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Science Fiction (diverse)



Paul Alfred Müller

Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel

rezensiert von Thomas Harbach

Nach „Jan Mayen“ veröffentlicht Dieter von Reeken in neun Sammelbänden die von 1933 bis 1936 in einhundertfünfzig einzelnen Romanen veröffentlichte „Sun Koh“ Reihe. Jeder der Sammelbände enthält neben siebzehn ursprünglich im Bergmann Verlag publizierten Romane ausführliche Informationen im Anhang sowie kleinere Extras wie die komplette Jiu Jitsu Anleitung, die ursprünglich auf der Rückseite der niedrigen Nummern bis zur Hälfte veröffentlicht worden ist. Heinz Galle geht im Anhang auf die verschiedenen Inkarnationen der Serie in den letzten achtzig Jahren ein. Zusätzlich zieht er thematisch Vergleiche zu anderen Einzelwerken Paul Alfred Müllers. „Sun Koh“ ist im Vergleich zur später entstandenen „Jan Mayen“ Serie die mythologisch angelegte, ambitioniere Serie mit einem auch körperlich überlegenen Überprotagonisten, der deutlich dem amerikanischen „Doc Savage“ nachempfunden worden ist. Jan Mayen ist eher der introvertierte moderne allwissende „Forscher“, der mittels der Erfindungen und Entwicklungen seines verschwundenen Vaters Grönland bewohnbar machen soll, während am Ende von „Sun Koh“ Atlantis wieder aus den Fluten auftaucht. Wie Heinz J. Galle ebenfalls herausarbeitet, veränderte sich mit der stetig perfekter werdenden Zensur der Nazis, die im Jahr „Sun Kohs“ Geburt die Macht ergriffen, auch der Ton und teilweise Inhalt der einzelnen Heftromane. Im Gegensatz zu vielen anderen Nachdrucken distanzieren sich die beiden Herausgeber Heinz J. Galle und Dieter von Reeken von den rassistischen Entgleisungen, bearbeiten oder zensieren sie aber nicht. Auf der anderen Seite dürfte 1933 das letzte Jahr gewesen sein, in dem ein Schwarzer eine weiße Frau drakonisch für die Avancen bestraft, die sie „Sun Koh“ fast erpresserisch gemacht hat.

Im ersten Band „Ein Mann fällt vom Himmelt“ führt Müller Sun Koh als modernen Kasper Hauser ein und gibt ihm gegen Ende des Buches auch eine „göttliche“ Abstammung anstelle der bekannten königlichen Thronfolge. Um es vorwegzunehmen, im ausführlichen Anhang beschreiben die Herausgeber die Veränderungen zwischen der hier als Grundlage genommenen Erstauflage und den verschiedenen, zum Teil auf Druck der Nationalsozialisten veränderten Neuauflagen. Dabei musste Müller auch die übernatürlichen Kräfte Sun Kohs zurückfahren. Im Vergleich mit dem anderen bronzenen Kämpfer für die Gerechtigkeit – Doc Savage – wirken Kohs Kräfte in Bezug auf die inhaltliche Spannung kontraproduktiv. Zu unbesiegbar, zu allwissend und damit auch für die Feinde im Grunde unerreichbar. Besonders die Vorkriegsleihbuchausgabe überzeugt hier – von Puristen zwar als Frevel bezeichnet. Die Arbeit, die sich die Herausgeber mit ihrer Auflistung gemacht haben, ist unglaublich detailliert und lobenswert.

Die Nutzung der ersten, sehr sorgfältig/ behutsam modernisierten und kaum korrigierten Auflage zeigt auch Müllers stilistische Bandbreite, von intensiv und dramatisch bis zu flapsig und oberflächlich. Nach den ersten sehr guten Kapiteln – Kohs Erdenfahrt inklusiv seiner erotischen Beschreibung – wechselt die Handlung zwischen übertriebenem Aktionismus – der Faustkampf im Hotel – und verklärter Romantik – Rettung der unschuldigen Tochter Joan Martini und zartes Aufblühen einer zunächst platonischen Liebe – bis zu Andeutungen Kohs Zukunft. Einzig der überflüssige und viel zu lange Auftritt des sächselnden Hausmeisters – hier stellt sich die Frage, ob Müller einem Freund ein Geschenk machen wollte – hemmt den ansonsten sehr geradlinigen und spannenden Lesefluss. Es ist erstaunlich, wie viele Science Fiction Ideen Müller in erster Linie auf den letzten Seiten des ersten Heftes in die Handlung integriert und mit seinen düsteren Voraussagen – Atlantis wird wieder auftauchen – eine globale Bühne installiert. Dazu kommen exotische und auch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts fast unbekannte Orte wie die geheimnisvolle Ruinenstadt im Dschungel Yukatans.

