Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Thriller



Andreas Gruber

Rachesommer

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Rachesommer“ legt der österreichische Autor Andreas Gruber nicht nur seinen ersten Thriller als Clubpremiere vor, sondern er entwickelt sich nach zwei im Festa- Verlag publizierten Romanen mit einem düster mystischen Einschlag als Mainstreamautor. Die Zielgruppe des vorliegenden Bandes ist relativ klar: geradlinige spannende Unterhaltung mit einem brisanten Thema – organisierter Kindesmissbrauch -; solide, aber nicht expressiv gezeichneten Charakteren und einem Happy End für die beiden sich im Verlaufe des Falls zusammenraufenden Helden. Nicht miteinander, aber zumindest steuern sie nach den Erlebnissen und der Jagd nach zwei Mördern zumindest in sichere Beziehungshäfen. Um es gleich vorweg zu nehmen, ist Andreas Grubers Roman prämissentechnisch allerdings stellenweise auf einem etwas wackeligen Fundament. Die Erpressergeschichte ist nicht ganz schlüssig, denn im vorliegenden Fall hat der Erpresser mindestens genauso viel zu verlieren wie die Opfer. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, einen nicht unmittelbar an den Taten beteiligten als kleine Ablenkung in die Handlung zu integrieren. Weiterhin versteckt Andreas Gruber über weite Strecken des Romans die Identität des Erpressers hinter einem anonymen Konto bei einer Hamburger Volksbank. Etwas mehr Recherche des Österreichers hätte aufgedeckt, dass in Deutschland selbst keine anonymen Konten geführt werden dürfen und geführt werden. Da die Aufdeckung der Identität des Kontoinhabers schließlich die letzten Puzzlestücke zusammenfallen lässt, ist dieser „Aussetzer“ signifikant für die teilweise glatte Stromlinienform, mit der Andreas Gruber den vorliegenden Roman routiniert, aber insbesondere für ein erfahrenes Publikum stellenweise zu vorhersehbar konzipiert hat.

Nach dem obligatorischen knalligen Auftakt – diese Szene wiederholt sich etwas ausgeschmückter im Verlauf der Handlung ein zweites Mal – führt Andreas Gruber die beiden wichtigsten positiven Protagonisten ein. Zum einen den Kommissar vom Polizeidauerdienst Walter Pulaski, Kettenraucher, Witwer, Vater einer Tochter, der nicht glaubt, das eine knapp zwanzig Jahre alte junge Frau in einer psychiatrischen Anstalt sich selbst umgebracht hat. Erste Spuren weisen auf einen perfiden Mord hin, zumal wenige Tage vorher ein fast gleichaltriger Junge, der aus dem gleichen Krankenhaus an der Nordseeküste gekommen ist, ebenfalls unter bei genauerer Betrachtung mysteriösen Umständen verstorben ist. Die junge Anwältin Evelyn Meyers – zusammen mit ihrer Schwester in jungen Jahren von einem unbekannten Mann entführet und missbraucht – vertritt die Firma eines Bekannten gegen eine unsachgemäße Absperrungsklage. Ein Mann ist in den Kanalschacht gestürzt und ertrunken. Bei ihren Ermittlungen stellt Evelyn Meyers fest, dass der Tote anscheinend ein Doppelleben geführt hat. Der Fall wird niedergeschlagen. Durch einen Zufall erfährt sie, das ein alter Bekannter von ihr – ihr ehemaliger Mentor - von seinem Balkon stürzt und ein dritter älterer und gut betuchter Mann unter ebenfalls mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Ihr Chef möchte ihre Ermittlungen stoppen. An allen drei Tatorten ist ein blondes Mädchen in einem blauen Trägersommerkleid gesehen worden. Welche Verbindung gibt es zwischen den Männern.

