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Thriller



Alexander Lohmann

Cotton Reloaded 4- Die Verschwundenen

rezensiert von Thomas Harbach

Der in erster Linie für seine Fantasy- Zyklen im Bastei- Verlag bekannte Alexander Lohmann legt mit „Die Verschwundenen“ im Grunde den ersten „Cotton Reloaded“ vor, der keinen politischen Hintergrund hat, sondern sich mit dem organisierten Verbrechen sowie Trittbrettfahrerkorruption in den Behörden auseinandersetzt. „Die Verschwundenen“ ist ein eher nach klassischem Muster konzipierter Roman, in dem der Leser im Groben, aber nicht in den Details wissenstechnisch den Ermittlern Cotton und Decker bis weit über die Hälfte des Stoffes voraus ist, bevor ihn die beiden Spezialagenten nicht nur überholen, sondern auch dank des Faktors menschlicher Zufall den Fall natürlich erfolgreich aufklären.

Eine Frau wird nachts an einem Treffpunkt in Hafennähe gelockt. Sie kennt den Mann, der sie her bestellt hat. Der Mann will die Geschäftsbeziehung beenden und sie mir ihrer eigenen Waffe erschießen. Da sie nur Platzpatronen geladen hat, kann sie die Überraschung kurzzeitig nutzen und in das Hafenbecken springen, wo sie kurze Zeit später ertrinkt. Alexander Lohmann braucht einige Zeit, bis er mit dem Kriminalstoff warm wird. So wirkt insbesondere der innere Monolog der Frau hilflos, wenn aus der dritten Person ihre Name genannt und sie ihn auf ihre neu angenommene Identität innerlich korrigiert.
Cotton und Decker werden auf den Fall angesetzt, da die Frau die Papiere eines Toten bei sich trägt. Vor drei Jahren ist die echte „Inhaberin“ dieser Identität gestorben, während die Tote anscheinend die Mafia als ihre Buchhalterin um einen mehrstelligen Millionenbetrag bestohlen hat. Hinzu kommt, dass das Apartment der Toten anscheinend ausgeraubt worden ist. Der oder die Diebe haben sich mit einem seltenen Sicherheitsschlüssel Zutritt verschafft. Ihre Recherchen zeigen schnell, dass die Tote nicht die einzige zu Lebzeiten verschwundene und mit neuer Identität ausgestatte „Verschwundene“ ist, die durch Unfall oder Mord in den letzten Jahren ums Leben gekommen ist.

Alexander Lohmann beschreibt die Ermittlungen Cottons und Decker relativ geradlinig. Über den ehemaligen Arbeitgeber, dem zumindest eine Mafiaaffinität nachgesagt wird, kommen sie schnell dem einzigen in Frage kommenden Täter auf die Spur, der gegen Ende eher verzweifelt bemüht versucht, alle Spuren zu tilgen. Das Cotton und Decker keine Hinweise auf ihre Ermittlungen bei ihrer Behörde hinterlassen haben, kann als Wunschdenken abgehackt werden. Trotzdem gelingen dem Autoren ein oder zwei eindrucksvolle Szenen. Das Spektrum reicht von dem nihilistischen, trotz der Identitätskrise gleich im zweiten Abschnitt lesenswerten Prolog, der allerdings für den ganzen Fall zu viel verrät, bis zum feurigen Finale, in dem zumindest einen Augenblick Cotton, aber niemals der Leser getäuscht wird. Dazwischen findet sich auch sehr viel Leerlauf. Bei den verschiedenen Informationen erhalten die deutlich besser zusammenarbeitenden Agenten mit einem fast gänzlich ohne Schlaf auskommenden zu übermächtig beschriebenen Cotton immer wieder kleine Hinweise, die unter Nutzung mondernster Überwachungstechnik schließlich zu einem finalen Täterprofil zusammengesetzt werden. Das wirkt sehr mechanisch und es fehlen die Überraschungsmomente, die falsche Spuren. Während die ersten beiden „Cotton Reloaded“ Abenteuer über eine zweite, in die Irre führende Handlungsebene mit einem nur als Katalysator fungierenden Fall verfügten, sind die letzten beiden Abenteuer deutlich einfacher sicherlich auch stringenter aber weniger faszinierend konstruiert worden.

In Bezug auf die Charakterisierung der wichtigen Protagonisten nimmt Alexander Lohmann dem Jeremiah Cotton sein Alleingestehungsmerkmal und versucht ihn wieder mehr auf einen Teamplayer zu reduzieren. Das funktioniert anfänglich sehr gut, bis im letzten Drittel die Balance zu sehr zu seinen Gunsten kippt. In seinem übergroßen Schatten steht leider seine Kollegin Decker, die von Alexander Lohmann inklusiv der tölpelhaft in eine Falle stolpernden sich wie eine „Jungagentin“ verhaltenden Frau an keiner Stelle des Romans überzeugend beschrieben wird.
Der Hintergrund des Falls ist interessant. Wie schon angesprochen fehlen die politischen Motive und die Konzentration auf reine kapitalistische Kriminalität tut der Reihe sehr gut. Stilistisch nach dem angesprochenen holprigen Beginn findet sich Alexander Lohmann im modernen „Cotton“ Universum gut zurecht und präsentiert einen unterhaltsamen, unter den kleineren Schwächen nur bedingt leidenden modernen „Cotton“, dessen Fall wie Cotton selbst zugibt sehr nahe an gewohnten Heften angesiedelt worden ist und den amerikanischen New York James Bond wieder auf einen überdurchschnittlich engagierten Schnüffler reduziert.



Alexander Lohmann: "Cotton Reloaded 4- Die Verschwundenen"
Roman, Softcover, 89 Seiten
Bastei- Verlag 2013

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