In den ersten beiden Heften stellt Müller auch gleich neben Sun Kohs Team – zu diesem später – die beiden Hauptbösewichte vor: den Schurken Gracia, dessen äußerliche Beschreibung schon eine herrliche Ansammlung finsterer Klischees ist, und eine finanziell unabhängige, reiche und attraktive Witwe Lady Houston, für die Sun Koh ein sexuelles Spielzeug sein könnte. Insbesondere ihre Charakterisierung – von verführerischer Schlange bis zur exzentrischen Ziege – ist für die Zeit der dreißiger Jahre eine Meisterleistung an erotischer Ausstrahlung und sexueller Freizügigkeit. Zusammen bilden diese beiden Charaktere auch in den folgenden 148 Romanen – in entsprechenden Abständen – eine interessante Gegnerschaft, auch wenn Müller aufgrund der extrem exponierten Stellung Kohs immer zu inhaltlich unbeholfenen Hilfsbrücken greifen muss. Beispielhaft die Entführung der jungen Frau, während Gracia Sun Koh in seinem Hotelzimmer mit einem neuartigen Gas betäubte. Warum er seinen potentiellen zukünftigen Kontrahenten, dessen Vergangenheit er genau kannte, nicht tötete, ist eines der literarischen Geheimnisse dieser Serie. Auf der anderen Seite stellt die Nutzung dieser Waffe – Skopolamin – eine wahre Innovation dar, da das Gas nicht nur betäubte, sondern auch das kritische Bewusstsein ausschaltete. Es ist erstaunlich, wie oft Müller den Handlungsfaden auf die Seite schob, um von interessanten Erfindungen, exotischen Orten oder einfachen Charakterhintergründen zu berichten.

Mit dem farbigen Boxer Jack Holligan führt Müller dagegen eine später auch konträre Figur ein. Dabei sind die rassistischen Anklänge im ersten Band sehr sanft – aus heutiger Sicht deutlich spürbar, aber im Grunde auf dem normalen Niveau simpler Unterhaltungsliteratur dieser Zeit – und eher klischeehaft als politisch gemeint. Im Laufe der Zeit wird Müller immer wieder Probleme mit den nationalsozialistischen Machthabern haben. Dazu kommt der junge Hotelpage Hal Mervin, eine frühe Inkarnation des Jimmy Olson aus den Supermann-Comics. Enthusiastisch als Identifikationsfigur für junge Leser angelegt sticht er aus dem sich bildenden Team aus heutiger Sicht eher überflüssig heraus. Obwohl sich Müller deutlich bemüht, seinen Figuren individuelle Züge und vor allem spezielle Aufgaben zu geben, arbeitet er auch im zweiten Roman „Ein Fetzen Pergament“ Sun Kohs Fähigkeiten auf allen Gebieten – körperlich als auch geistig – zu deutlich heraus. Das unterscheidet die Serie auch am deutlichsten von „Doc Savage“, in welcher der Übermensch doch überzeugend Aufgaben delegieren konnte oder Müllers zweitem Versuch „Jan Mayen“. Diese nicht selten auch stilistisch sehr stark betonten Übertreibungen beeinträchtigen manchmal stark das Lesevergnügen und zeigen das Patina, das Müllers Texte angesetzt haben. Auf der anderen Seite wirken die oft simple, aber selten naive Übertreibung und der Schwung und Spaß, den Müller bei dieser Konzeption hatte, wie eine Zeitreise in die eigene Jugend. Nicht von ungefähr lebte Galles Sammlerwut wieder auf, als er in einem Altpapierstapel ein grellgelbes SUN KOH Heft gefunden hat.

