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Deep Space Nine



S.D. Perry

DS9 - Band 801:
Offenbarung, Buch I

rezensiert von Sasika Schmacke

Ein neuer Anfang nach dem kräftezehrenden Krieg gegen das Dominion und Feinde in den eigenen Reihen. Ein neuer Anfang nach zahlreichen persönlichen Verlusten. Ein neuer Anfang, der sich leider auch sofort wieder in Gewalt äußert. Kaum, dass die neue kommandierenden Offizieren von Deep Space Nine, Colonel Kira Nerys, sich so langsam an die neue Situation gewöhnt hat, kommt es schon wieder zu einem Angriff. Eine Gruppe von Jem'Hadar-Jägern verlässt das Wurmloch und versucht unversehens, die Station zu vernichten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich lediglich ein halbwegs funktionstüchtiges Schiff in der Nähe, die U.S.S. Aldebaran, abgestellt als Wachhund am Wurmloch. Die Defiant wurde gerade wieder auf Vordermann gebracht. Nog befand sich lediglich mit Dax, dem andorianischen Fähnrich Shar sowie einigen Technikern auf dem Schiff, als der Angriff begann. Ehe die Defiant abdocken konnte, schaffte es nur noch die neue Erste Offizieren Commander Jast an Bord zu kommen, Bashir z.B. musste unverrichteter Dinge wieder abziehen. Während des folgenden Gefechts kommt es zu einer weiteren Überraschung, als sich das Wurmloch erneut öffnet und ein weiteres Jem'Hadar-Schiff ausspuckt. Dieses schlägt sich jedoch scheinbar auf die Seite der Verteidiger und beschießt seine eigenen Leute. Ohne die Hilfe dieses vierten Jem'Hadar-Schiffes wäre die Station vernichtet worden, doch auch trotz des letztlichen Sieges musste weitere herbe Verluste hingenommen werden: die Aldebaran wurde völlig zerstört und kein Crewmitglied konnte gerettet werden. Auch die Defiant ist in einem noch schlimmeren Zustand als zuvor, aber was viel schwerer wiegt ist der Tod weiterer Besatzungsmitglieder, unter ihnen auch Commander Jast. Mit ihr verliert Kira nicht nur ihren Ersten Offizier, sondern auch eine neugewonnene Freundin. Schon relativ bald nach dem Jem'Hadar-Angriff fühlen sich unter anderem Kira und der Andorianer Shar beobachtet. Als Ursprung dieses Gefühls entpuppt sich schließlich ein getarnter Jem'Hadar , der sich kurz vor der Zerstörung seines Schiffes (eben jenes, das DS9 zu verteidigen geholfen hatte) an Bord der Station gebeamt hatte. Ein Jem'Hadar, ohne Zweifel, aber einer, der sich allerdings erstaunlich friedlich verhält und behauptet, den drei anderen, seiner Aussage nach abtrünnigen Jem'Hadar gefolgt zu sein, um diese an der Vernichtung der Station zu hindern. Die ausschließlich zum Kämpfen und Sterben erschaffenen Krieger wollten einen neuen Krieg anzetteln, da sie sonst nutzlos seien. Der Jem'Hadar, der auf den Namen Kitana'klan hört und nicht auf seine Kennzeichnung "Dritter" besteht, hat noch eine weitere Überraschung zu bieten: er komme in Frieden und sei ein von Odo ausgesandter Bote, der Colonel Kira dienen solle. Er wolle so viele Informationen wie möglich über die verschiedenen Völker des Alpha-Quadranten sammeln und dieses Wissen zurück zu seinem Volk bringen, damit die genetischen Grenzen vielleicht irgendwann aufgebrochen werden könnten und für die Jem'Hadar doch noch ein Leben in Frieden möglich wäre

