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Science Fiction (diverse)



Paul Alfred Müller

Jan Mayen Band 12

rezensiert von Thomas Harbach

In noch nicht einmal eineinhalb Jahren haben Dieter von Reeken und Heinz J. Galle die einhundertzwanzig Hefte der „Jan Mayen“ Ausgabe in zehn lesenswerten und optisch auch schön, aber nicht zu übertrieben gestalteten, reichhaltig illustrierten Paperbacks veröffentlicht. Alleine diese Arbeit – sie steht der „Kollektion Laßwitz“ in keinster Weise nach, auch wenn Paul Alfred Müller eher als arbeitender Unterhalter und nicht wie Laßwitz inzwischen anerkannter Vater der Science Fiction gesehen wird – gebührt Anerkennung. Ein wenig Wehmut schwingt in dem wieder ausführlichen, Müllers Inspirationen sowie seine technischen Ideen solide zusammenfassenden Vorwort mit.


"Riss in der Südsee" (Band 111) schließt die Abenteuer um den mechanischen Garten ab, der sich weniger als virtuelle Spielwiese entpuppt, sondern ein komplexes "Krankenhaus" ist, in dem der Unternehmer Whistler seiner Asthma kranken Tochter eine perfekte, mit reiner Luft versehene aus seiner Sicht lebenslang haltende Umgebung erschaffen hat. Diese faszinierende künstliche Welt gerät aus den Fugen und beginnt sich nicht zuletzt dank der Titel gebenden Risse im Wasserbecken der künstlichen Südsee selbst aufzulösen. Jan Mayen und Barry können sich zusammen mit Whistler in letzter Sekunde retten. Auf der emotionalen Ebene zimmert Paul Alfred Müller ein etwas gewöhnungsbedürftiges Happy End. Es ist schade, dass diese gigantische vom Autoren phantasievoll gestaltete Kunstwelt untergegangen ist. Der Roman lebt von den Hintergrundbeschreibungen, während die eigentliche Handlung sehr schematisch verläuft. Der Auftakt der Geschichte mit einem orientierungslos herumwandelnden und gleichzeitig philosophierenden Barry ist im Vergleich zum restlichen Plot sehr interessant mit einem humorvollen Unterton geschrieben worden.