Im dritten Band „Sensation um Strohhalme“ nimmt Müller eine Thematik aus dem Vorgängerheftes wieder auf, er baut konsequent die Eckpfeiler des zukünftigen Teams auf: so wird der farbige Boxer Sun Kohs Diener – allerdings erst nach Prüfung der entsprechenden Referenzen – und die junge Hotelpage schiebt sich stärker in die Rolle eines cleveren Mittlers zwischen Kohs fast irrealer Weltanschauung und dem bodenständigen Aktionismus des Rechts der Straße. Auch integriert der Autor die Figur des deutschen Ingenieurs Peters, der im zweiten Band vor einem verzweifelten Selbstmordversuch aus wirtschaftlicher Inkompetenz von Koh gerettet worden ist. Gemeinsam überzeugen sie den Besitzer eine Luftlinie, eine der simplen, aber effektiven Erfindungen von Peters gegen eine fast unanständig kleine Summe zu übernehmen und ihnen ein Flugzeug zu Erprobung und für den anschließenden Flug nach Mittelamerika zur Verfügung zu stellen. Hier zeigt sich eine von Müllers Stärken als Erzähler. Mit einem simplen Beispiel – den Titel gebenden Strohhalmen – verdeutlicht er an Hand einer Reihe von futuristischen, aber in dieser Konstellation logisch aufgebauten Gedankenfolgen eine der Erfindungen Peters. Dabei spricht er die interessierten Jugendlichen genauso an wie technisch gebildete Leser. Diese Stärke findet sich gleichermaßen in den Romanen Hans Dominiks wieder, allerdings wirken seine Romane in ihrer Gesamtheit eher statisch. Zwei Schwächen stehen in einem starken Widerspruch zu dem exotischen und wilden Showdown in den Lüften: wieder ist eine Entführung der jungen Joan Martini Katalysator der Actionszenen und zum zweiten Mal findet der Leser im fremden London quasi einen Quotendeutschen. Nach dem Sachsen jetzt einen Berliner. Allerdings sind beide Charaktere extrem überzeichnet und in der Langatmigkeit, mit der sich Müller den beiden „Figuren“ widmet bringt er die Handlung trotz ihrer wichtigen Eingaben im wahrsten Sinne des Wortes zum Stillstand.
Vergleicht ein aufmerksamer Leser die Veränderungen in den späteren Leihbüchern im Gegensatz zu den kaum veränderten Zweit- und Drittauflagen der Heftromane, so erscheinen die gerafften Darstellungen in Büchern in einem positiven wie negativen Licht. Negativ die zusammengestrichene Actionszene am Ende des Heftes, ein erstes Ausrufezeichen für die noch kommenden Dinge und zweitens wirken die Beziehungen zwischen Sun Koh und Joan Martini nicht nur durch das vertrauliche „Du“ weniger steif und kitschig. Während Müller in diesem Heft mit der Figur der Lady Houston nicht über eine charakterliche Karikatur hinauskommt, wirkt Joan Martini mit ihrer Mischung aus weiblicher Schutzbedürftigkeit und „Mannesmut“ sehr viel interessanter als im ersten Heft.

In dieser Ausgabe fehlt das zwischen den dritten und vier Roman platzieren die Herausgeber das in die ursprüngliche Leihbuchversion eingesetzte Zwischenkapital, in welchem sich Sun Koh und sein zukünftiger Erzfeind Gracia ein weiteres Mal von Angesicht zu Angesicht begegnen. Aus verständlichen Gründen dagegen wurde die Zusammenfassung der ersten beiden Hefte in Form eines exklusiven Zeitungsinterviews – eine clevere Wahl Müllers – in der Leihbuchausgabe weg gestrichen. So bietet der hier zusammengefasste Text nur die ursprüngliche, und nicht auch die längste Fassung aus dem ersten Band der nicht mehr fortgeführten „SSI„ Reihe. Das Intermezzo ist fast zu simpel erzählt, Koh besucht seinen Erzfeind auf dessen Jacht, um ihn aus einer Mischung aus Provokation und Bluff weitere Informationen aus der Nase zu ziehen. Diese erhält er nicht. Außerdem stand sein Entschluss schon vorher fest, nach seinen Wurzeln im Dschungel zu suchen. Dieser Einschub impliziert eine spätere Entscheidung.

„Die mordende Quelle“ spielt gleich zu Beginn in der mittelamerikanischen Region. Es ist der Auftakt einer kleinen Trilogie. Exotische Landschaften, möglichst genau recherchiert ist eine weitere Stärke in Müllers sehr umfangreichem Werk. Mit kurzen, aber sehr präzisen Hinweisen charakterisiert er die besonders drückende Atmosphäre dieser Landschaft mit ihren verschiedenen Gefahren, die von Flora und Fauna ausgehen.

