|
rezensiert von Mike Hillenbrand
Kirk hat die Beförderung zum Admiral akzeptiert und überwacht nun den Umbau der ENTERPRISE im Trockendock. Währenddessen erfindet der auf der Erde lebende klingonische Wissenschaftler G´dath ein revolutionäres Antriebssystem. Eine Erfindung, die auch dem imperialen Geheimdienst nicht verborgen bleibt. Und während sich das dreihundertjährige Jubiläum der ersten bemannten Mondlandung nähert, muß Admiral Kirk verhindern, daß G´Dath entführt und ins Imperium zurückgebracht wird.
Als zweiter Band des "Lost Year-Zyklus" hat "Eine Flagge voller Sterne" mit mehr als einem Problem zu kämpfen. Die ENTERPRISE-Crew ist in alle Winde verstreut. Spock immer noch auf Vulkan, von Dr.McCoy, der scheinbar immer noch dem Alkohol oder sonstigen bewußtseinserweiternden Mitteln frönt, bekommen wir nur einen Anruf mit, der nicht nur unnütz und in seiner Relevanz total unbedeutend, sondern in seiner Entstehung und seiner situationsbedingten Umgebung dazu auch sehr unglaubwürdig ist.
Scott hat es da schon besser. Er ist auf der ENTERPRISE, genauso wie Captain Decker, dem Kirk in einer Szene jenen Satz an den Kopf wirft, der in "STAR TREK – The Motion Picture" von dem entmachteten Captain zitiert wird: "Ich will ganz offen sein, Will. Ich beneide Sie. Wenn ich noch Captain wäre, würde ich alles Nötige tun, um das Kommando über mein Schiff zurückzubekommen. " Auch Uhura und Sulu befinden sich schon wieder auf der Brücke unseres liebsten Sternenschiffs. Und auf Seite 92 hat Ferguson es endlich hinter sich. In zwei Szenen wurde die ENTERPRISE erwähnt, der Verbleib fast jeden Brückencrew-Mitgliedes geklärt und die Geschehnisse, die zum ersten Kinofilm führen, wieder in Gang gebracht. Schluß. Klappe zu. Affe tot.
Das auf den letzten Seiten die ENTERPRISE doch noch einen großen Auftritt hat, der ebenso unnütz, wie aufgebauscht und deplaziert wirkt, wie McCoys Anruf in einer Fernsehshow, braucht Ferguson wenig zu stören, - hat er diese Seiten doch eigentlich gar nicht geschrieben. Aber dazu später. Kommen wir nun wirklich zum wesentlichen Plot des Romans:
Ein klingonischer Wissenschaftler, der an einer Schule die intelligentesten Köpfe unterrichtet, und der eigentlich viel lieber Föderationsbürger wäre, weil er nämlich eine Brille trägt und sich mehr für die Wissenschaft, als für Waffen interessiert, entdeckt quasi im Alleingang eine Energie, die so gut wie unbegrenzt vorhanden, wahnsinnig ergiebig und ganz leicht anzuzapfen ist!
Diese Erfindung registrieren zwei frustrierte klingonische Geheimagenten, die sozusagen als Strafaktion zur Überwachung dieses imperialen Bürgers eingeteilt wurden. Der eine ist Gott sei Dank ein wenig übergeschnappt, so daß er sich total unvorbereitet in das Klassenzimmer des Lehrers beamt, und diesen, sowie dessen Erfindung und einen Schüler (den wir vorher kennengelernt und bemitleidet haben, weil sein kleiner Bruder nämlich vor einigen Monaten ums Leben kam) als Geisel nimmt.
Prompt kommen Admiral Kirk und sein Stab (im einzelnen ist das Kevin Riley, der sich, nun endgültig von seiner Frau verlassen, betrunken hat und deshalb überhaupt an der Geiselnahme schuld ist) dem Klingonen, den er zufälligerweise einfach so über eine Fernsehreporterin kennen- und schätzengelernt hat, zu Hilfe.
Das ist die Story und sie ist im Wesentlichen genau so einfach, wie ich sie eben beschrieben habe, - und so unglaubwürdig. Viele Dinge geschehen in diesem Roman einfach so, ohne eine größere erkennbare Motivation der Beteiligten. Das beginnt in dem Moment an, wo wir erfahren, was Kirk zur Zeit eigentlich so treibt.
Wir erinnern uns: Captain Kirk hatte in dem Roman "Die verlorenen Jahre" die Beförderung zum Admiral nur akzeptiert, weil Großadmiral Nogura ihm angeboten hatte, eine Art "diplomatische Feuerwehr" zu spielen. Eine Tätigkeit, bei der er immer unterwegs sein und ständig die Krisenherde der Föderation besuchen sollte.