Andreas Gruber führt die beiden sehr unterschiedlichen Protagonisten Pulaski und Meyers solide, aber selten wirklich inspiriert durch ihre Ermittlungen. In Rückblenden zeigt der Autor die wahren Tatverläufe bei den „Unfällen“ auf. Spätestens hier ist dem unbeteiligten Zuschauer die Verbindung zwischen den älteren Männern deutlich klar. Bis zur Hälfte des Romans ermitteln Pulaski und Meyer auf eigene Faust. Die Fakten der unterschiedlichen Handlungsebenen laufen förmlich vor dem Leser zusammen. Andreas Gruber verzichtet auf unnötige Wiederholungen, wenn auch die zwei Handlungsebenen und ihre Vorhersehbarkeit im ersten Teil des Buches nicht mäßige Spannung aufkommen lassen. Aber der Mitte des Buches stehen die wichtigsten Fakten – die Zusammenhänge zwischen den Männern und die eigentliche zehn Jahre zurückliegende Tat – des einen Falls fest. Nur die einzige in Frage kommende junge Frau kann die Morde nicht begangen haben, da sie zu diesem Zeitpunkt in der geschlossenen Anstalt gesessen hat. Zum Wohle des Buches greift Andreas Gruber nicht auf das mögliche Klischee des Zwillings zurück, sondern führt – auch aus ihrer Perspektive – eine weitere Protagonistin in die Handlung ein. Die zweite Mordserie an den inzwischen knapp zwanzigjährigen Jungen und Mädchen verfolgt Andreas Gruber hinsichtlich des Motivs – Beseitigung von möglichen Augenzeugen – konsequent wie geradlinig. Nur als Spiegelung der ersten Mordserie bleibt der Täter unbekannt, auch wenn er einem sehr kleinen Kreis von Verdächtigen zuzuordnen ist. Aber auch hier wirken manche Winkelzüge Andreas Grubers konstruiert. Um die Ermittlungen nicht ausufern zu lassen, muss – eher unwahrscheinlich – ein älter, gut positionierter Mann unliebsame Zeugen selbst beseitigen. Dieses Szenario ist angesichts eines organisierten Verbrechens und Auftragskillern eher unwahrscheinlich wie letzt endlich auch gefährlich. Hier fehlt – wie leider bei einigen anderen Passagen des Buches – die letzte Konsequenz. Zu sehr vertraut der Autor darauf, dass die Leser angesichts des rasanten, in kurzen mit einem Cliffhangar ausgeläuteten Kapiteln erzählten Plots über diese Konstruktionsschwäche hinweg lesen. Sommerlektüre per se. Auf den letzten Seiten geht Andreas Gruber ein wenig brachialer vor. Evelyn Meyers wird – leider auch ein wenig vorhersehbar – an ihr Trauma erinnert und muss eine vergleichbare Situation durchleben. Nicht zuletzt dank der verbalen Unterstützung Pulaskis gelingt es ihr, sich aus ihrer Starre zu lösen, das Trauma etwas zu plakativ dargestellt zu überwinden und schließlich als „gestandene“ Persönlichkeit eine echte Beziehung aktiv einzugehen. Selbst die beiden Romanzen wirken in dieser Hinsicht nur konsequent, Andreas Gruber hat sie direkt wie indirekt im Grunde über die letzten zwei Drittel des Romans vorbereitet.

Zu Grubers besonderen Fähigkeiten gehört bislang die Zeichnung von sympathischen, ein wenig exzentrischen, aber stets zugänglichen Protagonisten. Evelyn Meyers wirkt eindimensional, aus verschiedenen Klischees geradezu zusammengesetzt mit einer schlimmen, von Andreas Gruber allerdings positiv gesprochen eindringlich beschriebener Vergangenheit. Pulaskis als Witwer ist im Vergleich ein wenig nuancierter charakterisiert worden. Er hat seine Frau durch Krebs verloren und sich in den Kriminaldauerdienst zurückgezogen, um sich besser um seine Tochter zu kümmern. Er ist Kettenraucher – der obligatorische laufende Witz, dass er es sich in einer Antirauchergesellschaft abzugewöhnen sucht. Er ist genau, verfügt über eine gute Beobachtungsgabe und ist ein Querdenker, der sich weniger um Hierarchien oder Abteilungsbefugnisse kümmert, statt dessen geradlinig und entschlossen auf die Jagd nach den Tätern geht. Insbesondere das Verhältnis zur Tochter hätte etwas mehr ausgearbeitet werden können, sie wirkt eher wie ein laufendes schlechtes Gewissen Pulaskis und nimmt schließlich in Beziehungsdingen entschlossen wie vorwitzig die Sache pragmatisch in die Hand. Die Antagonisten sind eher spärlich beschrieben. Alleine der Handlanger – der Kapitän der FRIEDBERG – hebt sich aus der Masse heraus. Dabei bleiben die ehrenwerten älteren Herren überwiegend gesichtslos und selbst der letzte überlebende Täter wird zu einem aggressiven, rücksichtslosen Opportunisten, in dessen Falle Pulaski und Evelyn Meyers eher ein wenig zu unbedarft laufen. In ihren wenigen Szenen kann der Leser sie aus der Masse der Charaktere herausheben, wenige Seiten später sind sie schon wieder vergessen. Im Vergleich zu seinen bisherigen Arbeiten fehlen allen Figuren inklusiv der einsamen Rächerin mit einem doppelten Motiv die notwendigen Ecken und Kanten. Vieles wirkt zu glatt, zu konstruiert und letzt endlich im Vergleich zu den Qualitäten, über welche Andreas Gruber ohne Frage verfügt, zu durchschnittlich.
„Rachesommer“ ist die bislang schwächste Arbeit Andreas Grubers. Kommerziell, glatt, hinsichtlich der Grundidee zufriedenstellend, aber nicht wirklich überraschend ausgearbeitet präsentiert sich der vorliegende Arbeit als oberflächlich unterhaltsamer Thriller mit einer ernsten Thematik, aber hinsichtlich der bisherigen Arbeiten Andreas Grubers als Enttäuschung.

Andreas Gruber: "Rachesommer"
Roman, Hardcover, 405 Seiten
Bertelsmann 2010

Weitere Bücher von Andreas Gruber:
 - Das Eulentor
 - Der fünfte Erzengel
 - Der Judas-Schrein
 - Die Engelmühle
 - Schwarze Dame
 - Todesfrist

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::