Dagegen steht im folgenden Doppelroman "Verbrechen mit Wasserstoff" / "Männer im Nebel" weniger der technische Aspekt im Mittelpunkt der Handlung, als dass Paul Alfred Müller einen sehr geradlinigen Kriminalstoff mit entsprechenden Intrigen präsentiert, der sich unterhaltsam liest, in "Männer im Nebel" aber ein wenig zu sehr auf das Niveau einer Kitschkomödie mit weniger ernsten Untertönen abgleitet. Jan Mayen und Barry sind Zeuge eines eher bizarren Verkehrsunfalls, bei dem der Fahrer ums Leben kommt. Sie können eine junge offensichtlich indische Frau retten, die sich als die Herrscherin, die Begam von Boghal, entpuppt. Sie versucht von San Franzisko rechtzeitig in ihre Heimat zurückzukommen, wo sich eine Opposition gegen ihre westlich freizügigere Lebensart gebildet hat. Wenn sie nicht bis zu einem festgelegten Datum in ihre Heimat zurückgekehrt ist, verliert sie ihren Anspruch auf den Thron. Eine Reihe eher bizarrer Unfälle an den von ihr gewählten Reiseverkehrsmittels - Schiff, Flugzeug und schließlich jetzt Auto - halten sie in den Staaten fest. Jan Mayen kommt den Hintermännern sehr schnell auf die Spur, wobei es nur einen Hauptverdächtigen geben kann. So spannend wie geradlinig die grundlegende Handlung auch sein mag, der Leser wünscht sich mehr Informationen über die Ziel gerichtete Nutzung des Wasserstoffs als effektive Waffe, mit der unter anderem die gigantischen Schiffsschrauben eines Überseedampfers gelöst werden können. Die von Paul Alfred Müller präsentierten Erläuterungen sind ein wenig spärlich und gehen schließlich in der Jagd nach den Hintermännern bis ins tiefste Chinatown führend förmlich unter.
„Männer im Nebel“ beginnt mit einem Lockruf Jan Mayens, der ihn zusammen mit Barry und Bunny nach Indien führt. Als Barry auf offener Straße entführt wird, wendet sich Jan Mayen eher widerwillig an die Begam, die den jungen Mann endlich zu ihrem Gatten machen möchte. Auch Micero hält sich in dem Palast auf. Bunny versucht seinen Herren in einer spektakulären Aktion aus dem Palast zu befreien. Während sich Paul Alfred Müller in der ersten, zwar stimmungsvollen, aber handlungstechnisch ein wenig zu schleppenden Hälfte des Romans in der indischen Kultur und ihrem vielschichtigen Kastensystem verfängt, präsentiert er mit den Männern im Nebel eine spektakuläre Befreiungsaktion, die zu den stimmungstechnisch besten der ganzen Serie gehört. Und das will angesichts der vielen Entführungsszenarien, die Paul Alfred Müller mit Vorliebe hernimmt etwas heißen.
Wie immer in der Serie zieht Micero den kürzeren, wobei die kurzzeitig fatalistische Einstellung des Erzschurken logisch konsequent denn überraschend ist. Obwohl sich die „Jan Mayen“ Serie handlungstechnisch ihrem Ende nähert, möchte Müller anscheinend nicht auf Micero verzichten und zerrt einen wie Heinz Galle nicht ohne Ironie anmerkt schon im sechsten Heftroman erschossenen Schurken aus der Versenkung. Mit den Millionen der brüskierten und vor ihrem nur in der Einbildung existierenden Altar sitzen gelassenen Begam verfügt Micero wieder über das ausreichende Spielkapital. Es ist interessant zu verfolgen, wie Paul Alfred Müller in extremer Zeitraffung wichtige Fakten auf der letzten Seite des Heftromans zusammenfasst, um über Basen zu verfügen, die erst teilweise erst sehr viel später nutzt.
In „Die Falle“ verschwinden wichtige Angestellte einer Tarnfirma Jan Mayens spurlos. Als Jan Mayen die Untersuchungen aufnimmt, scheitern weitere Entführungsversuche. „Die Falle“ präsentiert sich als ausgesprochen geradlinige Geschichte, die aber unter der nicht nur hier zu findenden Häufung von Entführungen leidet. Vor allem kommt Jan Mayen den Handlangern Miceros sehr viel schneller auf die Schliche als es für den Gesamtroman gut ist. „Die Falle“ leidet unter dem beginnenden Endkonflikt, in dessen Verlauf Micero in „Der Fingerabdruck“ elegant beseitigt wird. „Das belagerte Haus“ und „Der Fingerabdruck“ bereiten auf ungewöhnliche Art und Weise die Welt auf die Grönland bevorstehenden Veränderungen vor. Um sich vor weiteren Anschlägen insbesondere Miceros zu schützen, greift Jan Mayen zu einem ungewöhnlichen, aber auch angesichts seiner bislang überwiegend humanitären Handlungen unschuldigen Gegenüber fragwürdigen Mittel. Die Angestellte Ingeborg Vondeeren sieht Mayens Verlobten Ursula van Thiel ähnlich. Ohne es zu ahnen beginnt sie ein halbes Jahr vor den beschriebenen Ereignissen gegen einen hohen Geldbeitrag die Rolle Ursula von Thiels zu übernehmen. Dabei soll sie von Mayens Männern geschützt werden. Trotzdem wird sie mit einem originellen Trick aus einem bewachten Haus entführt. Die Verbrecher wollen damit Jan Mayen in ihre Gewalt bringen. Mayen kontert nicht nur mit einer Belohnung von 10.000 Pfund für hilfreiche Hinweise in den wichtigsten Tagespressen, er lässt dank befreundeter Journalisten seine Pläne der Weltöffentlichkeit vorstellen.
Der Doppelband ist - wie schon angesprochen - Ziel fördernd und fragwürdig zu gleich. Das Jan Mayen eine Unschuldige absichtlich als Köder einsetzt, um sich nicht erpressbar zu machen, widerspricht seinen bisherigen Charakterzügen und hinterlässt beim Leser keinen guten Eindruck. Nur in einem Abenteuerroman der dreißiger Jahre wirken Entführer so hilflos, ihren Forderungen entsprechenden Nachdruck zu geben. Auch die zahlreichen aufgrund der Belohnungen einflatternden Hinweise führen sehr schnell auf die richtige Spur. In „Der Fingerabdruck“ wird die junge Frau von ihrem zukünftigen Ehemann - auch diese romantische Handlungsebene wirkt eher überstürzt und aufgesetzt - und Jan Mayens Männern befreit.
Sehr viel interessanter sind die politischen Reaktionen auf Jan Mayens Ankündigung, eine künstliche Sonne über Grönland bzw. Thule aufgehen zu lassen und damit Lebensraum für Millionen von Menschen zu schaffen. In prächtiger Hans Dominik Manier führt Jan Mayen dank der zahlreichen, in den bisher veröffentlichten Romanen eingesammelten Erfindungen die Grönland umgebenden Nationen in die Irre und schaltet Teile ihrer Streitkräfte sehr unblutig aus. Viele dieser Ereignisse werden wie für Paul Alfred Müller sowie später Kurt Brand typisch aus der subjektiven Perspektive der Weltpresse erzählt. Bei den ganzen Ereignissen geht Paul Alfred Müller mit seinem inzwischen nationalsozialistischen Heimatland sehr wohlwollend um. Ein dickes Fell haben sich die Deutschen gegenüber den natürlich die Wahrheit verdrehenden Anfeindungen aus dem Ausland angeschafft. Zurückhaltend reagieren sie auf die Provokationen, wo doch Deutschland dann Jan Mayens deutschen Wurzeln und dem Einsatz überwiegend deutscher Wissenschaftler den Lebensraum Grönland schon indirekt annektiert hat. Ohne zu nationalistisch zu werden, unterstreicht Paul Alfred Müller den neuen Geist auf Thule, das wie Heinz Galle und Dieter von Reeken im Vorwort der Sammelausgabe noch einmal expliziert zitieren, kein Refugium für Asoziale und Nichtarier sein wird. Insbesondere „Der Fingerabdruck“ zeigt, wie geschickt die einzelnen technischen Ideen der bisherigen „Jan Mayen“ Romane unabhängig von den nicht immer akzeptablen semipolitischen Zwischentönen zusammenfallen. In vielerlei Hinsicht wirkt diese Doppelband wie eine absichtliche Zusammenfassung der bisherigen Serie, wobei der Abschlussroman „Sonne über Thule“ nicht ganz befriedigend eine ähnliche Funktion erfüllt.
Dazwischen hat Müller neben dem die Thulehandlung vorantreibenden „Der Goldberg“ noch eine eher an H.G. Wells erinnernde untypische und überzogen erscheinende Invasion-aus-dem-All Geschichte integriert, die auch den bisherigen Hohlweltansätzen zumindest indirekt widerspricht.
Mit „Der Goldberg“ (Band 117) gelingt dem Autoren noch einmal ein stringenter Abenteuerroman vor einer exotischen Kulisse, dem aber die atmosphärische Stimmigkeit früher „Jan Mayen“ Abenteuer fehlt.

