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Science Fiction (diverse)



Paul Alfred Müller

Sprung über die Zeit

rezensiert von Thomas Harbach

Mit "Sprung über die Zeit" aus der Feder Paul Alfred Müllers präsentieren Dieter von Reeken und Heinz Galle einen von vier unter dem Pseudonym Werner Keyen veröffentlichten Leihbuchromanen. Es wäre schön, wenn der fünfte nur gekürzt als Heftroman publizierte Text irgendwann ebenfalls in dieser empfehlenswerten Reihe erscheinen würde. Heinz J. Galle geht in seinem lesenswerten Nachwort auf viele Punkte ein und erläutert die Entstehungsgeschichte dieser vier Romane. Er gibt Einblick in Honorare und Auflagen. Einen Punkt ignoriert er allerdings. Und nach der Lektüre dieses vorliegenden sehr geradlinigen, aber nicht unbedingt herausragenden Buches stellt sich die Frage dringlicher denn je. Paul Alfred Müller ist offenkundig kein klassischer Space Opera Autor gewesen. Er hat zwar an Serien wie Mark Powers mitgeschrieben, aber sein Herz hing mehr an den phantastisch utopischen Abenteuerstoffen wie Jan Mayen oder Sun Koh. Offenkundig ist Paul Alfred Müller auch ein engstirniger Verfechter der Hohlwelttheorie gewesen, wie er insbesondere in der kurzlebigen Nachkriegsserie "Rah Norton" sehr expliziert herausgearbeitet hat. Nach dem Start der "Perry Rhodan" Serie hat er wie mehrere Quellen belegen, das Angebot bekommen, in das Team mit einzusteigen und für den mit seinem Beruf ausgefüllten W.W. Shols mitzuschreiben. Diese Kooperation hat er aufgrund seiner Affinität zur Hohlwelttheorie abgelehnt. Wie kommt dann ein Roman zustande, der weit hinter dem Pluto in Richtung Alpha Centauri spielt und zusammen mit dem das Gerüst von "Unternehmen Stardust" vorwegnehmenden anderen Werner Keyen Titel "Jenseits vom Licht" über außerirdisches, wenn auch ein kindlich naiv charakterisiertes Leben spekuliert? Eine überzeugende Erklärung für Müllers Ambivalenz und die Ablehnung der "Perry Rhodan" Offerte, die ihm monetäre Sicherheit geboten hätte, gibt es nicht.

"Sprung über die Zeit" ist in vielerlei Hinsicht auch ein kurioses Buch. Es wirkt stellenweise ein wenig sehr naiv. Im Jahre 1967 - ein sehr früh gewähltes Datum angesichts der Veröffentlichung des Romans im Jahre 1958/ 1959 - schickt Amerika ein Team von Astronauten hinaus, den Raum zwischen Pluto und Alpha Centauri zu untersuchen. Während des Fluges stößt die Rakete mit einem außerirdischen Flugobjekt - einer im wahrsten Sinne des Wortes fliegenden Untertasse - zusammen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt. Das irdische Raumschiff wird ebenfalls so stark beschleunigt, die Astronauten fallen für zwei Jahre und vier Monate in eine Art Koma. Der Außerirdische hat sich rührend um die Besatzung gekümmert. Durch den jetzt lichtschnellen Flug trat die seit Einstein bekannte Zeitverzögerung ein. Dreißig Jahre später kehren die Männer zur Erde zurück.

Während die Idee des Zusammenstosses im Weltraum seit den Pulpzeiten bekannt und insbesondere von Murray Leinster mehrmals in verschiedenen Variationen durchexerziert worden ist, wirkt Paul Alfred Müllers technisches Vorgehen eher naiv. Die Wundertechnik der Fremden macht alles möglich. So kann der Außerirdische bei Überlichtgeschwindigkeit mehrmals zwischen den Raumschiffen hin und her wechseln. Wie er artfremde Wesen im künstlichen Koma ohne Probleme ernähren kann, wird nicht weiter erläutert. Der Fremde hat am Ende des Romans einen weiteren, so kurioseren Auftritt. Paul Alfred Müller kann mit Außerirdischen im Allgemeinen nichts anfangen, aber irgendwie erinnert die Figur an eine menschliche Variante von Rhodans "ES". Ein wenig allwissend, gefällig bis arrogant. Die später auf der fremden Welt spielenden Szenen könnten an eine Art surrealistischen Alptraum erinnern, würden sie nicht den in der Theorie starken Mittelteil komplett unterminieren.

