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Thriller



Jeffrey Deaver

007 Carte Blanche

rezensiert von Thomas Harbach

James Bond ist zurück. Nicht nur auf der Leinwand für der Abschluss der ersten echten Trilogie mit Daniel Craig als Spion mit der Lizenz zum Töten geplant, sondern die Ian Fleming Foundation hat die Pläne einer Reihe von Abenteuern des jungen James Bond ad acta gelegt und mit dem erfolgreichen Bestsellerautor Jefferey Deaver einen erfahrenen Mann - siebenundzwanzig zum Teil verfilmte Thriller - verpflichtet, der den Geheimagenten ihrer Majestät in einer Post 9/11 Welt überführt. Deaver ist der bislang fünfte Autor, der in die Fußstapfen Ian Fleming tritt und angesichts seines Debüts könnte er nach John Gardner der Schriftsteller sein, der den James Bond Kanon um mehr als eine Facette bereichert.
“007 Carte Blanche” ist in doppelter Hinsicht ein ausgesprochen interessanter Roman. Auffällig ist der Brückenschlag über die Jugendabenteuer hinaus. Durch einen Zufall fällt James Bond ein russischer Geheimbericht in die Hände, der von Stahlmantelgeschossen handelt, die bei einer Reihe von tödlichen Unfällen angeblicher Doppelagenten am Unglücksort gefunden worden sind. Ein ähnliches Geschoss steht auf seinem Kaminsims und soll an den Absturz seiner Eltern an einem eher “leichten” Berghang in den französischen Alpen erinnern. Auch dort wurde ein Stahlmantelgeschoss gefunden. Mit leichter Hand und einer abschließenden Überraschung fügt Jefferey Deaver wichtige Persönlichkeitsbildende Aspekte zum markanten James Bond Charakter hinzu. Es steht ohne Frage, das dieser zweite, nur hintergründig ablaufende Handlungsfaden ausreichend Stoff für einen weiteren Roman bilden könnte. Gekonnt verbindet der Autor die anscheinend ebenso dunkle Nach-Kalter-Kriegzeit mit der Gegenwart und zeigt auf, wie hinterhältig und schmutzig das Geheimdienstgeschäft auch abseits von James Bonds Exzessen in John le Carre Manier ist. Mit diesem Handlungsarm verleiht der Autor James Bond eine dreidimensionale Tiefe, die angesichts mancher Oberflächlichkeiten insbesondere qualitativ bei den letzten veröffentlichten James Bond Romanen überrascht.

Dieser Brückenschlag in die eigene Vergangenheit geht einher mit einer indirekten Auflösung seiner Abteilung. In einer Post 9/11 Welt haben sich zumindest literarisch die Fixpunkte verändert. Der Schutz Großbritanniens und damit der ganzen Welt durch die Doppel 00 Agenten steht zwar weiterhin im Vordergrund, aber angesichts bürokratischer Hindernisse erhält Bond ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann. Unabhängig von den britischen Geheimdiensten MI5 und MI6 sowie in der Theorie dem britischen Verteidigungsministerium ist eine neue Einheit geschaffen worden, die im Grunde der alten Doppel 00 Sektion bis auf eine Einsschränkung - keine besonderen Befugnisse auf britischen Mutterboden - gleicht. Geleitet von einem alten Admiral, besetzt mit einer bekannten wie attraktiven Sekretärin und unterstützt von einem superintelligentem Waffenschmied, wobei der Schwerpunkt der technischen Innovation des vorliegenden Romans in den Bereichen Nachrichtentechnik und Verschlüsselung liegen. Im Grunde hat sich nur der Name der Behörde geändert. Langjährige James Bond Anhänger werden sich gleich heimisch fühlen, während Bonds überaus erfolgreiche Vergangenheit als Doppel 00 Agent auf einige heikle Einsätze in Afghanistan als Offizier der Reserve eingedampft werden. Der Hinweis auf seine Einsätze im Afghanistankrieg ist nicht der einzige Aspekt dieses Reboots. So ist James Bond 1979 geboren, seine Eltern am Ende des Kalten Kriegs bei einem Unglück ums Leben gekommen. James Bond ist jetzt ein ehemaliger Raucher, der allerdings wie in den Ian Fleming Romanen einen 125.000 Pfund teuren Bentley fährt. Gekauft – auch ein Novum – aus der Versicherungssumme der verstorbenen Eltern, um das Image des gut bezahlten, aber nicht übermäßig reichen Regierungsbeamten auf besonderer Mission zu relativieren.

