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rezensiert von Saskia Schmacke
Dieser 1993 in Erstausgabe erschienene Roman schildert die Ereignisse um das Eintreffen von Commander Benjamin Sisko und seiner Crew auf der der Serie titelgebenden Raumstation wesentlich detaillierter als es in 90min Pilotfilm möglich gewesen wäre.
Deep Space Nine ist eine von den Cardassianern aufgegebene Raumstation im Orbit des Planeten Bajor, der zuvor mehr als 60 Jahre von ihnen besetzt und ausgebeutet wurde. Als es auf dem Planeten nichts mehr zu holen gab, überließen die ehemaligen Besatzer ihren ausgebluteten Opfern "großzügig" die Raumstation, nicht jedoch ohne eben diese zuvor noch nach allen Regeln der Kunst unbrauchbar zu machen. Das gleiche Schicksal ereilte den Planeten, wo die Cardassianer es schafften in der kurzen Zeit vor ihrem Verschwinden noch mehr verbrannte Erde zu hinterlassen als in den 60 Jahren zuvor.
Zunächst erlebt der neue Kommandant von DS9 noch einmal die Schrecken des Krieges gegen die Borg bei Wolf 359. Drei Jahre vor seiner Ankunft auf DS9 diente und lebte er zusammen mit seiner Frau Jennifer und seinem Sohn Jake an Bord der USS Saratoga, als Captain Jean-Luc Picard von der Enterprise ein Opfer der Borg und damit einer der ihren wurde. Durch sein Wissen gelingt es den Borg ein verheerendes Massaker bei Wolf 359 anzurichten. Bei dem Angriff auf die Saratoga verliert Sisko nicht nur den Großteil seiner Kollegen, sondern, noch viel schmerzlicher, seine Frau Jennifer, die er nicht von einem herabgestürzten Trümmerteil in ihrem Quartier befreien konnte. Einzig seinen Sohn konnte er vor den Flammen der brennenden Saratoga retten, und so kommen Vater und Sohn desillusioniert und mit großer Sehnsucht nach der Erde auf der Raumstation im bajoranischen System an.
Dort trifft Sisko nach einem ob der blinden Zerstörungswut der abziehenden Cardassianer erschütternden ersten Erkundungsgang durch die Raumstation zum ersten Mal auf seine Nemesis: Captain Jean-Luc Picard. Sisko, von den Geistern der Vergangenheit geplagt, zeigt schließlich dem Kommandanten der Enterprise seinen Hass, wodurch auch dieser in den Strudel seiner Erinnerungen gerissen wird. Schließlich reicht Sisko noch eine Art Rücktrittsgesuch ein, bevor er seinen Posten auf DS9 offiziell antritt.
Kurz nach seinem Eintreffen auf DS9 wird ein Traum Realität: Sisko tritt mit dem geistlichen Oberhaupt der Bajoraner, Kai Opaka, auf eine zwar schwer gezeichnete, aber eindeutig erkennbare Figur aus seinen Träumen, die ihm in einer 60 Jahre vor den Cardassianern verborgen gebliebenen Kammer einen seltsamen Leuchtkörper in einem "Holzkasten" überreicht. Dieser Drehkörper reisst Sisko noch weiter in die Vergangenheit, da er sein erstes Zusammentreffen mit seiner späteren Frau Jennifer noch einmal durchlebt und auch durchleidet.
Sisko soll den Drehkörper zunächst behalten und drückt ihn bei seiner Rückkehr nach DS9 seinem frisch eingetroffenen Wissenschaftsoffizier Lieutenant Dax zur eingehenden Untersuchung in die Hand. Während der Commander zuvor schon seinen neuen Ersten Offizier Major Kira Nerys, eine junge Bajoranerin, die Zeit ihres Lebens gegen die Besatzer gekämpft hat und von nun an sein Verbindungsoffizier zum bajoranischen Volk und insbesondere zur provisorischen Regierung sein sollte, seinen Techniker Chief Miles O'Brien, mit dem er auf Anhieb Freundschaft geschlossen hatte, sowie seinen zynischen Sicherheitschef Constable Odo kennengelernt hatte, so war das Aufeinandertreffen mit Dax nicht so unproblematisch, sondern eine teils freudige, teils aber auch schmerzvolle Erfahrung.
Jadzia Dax gehört zu den Trill, einer symbiotischen Lebensform, wobei die humanoiden Trill die Wirte der wurmartigen Geschöpfe darstellen, die als Symbionten in der Bauchhöhle mit ihren Wirten verbunden sind. Wirt und Symbiont teilen die gesamten Erinnerungen beider Partner, so daß beide von den Erfahrungen des jeweils anderen profitieren können. Der vorherige Wirt des Dax-Symbionten war Curzon, für Ben Sisko allgegenwärtiger Mentor, treuer Freund - und ein Mann. Mit Jadzia Dax tritt jedoch eine höchst attraktive und agile junge Frau in Siskos Leben, dessen er sich zwar bewusst war, was in ihm dennoch einige Beklemmung im Umgang mit ihr auslöste und die den Platz des alten Curzon einnehmen sollte.
