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The Next Generation



Peter David

rezensiert von Susanne Berger

Wir haben es schon lange geahnt, jetzt aber ist es Gewissheit: Trelane, das trotzige, ungezogene „Kind“, mit dem Kirk und seine Mannen sich einstmals auf Gothos anlegen mussten, ist ein Q. Noch sehr jung und recht ungeschliffen, wird er dem uns bekannten Q zur Erziehung in Patenschaft gegeben, Trelane aber denkt gar nicht daran, sich an dessen Weisungen zu halten. Er besucht die Enterprise und beginnt, mit den für ihn „niederen Wesen“ auf bösartige Und verachtende Weise zu spielen. Anfangs kann Q ihn noch unter Kontrolle halten, doch dann gelingt es Trelane, das „Herz des Sturms“ anzuzapfen. Und das ist nichts anderes als das realisierte, existierende Chaos, Zentrum einer ungeheuren Macht. Wer es schafft, sich diese Energie zu eigen zu machen, wird schier unermesslich mächtig, doch er bezahlt es mit dem Verstand...

Soweit die Rahmenhandlung, an sich schon interessant genug. Wirklich furios aber ist, was den Rahmen ausfüllt! Das Buch ist anfangs gegliedert in drei Handlungsfäden (übersichtlich gekennzeichnet mit A, B und C), jeder dieser Fäden stellt gleichzeitig im Buch eines von drei parallel existierenden Universen dar, die alle drei über die Rahmenhandlung verknüpft sind. In jedem dieser Universen existiert eine Enterprise mit entsprechender Mannschaft, doch die Unterschiede sind gravierend...

Gleich zu Beginn wird der Leser mit der ersten Enterprise und ihrer Crew bekannt gemacht, Verwirrung und Erstaunen sind garantiert. Jack Crusher ist der Captain des Schiffes, Picard sein erster Offizier (er wurde wegen des Stargazer- Zwischenfalls vor ein Kriegsgericht gestellt und degradiert, ein Karriere-Knick, den er nie richtig verwunden hat). Tasha Yar lebt, Worf gibt es auf der Enterprise nicht (denn es herrscht Krieg mit den Klingonen). Data ist ein lustiger, sonnengebräunter Typ mit blauen Augen. Riker (und das ist wohl das schockierendste) ist seit fast sieben Jahren Gefangener der Romulaner, durch die Jahre der Folter nicht mehr als ein verdreckter, blutiger Klumpen Fleisch ohne Erinnerung oder Bewusstsein, während seine vermeintliche Witwe Deanna mit ihrem gemeinsamen Sohn Tommy bei ihrer Mutter auf Betazed lebt. Faden B kennzeichnet das uns bekannte Universum (auf dem Schiff hat alles seine Richtigkeit) und Faden C (der die kleinste Rolle spielt) präsentiert eine völlig andere Enterprise mit einer völlig anderen Crew.

Doch wenn Peter David es dabei belassen würde, wäre das ganze ja reichlich langweilig und ganz so übersichtlich, wie man meinen könnte, ist die ganze Sache nicht. Denn Trelane, nun weitaus mächtiger als das komplette Q- Kontinuum zusammen und im beginnenden Wahnsinn begriffen, beginnt, die Universen und damit auch die Handlungsfäden zu überkreuzen. Personen wechseln die Schiffe, stehen ihren Ebenbildern gegenüber oder Personen, die in ihrer Existenz schon lange tot sind. Der Leser wird immer tiefer in das Geschehen hineingezogen und weiß nach einiger Zeit ebenso wenig wie die Protagonisten, in welchem Universum er sich denn gerade befindet. Denn die Geschwindigkeit der Überlagerungen und damit das Tempo der Story nimmt atemberaubende Dimensionen an. Gleichzeitig wechseln auch in zunehmendem Maße die Zeitebenen, denn oftmals springen mit jedem neu aufgenommenen oder weitergeführten Handlungsstrang die Handlungen ein Stück zurück, um auf einen gemeinsamen Ausgang zuzusteuern. Besonders faszinierend ist für mich, dass Handlung in der äußeren Form des Buches auf erstaunliche Weise seine Entsprechung findet, denn die Zeitwechsel äußern sich unter anderem darin, dass Q von Trelane etwa in der Mitte des Buches an den Anfang der Zeit verbannt wird, von wo an er Äonen als gestalt- und gedankenlose Energiewolke verbringt, bevor er sich langsam formiert und seine Erinnerungen zurückerhält und schließlich am Anfang des Buches auf einer der drei Enterprises auftaucht, um Picard um Hilfe zu bitten...

Peter David war schon immer ein Garant für geradezu geniale Star Trek-Bücher, und mit „Q²“ ist ihm wiedermal ein fantastisches Werk gelungen. Trotz der häufig springenden Ereignis- und Zeitebenen gelingt es ihm, den Leser den Überblick behalten zu lassen (zumindest meistens). Das Buch, darin vor allem natürlich Faden A, gestaltet faszinierende, amüsante oder zum Teil auch schockierende „Was wäre, wenn...“ - Gedankengänge, die wahrscheinlich jeder von uns in der einen oder anderen Form in seiner Fantasie schon durchgespielt hat. Zudem enthält „Q²“ für den aufmerksamen Leser einige Überraschungen (so hat z.B. auch Kira eine kleine - wenn auch nicht besonders erfreuliche - Rolle in der Geschichte) und amüsante Anspielungen, die das uns bekannte, in den Serien aufgebaute Star Trek-Universum nicht brechen (wie es in den Büchern unbedarfter Star Trek-Autoren oft geschieht), sondern mit profunder Kenntnis der Materie liebevoll erweitern. So spricht z.B. Picard (anspielend auf die Geschehnisse der Episode „Willkommen im Leben nach dem Tod“) Q darauf an, dass dieser sich als Gott ausgegeben hat, und Q berichtigt, er wäre nicht Gott, er würde ihn nur gut kennen, hätte ihm sogar bei der Schöpfung geholfen. Picard zweifelt das natürlich an, aber Q erwidert nur verschmitzt: „Nun Picard, wer hat sich wohl das Schnabeltier einfallen lassen?“ Doch keine Angst, wer nicht alle Folgen der Serie gesehen hat, braucht nicht zu befürchten, er würde das Buch nicht verstehen. Doch für „Insider“ ist es eben an manchen Stellen noch etwas amüsanter.

Alles in allem kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass „Q²“ eines der besten Star Trek-Bücher ist, das ich je gelesen hab (und das waren nicht wenige...)! Wer es noch nicht hat- kaufen, schenken lassen oder was auch immer, Hauptsache, Sie haben es! Denn dieses Buch muss man einfach gelesen haben!

Peter David: "Q²"
Roman, Softcover, 409 Seiten
Wilhelm Heyne Verlag 1999

ISBN 3-4531-4909-2

Weitere Bücher von Peter David:
 - Centauri Trilogie Legions of Fire (I):
The Long Night of Centauri Prime

 - Centauri Trilogie Legions of Fire (II):
Armies of Light and Dark

 - Centauri Trilogie Legions of Fire (III):
Out of the Darkness

 - Die Tochter des Captain

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