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Thriller



Peter Mennigen

Cotton Reloaded 6- Der Leichensee

rezensiert von Thomas Harbach

Peter Mennigen mit seinem zweiten Beitrag zu „Cotton Reloaded“ muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sein Titel nicht nur irrefĂŒhrend, sondern schlichtweg falsch ist. Es gibt keinen Leichensee, geschweige denn ĂŒberhaupt einen See in seinem Roman. Die Leichen werden an einem einsamen Strandabschnitt auf der Urlaubsinsel Chappaquiddick gefunden, nachdem ein Wintersturm den Abschnitts freigelegt hat. Weiterhin ist es fĂŒr die AufklĂ€rung des Verbrechens wichtig, dass dieser Strandabschnitt dem Meer gegenĂŒber liegt. Trotzdem funktioniert Mennigens Roman als Thriller viel zu wenig.
Nachdem ein Dutzend weiterer Leichen, die ĂŒber einen Zeitraum von mindestens fĂŒnfundzwanzig Jahren bis vor sechs Jahren – ein wichtiger Hinweis dort vergraben wurden sind, gefunden worden sind, wird das FBI in Gestalt von Jeremiah Cotton und Philippa Decker hinzu gerufen. NatĂŒrlich reagiert der Inselpolizist gereizt, wobei dessen Motivation nicht deutlich genug herausgearbeitet worden ist. Peter Mennigen konzentriert sich auf das Klischee der abgeschlossenen Inselgemeinschaft, die ohne den Tourismus zu gefĂ€hrden, die Mordserie aufklĂ€ren möchte. Dabei stammen die Frauen nicht von der Insel- eine Autopsie ist nicht möglich, da die ZĂ€hne und Kiefer systematisch ausgeschlagen worden sind. Genetische Untersuchungen dauern noch an, wĂ€hrend Decker und Cotton auf der Insel von einem schweren weiteren Wintersturm ĂŒberrascht und gefangen gehalten werden. Wie in seinem ersten Jeremiah Cotton Roman etabliert Menigen noch eine zweite Nebenhandlung, in der ein eifersĂŒchtiger Sohn des örtlichen Metzgers ein schönes MĂ€dchen mit seiner Liebe verfolgt und sie eifersĂŒchtig bedroht. Gentlemen Cotton greift ein. Im Gegensatz zum Agenten weiß der Leser, dass der Junge nicht fĂŒr die Mordserie verantwortlich sein kann. Als in der NĂ€he der Agenten ein weiterer Mord nach dem Vorgehensmuster des SerientĂ€ters verĂŒbt wird, fĂ€llt natĂŒrlich der Verdacht fĂŒr diese Tat auf den Jungen, obwohl er zahlreiche Einzelheiten der Mordserie wegen der Geheimhaltung der Presse nicht kennen kann.