James Bond soll mit diesem Buchhaltertrick moderner werden. Er ist im Grunde unnötig, weil der neue Auftrag inklusiv des zumindest vordergründig charismatischen wie auffälligen Antagonisten den gewaltlosen Tod tausender von überwiegend britischer Bürger verhindern soll. Und die wenigen Hinweise auf eine kältere aggressivere und von Terroristen dominierte Welt wirken eher wie Versatzstücke in einem ausgesprochen stringenten Roman, in dem der Autor aber einmal zu oft mit der unterschwelligen Erwartungshaltung der Leser spielt und anscheinend schockierende Szenen im nächsten Augenblick sicherlich umfassend erklärend die Spannung mindernd auflöst.

Die eigentliche Handlung spielt zwar auf unterschiedlichen Kontinenten, aber innerhalb einer Woche. Diese Konzentration auf das Wesentliche wirkt auf der einen Seite dynamisch und packend, rüttelt aber auf der anderen Seite an der Glaubwürdigkeit. Das ein erfolgreicher Geschäfts- und indirekt am Ende der Woche zum Massenmörder werdender Mann unmittelbar vor Vollzug einen ihm fremden Mann in den inneren Kreis holt, nur weil er von seiner Obsession mit körperlichen Verfall und Tod weiß, erscheint unwahrscheinlich. Bis dahin ist „Carte Blanche“ ein interessanter wie lesenswert spannender Roman, der mit einer Mission im ehemaligen Jugoslawien beginnt, wo James Bond einen seiner zukünftigen Kontrahenten – einen irischen professionellen Auftragskiller – kennen lernt. Obwohl ein Anschlag auf einen mit toxischen Giften beladenen Zug verhindert werden kann, ist die Mission nur bedingt erfolgreich gewesen. Aus den rudimentären Informationen leitet Bonds neue Behörde die Möglichkeit eines Anschlags mit tausenden von Toten ab, der in erster Linie Großbritannien treffen soll. Ein latenter Verdacht fällt auf die Firma „Green Way International“, geleitet von dem charismatischen Holländer Severan Hydt. Nachdem Bond beinahe auf einer von „Green Ways“ Baustellen lebendig begraben worden ist, folgt er Hydt erst nach Dubai und später nach Südafrika, während die Zeit bis zum angekündigten Anschlag am Freitag immer knapper wird und der Kontaktmann zum inländisch agierenden britischen Geheimdienst eher auf eigenen Ruhm aus ist.



