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Thriller



Andreas Gruber

Todesfrist

rezensiert von Thomas Harbach

Nach "Rachesommer" liegt mit "Todesfrist" der zweite exklusiv fĂŒr den Bertelsmannbuchclub geschriebene Thriller aus der Feder des Österreichers Andreas Gruber als Hardcover vor. VordergrĂŒndig behandeln beide Romane perfide RacheplĂ€ne, wobei in "Rachesommer" die Auflösung zu frĂŒh zu erkennen gewesen ist. In "Todesfrist" konzentriert sich der Verdacht des ermittelnden Beamten und einer eher durch die Untreue ihres Mannes in das Geschehen einbezogene Psychologin auf einen in Frage kommenden VerdĂ€chtigen. In diesem Punkt sind beide Romane vielleicht ein wenig zu einfach angelegt, die Spannung wird insbesondere im Vergleich zu seinen deutlich exzentrischeren im FESTA Verlag veröffentlichten BĂŒchern von Andreas Gruber auf das rechtzeitige Auffinden der entfĂŒhrten Frauen reduziert. Hinzu kommen die RĂŒckblenden, in denen nicht zuletzt aufgrund der zu forschen und die Ehrenkodexe verletzenden Vorgehensweise eines der spĂ€teren Opfer die Rachegeschichte erst ihren Anfang genommen hat. Sie sollen dem Leser einen tieferen Einblick in die Psyche des verstörten TĂ€ters geben. Herauskommen fast klischeehaft zu nennende Fehlentwicklungen, die in erster Linie vom brutal erziehenden Vater ausgehen. In dieser Hinsicht prĂ€sentiert Andreas Gruber zu wenige Überraschungen und reduziert den ĂŒberdurchschnittlich intelligenten TĂ€ter konsequent als Opfer. Das Psychopathensubgenre offenbart nicht viele Variationsmöglichkeiten, aber handlungstechnisch wirkt "Todesfrist" zu stringent konstruiert und mit einem im Vergleich zum Gesamtroman zu langen Showdown ausgestattet.

WĂ€hrend die Handlung in erster Linie "normale", fĂŒr ein Massenpublikum geschriebene Thrillerunterhaltung ist, prĂ€sentiert sich Andreas Gruber in den Details in sehr guter Form. Wie die Ermittler schnell erkennen, folgt der TĂ€ter dem Kinderbuch "Der Struwwelpeter" bis in Detail. Andreas Gruber erspart seinen Lesern in dieser Hinsicht wenig. Vom Prolog mit der eingemauerten Frau - ihre IdentitĂ€t ist das I- TĂŒpfelchen dieser Handlungsebene - ĂŒber die abgeschnittenen Finger, das Ertrinken in Tinte und den freien Fall finden sich viele Szenen dieses Kinderbuches extrapoliert und pervertiert in der Handlung wieder. Es ist ein schmaler Grad zwischen schockieren und provozieren, auf dem sich der Autor bewegt. Ohne sensationslustig zu sehr die grausamen Szenen auszumalen, zeigt Gruber lieber die Folgen.

Die grĂ¶ĂŸte StĂ€rke des vorliegenden Romans sind aber seine Charaktere. Zum einen verbindet Andreas Gruber sehr geschickt dank der Vorgehensweise des TĂ€ters die unterschiedlichen Figuren miteinander und fĂŒgt ihnen direkt wie indirekt Schmerzen zu.
Als erstes wĂ€re die Psychotherapeutin Helen Berger zu nennen. Eine attraktive Frau in den besten Jahren, mit einem arroganten und eitlen Staatsanwalt vor seinem fĂŒnfzigsten Geburtstag verheiratet. Sie wird durch eine Patientin in die Angelegenheit hineingezogen, die ein Doppelleben fĂŒhrt. Hier ĂŒberspannt Andreas Gruber vielleicht den Bogen. WĂ€hrend Helen Berger ansonsten ausgesprochen kompetent und vor allem intelligent ist, erscheint es ein wenig unglaubwĂŒrdig, dass sie sich von ihrer Patienten derartig in mehrfacher Hinsicht hinters Licht hat fĂŒhren lassen. Damit diese Handlungsebene funktioniert, muss der Leser diese PrĂ€misse akzeptieren. Im Verlaufe ihrer Ermittlungen wird sie nicht nur ihr bisheriges eher langweiliges Leben verlieren, sondern mit ihrer indirekten Vergangenheit konfrontiert werden. Andreas Gruber schneidet diese Handlungsebene vielleicht ein wenig zu sehr auf ein Happy End zu und degradiert ihren Mann zu einem sprichwörtlichen "Monster", aber als Person ist Helen Berger sehr ĂŒberzeugend gezeichnet worden.