Das ist nur einer Punkte, an denen man erkennt, wie dramatisch sich Müller als Autor im Rahmen der Serie weiterentwickelt hat, erkennt ein aufmerksamer Leser am förmlichen Sprung zwischen dem schon sehr gut Ende des dritten Romans und den insgesamt vier eng zusammenhängenden Mexiko Abenteuern. Neben der exotischen Atmosphäre erscheint sehr positiv die drastische Reduzierung von Sun Kohs Fähigkeiten auf Doc Savage Niveau, unheimliche Begegnungen und letzt endlich die Verknüpfung einer aktuellen Handlung mit mystischer Vergangenheit machen die beiden letzten Abenteuer der ersten Sammlung zu einem wahren Lesevergnügen und einem Feuerwerk technischer Ideen der Vergangenheit und Gegenwart. Das Müller sich aber weiterhin rassistische Ausrutscher leistet, wird weniger an der Raffung der Entstehung der Atlanter – Vorläufer der Arier – deutlich als an nachfolgend zitierten, beschämenden Stellen:
„Nachzudenken wagte er noch nicht über den Tod des Negers, der trotz seiner Hautfarbe bereits ein lieber, vertrauter Gefährte geworden war. Er verharrte noch in dumpfer, drückender Trauer“. Da hilft es auch wenig, wenn sich der Farbige später bei einem Bösewicht für das Niggerschimpfwort rächt und diesen in seine eigene Falle laufen lässt.
Im Mittelpunkt des fünften Bandes „Schach dem Tode“ – um hier zeitlich chronologisch und nicht in der Reihenfolge der ursprünglichen Romane vorzugehen – steht hier eine antike Adam und Eva Saga der ersten Atlanter. Ausgehend von einem Kometeneinschlag nimmt Müller hier unbewusst den Faden aus Robert Krafts Serienroman „Die neue Erde“ auf und verpflanzt eine Handlungsebene aus dessen Roman – nicht die technologisch europäische, sondern die aus primitiven Wurzeln emporkommende asiatische Idee – in seinen Rückblick. Wenn er gegen Ende Peters etwas von Ehrfurcht selbst der Nichtdeutschen murmelt und den Ursprung der Arier gefunden zu haben glaubt, sind das eher Bemerkungen, die sich in fast jedem Volk widerspiegeln. Da reicht das Spektrum natürlich von Romulus und Remus, den Gründern Roms und damit eines privilegierten Teils der Menschheit über natürlich König Arthur und seine Bestrebung, ein englisches Volk zu verschmelzen bis zu den mittelamerikanischen Mayas, die grausam niedere Stämme unterdrückt haben. Warum also nicht die Geschichte der Arier – auch wenn das Wort schnell mit brauner Ideologie beschmutzt worden ist – in einer deutschen Heftromanserie etablieren? Es sind die anderen, oft stilistisch im Hintergrund agierenden Bemerkungen, die Müllers Text so gefährlich rassistisch färben. Trotzdem gelingt es ihm, im fünften Heftroman dieser Sammlung nicht nur mit Garcias scheinbarem Bruder eine exzentrische Figur in der Handlung zu etablieren, sondern er spielt geschickt mit dem Aberglauben, verbindet die historischen Stätten mit der aktuellen politischen Situation in Mexiko und reiht in erster Linie zu Beginn seines Romans eine Handvoll unheimlicher, spannender und effektiver Szenen aneinander.

