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Filme



J. M. Dillard

Generationen

rezensiert von Mike Hillenbrand

Ende des 23.Jahrhunderts wird Captain a.D. James Tiberius Kirk offiziell für tot erklärt, nachdem er bei dem geglückten Versuch, die ENTERPRISE NCC1701-B zu retten, von einem mysteriösen Energieband verschlungen wird. Einer der geretteten Überlebenden versucht 78 Jahre später mit allen Mitteln dieses Energieband, welches Unsterblichkeit und die Erfüllung aller Wünsche bietet, zu erreichen. Dabei schreckt er auch nicht vor der Ermordung von über 200 Millionen Lebewesen zurück. Cpt. Jean-Luc Picard versucht verbissen, Dr. Soran an diesem Verbrechen zu hindern und begegnet dabei dem totgeglaubten James T. Kirk.

"STAR TREK - Generationen" ist das bisher letzte Kapitel einer langen Tradition von STAR TREK-Filmromanen, die mehr geben, als ihr gefilmtes Vorbild bietet. Während die Filmromane zu den beiden späteren STAR TREK-Movies "Der Erste Kontakt" und "Der Aufstand", die ebenfalls von JM Dillard verfaßt wurden, nur noch eine fast genaue Adaption des Originaldrehbuchs darstellen, wurden der Autorin bei dem Verfassen dieses Romans noch Freiräume eingeräumt. Freiräume, die Dillard exzellent nutzt.

Wie auch der Film, so beginnt der Roman Ende des 23.Jahrhunderts. Doch wo Zeitdruck und Budgetnotwendigkeit den Film behindern, hat Dillard freie Hand und startet den Roman mit dem letzten Einlauf der ENTERPRISE NCC1701-A, wobei sie eine Detailliebe offenbart, wie sie für die STAR TREK-Romane der ersten Generation noch üblich war. Sie nimmt sich dabei ihren eigenen Roman "Die verlorenen Jahre" zum Vorbild, wo sie die Wiederkehr der ENTERPRISE NCC1701 nach ihrer originalen 5Jahres-Mission beschreibt und erzählt anhand dieses Strickmusters die letzten Minuten des James T. Kirk als Captain der ENTERPRISE.

Genau ein Jahr später sehen wir Kirk, Scotty und Chekov wieder, wie sie sich für die Jungfernfahrt der neuen ENTERPRISE-B vorbereiten. Diese Szenen wurden für den Film gedreht (was auch die diesbezüglichen Farbfotos im Buch erklärt), letztendlich aber nicht verwendet. Danach geht es an Bord der NCC1701-B, wo die Handlung einsetzt, wie wir sie aus dem Kinofilm kennen. Doch auch hier zeigt Dillard Liebe zu den Figuren und betrachtet die Handlung aus vielerlei verschiedenen Blickwinkeln. Unter anderem erzählt sie Sorans erste Begegnung mit dem Nexus, wo er seine von den Borg getötete Frau wiederfindet, sowie seinen Schmerz, als die ENTERPRISE ihn an Bord beamt und somit dem wiedergewonnenen Glück entreißt.

In dem Moment, wo Kirk scheinbar den Tod findet, beginnt Dillard mit einer Art "Trauer-Ehrenrunde". Abgesehen von Nyota Uhura, die Dillard meines Erachtens völlig unverständlicherweise außen vor läßt, erhält jedes Mitglied der originalen Brückencrew Gelegenheit, auf die Nachricht von Kirks Tod zu reagieren.

Chekov und Scotty an Bord der ENTERPRISE-B, Cpt. Sulu, sowie die ehemalige Yeoman Janice Rand an Bord der Excelsior und schließlich Spock und McCoy alleine in der Kapelle, kurz vor Kirks Gedenkgottesdienst. Alle trauern sie auf ihre Weise um einen Mann, der ihr Freund und ihr Captain war.

Für eingefleischte TOS-Fans könnte der Roman hier zu Ende sein. Dillard beschenkt diese Leser mit einfühlsam geschriebenen Szenen, die deutlich machen, wie sehr sie im Film fehlen.

Dann, auf Seite 78 beginnt die Handlung um die TNG-Crew...genau 78 Jahre später.

Wie im TOS-Teil zeigt Dillard dem Leser die jeweiligen Situationen durch die Augen verschiedener Mannschaftsmitglieder: Die Beförderung Worfs, der Einsatz des Emotionschips, die Entdeckung der Leichen an Bord der angegriffenen Armagosa-Station. All diese Punkte und noch viele mehr, begreift der Leser aus der Sicht des Captains, von Geordi LaForge oder Commander Riker. Mit dieser Strategie fährt die Autorin konsequent fort und schafft es dadurch, den Leser von den eklatanten Schwächen des Drehbuchs abzulenken, unter die der Film doch sehr zu leiden hat.

Warum die ENTERPRISE bei dem Angriff der Klingonen ihre Schildmodulation nicht einfach ändert, wie sie es schon unzählige Male vorher in der Serie getan hat, kann Dillard freilich auch nicht erklären. Warum Picard unbedingt Hilfe für seinen Kampf gegen Tolian Soran braucht, wo er doch den Nexus in jede beliebige Zeit verlassen könnte (also auch z.B., um bei der Rettung Sorans durch das Außenteam auf der Amargosa-Station, diesen direkt verhaften zu lassen), ebensowenig. Ihr großes Plus ist, daß sie es noch nicht einmal versucht. In einer energischen Flucht nach vorn, läßt sie die Figuren nicht nachdenken, sondern einfach handeln.

