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rezensiert von Mike Hillenbrand
Nach dem Sieg über den klingonischen Verräter Chang (siehe STAR TREK VI – The Undiscovered Country), wird die Beziehung zwischen Förderation und Imperium weiterhin durch die Übergriffe klingonischer Renegaten belastet. Die Abmusterung der ENTERPRISE und ihrer Crew ist aus diesem Grund hinausgezögert worden.
Botschafter Sarek sieht einen Zusammenhang zwischen den politischen Unruhen und den Aktivitäten des geheimnisvollen Volkes der Freelaner. In der Zwischenzeit erkrankt seine Frau Amanda Grayson-Sarek im Alter von 93 Jahren ernsthaft, als Sareks diplomatische Fähigkeiten bei der Beendigung einer Geiselnahme benötigt werden. Der Botschafter läßt seine sterbende Gemahlin auf Vulkan zurück bei ihrem gemeinsamen Sohn Captain Spock. Dieser ist über das Verhalten seines Vaters derart empört, daß es zwischen ihnen erneut zum Bruch kommt.
Auf der Erde sieht sich James Kirks Neffe Peter unverhofft in den Machenschaften einer extremen politischen Bewegung verstrickt, als er plötzlich entführt und von einem alten Feind seines Vaters verschleppt wird.
Doch hinter allem steckt eine ganz andere Macht, die seit vielen Jahrzehnten darauf wartet, die Vorherrschaft im Quadranten an sich zu reißen.
Anne C. Crispins Fähigkeiten als Autorin sind unbestritten. Schon Jahre zuvor hat sie mit ihren beiden Erzählungen um Spocks Sohn Zar in "Sohn der Vergangenheit" und "Zeit für Gestern" die Maßstäbe im Verfassen von STAR TREK-Romanen neu definiert. Auch ihre "The Next Generation"-Geschichte "Die Augen der Bewahrer" gehört mit zum Besten, was die ersten TNG-Romane zu bieten haben.
So ist auch "Sarek" ein Roman, der sich liest, wie aus einem Guß geschrieben. Dazu kommt Crispins exzellente Kenntnis der Chemie zwischen den bekannten Charakteren, sowie einige gut konzipierte neue Protagonisten.
Wenn man die Biographie einer bekannten Serienfigur verfassen möchte, muß man natürlich viele bereits bekannte Fakten berücksichtigen. So spricht die Autorin von Sareks erster Frau, seinem ersten Pon Farr und dem daraus resultierenden Sohn Sybok (STAR TREK V – Am Rande des Universums). Seine Herzerkrankung, die Geschehnisse an Bord der ENTERPRISE während der TOS-Episode "Journey to Babel" und auch die daraus resultierende anschließende Versöhnung mit seinem Sohn, bringt Crispin in der gewohnten Feinfühligkeit unter.
Die größte Dramatik freilich birgt der Bruch zwischen Sarek und Spock, als dieser seinem Vater seinen Entschluß mitteilt, die Starfleet-Akademie besuchen zu wollen. Wie aus falschem Stolz, aufgesetzter Logik und mangelndem Verständnis drei Menschen zutiefst verletzt werden, ist wunderbar zu lesen und zeigt, wie eng sich die Autorin mit den Figuren verbunden fühlt. Charakterszenen und die dazugehörigen Dialoge sind ohne jeden Zweifel die Stärken dieser Autorin.
Doch leider bleibt die Autorin nicht bei ihren Stärken. In der gelungenen Mischung aus Krimi, Drama und Liebesgeschichte schleichen sich immer wieder auch ärgerliche Anspielungen auf und Erklärungen zu den aus Serie und Filmen bekannten Fakten ein, die zu konstruiert und damit unglaubwürdig wirken.
Anders als bei den Tagebüchern von Lady Amanda und den Reminiszenzen Sareks, in denen Crispin viele neue Fakten der 30jährigen STAR TREK-Geschichte offenbart und zurückliegende Ereignisse aus einer neuen Perspektive schildert, möchte sie bei anderen Punkten in der Geschichte immer wieder aufzeigen, wie klein die STAR TREK-Welt doch ist.