Einige Züge lassen sich schon im vierten Roman „- Die mordende Quelle“ – erkennen. Auch wenn die Handlungsführung hier gerade zu simpel, oft herablassend gestrickt worden ist. So verursachen natürlich die tölpelhaften Amerikaner die Vergiftung des Wassers, weil sie die historischen Stätten, an denen sie graben, nicht achten und Sun Koh kann sehr schnell, zu schnell das Problem aus der Welt schaffen. In erster Linie fasziniert hier der Atlantis Mythos. Geschickt verbindet Müller die ägyptische Hochkultur mit den Pyramidenbauten der Mayas und lässt als Verbindung den legendären Kontinent Atlantis agieren, der von Jahrhunderten untergegangen ist. Jetzt weisen alle Prophezeiungen auf ein Wiederauftauchen des sechsten Kontinents hin. Das letzte Zeichen könnte die Rückkehr des Königs von Atlantis sein- Sun Koh. Viele dieser hier ausgebreiteten und sehr kompakt in Form eines intensiven Dialoges zwischen Koh und Dr. Peters ausgebreiteten Thesen werden insbesondere in Clark Darltons Jugendromane einfließen und wahrscheinlich indirekt auch Erich von Däniken beeinflussen. Wie eingehend sich Müller seinen exotischen Handlungsschauplätzen beschäftigt hat, erkennt der aufmerksame Leser auch an der Intensität, mit der er sprachlich eindrucksvoll die Szenerie beschreibt und förmlich zum Leben erweckt. In „Der Schatz der Mayas„ und dem abschließenden Band Das zersprengte Dreieck„“ taucht nicht nur ein vordergründig geläuterter Gracia auf, Sun Koh und seine beiden Freunde finden Hinweise auf einen „gottgleichen“ Status Sun Kohs. Unter den Felsen gelangen sie in eine sagenhafte Schatzkammer, die förmlich Milliarden von schweren Goldplatten, gigantischen mehr als tausend Karat große Diamanten und schließlich verschiedene Schmuckstücke. Jan Mayen hat in der Nachfolgeserie es schwieriger gehabt, an unbegrenzten Reichtum zum ebenfalls hier angesprochen Wiederaufstieg Thules zu gelangen. Sun Koh findet nicht nur die Schätze der Mayas, sondern eine Statue, die ihm ähnelt. In erster Linie bestehen die stimmigen Abenteuerromane aus einer Reihe von Verfolgungsjagden, einer Entführung und schließlich der finalen Konfrontation. Das findet vor den exotischen Kulissen statt. Als fast bizarre Würze erweitert Sun Koh um einen kleinwüchsigen Pikerton- Detektiv, der Sun Koh im Auftrag Joan Martinis nach dem Erben Atlantis sucht und sich schnell engagieren kann sowie um eine Handvoll aggressiver Japaner, die aus dem Nichts heraus Sun Koh und seine beiden Helfer angreifen. Dazwischen fahren Gracias mexikanische Handlanger durch das gigantische unterirdische Labyrinth auf einem Boot. Auch wenn Paul Alfred Müller ein wenig zu Belehrungen neigt, verfügen die drei Heftromane über ausreichend interessante Szenen, um ganze Leihbücher zu füllen. In „Der Schatz der Mayas“ gibt es zusätzlich eine interessante Kometentheorie, welche biblische Themen, Mythen und Sagen zu einer in den „Sun Koh“ Mythos passenden Legende bindet. Das ausgerechnet Gracia diese bizarre Ideen präsentiert, die einen Bogen zu der altgermanischen Götterheimat Thule schlagen, welches Jan Mayen auferstehen lässt, wirkt angesichts der Entstehungszeit wie eine Verbeugung vor den braunen Machthabern. Paul Alfred Müllers Intention war wahrscheinlich eine andere. Er wirft viele bekannte und weniger bekannten Ideen zusammen, rührt diese kräftig um und präsentiert sie als Absolutismen.
Am Ende von „Das zersprengte Dreieck“ findet sich eine für die damalige Abenteuerliteratur provokante Szene. Sun Koh muss Lady Houston um einen Gefallen bitten, damit Peters mit seiner schweren Schussverletzung rechtzeitig in den Operationssaal kommt. Lady Houston möchte als Gegenleistung ein offensichtlich erotisches Date mit dem bronzenen Mann haben. Der sich inzwischen Nimba nennende Schwarze treibt es ihr als ehemaliger Liebhaber in einer sadomasochistischen Szene, in welcher er allerdings extra vom Autoren betont kein echtes Vergnügen empfindet, mit der Knute aus. Die ausführlich beschriebene Szene wirkt für einen einem breiten Publikum zugänglichen Roman sehr expliziert. Als Gegenentwurf endet der Band mit dem Hinweis, dass Sun Koh jetzt über ausreichend Mittel verfügt, um seine ehrgeizigen, dem Leser bislang verschlossenen Pläne umzusetzen.