Dabei macht er die Bekanntschaft der Vizeadmiralin Ciana, in die er sich erstens verliebt und zweitens mit ihr ein Team bilden soll... oder auch umgekehrt. Hier endete der erste Roman und nun beginnt der zweite:
Admiral Kirk ist inzwischen bei den Raumschiffwerften gelandet, wo er den Umbau der ENTERPRISE überwachen darf! Er hat Lori Ciana geheiratet(!!), die ihn allerdings direkt wieder verlässt. Und weil Nogura ihn so mag und die PR-Chefin Starfleets so ein kalter Fisch ist, tritt Kirk in seinem Leben in der Admiralität nun schon seinen dritten Posten an! Da die Zeit, die zwischen Serie und erstem Kinofilm vergeht, im allgemeinen mit 2 bis 2 ½ Jahren beziffert wird, und außerdem noch zwei Romane des "Lost Year-Zyklus" anstehen, würde ich sagen: Klasse Leistung, Admiral! Das ist alles etwas hahnebüchend und wirkt wie an den Haaren herbeigezogen.
Das Problem hierbei ist nur: "Eine Flagge voller Sterne" ist kein schlecht geschriebener Roman. Man kann ihn gut lesen, zumal viele neue Figuren eingeführt werden oder man mehr über die neuen Figuren aus dem letzten Roman erfährt. G´Dath ist in seiner Fremdartigkeit (die so fremd allerdings gar nicht ist) ein sehr sympatischer Zeitgenosse, und auch wenn eine ganze Reihe Klischees bemüht werden und viel Wesentliches nur erzählt wird, aber nicht innerhalb des Romans passiert, so ist diese Geschichte ganz kurzweilig erzählt.
Wissenswertes zu dem Roman:
- Auf den ersten Seiten des Romans taucht kurz der erste Captain der ENTERPRISE, Robert T. April auf. April war nur in den Anfangsphasen der Entwicklung von STAR TREK als Name des Captains vorgesehen. Ungefähr zu jener Zeit, als die ENTERPRISE in den Entwürfen noch USS YORKTOWN hieß.
- Riley entdeckt in diesem Buch, daß er als Vierjähriger von James Kirk persönlich gerettet wurde, als er auf Tarsus IV von "Kodos, dem Henker" (siehe Classic-Episode 14) hingerichtet werden sollte. Auch wenn diese Anekdote mal wieder belegt, daß Kirk immer und überall sein kann, wenn es irgendwo brennt, so ist diese Information doch verbreitet und wird allgemein als "canon" angesehen.
- Kirk kennt die Journalistin, die ihn interviewt "aus der Zeit, wenn er auf Centaurus war". Dieser beiläufige Satz hat eine ganz besondere Bedeutung, - ist dies doch eines der letzten Male für alle bisher in Deutschland erschienenen STAR TREK-Romane, daß das Garrovick-Tal und der Farragut-Fluß Erwähnung finden. Diese Orte wurden in vielen früheren Romanen als Kirks zweites Zuhause erwähnt. Er kaufte das Land und benannte Tal und Fluß nach seinem ersten Captain und dem Schiff, auf dem er als Fänrich diente (siehe Classic-Episode 43). In den neueren Romanen tauchen Tal und Fluß nicht mehr auf.
- "Eine Flagge voller Sterne" wäre fast nie erschienen, da im Hause Pocket Uneinigkeit über das von Ferguson geschriebene Ende und einige andere Dinge bestand. Tatsächlich wurde der Roman erst verlegt, als Jeanne M. Dillard das Manuskript komplett überarbeitete und vor allem das Ende komplett neu schrieb. Ferguson distanzierte sich empört von seinem Werk und kam erst Jahre später als Autor von dem TNG-Roman "Das letzte Aufgebot", Heyne 06 / 5449 auf die STAR TREK-Bühne zurück.
- Die Unstimmigkeiten bei "Eine Flagge voller Sterne" sorgten dafür, daß der dritte Teil der Trilogie "The War Virus" von Irene Kress fürs erste auf Eis gelegt wurden. Daraus wurden dann die beiden Romane "Ein Sumpf von Intrigen" von L.A. Graf und "Sabotage" von JM Dillard, das den "Lost Years-Zyklus" abschließt.
Brad Ferguson: "Eine Flagge voller Sterne"
Roman, Softcover
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN 3-4530-8595-7
Leserrezensionen
:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::
|