Riker verschwendet einfach keinen Gedanken an eine Remodulation der Schutzschilde, sondern fokussiert seine Aufmerksamkeit einzig und allein auf die Schwächen eines Bird of Prey, der vor 12 Jahren wegen einer defekten Plasmaspule außer Dienst gestellt wurde. Und Picard kommt nur auf den Gedanken, daß er nicht gleichzeitig Soran ablenken *und* die Trilithiumbombe entschärfen kann, weshalb er Kirk zu überreden versucht, ihm zu helfen. Das macht er so konsequent, daß er erst gar nicht (wie man es eigentlich von ihm gewohnt ist) andere Alternativen durchdenkt, sondern sich gleich in medias res stürzt.

JM Dillards Strategie funktioniert über weite Strecken. Der Leser, der ganz in den Figuren aufgeht, wird vom Schwung des Erzähltempos mitgerissen. Eine schriftstellerische Leistung, die man gerade hoch einschätzen sollte, wenn man sich des Films und seiner häufigen Längen bewußt ist. Auch hier kommt Dillard ihre Taktik zu Hilfe, keine Szene aus den Augen eines unsichtbaren Beobachters zu erzählen, sondern immer die subjektiven Eindrücke eines Protagonisten ungefiltert an den Leser weiterzugeben.

Durch die rechtzeitig zum Filmstart geplante Veröffentlichung von "Generationen" blieb der Autorin leider keine Zeit mehr, das neugedrehte Ende des siebten STAR TREK-Kinofilms in ihrem Werk zu berücksichtigen. Während im Film Kirks endgültiger Tod durch den erfolglosen Flugversuch von einer Brücke (bzw. mit einer Brücke) verursacht wird, stirbt er im Roman noch durch den Phaser-Schuß Tolian Sorans, der sein Leben dann ebenfalls aufgrund eines von Picard abgefeuerten Phaser-Strahls aushaucht.

Hier versagt dann auch schlußendlich Dillards Strategie der Flucht nach vorne. Während Kirks Tod im Roman höchstens noch eine Spur unpassender wie im Kinofilm wirkt (weshalb das neue Ende ja überhaupt erst gedreht wurde), so handelt Picard auf alle Fälle atypisch, als er im vollen Bewußtsein eines auf "Töten" geschalteten Phaser einen Schuß auf seinen Widersacher abgibt.

Insgesamt ist der Roman zum Film "Treffen der Generationen" besser zu verdauen, als der Film selber. Aufgrund eines grandiosen ersten Teils und einer funktionierenden Taktik im zweiten Teil, wird die Lektüre des Romans nie langweilig, wenn auch der aufmerksame Leser ab und an Schwächen im Plot entdeckt.

Wissenswertes zu dem Roman:


  • Im Anschluß an den Roman folgen 38 informative Seiten eines literarischen "Making Ofs-" des Kinofilms, verfaßt von den im Fandom bekannten Judith und Garfield Reeves-Stevens.
  • Den deutschen Buchtitel "Generationen", der wörtlich übersetzt den Originaltitel des Leinwandabenteuers darstellt, verdanken die Leser dem Herausgeber, der in dem Bildband "STAR TREK - Wo Bisher Noch Niemand Gewesen Ist" auf Seite 117 in einer Fußnote anmerkt: "Der deutsche Filmtitel, STAR TREK - Treffen der Generationen, ist weniger glücklich gewählt, wirkt etwas hausbacken und bieder. Ich konnte mich nicht entschließen, diesen Titel für die dazugehörigen Romane zu übernehmen, sondern wählte die wörtliche Übersetzung des Originaltitels Generationen."
  • Heyne veröffentlichte neben der Filmadaption von JM Dillard auch eine weitere Buchversion von John Vornholt, die - nur etwa halb so lang an Seiten, wie die "erwachsene" Version - lediglich die reine Filmhandlung wiedergibt. Dieser Roman bildet den Auftakt zu der Reihe "STAR FLEET - Kadetten", in der die Erzählungen der Buchreihen "STARFLEET-Academy" und "Deep Space Nine" (die extra für Kinder verfaßt wurden, sog. "Young Adult´s Reader") zusammen veröffentlicht werden.
  • William Shatner, Darsteller des Captain Kirk, versuchte die Produzenten davon zu überzeugen, daß es einen guten Stoff für ein weiteres Kinoabenteuer abgeben würde, wenn Kirk im nächsten Film wieder auferstehen würde. Paramount lehnte dieses Konzept ab und verfilmte dafür das Skript für "First Contact". Als kleinen Trostpreis konnte Shatner seine Idee mit Hilfe des o.g. Autorenpaares Reeves-Stevens, zu Papier bringen. Die daraus resultierenden Romane "The Return" und "The Avenger" werden in Kürze in Deutschland erscheinen.

J. M. Dillard: "Generationen"
Roman, Softcover
Wilhelm Heyne Verlag

ISBN 3-4530-9049-7

Weitere Bücher von J. M. Dillard:
 - Bewußtseinsschatten
 - Die verlorenen Jahre

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