“Die Menschenfalle“ könnte als Ausklang der Mexikoabenteuer und Übergang zu den eher technologisch orientierten Geschichten verstanden werden. Sun Koh sucht Lady Houston auf, da er nicht weiß, das Nimba die Dame schon entsprechend wegen ihres Versprechens bestraft hat. Diese versucht ihn jetzt auf eine andere Art und Weise zu umgarnen, was schließlich zur Gefangennahme in einer unterirdischen Zelle unter dem gigantischen Haus in Miami führt. Lady Houston arbeitet mit Garcia zusammen. Obwohl sie Sun Koh aushungern lassen wollen, scheitert ihr perfider Plan nicht nur am treuen Nimba, sondern vor allem an dem örtlichen Detektiv, den Koh unmittelbar von seinem Besuch bei der attraktiven, reichen und verschlagenen Dame kennen gelernt hat. Im Vergleich zu den bisherigen opulenten Abenteuern konzentriert sich „die Menschenfalle“ auf das Verhältnis zwischen Lady Houston und Sun Koh, sowie die immer stärker aufkeimende Liebe zu Joan Martini. Spannungstechnisch holt Paul Alfred Müller aus dem eher vorhersehbaren Plot das Optimum, während er in dem deutlich besseren „Das hypnotisierte U- Boot“ mit interessanten Ideen einen packenden latent futuristischen Kriminalfall - mit einem Schiff, das Jahrzehnte später in „Der Spion, der mich liebte“ wieder auftauchen sollte - präsentiert und gleichzeitig die Förderung des Mayaschatzes in Mexiko in die Wege leitet. Während einer in Bremen stattfindenden Konferenz verschwindet geheime Dokumente zur atomaren Energiegewinnung. Sun Koh folgt mit Nimba einer wagen Spur und einem vorher schon verdächtigen Mann. Diese Prämisse wird Paul Alfred Müller im Verlaufe der „Sun Koh“ wie auch „Jan Mayen“ Serie mehrmals einsetzen. In internationalen Gewässern werden sie an Bord eines U- Boots, welche die international organisierten Diebe für ihre Raubzüge benutzen, entdeckt und schließlich in einer Unterwasserkuppel am Grunde der Nordsee gefangen gehalten. Während unter Führung der deutschen Seemarine die Diebe in internationalen Gewässer gestellt werden, versuchen Sun Koh und Nimba verzweifelt aus ihrem unterirdischen Gefängnis zu entkommen. Der Plot des mit einem plakativen Titel versehenen Romans ist sehr kompakt. Moderne, für die damalige Zeit futuristische Technik wird von einer an Verbrecherorganisation begleitet, die ihre Wurzeln irgendwo zwischen Fantomas und Dr. Mabuse hat. Die wenigen Actionszenen sind fast übertrieben pointiert geschrieben und die Dialoge weniger übertrieben bis stilisiert als in den anderen frühen „Sun Koh“ Romanen. So ist „Das hypnotisierte U- Boot“ ein früher Meilenstein der technokratischen Seite dieser Abenteuerserie.
Die ersten „Sun Koh“ Abenteuer verfügen aber auch über eine andere, sehr viel spontanere Seite. Der große Leitfaden mit dem Erben von Atlantis ist klar markiert und wird zu Beginn in erster Linie in leicht belehrend beschriebenen Fußnoten mit verschiedenen Spekulationen zur Atlantissaga immer wieder aufgegriffen. Daneben finden sich Romane, deren Plots konträrer nicht sein können, die aber handlungstechnisch konstruiert miteinander verbunden worden sind. „Das Gas des Wahnsinns“ und „Der Friedhof des Atlantiks“ sind ein Musterbeispiel. Durch einen Zufall trifft Sun Koh auf einen Forscher, der ein den Willen brechendes Gas entwickelt hat. Bei Überdosierung zerstört es im Körper der Opfer jegliche Knochenstruktur. Die Grundidee wird sehr packend entwickelt. Die Menschen verlieren anfänglich ihr Gedächtnis, das anschließend von Verbrechern wieder neu „programmiert“ werden kann. Gedächtnislücken hinsichtlich der Identität bleiben. Kaum wird dieses Verbrechen eher abrupt und vorläufig abgeschlossen, muss Sun Koh seiner Liebe über den Atlantiks hinterher jagen und landet schließlich auf dem Schiffsfriedhof im Atlantik. Sein Flugzeug ist an einer von eher übernatürlich erscheinenden Elementen kontrollierten Stelle abgestürzt. Sie retten sich auf ein Totenschiff, von dem sie von einem kleinen Frachter gerettet werden. Kaum erhält Sun Koh Informationen über dieses gefährliche Seegebiet vor den Leuchttürmen Sable Islands, läuft der Frachter aufgrund manipulierter Leuchtturmsignale auf. Sun Koh muss sich auf Sable Island mit insgesamt dreißig Gangstern auseinandersetzen, welche die Schiffe in klassischer Piratenmanier auflaufen lassen, um die Besatzung zu töten und die Fracht zu stehlen. Beide Romane durchzieht was die Taten der Verbrecher angeht ein brutal sadistischer Strang. Knochenstrukturen von Menschen werden aufgelöst, andere lebendig in einem feuchten Verließ begraben. Kein Wunder, das die Ein-Mann-Armee-Sun-Koh keine Gnade vor Recht ergehen lässt. Im Vergleich zu den moderateren „Jan Mayen“ Romanen geht es hart zur Sache. Die Kämpfe sind brutal, aber ausgesprochen variable beschrieben. Die nihilistische Atmosphäre gipfelt in einem spannenden Roman, in dem Sun Koh seine paramilitärischen Fähigkeiten unter Beweis stellt. Es ist nur schade, das der Auftakt „Das Gas des Wahnsinns“ die interessante Grundidee nicht sorgfältiger extrapoliert hat.
