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Science Fiction (diverse)



Stella M. Th. Sigl

Amulett des Thor 1- Druidenspuren

rezensiert von Thomas Harbach

Ihr erster Roman “Das Vermächtnis” ist eine im Kern reinrassige Space Opera mit originellen mystischen Spuren gewesen. Mit “Das Amulett des Thor- Druidenspuren” im eigenen Verlag publiziert legt die junge Lüneburgerin Stella Sigl eine Mischung aus Science Fiction und magisch mystischer Fantasy vor. Dabei bemüht sie sich, den beiden unterschiedlichen Subgenres ihre eigenen Identitäten zu erhalten. Es ist der erste Band einer wahrscheinlich fortlaufenden Serie, die halbjährlich als Paperbacks in ihrem eigenen Verlag erscheinen sollen. Neben einer Erläuterung des Hintergrund geht es der Autorin um die Einführung der Gefährten der Zeit, wie auch der zweite Band heißen wird. So hat sich Stella Sigl entschlossen, den Band mit einem Paukenschlag zu eröffnen und versucht den Leser auf dieser Welle mit reiten zu lassen. Zu Beginn des Romans betont die Autorin die Zeitreisethematik. So wird der Zeitreisende Mike auf ein Kriegsschiff des 19. Jahrhunderts versetzt, das sich plötzlich in einem Konflikt mit einem französischen Angreifer wieder findet. Der ungewöhnlich dichte Nebel im Nordmeer hat eine unbemerkte Annäherung des Feindes ermöglicht. Im Grunde gibt es diese Szene im Roman zweimal. Einmal wird das Geschehen aus der Perspektive des Zeitreisenden beschrieben, der als Koch auf dem Schiff angeheuert hat und dann aus der etwas verschobenen Schicht des Kapitäns und seiner Mannschaft. Diese zweite, sehr gut beschriebene Szene steht am Anfang des Romans und wird von einer Ballade begleitet. Am Ende der Sequenz hat die Autorin auf den ersten Blick die Leser mit der Möglichkeit einer Zeitreise scheinbar in die Irre geführt. Dann beginnt sie noch einmal von vorne mit der echten Reise und der Leser fühlt ein Deja Vu. Das Schicksal will es, dass sowohl der Zeitreisende als auch Mike den Angriff und das Versenken des Schiffes überleben. Sie kommen sich näher und Mike erreicht mit seinem neuen “Kameraden” eines der Zeitportale, ohne das sich der junge Mann wirklich darüber im Klaren ist, was er mit seinem Gast anfangen soll.

Bei der zweiten Handlungsebene steht die junge Journalistin Josephine im Mittelpunkt. Ihr bislang geordnetes Leben gerät außer Kontrolle, als sie erfährt, dass ihr geliebtes Haustier künstlich ist und sie selbst im Körper Implantate außerirdischer Herkunft hat. Gemeinsam mit ihrem Onkel macht sie sich auf die Suche nach Bruchstücken des Amuletts des Thors, aber sie sind nicht die einzigen.

Im Verlaufe des sehr geradlinig - trotz der unterschiedlichen Handlungsebenen und verschiedenen Personen - geschriebenen Romans fügt die Autorin noch einige weitere Komponenten ihrem Plot hinzu und führt am Ende des ersten Bandes zumindest einen Teil der Handlungsebenen zusammen. Diese Vorgehensweise birgt Chancen und Risiken. Zu den Chancen gehört ihre bunte Mischung sehr verschiedener Themen - von der Suche nach einem Amulett und der Nutzung druidischer Kulte über künstliche Wesen/ die Suche nach der eigenen Identität bis zur eher klassischen Zeitreise. Alles ist vorhanden und wird auf diesen knapp einhundertachtzig Seiten auch angesprochen. Das macht den Auftaktband teilweise etwas sehr hektisch und einige Szenen wirken zu abrupt geschrieben. Die Autorin nimmt sich nicht den notwendigen Raum, die verschiedeneren Plotelemente ausführlich und vor allem hintergründig einzuführen. Bei der Zeitreise funktioniert ihre Vorgehensweise am effektivsten und nachhaltigsten. Die Szene wirkt gut recherchiert, die Action ist pointiert und rasant. Bei der zweiten Handlungsebene stellt sich der Leser trotz der eher verschleierten Erklärungsversuche zu viele Fragen und ihre Figuren dagegen zu wenige. Immerhin wird Josephines Welt nicht nur durch eine Enthüllung, sondern deren drei in ihren Grundfesten erschüttert. Dafür nimmt sie es zu gelassen hin. Hier verschenkt die Autorin auch sehr viel Konfliktpotential. Betrachtet ein Leser diese beiden elementaren Handlungsebenen kritisch, wäre es sinnvoller gewesen, die beiden Ebenen romantechnisch zu trennen und durchaus den ersten Band nur um den Zeitreisenden Mike aufzubauen und in dem zweiten Band Josephines Geschichte zu erzählen. Stelle Sigl hätte bei dieser Vorgehensweise auch mehr Zeit und Raum gehabt, ihre Protagonisten eindeutiger und nachhaltiger zu charakterisieren. So treten ihre Figuren hinter den sehr zahlreichen Ereignissen und Entdeckungen zurück. Der Leser versucht diesen Hinweisen zu folgen und verliert dabei die Figuren aus den Augen. Insbesondere bei Josephines Handlungsebene wirken einzelne Ereignisse in diesem derartig gedrängten Kontext konstruiert und entfalten sich nicht frei. Im zweiten Band allerdings verspricht die Vorschau eine intensivere Auseinandersetzung mit den einzelnen Protagonisten und ihren Bestimmungen.