“Carte Blanche” ist ein ausgesprochen moderner Bond. Themen wie Umweltverschmutzung und damit einhergehend Recycling werden ebenso angesprochen wie die schöne neue Welt grenzenloser Datenkommunikation. Während der technische Hintergrund ausgesprochen modern ist, ist der eigentliche Plot im Grunde ein klassischer James Bond, bis sich der Autor quasi in einer Epilog entschließt, der bisherigen Handlung - wie in den angesprochenen Actionszenen - eine zweite Ebene hinzuzufügen, die nicht immer wirklich adäquat das beschriebene Geschehen ergänzt. Die Motive des Geschäftsmanns Hydts werden deutlich besser herausgearbeitet als zum Beispiel im letzten James Bond Film “ A Quantum of Solace”. Sein perverser Trieb, den körperlichen Verfall von
lebenden und toten Menschen zu verfolgen ist die Antriebsfeder für die im Grunde zweite Stufe und das Überschreiten des schmalen Grades zwischen Voyeur und Täter. In dieser Hinsicht funktioniert “Carte Blanche” ausgesprochen gut, auch wenn der Bogenschlag zur reinen Geldgier als auslösender Katalysator zu wenig überzeugend herausgearbeitet worden ist. Da Hydt anscheinend für einen schwerreichen Auftraggeber - was soll es anders sein, als ein die eigenen Interessen mit allen Mitteln verteidigender Konzern - arbeitet, ist das für den Gesamtbestand der Operation nicht relevante Hinzuziehen weiterer Mitwisser unnötig. Die für die Operation benötigten Summen überschreiten auch überschlägig nicht die Früchte der Aktion und könnte von einem Milliardenschweren Unternehmen durchaus geschultert werden. Von dieser Schwäche abgesehen ist die Planung interessant und perfide genug, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln. Am Ende agiert Deaver ein wenig überambitioniert, wenn er dem Roman zusätzlich zum angesprochenen ersten Handlungsbogen und den Hintergrundinformationen zu Operationen des KGBs am
Ende des Kalten Krieges quasi einen dritten Plot hinzufügt, dem James Bond erst auf den letzten dreißig Seiten auf die Spur kommt. Er steht in einem rudimentären Zusammenhang mit den perfiden Plänen Hydts, fügt aber dem globalen Terrorismus in Kombination mit Erpressung durch Entzug von Nahrungsmitteln für die hungernde Bevölkerung oder subventioniertes Querverteilen für relevante Gruppen eine zynische Facette hinzu, die in dieser Form einen eigenen längeren Plot verdient hätte. Zwar gelingt Deaver auch hier wieder eine kleine Ablenkung, die zumindest den Leser für kurze Zeit auf eine andere Fährte lockt, aber es wirkt zu übertrieben und zu wenig im Verlaufe der Handlung vorbereitet, als das diese Idee nachhaltig überzeugen kann. Unabhängig von diesen Schwächen ist “Carte Blanche” insbesondere für einen “Erstling” - siehe auch John Gardners noch recht holpriges Debüt - gut gelungen und führt den alt bekannten James Bond in die politisch veränderte Gegenwart, auch wenn die grundlegenden Gefahren - überambitionierte reiche Geschäftsleute im Gegensatz zur Rettung der Welt - wie in den letzten James Bond Filmen nicht mehr so faszinieren.

Während der Handlungsverlauf deutlich moderner geworden ist, erscheint James Bond als Charakter selbstkritischer und dreidimensionaler, aber auch zeitloser. Auf der persönlichen Ebene sucht er Zugang zur Vergangenheit seiner Eltern, die sich in erster Linie bis auf den Epilog auf Andeutungen beschränkt. Wie schon angesprochen sind die präsentierten Vermutungen einen eigenständigen Roman wert, der eher in der Tradition John le Carres „Smiley“ Trilogie geschrieben werden müsste. In Bezug auf Frauen handelt Deaver im Grunde das ganze Spektrum bond´scher Weiblichkeit ab. Zum einen die harte Dienst befließene junge Frau, die Spuren ihr Jobs sichtbar mit sich trägt. Nach anfänglicher Abneigung kommen sich Bond und die Südafrikanerin näher, ohne das insbesondere die Frau sich im Gegensatz zu Flemings Romanen zu einer Art willfähriger Gespielin erniedrigen muss. Dann die attraktive Zuarbeiterin im eigenen Ministerium, die am ehesten Bonds Leidenschaften für teures Essen und schnelle Autos/ Motorräder teilt. Als am dreidimensionalsten gezeichnete weibliche Figur ist die auch am Ende des Buches die größte Überraschung, in dem die Romanze nicht mit üblich endet und den Geflogenheiten der letzten Bondfilme folgt. Die Dritte im Bunde steht stellvertretend fürs Bonds größte Schwäche- eine gewisse Arroganz dem weiblichen Geschlecht gegenüber - und erinnert an die frühen Bondstreifen der späten sechziger und frühen siebziger Jahre. Deaver hat seinen Bond aus den verschiedenen Epochen sehr geschickt zusammengesetzt und präsentiert einen zeitlosen wie Schwächen zeigenden Ex- Superagenten, der deutlich menschlicher geworden ist.

