Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Thriller



Scott Frost

Risk

rezensiert von Thomas Harbach

„Risk“ ist Scott Forst erster Thriller, aber nicht seine erste Buchveröffentlichung. In den neunziger Jahren hat er mit seinem Audiotap „Diane…. The Twin Peaks Tapes of Agent Cooper“ und der Dale Cooper Autobiography “Dale Cooper: My Life, My Tapes” die Bestsellerliste erobert. Für die Fernsehserie selbst hat Frost zwei Drehbücher geschrieben. Es folgten weitere Scripts für die kurzlebige Lynch Serie „On the Air“, für Serien wie „Andromeda“ und „Life Goes on“. Forst hat die Arbeiten am vorliegenden Buch im Jahre 2001 begonnen, inzwischen liegt eine Fortsetzung vor. Das offene, provozierende und nach dem Handlungsablauf frustrierende Ende impliziert offen die Fortsetzung in der Tradition von Thomas Harris „Hannibal“- Romanen und vor allem dem Endlosschleifen drehenden Hollywoodkino. Mit dem Anschlag am 11. September hat sich aber auch der eigentliche Grundtenor des Buches verändert. Frost hat wahrscheinlich das erste Drittel des Buches fertig geschrieben gehabt, die Zielrichtung ist gewesen, ein Buch über Terrorismus zu schreiben. Nach dem Anschlag hat er das Manuskript eine Zeit lang weggelegt und danach begonnen, ein Buch über den Terror, die Bedrohung zu schreiben. Seine Protagonisten werden aus ihren bürgerlichen Existenzen gerissen durch eine Abfolge von brutalen Morden und kleineren Sprengstoffanschlägen.

Mit Pasadena hat sich der Autor eine kleine Stadt – um die 36.000 Einwohner – ausgesucht, die nur einmal im Jahr durch ihre spektakuläre Blumenparade in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Angeblich sollen bis zu 200 Millionen Menschen dieses jährliche Ereignis im Fernsehen verfolgen. Gleich zu Beginn konfrontiert Scott Frost den Leser mit dem das Handlungsgerüst tragenden Element: Mutterliebe. Alex Delillo ist Leutnant der Mordkommission und allein erziehende Mutter einer siebzehnjährigen Tochter. Nach einer Affäre mit der Nachbarin hat sie sich von ihrem Mann getrennt. Wenige Monate später ist dieser an Krebs gestorben. Die Tochter macht alleine die Mutter für das tragische Ende ihres Vaters verantwortlich. Die beiden haben sich nicht zuletzt aufgrund der langen Dienstzeiten der Mutter entfremdet. Das Erstaunlich ist allerdings, dass Forst auf der anderen Seite deutlich macht, dass Pasadena eine friedliche Stadt ist und Delillo dürfte als Leiter der Mordkommission nicht so viel zu tun haben, wie hier suggeriert wird. Stellenweise erscheint sie rückblickend als eingespannter als das komplette CSI. Zu Beginn des Buches nimmt die Tochter am Schönheitswettbewerb für die Blumenkönigin teil. Ein ungewöhnliches Verhalten für die eher rebellierende frei denkende Tochter. Kurz vor der Wahlentscheidung nutzt sie ihre Bühne, um für eine ökologische Politik aggressiv zu demonstrieren. Sehr zum Entsetzen ihrer Mutter. Diese wird kurz vor Ende der in einem Desaster endenden Veranstaltung zu einem Überfall auf einen mexikanischen Blumenladen gerufen, bei dem einer der beiden Besitzer erschossen worden ist. Aus diesem Fall heraus entwickelt sich eine Bedrohung für Dellilos Tochter und später vordergründig für die gesamte Stadt Pasadena. Insbesondere in der ersten Hälfte des Buches präsentiert Scott Forst einen sehr kompakt erdachten Plot. Der Leser bleibt nur auf Augenhöhe der ermittelnden Beamten. Schnell muss Dellilo für ihren bei einem Bombenanschlag verletzten Partner einen widerwilligen Beamten des Bombenkommandos hinzuziehen, der vor vielen Jahren seine Frau durch eine Bluttat verloren hat. Frost greift hier nicht auf das Klischee von zwei sehr unterschiedlichen Charakteren zurück, die sich erst angiften und sich gegenseitig im Wege stehen, um schließlich im Bett zu landen, sondern er bemüht sich, die unterschiedlichen Figuren dreidimensional und überzeugend zu skizzieren. Er räumt jedem Protagonisten den entsprechenden Freiraum ein, gibt ihnen Stärken und Schwächen. So entwickelt sich im Verlaufe des sehr rasant geschriebenen Romans eine wichtige Sympathieebene zum Leser, die sich im gewalttätigen, überzeichnenden Ende als elementar erweist. Das erste Drittel des Romans ist eindeutig ein Buch über die Möglichkeit eines Terroranschlages in einer kleinen Gemeinde. Die Spuren deuten auf einen perfiden Einzeltäter hin, der mittels eines ins Land geschmuggelten mexikanischen Militärsprengstoffs anscheinend die Blumenparade zum Ziel auserkoren hat. Gleichzeitig verschwindet Delillos Tochter. Während diese zuerst ihr Verschwinden in einen Zusammenhang mit der von ihr gestörten Schönheitsköniginnenwahl bringt, kann der Leser vermuten, dass mehr dahinter steckt. In der Mitte des Romans wird aus einem Roman in der Tradition von Thomas Harris erstem und unterschätztem Buch „Schwarzer Sonntag“ mehr und mehr die Auseinandersetzung mit einem intelligenten Psychopathen. Dieser tritt nur als Stimme in Erscheinung, aber der Leser beginnt sich einen Dennis Hopper aus „Speed“ vorzustellen. Dellilo und Harrison, ihrem Partner, bleibt nur viel Zeit, um einen Anschlag auf die Parade zu verhindern und das Leben ihrer Tochter zu retten. Wie intelligent sich der Täter für sein perverses Spiel gänzlich andere Intention ausgesucht hat, erkennt Dellilo erst zu spät.