Dreißig Jahre sind auf der Erde seit dem Abflug der Astronauten vergangen. Sie gelten als tot. Nach ihrer Rückkehr auf die Erde werden sie für kurze Zeit in ärztlichen Gewahrsam genommen. Danach wird einem der Männer eine junge Frau an die Seite gestellt, die ein Ebenbild seiner damaligen Ehefrau sein könnte. Gemeinsam besuchen sie seine damalige, inzwischen wieder verheiratete Frau. Es ist eine von zwei tragischen Szenen voller Potential und Konfliktstoffen, aus denen Paul Alfred Müller schriftstellerisch enttäuschend sehr wenig macht. Als sich der Astronaut und seine Frau gegenüber stehen, löst sich deren bislang beschauliche Welt im Grunde auf. Sie hat als unwissende Bigamisten gelebt. Bevor die Emotionen gänzlich übersprühen, holen Soldaten oder Polizisten in Zivil die Frau und ihren jetzigen Ehemann ab. Die Regierung möchte nicht, dass die Öffentlichkeit von der Rückkehr der Astronauten erfährt. Sehr viel tragischer und intensiver ist die Begegnung eines anderen Teammitglieds mit seiner inzwischen erwachsenen Tochter, die als Alkoholikerin offensichtlich mit Prostitution und als Geliebte im Gangstermilieu ihr Geld verdient. Auch diese Szene wird zu wenig nachhaltig aufgelöst.

Als Alternative präsentiert Paul Alfred Müller einen weiteren Flug ins All. An Bord des neusten Raumschiffes fliegen die Astronauten wieder zu den Sternen. Das sie in technischer Hinsicht rückständig sind, ignoriert der Autor genau wie den fehlenden Realismus hinsichtlich des ehemaligen Staatspräsidentin, der zu Gunsten dieses Flugs zu den Sternen sein Amt abgibt.
Die Auflösung des Buches ignoriert die im starken und lesenswerten Mittelteil aufgeworfenen Fragen und präsentiert sich als nicht zufriedenstellende "Deus Ex Machina" Situation. Luftspringen über die Zeit.

Heinz J. Galle spricht in seinem Nachwort auch davon, dass Paul Alfred Müller diese Art von Unterhaltungsliteratur eher widerwillig geschrieben hat. Dieser Argumentation muss zum Teil widersprochen werden. Der Text verfügt über sehr viel ungehobenes Potential. Müller ist einer der wenigen Science Fiction Unterhaltungsautoren, der eine futuristisch technische Ebene sehr gut mit einem Familiendrama oder einem persönlichen Beziehungsgeflecht verbinden kann. Aus heutiger Sicht wirken diese nicht die Handlung treibenden Exkurse manchmal ein wenig naiv oder altbacken, aber sie runden die insbesondere bei einigen nicht in den Tiefen des Alls spielenden Romane die erzählerischen Aspekte zufriedenstellend ab. In „Sprung über die Zeit“ nutzt Paul Alfred Müller die von ihm aufgeworfenen Fragen viel zu wenig. Wie fühlt man sich, wenn man seiner plötzlich dreißig Jahre älteren Frau oder aus dem Nichts seiner erwachsenen Tochter begegnet. Darf man sich in ein Mädchen verlieben, dass der Mutter sehr ähnlich sieht, wenn man einmal ohne verheiratet gewesen zu sein in die Mutter verliebt gewesen ist? Gibt es zweite Chancen im Leben. Die Antworten sind teilweise kümmerlich und das Ende leider wenig zufriedenstellend konstruiert.
Zusammengefasst ein schwächerer, aber keinesfalls auf allen Ebenen enttäuschender Roman Paul Alfred Müllers, der in Heinz J. Galles interessanten und wie immer reichhaltig bebilderten Nachwort ein wenig zu schlecht wegkommt.


Paul Alfred Müller: "Sprung über die Zeit"
Roman, Softcover, 154 Seiten
Dieter von Reeken 2012

ISBN 9-7839-4067-9680

Weitere Bücher von Paul Alfred Müller:
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer
 - Jan Mayen 6
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM über der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 12
 - Jan Mayen Band 2
 - Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo
 - Jan Mayen Band 7
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel
 - Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel

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