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Thriller



Peter Mennigen

Cotton Reloaded 2- Countdown

rezensiert von Thomas Harbach

Wies der erste “Cotton Reloaded” schon die Richtung, wird der Eindruck vom zweiten Roman “Countdown” aus der Feder Peter Mennigens noch verstärkt. Cotton soll nicht zuletzt dank der stilisierten Titelbilder zu einem amerikanischen James Bond aufgebaut werden. Kein Einzeltäter mit der Lizenz zum Töten, aber ein mehr und mehr charismatischer Querdenker, der in jedem anderen Roman der Paranoia bezichtet worden wäre. Im Gegensatz allerdings zu den Bond- Romanen, die überwiegend außerhalb des britischen Königreichs spielten, sitzen die Feinde des amerikanischen Traums im Herzen der großen Städte. Der schlimmste Feind des Amerikaners ist der erzkonservative, bürgerliche und vom eigenen Ergeiz zerfressene Amerikaner. Im ersten Band konnte in letzter Sekunde ein Attentat von rechtspopulistischen christlichen Fundamentalisten verhindert werden, in “Countdown” geht es um den Streit hinter den Kulissen. So gewöhnungsbedürftig diese ungewöhnliche Zielrichtung für die Spezialeinheit des FBIs auch sein mag, so stringent und zu offensichtlich hat Peter Mennigen seinen Roman niedergeschrieben. Während im Auftaktband noch ausreichend falsche Spuren gelegt worden sind und auf zwei parallel laufenden Ermittlungsebenen eher ein Zufall zur Verbindung führte, verzichtet Peter Mennigen komplett auf wirklich nachvollziehbare falsche Spuren. Alleine der Glaube an die Gutwilligkeit aller amerikanischen Behörden einige Jahre nach dem 11. September verhindert, dass mehr Männer als nur Jerry Cotton den Kampf gegen den “Klassenfeind” im Schatten der Präsidenten führen.
Eine Passagiermaschine wird über New York entführt. Es befinden sich keine Entführer an Bord. Mittels moderner Computertechnik wird die Maschine über das dicht besiedelte Manhattan fern gelenkt. Man droht, die Maschine abstürzen zu lassen, wenn nicht ein arabischer Topterrorist, der sich in einem Gefängnis in der Nähe New York aufhält, freigelassen wird. Auf dem Weg zur Übergabe wird dieser von einem Scharfschützen erschossen. Deckard und Cotton kommen selbst bei der waghalsigen Jagd auf den Attentäter ungeschoren davon. Da die Geißel nicht mehr zur Verfügung steht, beschließt Cotton einen Pokerfreund zu besuchen, der in der pakistanischen Botschaft arbeitet, aus welcher angeblich das Signal kommen soll, das die Passagiermaschine über der Stadt fernlenkt. Leider wird Cotton zusammen mit einem parallel in der gleichen Botschaft ermittelnden Botschaft erwischt und gefangen genommen.
Auch wenn die einzelnen Bestandteile des Romans rückblickend sehr fahrig konstruiert erscheinen, gelingt es Peter Mennigen, den Auftakt dynamisch zu gestalten und durchaus Spannung zu erzeugen.
Der Frischlingagent profitiert von einer Reihe von Zufällen. Der Pokerfreund in der pakistanischen Botschaft sei hier expliziert genannt. Niemand scheint sich darum zu kümmern, das ein zur Geheimhaltung eingeschworen Agent mit einem eher schwammig charakterisierten Mitglied der pakistanischen Botschaft engeren Kontakt hält, obwohl Amerika in Pakistan weniger einen Verbündeten als einen Opportunisten sieht. Selbst wenn der Leser diese Facette noch glauben mag, erscheint die Flucht genauso waghalsig wie die Entlarvung des Terroristenverstecks durch eine Absplitterung der Homeland Security, welche nach der amateurhaften Aktion Cottons die Ermittlung übernimmt und innerhalb einer Stunde erfolgreich zu Ende führt. Die phantastisch erscheinende Technik wird dabei zerstört. Mister High und seine kleine Einheit werden konsequenterweise innerhalb der nächsten Tage aufgelöst, bis Cotton dank einer Zuckerpackung die richtigen Schlüsse zieht. ER stellt dem potentiellen Hintermann eine primitive Falle, in welche dieser im Grunde auch indirekt tappt. Das ein derartig mächtiger Mann nicht alle losen Fäden rechtzeitig abschneidet wirkt genauso phantastisch wie die Frage, mit welchen seiner Agenten er diese Farce erfolgreich inszeniert hat. Sie setzt voraus, dass alle amerikanischen Behörden die Tatsache ignorieren, dass der “Feind” anscheinend auch über geheim gehaltene Technik verfügt. Weiterhin wird vorausgesetzt, dass die Terroristen nach den minutiös, aber in technischer Hinsicht primitiv geplanten Anschlägen des 11. September plötzlich einen Quantensprung gemacht haben, der sie auf das Niveau der Amerikaner oder Russen hebt. Ohne das hinter den Kulissen jemand diese Entwicklung hinterfragt. Um es noch einmal zu verdeutlich. Es geht bei den betreffenden Organisationen um Agentenringe, die innerhalb der USA für die Sicherheit der Bevölkerung zuständig sind. Kein CIA. Das erscheint sehr stark konstruiert.
Nur Cotton schaut hinter die Kulissen und kann quasi im Alleingang bis auf Deckers Last Minute Stunt die Feinde ausheben und ihren perfiden, gegen eine verbündete Organisation gerichteten Plan zwar nicht vereiteln, aber im Keim ersticken. Der Verweis auf die Anthraxbriefe im Gefolge des 11. Septembers ist zwar konsequent, aber auch angesichts der im Vergleich zum Anschlag auf das World Trade Center wenigen, aber unschuldigen Toten auch makaber.