Scott Frost hat für seinen Roman die Ich- Erzählerebene gewählt. Der Leser bleibt somit nahe am Geschehen dran und erfährt alle Informationen nur zusammen mit seiner Identifikationsfigur, der Polizistin Dellilo. Der Autor gibt dem Leser einen kleinen Einblick in ihr Gefühlsleben, verzichtet aber auf die üblichen Klischees von der einsamen Frau und Mutter, die in jedem Mann ein potentielles sexuelles Ziel sieht. Natürlich empfindet sie für ihren neuen Partner latente Gefühle, aber insbesondere im Showdown schreibt ihr Frost einige sehr bitter ironische Zeilen auf den sportlichen Körper. Die Ich- Erzählerebene hat natürlich den Nachteil, das der Leser weiß, Dellilo wird die Ereignisse zumindest so weit überleben, das sie in der Lage ist, ihre Geschichte zu erzählen. Doch es geht weniger um ihr Überleben, als das der Autor das enge Band zwischen Mutter- Tochter oder Eltern- Kindern untersucht, das trotz aller Meinungsunterschiede und Schwierigkeiten im Umgang miteinander untrennbar existiert. Dieses Band ist schließlich auch das Ziel des Antagonisten, ein Unternehmen, an dem er nur in jedem halbwegs für ein Mainstreampublikum geschriebenen Roman scheitern muss. Nur in Richard Laymon Brachialthrillern könnte der Angreifer dieses Band trennen und durch eine perverse, unheilvolle andere Beziehung ersetzen. Betrachtet der Leser das Buch ausschließlich aus dieser Perspektive, ist die Veränderung der Zielrichtung von Terrorismus zu Terror positiv für den ganzen Roman und stellt im Vergleich zum Genre eine angenehme – wenn auch für die Protagonisten sehr unangenehm geschrieben – Wendung dar.