Doch leider ist die Zeit persönlicher Verluste noch nicht vorbei. Bei einem Zwischenfall auf der Promenade ersticht ein Unbekannter eine Prylarin, Istani Reyla, die Kira seit ihrer frühesten Kindheit kannte und ihr eine gute Freundin war. Die Aufklärung dieses Mordfalls ist die erste große Aufgabe der neuen Sicherheitschefin auf der Station: Lieutenant Ro Laren, ihres Zeichens ehemaliges Crewmitglied der U.S.S. Enterprise D unter dem Kommando von Captain Jean-Luc Picard, Deserteurin und Mitglied des Maquis, bajoranische Agnostikerin. Aus all diesen Gründen ist Ro von den meisten ihrer Kollegen nicht besonders gut gelitten, was sie reichlich kratzbürstig macht. Nach tagelangem vergeblichem Suchen kommt sie dem Geheimnis der Prylarin auf den Grund: ein uraltes bajoranisches Buch mit zahlreichen Prophezeiungen, die auf erschreckende Art und Weise alle Wirklichkeit geworden sind. Eine weitere Prophezeiung bringt Ro und Kira dann schließlich völlig aus der Fassung: ... mit der Ankunft des Herolds. Ein Neues Zeitalter für Bajor bricht an, wenn der außerweltliche Wegbereiter geboren wird - eine Zeit voller Wissen und Verständnis, mehr noch, als es die Kinder des Landes je gekannt haben. Der kindliche Wegbereiter wird der zweite Sohn des Abgesandten seien. Ihm singen die Weisen Propheten ,und er wird in eine ihn liebende Welt geboren, eine Welt, die bereit zur Einigkeit ist. Vor der Geburt werden Zehntausende Kinder des Landes um seinetwillen sterben. So ist es vorgesehen und es soll nicht mit Verzweiflung betrachtet werden. Die meisten sterben freiwillig und werden im Tempel der Weisen Propheten willkommen sein.

Ohne die Opferbereitschaft derer, die es erbringen wollen, wird der Wegbereiter nicht in eine Welt des Friedens geboren. Vielleicht wird er dann gar nicht geboren, das ist unklar. Zehntausend ist die Zahl, so ist es bestimmt. Zehntausend müssen sterben.


Und dann ist da auch noch Jake. Von eben der getöteten Prylarin Istani Reyla erhält er, als er auf Bajor in der antiken Stadt B'hala die Ausgrabungsarbeiten unterstützt, eine einzelne, in altbajoranischer Schrift und Sprache beschriebene Seite. Durch ein Übersetzungsprogramm von Jadzia gejagt, offenbart ihm der Text nach seiner eigenen Interpretation eine Prophezeiung über ihn, den Sohn des Abgesandten, der in das Wurmloch reist und mit dem Abgesandten wieder kommt, ehe der zweite Sohn des Abgesandten geboren wird. So macht sich Jake nach DS9 auf, macht allen Leuten Glauben er würde zu seinem Großvater zur Erde reisen und organisiert sich von Quark ein Shuttle, nicht ohne zuvor von Kasidy Yates, der Mutter seines ungeborenen Geschwisterchens, noch erfahren zu haben, dass Istani Reyla getötet wurde. Dies bestärkt ihn noch in seiner Absicht ins Wurmloch zu fliegen, und so dockt er von der Station ab mit dem Ziel, seinen Vater wieder zu sehen und mit ihm zurückzukehren.

Nicht allzu weit entfernt fliegt die Enterprise D unter dem Kommando von Captain Jean-Luc Picard auf Patroille durch die berüchtigten Badlands, um letzte versprengte Breen-Einheiten aufzuspüren. Als sie gerade den Heimweg antreten wollten, entdeckten sie einen alten cardassianischen Frachter, der ca. 30 Jahre lang verschollen war. Gemeinsam mit dem Spezialisten Elias Vaughn, einem alten Bekannten von Deanna Troi und Fachkundigen für Breen, beamen Will Riker, Geordi LaForge, Data und Fähnrich Turi Dennings auf den cardassianischen Frachter. Dort machen alle Mitglieder des Außenteams verwirrende und aufwühlende Erfahrungen in Form von Flashbacks bzw. dem Erleben von Erinnerungen, die nicht ihre eigenen sind. Kurz bevor der Frachter durch die Kräfte der Badland-Stürme zermalmt werden kann, findet Commander Vaughn einen Drehkörper der Propheten, dessen Behältnis er schließen kann. Daraufhin endet für alle Mitglieder die akute Trance und sie können schließlich wieder
an Bord der Enterprise zurückkehren. Dort wird beschlossen, dass Bajor als Heimatplanet des Volkes, das an die Propheten glaubt, der richtige Zielort für ihre Weiterreise ist.