Auf der polizeilichen Ermittlungsebene teilen sich diese Ehre ĂŒberwiegend Sabine Nemez von der KRIPO MĂŒnchen und der exzentrische Profiler Maarten S. Sneijder aus Wiesbaden. Sabine Nemezs Mutter wird auf bestialische Weise als eines der ersten Opfer ermordet. Da ihr Vater nach einem Scheidungsrosenkrieg ĂŒber ein zumindest theoretischer Motiv verfĂŒgt und als Trittbrettfahrer in Bezug auf vergleichbare Morde in anderen StĂ€dten in Frage kommt, hat Sabine Nemez von Beginn an ein sehr persönliches Interesse, nach dem TĂ€ter zu suchen. Nur stellen sich nicht nur ihre Vorgesetzten quer, auch der aus Wiesbaden herbeigerufene Profiler Maarten S. Sneijder hat etwas gegen aus seiner Sicht unprofessionelle und emotional eingefĂ€rbte Hilfe. Sabine Nemez wird von Andreas Gruber ĂŒberzeugend charakterisiert. Eine Frau, die fĂŒr ihren Beruf lebt, aber in Hinblick auf die Nichten auch ĂŒber eine private Seite verfĂŒgt. Im Gegensatz zu ihrer Schwester weiß sie, aus welchem Grund sich ihre Eltern endgĂŒltig getrennt haben. An dieser Information trĂ€gt sie schwer. Im Verlaufe der Ermittlungen erweist sie sich auf eine realistische Art und Weise dem dominierenden Sneijder ebenbĂŒrtig und verdient sich letzt endlich am Ende ihren Platz an der Sonne. Mit Maarten S. Sneijder hat Andreas Gruber einen exzentrischen Charakter erschaffen, der an Grubers erste Arbeiten wie den Jakob Rubinstein erinnert. Ein Ekelpaket sondergleichen, das sein arrogantes wie provokantes Auftreten nur mit seinen bisherigen Erfolgen rechtfertigen kann. Er braucht Vanilletee, um den Geruch des Joints in seinem PolizeibĂŒro zu ĂŒbertĂŒnchen. Er hat eine besondere Methode, an BĂŒcher heranzukommen. Er tyrannisiert seine Kollegen, um ihre Sollbruchstellen herauszubekommen. Gruber gelingt die Kunst, Sneijder erst als Ekelpaket mit fachlich herausragender Kompetenz zu beschreiben und ihn dann im Verlaufe des Romans menschlich zu machen. Diese Wandlung erfolgt, ohne dass er wirklich seine Ecken und Kanten verliert. Die Figur ist selbst am Ende des Romans zu einem akzeptablen Menschen gewandelt faszinierend genug, um weitere Romane zu tragen.
Wie schon angesprochen ist jeder Psychopath nur so lange Furcht erregend wie man/der Leser/ die Ermittler ihn nicht einordnen können. Ähnliches gilt fĂŒr den TĂ€ter dieses Romans. Je nĂ€her die Profiler und dank der rĂŒckblickenden Therapiesitzungen auch der Leser an ihn heranrĂŒcken, um so mehr verliert er trotz seiner kontinuierlich grausamen Taten an Faszination. Vielleicht hĂ€tte Andreas Gruber darauf bestehen sollen, dass der TĂ€ter seine eigenen Spielregeln einhĂ€lt. Die erste Dehnung macht ihn verletzlich, obwohl zumindest in der Theorie die Spannungsschraube weiter angezogen werden soll. Andreas Gruber hat es versĂ€umt, ein noch mehr ĂŒberzeugenderes Gegengewicht insbesondere zum dominierenden Sneijder zu entwickeln. Im Auftauchtechnisch schwĂ€cheren „Rachesommer“ ist es ihm ĂŒberzeugender gelungen, eine realistische Antagonistin zu erschaffen.

UnabhĂ€ngig von den angesprochenen SchwĂ€chen ist „Todesfrist“ ein sehr viel interessanteres Buch als „Rachesommer“. Die StĂ€rken liegen eher im Detail als der ansonsten stringent erzĂ€hlten, nicht durch ĂŒberflĂŒssige Details beschwerten Geschichte. Solide Unterhaltung, die aber immer noch nicht an die beide Festa Romane Grubers heranreicht.

Andreas Gruber: "Todesfrist"
Roman, Hardcover, 416 Seiten
Bertelsmann 2012

Weitere Bücher von Andreas Gruber:
 - Das Eulentor
 - Der fĂŒnfte Erzengel
 - Der Judas-Schrein
 - Die EngelmĂŒhle
 - Rachesommer
 - Schwarze Dame

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