Es erscheint unglücklich, dass der Frischling Cotton in den ersten beiden Romanen des Neustarts Verschwörungen geheimer Organisationen innerhalb der USA aufdecken muss. Während er im Auftaktroman noch ein wenig Hilfe von der ansonsten sehr skeptischen Decker in Anspruch genommen hat, schafft er es hier alleine, ins Wespennest zu stechen. Die Rettung kann er dann aber nicht alleine bewerkstelligen. Zu sehr stilisieren die Autoren den ambitionierten, aber reichlich unerfahrenen Cotton zu einer Art amerikanischen Held hinter den Kulissen einer fiktiven Welt, die ironischerweise von den Machern als altbacken, brüchig, gefährlich, gewalttätig und paranoid angesehen wird. Ein besserer Autor als Peter Mennigen hätte diesen Widerspruch sehr viel effektiver und für den Leser spannender herausgearbeitet.

Keine Überraschung ist, dass ein Nebenkriegschauplatz Cotton als “Menschen” mit der Dienstmarke beschreibt. Durch einen Zufall bekommt er mit, dass seine Nachbarin und deren halbwüchsige Tochter vom aus dem Gefängnis zurückgekehrten Ehemann und dessen Drogen dealenden Kumpanen misshandelt wird. Cotton übernimmt es höchst persönlich, die Männer auszuschalten, während diese noch von Hausfriedensbruch und guten Anwälten sprechen. Dieser Ausbruch natürlicher Aggressivität angesichts der nicht selten frustrierend vor überforderten oder bestochenen Gerichten endenden Ermittlungen verleiht der bislang eher blassen Jeremiah Cotton Figur eine neue Note. Unglücklich dagegen erscheint, dass die Autoren seiner Partnerin Decker im ersten Roman einen sportlichen Porsche Carrera “verliehen” haben, während Peter Mennigen dem sich noch in seiner Entwicklung befindlichen Cotton ebenfalls einen Porsche zugesteht. Nur handelt es sich erstens um den Nachlass seines am 11. September verstorbenen Vaters und zweitens ist der Wagen schrottreif und Cotton muss im Grunde jeden Dollar in der Hoffnung, dass der Wagen eines Tages wieder fahren kann, in die befreundete Werkstatt bringen. Wahrscheinlich soll mit diesen Überschneidungen die Sympathieebene zwischen Cotton und Decker verstärkt und Gemeinsamkeiten der in unterschiedlichen Welten lebenden, aber sich nicht grundsätzlich hassenden Partner herausgearbeitet werden. Es wirkt nur aufgesetzt.
“Cotton Reloaded” wäre zu wünschen, wenn die nächsten Romane “normalere” Fälle als Verschwörungen ominöser Umstürzler oder ums nächste Budget kämpfender Regierungsstellen behandeln würde. Weniger wäre für die Serie nach dem lesenswerten Auftaktroman und dieser ambitionierten, aber schriftstellerisch zu schwach umgesetzten Arbeit ohne Frage mehr. Sie muss erst einmal den richtigen Tonfall zwischen Neustart und Hommage an die unzähligen Originalabenteuer in diversen Auflagen finden. “Countdown” stellt in dieser Hinsicht einen kleinen Rückschritt dar.

Peter Mennigen: "Cotton Reloaded 2- Countdown"
Roman, Softcover, 94 Seiten
Bastei Lübbe 2012

Weitere Bücher von Peter Mennigen:
 - Cotton Reloaded 6- Der Leichensee

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