Das Botschafter Karamag ein guter Freund des Klingonen Kruge war, der in STAR TREK III – The Search For Spock auf dem Genesis-Planeten ums Leben kam, ist ja ja noch zu akzeptieren. Fördert diese "Neuigkeit" doch das Verständnis für Karamags Aussage vor dem Rat der Förderation in STAR TREK IV – The Voyage Home, daß es keinen Frieden geben würde, so lange Kirk lebe. Auch, daß der Botschafter eine Nichte haben soll, über die er die Vormundschaft inne hat, ist vorstellbar. Das aber der Vater dieser Nichte unter Kruges Kommando die ENTERPRISE geentert haben soll und bei der Vernichtung des Sternenschiffs ums Leben kam, ist schon viel verlangt. Ebenso, daß Kruge und Chang, die beiden Bösewichter aus den Filmen III und VI, unter einem fremden Einfluß standen, als sie so handelten, wie sie handelten, ist ganz harter Tobak und fast schon anmaßend für einen Roman, der ja bekanntlich "non-canon" (d.h. nicht relevant) für die Geschehnisse im STAR TREK-Universum ist.
Aber Crispin fährt noch andere harte Geschütze auf. Das die Abmusterung der ENTERPRISE-Crew, die ja am Ende von STAR TREK VI kurz bevorstand, verschoben ist, läßt sich nur vermuten. Die Autorin jedenfalls schweigt sich eisern zu diesem Thema aus. Die Liebesgeschichte zwischen Peter Kirk und der Klingonin kann der aufmerksame Leser spätestens in dem Moment voraussagen, als Peter seiner zukünftigen Freundin die Faust ins Gesicht schlägt. Das der Neffe Kirks mit der Nichte eines seiner größten Feinde anbändelt, ist die moralische Keule, mit der die Autorin den Kontrapunkt zur Ermordung von David Marcus durch Kruges Männer setzen möchte.
Überhaupt bezieht sich Anne C. Crispin auch dann auf die Kinofilme und die Serien, wenn es gar nicht notwendig wäre. Der romulanische Botschafter Pardek, der erst in der "Next Generation" eine Rolle spielen wird, taucht ebenso auf, wie der ebenfalls in der Spin-Off-Serie angesprochene Konflikt zwischen Spock und seinem Vater, was eine Wiedervereinigung von Romulaner und Vulkanier betrifft.
Insgesamt ist Sarek ohne jeden Zweifel ein lesenswerter Roman, der vor allem für die Kenner der 30jährigen STAR TREK-Geschichte geschrieben wurde. Wenn Crispin auch oft den Holzhammer benutzt und Verknüpfungen konstruiert, die nicht immer glaubwürdig sind, steckt sie genug Liebe in die Handlung und in die Figuren, um ein spannendes, tränenrührendes und romantisches Lesevergnügen zu garantieren.
Wissenswertes zu dem Roman:
- Die Freelaner sind ebenfalls in STAR TREK VI – The Undiscovered Country zu sehen, - könnte man meinen. Die beiden vermummten Gestalten auf der Kithomer-Konferenz, die Kirk und Co. am Ende ebenfalls Beifall spenden, dürften Anne C. Crispin die Inspiration für dieses "Volk" gegeben haben.
- Obwohl die Möglichkeit dazu mehrmals gegeben ist, widersteht Crispin der Versuchung, in die Geschichte rund um Sarek, Amanda und Spock einen Hinweis auf Spocks Sohn Zar einzubauen (s. "Sohn der Vergangenheit"). Das liegt hauptsächlich daran, daß die "Bibel" für STAR TREK-Autoren inzwischen jegliche Einbeziehung von "non-canon" Familienmitgliedern und anderen öfter auftretenden Personen untersagt. Das damit viel Leben und Kontinuität aus den Büchern genommen wurde, zeigt sich, wenn man die ersten 25 TOS-Romane studiert, in denen einige neue Charaktere von verschiedenen Autoren oft mit eingebunden wurden.
- Obwohl Anne C. Crispin insgesamt vier Romane für die STAR TREK-Buchreihen verfaßt hat, sind in der Bibliographie des deutschen STAR TREK-Verlages Wilhelm Heyne nur drei von ihnen angegeben. "Zeit für Gestern" ("Time for Yesterday") fehlt seit einigen Jahren, was man im Heyne-Verlag weder kommentieren, noch bisher berichtigen konnte.
Anne C. Crispin: "Sarek"
Roman, Softcover
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN 3-4531-3324-2
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