Wie schon angesprochen leidet „Der Leichensee“ unter einer nicht konsequenten HandlungsfĂŒhrung. Der Roman wirkt, als wenn er vor dreißig Jahren geschrieben worden ist. Handys werden aufgrund der Wetterunbilden nicht spĂ€rlich eingesetzt, was spannungstechnisch positiv sein könnte. Nur gibt es wenig zu ermitteln, da der potentielle TĂ€terkreis derartig begrenzt ist, das man sich in ein Kammerspiel versetzt fĂŒhlt. In den meisten „Cotton“ Romanen wird nicht der TĂ€ter auf der letzten Seite eingefĂŒhrt. Also mĂŒssen die beiden Agenten ihm auf der isolierten Insel schon begegnet sein. Damit kommen nur zwei Menschen in Betracht, von denen der eine aufgrund seines Alters wegfĂ€llt. Bleibt im Grunde nur der Forensiker Dr. Connors, der sich vor sechs Jahren auf die Insel zurĂŒckgezogen hat. Cotton und Decker suchen wĂ€hrend des Schneesturms bei ihm Obdach, kommen mit ihm ins GesprĂ€ch und suchen seine Hilfe, da das FBI außer Stande ist, Agenten auf die Insel zu bringen. Am Ende kumuliert der stringente Plot in einer natĂŒrlich finalen Konfrontation in diesem Fall zwischen Decker als potentiellem neuen Opfer des Serienmörders, der bislang nur Frauen ohne Vergewaltigung oder Folter getötet hat, sowie dem leider einzigen in Frage kommenden TĂ€ter. Cotton eilt nach einem Hinweis der Inselbevölkerung natĂŒrlich zu Hilfe. Dieser Hinweis frustriert weiter. Mennigen versucht den Lesern glaubhaft zu machen, das in einer virtuellen Pressewelt kein Journalist die markante Fundstelle mit einem wahrscheinlich dreißig Jahre vorher stattgefundenen Unfall assoziiert. Das ein intelligenter SerientĂ€ter sich den Ort nicht nur persönlich anschaut, sondern zumindest angesichts des Inselklatsches keine Information ĂŒber diesen abgesperrten Strandabschnitt findet. Das dieser Strandabschnitt plötzlich auf der einen Seite nicht mehr markiert ist, da jeder auf der Insel weiß, dass dort vor Jahren giftige FĂ€sser nach einem Schiffsunfall angespĂŒlt worden sind, die Touristen aber anscheinend im Sommer dort entlang wandern können. Da bei MĂ€nnern, die einige Tage ohne Schutzkleidung dort arbeiten, wieder Ekzeme auftreten, ĂŒber Jahre aber kein Tourist einen Hautausschlag bekommen hat. Diese fĂŒr die Lösung des Falls elementare PrĂ€misse wird durch ein weiteres Faktum unglaubwĂŒrdig gemacht. Decker hat auf der Insel zumindest einen Sommerurlaub verbracht und wurde von ihrer ersten platonischen Liebe vor dem Ertrinken gerettet. Der Junge ist spĂ€ter im Irakkrieg getötet worden. Da sie die Insel kennt und dort ein fĂŒr sie wichtiges, einschneidendes Erlebnis hatte, erscheint es unglaubwĂŒrdig, das sie angesichts der Schwere des damaligen Unfalls sich nicht daran erinnern kann. NatĂŒrlich macht der Hautausschlag Dr. Connors nicht automatisch zum einzigen in Frage kommenden VerdĂ€chtigen, da er auch aus voller Absicht, um die raue Winterluft zu genießen, dort spazieren gegangen sein kann, aber aufgrund der wenigen spielenden Personen wĂŒrde mit einem anderen TĂ€ter der Zufallsfaktor zu stark ĂŒberreizt werden.

WĂ€hrend „Der Leichensee“ beim falschen Titel beginnend handlungstechnisch trotz einer interessanten Vorgabe enttĂ€uscht, ĂŒberzeugt der Roman atmosphĂ€risch. Die isolierte einsame von ihrer verstockten Bevölkerung geliebte Insel beschreibt Mennigen authentisch und ĂŒberzeugend. Das Zusammenspiel zwischen Cotton und Decker wurde im fĂŒnften „Cotton Reloaded“ Band aus der Feder Linda Budingers schmerzlos vermisst. Der Leser erfĂ€hrt ein wenig mehr ĂŒber Deckers Vergangenheit, die Cottons platonische Liebe zu ihr nicht erschĂŒttert. Das Finale ist spannend geschrieben, auch wenn man nicht einen Moment wirklich glaubt, dass Decker ums Leben kommt. FĂŒr die ganze Serie positiv ist, dass sich Cotton und Decker wieder mehr auf besondere FBI FĂ€lle konzentrieren und nicht mehr als amerikanische James Bonds gegen reaktionĂ€re Gruppen agieren mĂŒssen.




Peter Mennigen: "Cotton Reloaded 6- Der Leichensee"
Roman, Softcover, 96 Seiten
Bastei- Verlag 2013

Weitere Bücher von Peter Mennigen:
 - Cotton Reloaded 2- Countdown

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