des Spannungsbogen gehören die Szenen mit ihrem Untergebenen und offensichtlichen Liebespartners, in denen sie sich als Frauen zeigen muss und will. Fast klischeehaft baut Scott Frost verschüttete Erinnerungen an ihren offensichtlich gewalttätigen Vater ein, der zumindest impliziert ein etwas unnatürliches Interesse an seiner Tochter hat. Genauso klischeehaft ist natürlich die Verschwörung der L.A. Polizei, die den Mord eines Polizisten an einem Unschuldigen deckt. Die beiden Fällen gehören auf den ersten Blick nicht zusammen, aber plottechnisch gelingt es dem Autoren mit einigem Biegen und Brechen, sie zusammenzubringen. Das wirkt teilweise im etwas zu statischen Mittelteil bemüht, aber nicht überzeugend. Der Leser hat das Gefühl, als wäre Scott Frost ein wenig zu unentschlossen, entweder etwas wirklich Originelles und Neuartiges zu schreiben oder doch der “Hannibal” Fährte zu folgen.

Zusammenfassend ist “Fear” sicherlich ein interessanter und lesenswerter Thriller für unterwegs. Die Phantasie des Lesers muss sich nicht regen. Ein wenig Mitdenken stört nicht, ist aber überdeutlich nicht erforderlich. Die Beschreibungen sind kurz und knapp, außerhalb der wichtigsten Figuren sind viele Details austauschbar oder werden elegant übersprungen. Professionell geschrieben, mit der richtigen Mischung aus Emotionen und Action, aus Ermittlungsarbeit und Verschwörung. Was dem Buch allerdings noch mehr als dem ersten Roman fehlt, ist das Herz. Vieles wirkt zu mechanisch, zu passend geschrieben, die Ecken und Kanten können nur selten wirklich überzeugen und in Kombination mit dem ersten Band mutet der Autor seiner Kommissarin familientechnisch ein wenig zu viel zu. Das hat dieser interessante Charakter in dieser Form nicht verdient.

Scott Frost: "Fear"
Roman, Softcover, 412 Seiten
Knaur Verlag 2009

ISBN 9-7834-2663-5490

Weitere Bücher von Scott Frost:
 - Risk

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