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Thriller



Linda Budinger

Cotton Reloaded 5- der Infekt

rezensiert von Thomas Harbach

Linda Bundinger greift in „Der Infekt“ Themen aus den ersten „Cotton Reloaded“ Abenteuern wieder auf. Die Bedrohung des inneren Frieden Amerikas durch reaktionäre innere Kräfte. Am amerikanischen Nationalfeiertag gelingt es Jeremiah Cotton, ein Attentat mit biologischen Waffen zu verhindern. Der Auftakt des Romans ist ohne Frage ein Paukenschlag. Eine perfekte Inszenierung mit einer Reihe von Fakten, die erst im nachhinein eingefügt werden. Cotton kann zwar mit einer wie immer waghalsigen Alleinaktion den Attentäter ausschalten und den Zünder des Sprengsatzes in seinen Besitz bekommen, er wird aber angeschossen.
Da er für den Dienst der Spezialeinheit momentan nicht zur Verfügung steht, wird er zu einer besonderen Behandlung wegen der entzündeten Wunde in die Spezialklinik Bedford geschickt. Sein Tarnexistenz ist ein Versicherungsvertreter. Auf keinen Fall darf seine Identität verraten wird. Diese zweite Prämisse wirkt ein wenig brüchig, denn erstens könnte sich Cotton doch beim Ausschalten der Bombe in seiner Wunde infiziert haben, was jegliche Außenbehandlung unter fremder Identität angesichts des Sicherheitsrisikos unmöglich machen würde und zweitens müssten selbst die betriebsblinden Ärzte immer noch eine Schusswunde vor allem mit einer derartig besonderen Waffe – ohne zu viel zu verraten – erkennen. Auf jeden Fall werden die Patienten in der teuren Privatklinik Bedford auf einzigartig biologische Art und Weise mit Maden, Blutegeln und schließlich auch Seidenspinnen behandelt.
Die nächsten Passagen erinnern an Variationen der beiden James Bond Verfilmungen „Feuerball“ und „Sag niemals nie“. In der Klinik scheint einiges nicht zu stimmen. Cotton fallen die beiden Bodyguards auf, die das Gelände bewachen. Als einer seiner Mitpatienten stirbt, weil er mit Cottons Maden in einem Biobeutel behandelt worden ist, wird der Agent natürlich aufmerksam und muss einige Anschläge auf sein Leben teilweise dank einer natürlich in ihn verliebten Krankenschwester verhindern. Cotton agiert bei der Informationsbeschaffung so tollpatschig, dass natürlich auch die Klinikleitung auf ihn aufmerksam wird. Zwischen den Zeilen wird impliziert, dass die Spezialeinheit des FBI unter Mr. High nicht ausreichend Zeit hatte, eine dreidimensionale Tarnexistenz für ihren verletzten Agenten zu erschaffen. Normalerweise haben die Agenturen ausreichend Alter Egos auf Halde, um ihre wichtigsten Ermittlungsagenten selbst vor den Untersuchungen einer eher wenig spezialisierten Klinikleitung zu schützen.
Das Ende ist geradlinig und verbindet wenig überraschend das von Cotton verhinderte Attentat mit den sonderbaren Entwicklungen in der Klinik. Die obligatorische Rettung in letzter Sekunde eingeschlossen.
„Der Infekt“ ist als Roman eher oberflächliche Unterhaltung. Die Handlung wirkt zu schematisch. Der Leser vermisst den nicht selten absichtlich in die Irre führenden zweiten Spannungsbogen, der irgendwann und nicht selten irgendwie in den eigentlichen Fall einfließt. Niemand glaubt wirklich, dass Cotton selbst bei dem Überfall mit giftigen Ameisen in Todesgefahr ist. Am Ende bleibt die Autorin hinsichtlich möglicher Wahnvorstellungen zu ambivalent. Hier wird sehr viel Potential verschenkt. Die ganzen Vorgänge hätten ja auch Spätfolgen der entzündeten Wunde sein können. Da der Roman ausschließlich aus Cottons Perspektive erzählt wird, der diese Möglichkeit relativ schnell vom imaginären Tisch wischt, muss an seiner Vergiftung mehr dran sein. Andere Filme wie „D.O.A.“ – auch hier beide Versionen – haben dieses Thema ergreifender und spannender abgehandelt.
Hinsichtlich der Charakterisierung der Personen macht Linda Bundinger Jeremiah Cotton menschlicher. Er ist nicht mehr der opportunistische Agent auf Probe, auch wenn diese anscheinend zu einer Urangst sich entwickelnde Vorstellung genauso angesprochen wird wie der Tod seiner Eltern und seiner Schwester am 11. September als kontinuierliches Trauma. Sie spricht bei den Ermittlungen leichte Selbstzweifel an, die Cotton quälen könnten. Vielleicht liegt das auch daran, dass dieses Mal das zeitliche Element keine Rolle spielt. Die Möglichkeit eines zweiten, deutlich umfangreicheren Anschlags wird erst im finalen Showdown angesprochen. Zu diesem Zeitpunkt kann Jeremiah Cotton nicht mehr aktiv in das Geschehen eingreifen, die Weichen sind vorher gestellt worden.
Der Leser vermisst ohne Frage die attraktive Decker als bodenständig, latent zynisches und vor allem erfahrenes Gegenstück. Das Zusammenspiel zwischen Decker und Cotton gehörte bislang zu den Höhepunkten der vorliegenden Roman. Linda Bundinger kann diese Leere nur bedingt durch andere Protagonisten füllen.
Nach dem interessanten und spannenden Auftakt gerät der Mittelteil zu einer Exkursion in moderne alternative Medizin mit insbesondere für den Laien bizarren Heilungsmethoden in erster Linie für die reiche Oberschicht, die schon alles ausprobiert hat. Hier fehlt ein zündender Funke, nur Jeremiah Cotton zu bedrohen ist zu wenig, um insbesondere bei einer fortlaufenden Serie Spannung zu erzeugen. Die finale direkte Konfrontation mit dem natürlich verrückten, gefährlichen und wieder einmal weißen, patriotisch reaktionären Attentäter ist eine Expression der Paranoia, welche die USA in Serien wie „Homeland“ vergeblich unter Kontrolle zu bringen sucht. Es ist für die bisherigen fünf Abenteuer bezeichnend und interessant zu verfolgen, wie aus dem bekannten FBI Agenten, dessen Schwerpunkt die Bekämpfung von Verbrechen schwerpunktmäßig in New York gewesen ist, ein inneramerikanischer James Bond mit einer eingeschränkten Lizenz zum Töten geworden ist, der unter den Mitgliedern eines Volks ermittelt, das im Laufe von zweihundert Jahren mehr als einen seiner Präsidenten ermordet hat. Manchmal wünscht man sich wie im vorliegenden Roman etwas mehr Schärfe und Dynamik, einige unabhängig von der Einführung in Virologie originellere Ideen, damit die „Cotton Reloaded“ Reihe ein nachhaltigeres Profil entwickeln kann.

Linda Budinger: "Cotton Reloaded 5- der Infekt"
Roman, Softcover, 96 Seiten
Bastei 2013

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