Von den üblichen Verdächtigen abgesehen - M ist eine Hommage an Ian Flemings Charakter, Moneypenny in den beiden Szenen schmuckes Beiwerk und Felix Leiter agiert stellvertretend für ein ganzes Netzwerk von bekannten Freunden/ Helfern, wobei Leiters körperliche Beeinträchtigungen aus „Lizenz zum Töten“ ignoriert werden - sind es die Antagonisten, die erstaunlich dreidimensional, facettenreich und vor allem originell erscheinen. Der Rächer des bei der anfänglichen Mission verstorbenen serbischen Agenten ist vielleicht noch eine Mischung aus Klischee und guten Willem. Er tötet einen unschuldigen CIA Agenten, um an Informationen zu kommen und rechtfertigt sein „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ Verhalten später vor Bond. Der geheimnisvolle Ire - Attentäter, Pragmatiker und Schlüsselspieler - ist von Deavers vom ersten Moment an gut gezeichnet. Ein echter, sehr gefährlicher Profi, der sich aus einer Reihe von ausgesprochen gefährlichen Aktionen in rücksichtsloser Bondmanier befreien kann. Am Ende geht dem Autoren allerdings die Luft aus, der Figur einen adäquaten Abgang zu schenken. Sebastian Hyde als perverser Großunternehmer, der sich als eine Art Napoleon der Mühlaufbereitung sieht und dessen sexuellen Verzügen sich auf den Verfall des Menschen konzentriert ist eine interessante wie gefährliche Figur, die Deaver insbesondere im elementaren Mittelteil ein wenig zu naiv gutgläubig anlegt. Zusammengefasst - ohne zu viel zu verraten muss sich Bond schließlich noch mit einem vierten Antagonisten auseinandersetzen, dessen charakterliche Wandlung vom Autoren überhaupt nicht vorbereitet worden sind - findet James Bond auch in der Post 11/9 Ära ausreichend interessante Feinde, die er zum Schutz der britischen Interessen mit Geschick, Intelligenz und mehrmals überdurchschnittlichem Glück bekämpfen kann.
Als Autor des Romans geht Deaver manchmal ein wenig zu berechnend vor. Die Vorbereitung der Schlüsselszenen ist teilweise brillant, die Spannungsschraube wird viel versprechend angezogen, um sie dann einmal zu oft auf den ersten Blick überraschend, angesichts der Vielzahl der aufeinander folgenden Ereignisse immer öfter ermüdend loszulassen und auf einen entsprechenden Effekt zu hoffen. Zwei oder dreimal pro Roman ist in Ordnung, aber fast jede Szene so aufzulösen ist des Guten zu viel. Zumal es der Autor nicht nötig hat. Es gibt einige sehr interessant geschriebene Schusswechsel, die in der hier beschriebenen Form auch eines James Bond Films würdig gewesen wäre. Die Dialoge sind pointiert und gut geschrieben, die Beschreibungen - exotische Länder, teure Wein und interessante Gerichte - runden den überwiegend interessanten wie dynamisch strukturierten Roman überzeugend und in der Tradition Ian Flemings sehr gut ab. Als erstes Roman eines Reboots mit sehr viel Potential für zukünftige Abenteuer ist „Carte Blanche“ nach einer neunjährigen Abstinenz an neuen James Bond Romanen mehr als willkommene gehobene Unterhaltung.

Jeffrey Deaver: "007 Carte Blanche"
Roman, Softcover, 412 Seiten
Simon & Schuster 2011

ISBN 9-7814-5162-7992

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