"Der Goldberg" beginnt fast klassisch mit dem Fund einer in einem Spiegel versteckten Karte, die auf den sprichwörtlichen Berg aus Gold in Alaska hinweist. Als die beiden Finder zusammen mit einem für diese Mission angeheuerten Geschäftspartner in der Nähe des Berges landen, werden sie aus einer Hütte beschossen. Die Handlung dieser Abenteuergeschichte wird geradlinig ohne größere Schnörkel erzählt. Paul Alfred Müller entlarvt die großen Mienenkonzerne als Betrüger und Halsabschneider, während die Individualisten zumindest ein wenig Ehrlichkeit versprechen. In der zweiten Hälfte des Romans integriert der Autor nicht ungeschickt das Abschmelzen der Grönlandeisflächen und das Auftauchen der zweiten Sonne, in dem sich am Fuß des Goldbergs einer von Jan Mayens Beobachtungsposten befindet. Das Happy End ist nur konsequent, auch wenn es ausgesprochen zuckersüß erscheint. Müller greift noch einmal die Alchemieidee des künstlichen Goldes auf, die im Grunde nicht zu Veränderungen in der Weltwirtschaft, sondern zu einem Zusammenbruch des in den dreißiger Jahren noch auf Goldstandards aufgebauten Finanzsystems führen wird.

"Riesen aus dem Weltenraum" und "Der letzte Riegel" (Band 118 und 119) sind in doppelter Hinsicht zwei kuriose Romane dieser Reihe. Sie kommen kurz vor der Vollendung des lange angestrebten Zieles und zwingen Jan Mayen in untypischer globaler Rettermanier, sein Vorhaben zu verschieben, um der Menschheit mit seinen zahlreichen Erfindungen zu Hilfe zu eilen. Zwischen den vordergründigen Aktionen finden sich immer wieder Hinweise, wie detailliert Jan Mayen die Menschheit auf die klimatischen Veränderungen vorbereitet. So schützt er Hammerfest durch eine unsichtbare Kuppel vor den möglichen Naturgewalten.