Der Mittelteil mit der eigentlichen Ermittlungsarbeit sehr cineastisch und packend geschrieben worden ist, wirkt der Übergang von einem klassischen Roman über Terrorismus gegenüber der Zivilbevölkerung zu einem Psychothriller nicht abgerundet. Eine Vielzahl von eindrucksvollen, brutalen und perfiden entwickelten Szenen machen „Risk“ zu einem dunklen Lesevergnügen und Scott Forst stellt insbesondere die Nebenfiguren über weite Strecken des Buches immer wieder vor Entscheidungen, denen sich der Leser niemals in seinem Leben stellen möchte. Diese kleinen, aber elementaren Episoden bereiten ihn schließlich auf den ungewöhnlich spannenden, aber auch ein wenig in seiner Dramatik und Abfolge übertriebenen Showdown vor, der leider nicht zu einem vernünftigen Ende führt, sondern abschließend wie ein Zwischenschritt zum obligatorischen nächsten Roman wirkt. Dieser ist inzwischen in den Staaten erschienen und verfolgt die dann nicht mehr so überraschende Konfrontation zwischen einer mitten im Leben stehenden Frau und Mutter mit einem harten Job und einem Psychopathen weiter. Rückblickend kann man sehr gut erkennen, wie hart Scott Frost seinen Plot doch korrigieren musste, um eine neue Richtung einzuschlagen. Das Ergebnis, das der Täter anstrebt, entspricht auf den ersten Blick nicht den Anstrengungen und wenn aus den immer wieder erwähnten Akten seinen Hintergrund verfolgt, erscheint es auch unwahrscheinlich, dass er auch mit einer „kleinen“, aber schockierenden Tat nur um das Licht der Öffentlichkeit kämpft und keine weitergehenden Ziele verfolgt. Auch wenn Scott Forst in mehreren Interviews zugegeben hat, das ein Buch über Terrorismus nach dem 11. September zynisch und unglaubwürdig erscheinen könnte, wäre es sinnvoller gewesen, diese Richtung beizubehalten und auf die vom Täter erwünschte persönliche Ebene der Auseinandersetzung zu verzichten. Auch die notwendige Ablenkung durch die Polizisten am Ende des Buches wirkt unwahrscheinlich und konstruiert. Ein Täter, der sich an der Angst seiner Opfer weidet, hätte auf einer Großaufnahme seines Werkzeuges bestanden und sich nicht mit den allgemeinen Fernsehbildern begnügt. Oder suchte er am Ende doch eher die persönliche Konfrontation? Dann macht weder seine Vorbereitung in seinem offensichtlichen Versteckt einen Sinn noch die Anweisungen, die er immer wieder über Handy gegeben hat. Das ist alles unwahrscheinlich dramatisch und ergreifend geschrieben worden, Scott Frost weiß, welche Tastatur er auf dem Psychothrillerinstrument drücken muss, aber es macht als Ganzes betrachtet nicht unbedingt Sinn.

Für einen Erstlingsroman lässt sich „Run the Risk“ – der englische Originaltitel ist sehr passend – gut lesen. Die Geschichte ist kompakt erzählt, die Charaktere sympathisch und überzeugend gezeichnet, der Plot selbst ab der Mitte des Buches durch die notwendigen Änderungen zeitweilig zu stark konstruiert. Aber das packende und atemberaubende Ende entschädigt für diese Schwächen im Handlungsaufbau. „Risk“ ist ein empfehlenswerter Psychothriller, der sich zwar an die Grenzen dieses Subgenres hält, aber mit der Konzentration auf das unsichtbare und untrennbare Band zwischen Mutter- Tochter ihm auch etwas Neues hinzufügt.

Scott Frost: "Risk"
Roman, Softcover, 452 Seiten
Knaur 2007

ISBN 3-4266-3548-8

Weitere Bücher von Scott Frost:
 - Fear

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::