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Thriller



Timothy Stahl

Das Prometheus- Mosaik

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Das Prometheus- Mosaik” erscheint der erste Mainstream Thriller des bislang durch seine Mitarbeit an diversen Heftromanserien bekannt gewordenen Timothy Stahl als Bastei Taschenbuch. Es ist – abgesehen von seinem Mystery- Horror Sechsteiler „Wölfe“ – das erste über den Heftromanumfang hinausgehende literarische Projekt, das Timothy Stahl bislang veröffentlicht hat. Der 1964 in den USA geborene Timothy Stahl hat bislang als Autor bei einer Reihe von Bastei Reihen wie Jerry Cotton, Bad Earth, die UFO Akten, Trucker King, Vampira, Jack Slade, aber auch Professor Zamorra und vor allem Maddrax mitgearbeitet. Für die erste und zweite Staffel der Perry Rhodan Actionreihe hat Timothy Stahl jeweils zwei Romane beigesteuert. Als Heftromanautor hat Timothy Stahl in erster Linie solide Durchschnittsarbeiten auf einem stilistisch nicht immer ansprechenden Niveau abgeliefert. Stahl ist ein guter Teamplayer, der aber nur selten Schwächen in den grundlegenden Exposes der von ihm verfassten Serienromane durch außergewöhnliche Ideen ausgleichen konnte.

Der Bastei Verlag kündigt den Roman mit „Das Thrillerdebüt des Jahres“ an. Im Nachwort von Timothy Stahl liest der aufmerksame Leser zumindest impliziert, das der Roman eine durchaus längere Entstehungsgeschichte hinter sich hat. Nach der Lektüre bestätigt sich dieser Eindruck. Der Roman scheint aus einer einzigen Idee heraus entstanden zu sein. Plottechnisch versucht der Autor manchmal sehr bemüht den „überraschenden“ Schock möglichst lange vor den Protagonisten und damit auch dem Leser zu verheimlichen. Rückblickend erweist sich die grundlegende Idee als zu vorhersehbar und aus heutiger Sicht fast antiquiert. Zu viele deutlich versiertere Autoren haben sich dem entsprechenden Thema angenommen und Timothy Stahl kann die zugrunde liegende Idee nicht mehr extrapolieren. Unabhängig von dem enttäuschenden Ende gelingt es dem Autoren auch nicht, die Handlung geradlinig und stringent zu erzählen. Teilweise zu überambitioniert, dann schriftstellerisch überfordert überflutet der Autor seine Leser mit einer Fülle von Andeutungen, Vermutungen, ominösen Hinweisen und schließlich unspektakulären Szenen. Diese wirklich langweilige Aneinanderreihung von distanziert und stellenweise unglaublich langatmig eindimensional geschriebenen Szenen beginnt schon bei der natürlich einen „Paukenschlag“ darstellenden Eröffnungssequenz. Bei dem Brand eines Hauses erleidet der Sohn schwerste Verbrennungen. Seine Chancen, die nächsten Tage überhaupt zu überleben, sind schlecht. Ein Fremder in einem schwarzen Mantel – der Hinweis, dass die Eltern zuerst an einen Priester gedacht haben, darf nicht fehlen – macht den Eltern einen rätselhaften Vorschlag. Der Fremde wird versuchen, den Jungen zu retten. Dafür müssen sich die Eltern später nicht nur zu absoluter Verschwiegenheit, sondern Zugeständnissen verpflichten. Der Prolog verläuft im Nichts. Ein Sprung viele Jahre in die Gegenwart. Theo Lassing ist ein ambitionierter Arzt in Berlin. Er führt eine Liste der Patienten, die er noch vor dem Tod retten konnte. Er hat augenscheinlich Bindungsangst, führt aber ansonsten ein ruhiges Leben. Eines Tages sieht er das Bild eines Wahrsagers in der Zeitung. Dieser Junge hat in Zusammenarbeit mit einer Privatdetektivin die Polizei zum Versteck eines Entführungsopfers geführt. Der Junge wäre in dem Versteck gestorben, da der Geißelnehmer bei der verpatzten Geldübergabe erschossen worden ist. Das Foto zeigt einen Mann, der ihm zum Verwechseln ähnlich ist. Dabei ist sich Theo Lassing nicht bewusst, einen Zwillingsbruder zu haben. Auf einer weiteren Handlungsebene lernt der Leser Fio Gallo kennen. Eine Studentin der Naturwissenschaften, die hoch talentiert und vor allem ehrgeizig von ihrem Professor zur Mitarbeit an einem geheimnisvollen Projekt überredet wird. Bislang hat – auf der dritten Handlungsebene – Marie Thon als Klavierlehrerin in Weimar unauffällig und zurückgezogen gelebt. Eines Tages erhält sie einen geheimnisvollen Anruf. Sie legt ihre bisherige Tarnexistenz ab und kehrt zu ihrer wahren Berufung zurück. Natürlich ist diese Berufung für einige Menschen gefährlich.