Kritik: Ein neuer Anfang, ja, ohne Zweifel. Die Geschichte von "What you leave behind" wird fast nahtlos fortgesetzt. Worf, die O'Briens und Garak haben die Station verlassen (im Falle des fleißigen Schneiderleins hat man wohl nur in der DVD-Fassung erfahren, dass er nach Cardassia zurückgekehrt ist), neue Offiziere müssen ins Team integriert und die Station sowie die Defiant wieder auf Vordermann gebracht werden. Die Autoren nehmen dabei sehr schön alte Handlungsstränge wie die Schwangerschaft von Kasidy, die Beziehung von Julian und Ezri, die Freundschaft zu der Singende Glühbirne Vic Fontaine zur Crew und einige andere Dinge wieder auf. Der Einbau von Ro Laren führt zu einigen sehr interessanten Konflikten zwischen ihr und dem Colonel, die mit Sicherheit auch in den nächsten Büchern wieder aufgegriffen werden, sind die beiden doch sehr eigensinnige Charaktere. Man bleibt gespannt wann sie einsehen, wie ähnlich sie sich sind. Der Besuch des Jem'Hadars als angeblicher Bote von Odo bietet eine Fülle von Möglichkeiten. Zum einen natürlich persönlicher Natur, da Kira vielleicht doch recht schnell wieder in Kontakt mit Odo treten könnte, zum anderen aber sicher auch die angebliche friedliche Mission Kitana'klans im Alpha Quadranten. Kann es wirklich möglich sein, daß die Jem'Hadar über ihre genetische Programmierung durch natürliche Prozesse über sich hinauswachsen? Der ist alles nur eine geschickte Finte des Dominion, sich heimlich, still und leise wieder in den Gamma-Quadranten einzuschleichen? Wir werden es sehen. Aufgegriffen wird auch mal wieder das Thema Propheten und Prophezeiungen. Im Mittelpunkt stehen jetzt nicht nur der Abgesandte und anscheinend sein bereits lebender Sohn, sondern auch der ungeborene Sohn von Kas und Ben Sisko. Steht dem Alpha Quadranten ein neuer bewaffneter und entbehrungsreicher Konflikt mit vielen Toten bevor?

Der Roman schlägt eine schöne Brücke zwischen den Ereignissen nach Kriegsende und dem Leben danach. Teilweise wirkt die Einführung der neuen Charaktere etwas verkrampft, man fragt sich genau wie Ro Laren z.B. warum sie jetzt unbedingt auf die Station geschickt werden musste, aber im Großen und Ganzen wirkt die Entwicklung der alten Charaktere glaubwürdig. Die Geschichte hat ihre Längen, ist aber gut geschrieben und macht durchaus Hunger auf mehr.

Zur Aufmachung: "Offenbarung" ist der erste DS9-Roman aus dem Hause Cross Cult und kommt völlig anders daher als die alten Heyne-Romane Die Oberfläche ist matt und schön anzufassen und hat gegenüber den meisten Taschenbüchern einen Vorteil: dem Buchrücken sieht man das Lesen nicht an. Es entstehen zumindest bei einem Unfang von knapp 300 Seiten nicht diese unschönen Falzen auf dem Rücken. Auf jeden Fall ein Pluspunkt für Cross Cult. Das Titelbild zeigt Colonel Kira und Captain Picard sowie zwei Personen in einem Raumanzug, die sich gerade an dem geöffneten Behälter eines Drehkörpers zu schaffen machen. Wie auch immer sie auf die Idee gekommen sind da zwei Personen abzubilden, da Commander Elias das Teil eindeutig alleine gefunden und geschlossen hat. Das Innere des Buches überrascht mit einem neuen Schriftbild, das ich persönlich nicht sehr angenehm finde, weil es etwas unruhig wirkt. Insbesondere die kursiv geschriebenen Bereiche (Gedanken und niedergeschriebener Text von Prophezeiungen) heben sich unschön vom Rest des Textes ab. Alles in allem aber sicher gelungen.

S.D. Perry: "DS9 - Band 801: Offenbarung, Buch I"
Roman, Softcover, 300 Seiten
Cross Cult 2009

ISBN 9-7839-4124-8519

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