Mit „Der eisige Blitz“ - die Idee hat Paul Alfred Müller auch in seinen Episodenroman „Die Seifenblasen des Herrn Vandeberg“ integriert - beginnt eine Reihe von Einzelabenteuern, an deren Ende die Befreiung seiner platonischen Geliebten Joan Martini stehen soll. Nach einer eher an Karl May erinnernden Begegnung mit New Yorker Gangsters im Zug versucht Sun Koh das Geheimnis einer Mordserie zu klären. Die Menschen scheinen aus dem Nichts heraus zu vereisen. Die Grundidee hat Paul Alfred Müller aus gegenwärtigen Forschungen übernommen und in eine geradlinige Handlung eingebaut. Wieder sind es die rücksichtslosen Gangster, die einen Forscher für die eigenen Interessen erpressen. Die eigentlichen Ermittlungen gehen ein wenig holprig, konstruiert von statten. Viel interessanter ist der New Yorker Hintergrund mit der Müllinsel Ryker Island. Am Ende findet Sun Koh neben den schon für die Bergung des Maya Schatzes angeheuerten überwiegend deutschen „Handwerkern“ mit dem übervorteilten Wissenschaftler einen ersten Experten für die zukünftige Verteidigung des noch nicht aufgetauchten Atlantis gegen die Interessen der potentiellen Großmächte, dessen Erfindung Sun Koh auf großzügigste Art und Weise abkauft. Dieses Anheuern von Spezialisten hat der Autor in der Nachfolgeserie „Jan Mayen“ noch detaillierter beschrieben. Wie in den vorangegangenen Heften findet sich auch in „Der eisige Blitz“ eine sehr sadistische, unangenehme Szene, die in späteren Auflagen insbesondere für eine Jugendserie deutlich entschärft worden ist.
Der Kontrast insbesondere zum nächsten Abenteuer „Schüsse über Arizona“ könnte nicht größer sein. Auf ihrer Reise durch die USA stürzen Sun Koh, Hal Mervin und Nimba mit ihrem Flugzeug über unwirtlichen Gebiet ab. Sie werden von einem Farmer aufgenommen, der mit zwei anderen Farmern um ihre Existenz gegen einen skrupellosen Landbaron kämpfen muss. Sun Koh greift auf ihrer Seite ein. Erst provoziert er mit seinen Schießkünsten den Gegner, bevor es ihm mit einem Handstreich gelingt, die Feinde endgültig auszuschalten. Wie in den folgenden beiden Abenteuern bemüht sich Paul Alfred Müller, trotz seines übertriebenen Stils einen geradlinigen Western mit der entsprechenden Atmosphäre zu verfassen. Trotzdem ist „Schüsse über Arizona“ eher klassischer Karl May Stoff, der allerdings deutlich brutaler als bei Old Shatterhand, aber auch den späteren „Jan Mayen Westernabenteuer“ endet.
Zu den schwächsten Heftromanen des ersten Blocks gehört „Geschoss auf Abwegen“. Sun Koh will die Garcia gestohlenen Unterlagen nicht zurückgegeben und wird in einem zu komplizierten Plot des Mordes an einem Ladeninhaber verdächtigt. Sun Koh kommt ins Gefängnis, aus dem er prompt durch Eisenstangenbrechen wieder ausbricht. Gegen Ende überstürzen sich die Ereignisse und Koh wird unter Mithilfe eines befreundeten Geheimdienstchefs natürlich rehabilitiert und Garcia kommt sehr kurzweilig in das Gefängnis. Wie schon angesprochen ergibt Garcias Vorgehensweise keinen Sinn, da ein hingerichteter Sun Koh ihm auch nicht die entwendeten Unterlagen zurückgibt und alleine bestochene Zeugen nicht ausreichen sollten, um einen Schuldspruch zu erwirken. Deutlich besser ist das siebzehnte und für diese Sammlung abschließende Abenteuer „Der Tau der Hölle“. Sun Koh kehrt zur mexikanischen Mayastadt zurück, um den kameradschaftlichen und fast deutschnational nennenden Fortschritt von Dr. Peters und seinen ehemaligen in Deutschland eher verachteten, aber natürlich in ihrem Gebieten brillanten Helfern bei der Untersuchung der gigantischen Mayastadt zu verfolgen. Garcia setzt ein aus dem Ersten Weltkrieg bekanntes, tödliches Giftgas ein, vor dem dessen bislang eher Sun Koh gegenüber wohlwollender, in den untersten Etagen der Stadt lebende Bruder warnt. Neben der dunklen, sehr brutalen Grundstimmung und der unangenehm detaillierten Exkursion zu dem im Krieg eingesetzten „Der Tau der Hölle“ genannten Giftgas ist die grundlegende Handlung voller Andeutungen und Hinweise. Die eigentlichen Motive von Garcias Bruder, der über ein umfangreicheres Wissen als der überdrehte Verbrecher verfügt, bleiben im Dunkel und versprechen Spannung für die nächsten Abenteuer. Der Leser lernt ein wenig mehr über die gigantische Mayastadt und auf der technischen Seite verfeinert Dr. Peters - später wird diese Idee auch in den „Jan Mayen“ Abenteuern umgesetzt - ein Flugzeug, mit dem Sun Koh „übernatürlich“ schnell ab sofort jeden Punkt der Erde ansteuern kann.