Timothy Stahl springt zwischen den einzelnen Spannungsbögen munter und leider sehr ziellos hin und her. Nicht selten gibt er sich mit eher oberflächlichen und arg konstruiert wirkenden Andeutungen zufrieden. Der Hinweis, dass eine Frau wie Marie Thon aufgrund des Anrufs ihre bisherige Existenz aufgibt, zielt ins Leere. Der Leser hatte keine Gelegenheit, sie als Charakter überhaupt kennen zu lernen. Die Frage, warum sie als Schläfer zurückgezogen operiert hat, gehört zum Teil des großen, erst am Ende des Buches zu lösenden Geheimnisses. Mit jeder dieser Andeutungen versucht Timothy Stahl eine nicht vorhandene Spannung und bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Spätestens nach dem zweiten Versuch hat der Leser diese Taktik durchschaut. Stahl gelingt es nicht, die Geschichte ins Laufen zu bringen. Dem Titel gemäß erweisen sich die ersten einhundertfünfzig Seiten als Mosaikstücke. Der Autor macht den Fehler, trotz einiger vorhandener und übertrieben beschriebener Actionszenen keine Brücke zwischen seinen Protagonisten und seinen Lesern zu schlagen. Das Szenario wird beschrieben, die Protagonisten führen oft ins Nichts führende und statisch herunter geschriebene Monologe bzw. noch schlimmer Dialoge und machen sich teilweise über Nichtigkeiten Gedanken. Dann endet dieses Kapitel und die nächste Passage beinhaltet ein ähnliches Szenario nur mit einer anderen Person im Mittelpunkt. Nur selten kommt die Handlung wirklich in Fahrt. Diese wenigen effektiven Ansätze macht Timothy Stahl überambitioniert zu Nichte, in dem er wieder eine falsche bzw. unnötige Spur für seine Figuren und damit auch den Leser auslegt. Der umständliche, fast amateurhafte Handlungsaufbau hätte um gut einhundert Seiten gekürzt werden können. Über das Ende ist schon gesprochen worden, ist es eine einzige Enttäuschung und kommt mindestens zehn Jahre zu spät.

Weiterhin sind die einzelnen Charaktere eindimensional und klischeehaft gezeichnet worden. Anstatt sich mit den Figuren auseinanderzusetzen und ihnen einen entsprechenden überzeugenden Hintergrund zu geben, bleibt Timothy Stahl oberflächlich und schablonenhaft. So ähneln sich Theo Lassing und Fia Gallo hinsichtlich ihrer Grundcharakterisierung zu stark. Sie sind egoistische Einzelgänger, ehrgeizig, grüblerisch veranlagt, aber außer gewöhnlich talentiert. Vor allem kann sich der Leser das Vorgehen Theo Lassings Freundin nicht erklären. Auf der einen Seite wirft sie ihm Egoismus und Arroganz vor, auf der anderen Seite wird sie beim ersten Aufflackern von Gefahr weich und absolut hilfsbereit. In einer Szene gelingt es verschiedenen Charakteren den Kugeln einer aus näherer Entfernung abgefeuerten Waffe mehrmals auszuweichen, in dem sie sich unter anderem gegenseitig aus der Schussbahn werfen. Neben diesen eindimensionalen Figuren vermisst der Leser als Gegengewicht einen entsprechenden Antagonisten. Marie Thon ist zu schwach gezeichnet, um diese Rolle einzunehmen. Am Ende des Buches als die verschiedenen Fragen wie in einem Lehrbuch abgehandelt werden, bleibt nicht mehr ausreichend Raum, um eine entsprechende Figur zu etablieren.

„Das Prometheus- Mosaik“ unterstreicht Timothy Stahls bisher bekannte und auffällige Schwächen als Autor leider sehr markant. Er ist kein guter Szenerist, sondern benötigt für überdurchschnittliche Arbeiten ein stringentes und gutes Expose. Routiniert und stilistisch unauffällig kann der Autor dann die entsprechenden Freiheiten des Exposes nutzen, um solide Unterhaltungsromane zu verfassen. Das reicht für einen eigenständigen Thriller nicht aus. Sperrig, stilistisch teilweise unbefriedigend bis umständlich, plottechnisch veraltet und von den letzten Jahren überholt schleppt sich „Das Prometheus – Mosaik“ handlungstechnisch viel zu breit ausgewälzt dahin. Anstatt den Roman auf einer dunklen Note zu beenden, konstruiert der Autor abschließend noch einen zu unglaubwürdigen Epilog mit einem leicht offenen Ende. Ein schwaches Buch, das der Bastei- Verlag wahrscheinlich nur aufgrund Timothy Stahls enger Verbindung zu diversen Heftromanreihen des eigenen Hauses veröffentlicht hat.

Timothy Stahl : "Das Prometheus- Mosaik"
Roman, Softcover, 396 Seiten
Bastei Verlag 2009

ISBN 9-7834-0415-8874

Weitere Bücher von Timothy Stahl :
 - Perry Rhodan Action 10 - Falkans Verderben
 - Perry Rhodan Action 18 - Tod über Ekhas
 - Perry Rhodan Action 23 - Jagdziel Rhodan
 - Perry Rhodan Action 35 - Zielpunkt Physiotron
 - Perry Rhodan Action 7 - Aufstand der Grall

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