Gemeinsam mit der Trill trifft ein Frischling von der Akademie ein: Julian Bashir, sehr jung, sehr grün um die Ohren und verdammt von sich eingenommen, wodurch es sich der nach Abenteuer suchende junge Mann schon nach wenigen Worten mit der hartgesottenen Widerstandskämpferin Kira verscherzt.
Schon sehr bald ist Dax dazu in der Lage die Herkunft des Drehkörpers zu bestimmen: das bajoranische Artefakt stammt aus dem Denorius-Asteroidengürtel, wo einst auch Odo gefunden wurde, der sich als Gestaltwandler entpuppt. Sogleich machen sich Sisko und Dax auf in Richtung Asteroidengürtel, um mehr über die Herkunft des Drehkörpers zu erfahren.
Kaum daß Sisko auf der Station angekommen war, sind auch schon die Cardassianer um ihren ehemaligen Präfekten des bajoranischen Systems, Gul Dukat, vorstellig geworden. Da sie sich nach wie vor in der Nähe der Station aufhalten, muss der Flug zu Denoriusgürtel durch einen Trick vor den Cardassianern geheim gehalten werden. Sie machen sich Odo's Fähigkeiten zunutze und schmuggeln ihn an Bord des cardassianischen Schiffes. Dort gelingt es dem Gestaltwandler die Technik zu sabotieren und damit Sisko und Dax ein unbemerktes Verschwinden zu ermöglichen. Der Runabout Rio Grande trägt die beiden Sternenflottenoffiziere zum Denoriusgürtel, so sie schon sehr bald auf ein Wurmloch stoßen. Der Durchflug entpuppt sich als sehr holprige Erfahrung, doch schließlich spuckt sie das Wurmloch auf der anderen Seite wieder aus. Eine Überprüfung der Sternenkonstellationen liefert ein erstaunliches Ergebnis: die Passage durchs All hat an eine Position 70.000 Lichtjahre vom bajoranischen Raum entfernt geführt. Da das Wurmloch einen sehr stabilen Eindruck machte, eröffnen sich hierdurch Möglichkeiten zur Gesundung der bajoranischen Wirtschaft, da die Raumstation einen Umschlagplatz für Waren aller Art und einen Startraumhafen für die Erkundungen des Gammaquadranten bietet.
Trotz all ihrer Vorsichtsmaßnahmen war den Cardassianern der Abflug und auch das Ziel des Runabouts nicht verborgen geblieben, und so macht sich Gul Dukats Flaggschiff an die Verfolung, um schließlich vom sWurmloch urplötzlich verschluckt zu werden.
Dieser Umstand schürt natürlich die Aggressionen hinzukommender Cardassianer, was sie dazu veranlasst ein einstündiges Ultimatum gegen DS9 auszusprechen.
Nach Ablauf dieses Ultimatums machen die Cardassianer ihre Drohung war und bombadieren die Raumstation. Viele der nur wenigen verbliebenen Bewohner von DS9 waren zuvor schon einmal Opfer verschiedenster Kampfhandlungen geworden, und so rufen die fortwährenden Erschütterungen infolge der cardassianischen Angriffe und die daraus resultierende Zerstörung große Ängste hervor und Geister der Vergangenheit wach.
So wird auch Jake in Begleitung des Nog, einem Neffen des Barbesitzers Quark und Ferengi, wie er im Buche steht, von dem Bombardement überrascht und stark verängstigt. Bei ihrer Flucht in zumindest sicherere Bereiche der Station finden die beiden Jungen Nogs Vater Rom, der von einer herabgestürzten Strebe in der Bar begraben wurde, so daß Jake seine Furcht für einen Moment beiseite schieben muss, um dem Vater seines Freundes zu helfen.
Derweil landen Sisko und Dax auf einem Planeten jenseits des Wurmlochs und müssen dabei die bemerkenswerte Erfahrung machen, daß sie ihre Umgebung auf höchst unterschiedliche Art und Weise wahrnehmen: während Sisko eine trübe, zerstörte Welt sieht, ist Dax von Blumen, Wiesen und Bäumen umgeben, was, wie sich später herausstellt, ihre persönliche Verfassung, ihr Seelenheil widerspiegelt.