Abgeschlossen wird dieser erste Sammelband neben den schon angesprochenen Abdrucken der Titelbilder verschiedener Auflagen mit der von Paul Alfred Müller verfassten Anleitung der von ihm selbst aktiv angewandten „Jiu-Jitsu“ Anleitung sowie dem Titelverzeichnis aller einhundertfünfzig „Sun Koh“ Roman. Heinz J. Galle geht noch auf Paul Alfred Müller alias Lok Myler bzw. Freder van Holk ein. Ergänzend und sehr viel interessanter ist die Dokumentation zu den ersten siebzehn „Sun Koh“ Heften, in denen der Herausgeber auf die verschiedenen Auflagen und die historische Zensur sowohl unter den Nationalsozialisten sowie der sich gerade bildenden Bundesrepublik eingeht. Darüber hinaus arbeitet Heinz Galle Motive und Autoren heraus, die Müller aktiv oder passiv beeinflusst haben. Dabei fällt unter anderem mehrfach der Name Robert Kraft, wobei in dessen Lieferungsromanen „Atalanta“ eine Frau im Mittelpunkt steht. Obwohl Paul Alfred Müller hinsichtlich vieler, aber nicht aller technischer Entwicklungen ein eigenständiger und ideenreicher Autor ist, finden sich Aspekte von Krafts Werk, aber auch Anspielungen auf Karl May und natürlich Hans Dominik in seinen Romanen. In wie weit der fast zeitgleich in den USA veröffentlichte „Doc Savage“ doch eine mehr entscheidende Rolle spielt als es Heinz Galle ihm zugestehen möchte, bleibt unausgesprochen. Die Ähnlichkeiten sind frappierend. Unabhängig von dieser Tatsache geben die Anmerkungen Neueinsteigern in die Serie - echte Sammler kennen die meisten Informationen schon aus Galles deutlich ausführlicheren Anmerkungen zum ersten Sammelband des Schweizer Verlages SSI - einen informativen Überblick über dieses inzwischen achtzig Jahre alte literarische Phänomen, das neben der empfehlenswerten, auf die Originale zurückgehenden, sehr liebevoll gestalteten Neuveröffentlichung im Dieter von Reeken Verlag parallel auch einen Nachdruck der gekürzten Leihbuchtexte im Heinz Mohlberg- Verlag erfahren hat.


Paul Alfred Müller: "Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel"
Anthologie, Softcover, 489 Seiten
Dieter von reeken 2013

ISBN 9-7839-4067-9734

Weitere Bücher von Paul Alfred Müller:
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer
 - Jan Mayen 6
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM über der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 12
 - Jan Mayen Band 2
 - Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo
 - Jan Mayen Band 7
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sprung über die Zeit
 - Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel

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