Zu den Stärken des Romans gehört die Mischung aus mystischen Brauchtum wie dem Amulett des Thors und Science Fiction Hintergrund. Dabei hält sich die Autorin nicht mehr detaillierten technischen Beschreibungen auf. Viele Informationen werden eher beiläufig in die Handlung eingestreut oder als selbstverständlich angenommen. Mit dieser Vorgehensweise fällt es dem Leser deutlich leichter, sich in den unterschiedlichen Welten zurecht zu finden. Das Zeitparadoxon nimmt sie als Wahrscheinlichkeit hin, getreu dem Motto das nach dem Hobeln auch Spänne fliegen können. Das wirkt in Bezug auf ihre Argumente anfänglich noch ein wenig unbeholfen, fast trotzig, aber im Verlaufe des Romans konzentriert sie sich auf andere, spannendere Sequenzen und verschiebt die gesamte Problematik deutlich nach hinten. “Druidenspuren” macht seinem Titel alle Ehre. Wie Spuren in der Zeit werden die einzelnen und wahrscheinlich zukünftig die Handlung der Romane bestimmenden Themen vorgestellt. Einige funktionieren dabei erstaunlich gut - siehe die Suche nach dem Amulett und die geheimnisvolle Höhle auf dänischem Nordseeküstengrund -, andere Ideen verlaufen sich zumindest im ersten Band im Sand. Wenn Stella Sigl am Ende des Buches die beiden wichtigsten Handlungsebenen zusammenlaufen lässt, wirkt ihre Vorgehensweise bei den Charakteren ein wenig kitschig. Warum gleich eine Romanze, bei welcher der Leser noch nicht die aufkommende Sympathie zwischen den Figuren wirklich überzeugend erkennen kann? Hier hätte die Autorin deutlich mehr Konfliktpotential ihren Interessen, die kompakte Handlung zu einem vorläufigen Abschluss zu bringen, gegenüberstellen. Vergleicht man ihre Vorgehensweise mit ihrem zu vor veröffentlichten Roman “Das Vermächtnis”, so wirkt die erste Veröffentlichung reifer, ambitionierter und vor allem zusammenfassend überzeugender. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich dieses Bild erst in den nachfolgenden Bänden vervollständigt und viele beiläufig und für den Leser nicht immer verständlich angesprochene Fragen/ Probleme noch intensiver behandelt werden. Bis dahin ist “Druidenspuren” ein nicht gänzlich befriedigender, stilistisch allerdings gut geschriebener Auftakt, der vor allem durch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Ideen den Leser solide unterhält. Auf der Charakterebene wirkt der Roman noch ein wenig unterentwickelt. Die Hauptfiguren wirken in ihren Handlungen und vor allem auch ihren Emotionen teilweise zu steif und eindimensional. Es sind die Nebenfiguren, welchen die Aufmerksamkeit der Leser gehört. Der künstliche Rabe überspannt allerdings die Glaubwürdigkeit des Romans und hoffentlich fällt der Autorin zu den künstlichen Implantaten in Josephines Körper auch etwas Originelles ein. Stella Sigl kennt sich mit den Mechanismen des Genres gut aus und setzt diese im vorläufigen Auftakt effektiv ein. Teilweise wollte sie allerdings für einen Auftaktroman zu viel und das macht ihren Roman an wichtigen Stellen unnötig hektisch, an welchen er eher epochal und fließend hätte sein müssen.

Stella M. Th. Sigl: "Amulett des Thor 1- Druidenspuren"
Roman, Softcover, 181 Seiten
Sigl Verlag 2008

ISBN 9-7839-4107-6006

Weitere Bücher von Stella M. Th. Sigl:
 - Das Vermächtnis
 - Das Vermächtnis
 - Die Gefährten der Zeit

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