Zusätzlich handelt es sich um die einzige Invasion-aus-dem-All Geschichte sowohl der "Sun Koh" als auch "Jan Mayen" Serie. Gigantische Raumschiffe in Formation landen auf der Erde. Ihnen entsteigen "Riesen", welche die Menschen und ihre städte förmlich zertreten. Der Invasionsgeschichte fehlt trotz aller eher bizarrer Ideen die Faszination, die H.G. Wells und ihm folgend Orson Welles in seinem damals Welt bekannten Hörspiel erzeugen konnte. Die Idee, die Außerirdischen als Zyklopen mit einem Auge und einer auf den ersten Blick über die Raumschiffe und die plötzlich wie Insektennetze aus dem Hut gezauberten Schutzmasken hinausgehend eher primitiven Kultur zu beschreiben, scheitert an Müllers lustloser Ausführung. "Der letzte Riegel" beschreibt Jan Mayens Kampf gegen die Eindringlinge. Dank seiner überlegenen Flugschiffe kann er die Achillesferse der Fremden herausfinden, die darauf hin die Erde wieder verlassen, ihm aber ein gigantisches Elektronenmikroskop eher unfreiwillig zurücklassen, dass Jan Mayen demontieren und abtransportieren lässt. Dem Sieger gebührt die Ehre. Trotz der interessant beschriebenen Aktionszenen wünscht sich der Leser eher eine deutlich stringentere Zielführung auf den Höhepunkt der Serie als diese wenig überzeugend ausgeführte Ablenkung, die nicht einmal einen ganzen Heftroman anhält. Ein australischer Unternehmer plant pressetechnisch effektiv ein paralleles Abschmelzen des Südpols, was sich nach Jan Mayens Untersuchungen als gigantischer Werbegag herausstellt. Dieser Nachhang wirkt ebenfalls überflüssig, da Paul Alfred Müller im abschließenden Roman die Ereignisse über Gebühr und teilweise frustrierend kompakt darstellt. Zusätzlich zaubert Jan Mayen insbesondere beim Kampf gegen die Invasoren zu viele technische Hilfsmittel wie 500 Meter lange Flugschiffe aus dem Hut, die bislang in der Serie keine Rolle spielten und eine Art Mac Guffin Charakter hinterlassen.