Bei ihrem Rückflug durch das Wurmloch hat Sisko eine intensive Begegnung mit den Wurmlochwesen, die von den Bajoranern als Propheten bezeichnet werden. In einem langwierigen und schmerzhaften Prozess versucht Sisko ihnen das Konzept der linearen Zeit zu erklären, was den Wesen völlig fremd ist. Sie konfrontieren ihn immer wieder mit seiner Vergangenheit, seinem ersten Treffen mit Jennifer am Strand, ihr erstes Picknick im Park, Jakes Geburt und leider auch den Augenblick, der den kompletten Verlust seiner Frau für ihn bedeutete. Die große Schwierigkeit der Propheten, das Phänomen Zeit überhaupt zu verstehen, lag auch in Sisko begründet, dessen Verhalten aus ihrer Sicht ganz und gar nicht linear war, da er geistig immer wieder auf die brennende Saratoga zurückkehrte, die er scheinbar in den vergangenen drei Jahren zu verlassen nicht in der Lage war. Damit widersprach er seinen Erklärungen. Als Sisko dies endlich klar wird, ist er schließlich in der Lage von Jennifer nachträglich Abschied zu nehmen und die Saratoga und das große Unglück, was ihm, seinem Sohn und seinen Freunden widerfahren war, hinter sich zu lassen. In diesem Moment hatten sich die Propheten und Sisko gegenseitig geholfen. Indem die Propheten dem Commander zeigten, daß er nach wie vor in der Vergangenheit festhing und damit seine Erläuterungen ad absurbum führte, und Sisko endlich in der Lage war mit dem Geschehenen abzuschließen und damit den Propheten endgültig das Konzept der linearen Zeit nahe brachte, sind sich beide Parteien unendlich dankbar. Fortan ist Sisko der Abgesandte der Propheten und eben dieselben gestatten den raumfahrenden Völkern dies- und jenseits des Wurmlochs die Passage, was vor der Unterhaltung mit dem Commander nicht möglich gewesen wäre, da sich durch den Durchflug arg bedroht gefühlt haben.
Bei ihrer Rückkehr in den Normalraum bringt Sisko (Dax ist zwischenzeitlich auf wunderliche Art und Weise auf einmal wieder auf der Station aufgetaucht) auch das cardassianische Schiff mit Gul Dukat an Bord mit, was ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen zur Folge hat. Die Cardassianer müssen beleidigt abziehen, da Sisko das Wurmloch als "Eigentum" des bajoranischen Volkes deklariert. Bis zuletzt hatten die ehemaligen Besatzer gehofft ihre Station wieder einnehmen zu können, was mit der Entdeckung des Wurmlochs zu einem riesigen Vorteil geführt hätte, aber so können die Bajoraner profitieren.
Sowohl Benjamin Sisko wie auch sein Sohn Jake hatten ihre einschneidenden Erlebnisse kurz nach ihrer Ankunft auf DS9, die beide schließlich dazu bewegen ihren Aufenthalt auf der Raumstation auf unbestimmte Zeit zu verlängern und nicht, wie von beiden eigentlich herbeigesehnt, auf die Erde zurückzukehren.
Sisko trifft zu einer weiteren Unterredung mit Captain Picard zusammen, der zwischenzeitlich mit der Enterprise schon wieder von dannen gezogen, aber nach dem Hilferuf der Station wieder erschienen war. Sisko möchte sein Bitten um seinen Rücktritt rückgängig machen. Praktischerweise hat sein Gesuch die Erde und damit die Sternenflotte noch nicht erreicht. Nach einer Klärung von Siskos Loyalität und Bereitschaft, in Zukunft vollends als Kommandant der Raumstation zur Verfügung zu stehen, ist die Sache für den Captain der Enterprise abgehakt und Sisko kann beruhigt nach Hause zu seinem Sohn gehen, nicht jedoch ohne zuvor seiner ehemaligen Nemesis sozusagen die Absolution zu erteilen, die beiden eine gewisse Beruhigung verschafft.
Kritik:
Wie bereits in der Einleitung erwähnt vermag der Autor eines Buches auf 300 Seiten mehr zu erzählen als ein Drehbuchschreiber, der in weniger als 90min den gesamten Inhalt einer solchen Vorlage in stark verkürzter Form präsentieren soll. Der Roman bietet Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten, die selbstverständlich im Film nicht möglich sind. So entsteht auch ein wesentlich differenzierteres Bild der Charaktere, aber im Großen und Ganzen erfährt man durch das Lesen des Buches nicht mehr als durch das Anschauen des Filmes.
Warum allerdings jemand auf die Idee kommen konnte den Titel des Romans mit "Botschafter" zu übersetzen bleibt ein Rätsel. Sicher mag das die korrekte Übersetzung von "Emissary" sein, aber genau wie beim ersten Roman der Serie ST:VOY wird der Titel lieber wörtlich übersetzt statt der Synchro zu folgen. Verfälscht irgendwie das Bild.
John M. Dillard: "Deep Space Nine: Emissary"
Roman, Softcover, 252 Seiten
Pocket Books 1993
ISBN 0-6717-8958-9
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