„Sonne über Thule“ ist natürlich der absolut positiv Abschlussband der Serie. Paul Alfred Müller beschreibt die globalen Veränderungen auf einem fast verniedlichenden Niveau. Die Wüste wird urbar, die Wolkenmassen wie geplant abgelenkt. Zusätzlich wird nur das Binnenland Thules abgeschmolzen, das Eis am Küstenrand kann also die Funktion eines Wasserbeckens übernehmen. Angesichts der monumentalen Ereignisse fehlt dem Roman jegliche Dynamik und unterstreicht, dass Paul Alfred Müller sich hinsichtlich der Konzeption der ganzen Serie verkalkuliert hat. Zu sehr verliert er sich in unterhaltsamen Einzelabenteuern, die nur selten in einem wirklichen Zusammenhang mit dem großen Ziel stehen. Negative Folgen für die Nichtgrönländer sind ausschließlich selbst verursacht. Wenn Jan Mayen aus dem Off über die zukünftige diktatorisch demokratische von starker Bauernhand getragene soziale Ordnung auf Thule zu philosophieren beginnt, wirkt manche Bemerkung eher wie eine Verbeugung vor den neuen Herrschern Deutschlands als wirklich von Paul Alfred Müller durchdacht. Kein freier, sondern ein reiner Geist soll auf Thule herrschen. Heinz Galle geht in seinen Anmerkungen noch auf eine historisch kuriose Abschweifung Müllers ein, der eine Mischung aus Heuschreckenschwarm und Pest für die Flucht der Wikinger verantwortlich macht. Unabhängig von den technischen Errungenschaften und dem abschließenden Ideenreichtum sowie der detaillierten Planung, die in Müllers Leihbuch „Trauben aus Grönland“ zwei Jahrzehnte später eingeflossen sind, wirkt „Sonne über Thule“ eher negativ nach. Dem Abschlussband der Serie fehlt das erhabene Element. Vergleiche zum letzten „Sun Koh“ Band, in dem der Erbe von Atlantis endlich seinen Kontinent vom Meeresboden heben konnte, drängen sich angesichts der distanzierten, fast gelangweilten Schreibweise nicht auf. „Sonne über Thule“ zeigt wie einige andere Romane Müllers eindeutige Stärken in der intelligenten Extrapolation gegenwärtiger technischer Frühentwicklungen wie das drahtlose visuelle Telefonnetz, das Jan Mayen in seinen Außenposten installiert hat. Oder die modernen Flugzeuge. Selbst die Wunderwaffen wie die Nebelmaschine oder das zu einem Allzweckmittel umfunktionierte Tillyt werden noch einmal erwähnt. Insbesondere die Romane 110 bis 120 wirken wie ein Streifzug durch die „Jan Mayen“ Historie, wobei insbesondere die Antagonisten im Vergleich zu ihren ersten Auftritten eher wie blasse verängstigte Schemata erscheinen.
Viel Paul Alfred Müller Fans bevorzugen die Ideen reichere „Sun Koh“ Serie, die mit dem Titelhelden über einen charismatischen unfehlbaren „Doc Savage“ Klon verfügt. Jan Mayen ist ein eher unscheinbarer, aber nicht weniger entschlossener Charakter, der seine überdurchschnittlichen, aber nicht unglaubwürdigen geistigen Fähigkeiten effektiv einsetzt, aber nicht über einen perfekten Körper verfügt, um seine „Führungsqualitäten“ auf den ersten Blick zu demonstrieren. Jan Mayen ist eher ein realistischer Teamplayer, der Aufgaben an die zahlreichen, auf seinen Abenteuern direkt oder indirekt angeworbenen Spezialisten delegieren kann, die vor allem auch in den letzten Heften selbstständig und Ziel führend arbeiten können. Im Vergleich zu anderen utopischen Werken dieser Epoche hält sich Müller hinsichtlich deutschnationaler Exzesse spürbarer zurück. Erst in den letzten Heften scheint das überlegene Deutschtum und die Gründung einer arisch perfekten Nation ohne faule oder kriminelle Elemente sich durchsetzen zu wollen. Meistens kann Müller diese aus Jan Mayens Mund stammenden Entgleisungen zumindest durch dessen Handlungen ein wenig relativieren. „Jan Mayen“ ist im Vergleich zu „Sun Koh“ wahrscheinlich die realistischere und deutlich strukturierter verfasste Serie, während „Sun Koh“ damals wie heute für grenzenloser Phantasie und einen exotisch aussehenden und doch deutsch denkenden Überhelden – um den ausschließlich negativ besetzten Begriff des Übermenschen nicht zu benutzen – steht. Paul Alfred Müller hat sich bei beiden Serien nicht nur von den technischen Ideen inspirieren lassen, nicht selten sind von Heinz Galle für die Neuauflage die zahlreichen „Vorlagen“ minutiös angeführt worden. Bei den abschließenden Romanen hat Paul Alfred Müller unter anderem auf Hermann Oberths Idee vom Weltraumspiegel sowie bzgl. der Grundidee auf von Lafferts „Feuer am Nordpol“ zurückgegriffen, wo deutsche Ingenieure ebenfalls einen Staat namens Thule dem ewigen Eis abgewinnen.

Der Abschlussband der Serie ist zusätzlich mit einer Zusammenfassung aller „Jan Mayen“ Bände ausgestattet. Hinzu kommt eine Titelliste der Serie, die schon in allen bisher veröffentlichten Sammelbänden veröffentlicht worden ist. Die Abbildungen sind in bekannt hervorragender Qaulität und das Vorwort informativ, aber ein wenig kritischer als bei den bisherigen Sammelbänden gehalten. Ein überwiegend zufriedenstellender Abschlussband einer auch heute noch nicht nur auf literarisch historischen Aspekten lesenswerten und zu Unrecht zu sehr im Schatten „Sun Koh“s stehenden Serie.

Paul Alfred Müller: "Jan Mayen Band 12"
Anthologie, Softcover, 366 Seiten
Dieter von Reeken 2012

ISBN 9-7839-4067-9635

Weitere Bücher von Paul Alfred Müller:
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer
 - Jan Mayen 6
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM über der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 2
 - Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo
 - Jan Mayen Band 7
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sprung über die Zeit
 - Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel
 - Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel

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