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Science Fiction (diverse)



Paul Alfred MĂŒller

Jan Mayen Band 7

rezensiert von Thomas Harbach

Heinz J. Galle und Dieter von Reeken schreiben in ihrem gemeinsamen Vorwort zum siebenten „Jan Mayen“ Band, dass sich Paul Alfred MĂŒller wĂ€hrend der Entstehungszeit der Roman - die dreißiger Jahren zwischen den beiden signifikant die Entwicklung beeinflussenden Weltkriegen - im Zeitalter der technischen Großprojekte befunden hat. Wie schon in den vorangegangenen SammelbĂ€nden wechseln sich dabei die Themen ab, wobei Paul Alfred MĂŒller nicht nur auf reale Entwicklungen reagiert, sondern Theorien und Thesen in die abenteuerlichen Plots einbaut.
„Das Meer in Afrika“ basiert auf der Idee des deutschen Ingenieurs Sörgels, welcher mit einem Damm von Gibraltar nach Afrika das Mittelmeer absperren wollte. Hier geht es um die kĂŒnstliche Schaffung eines Sees im Belgisch- Kongo, um aus dem fĂŒr Weiße unertrĂ€glichen Land eine potentielle lebenswerte Kolonie zu machen, in welcher unter FĂŒhrung der EuropĂ€er die einheimischen „Neger“ zu bescheidenem Wohlstand kommen könnten. Wie einige andere Geschichten dieser Sammlung besteht der eigentliche Plot aus einer in diesem Fall gut gemeinten EntfĂŒhrung der Erbin weiter Landstriche, die fĂŒr den Plan Reynolds zur Errichtung des Damms wichtig sind. DarĂŒber hinaus hat sich der smarte Mann in die attraktive Erbin verliebt. Jan Mayen ist durch einen Zufall in den Besitz der Erbscheine gekommen und kann schließlich in einem ĂŒberstĂŒrzten Ende das Paar zusammenfĂŒhren und Afrika zumindest die blĂŒhenden Landschaften erhalten. „Das Meer in Afrika“ enthĂ€lt ausgesprochen viel ungenutztes Potential. Die grundlegende Idee ist faszinierend, wird aber nur in der Theorie angerissen. Der Planer Reynolds hat sich nicht nur ĂŒber die Folgen der Flussstauung Gedanken gemacht hat, sondern plant mit zentrierten AbflĂŒssen eine Art zweiten Nil ĂŒber den Staudamm hinaus zu schaffen, der weite Teile Mittelafrikas bewohnbar macht. Die aus heutiger Sicht fragwĂŒrdigen, kolonialistischen Zwischentöne erinnern eher an utopisch technische Romane aus der Feder Hans Dominiks, wobei die bisherige Politik der ĂŒber den Kongo herrschenden Belgier stark kritisiert wird. Es ist auch nicht klar, woher Reynolds die finanziellen Möglichkeiten hat, neben dem Erwerb des Landes auch die Anschubfinanzierung zu stemmen. Der eigentliche Plot besteht aus einer Reihe von teilweise stark konstruierten ZufĂ€llen, wobei insbesondere die Charakterisierung der Nebenfiguren im Vergleich zu anderen Heftromanen der Serie stark klischeehaft ist. Wie schon angesprochen ist das Ende ĂŒberstĂŒrzt und zu simpel mit einer direkten Ausschaltung der Schurken, die unter den geerbten LandflĂ€chen reichhaltige BodenschĂ€tze vermutet haben.

Der nĂ€chste Roman und Auftakt eines Mehrteilers „Der Regenprofessor“ spielt nicht nur am Rand der Weltausstellung in New York, sondern handelt wieder von der phantastischen Erfindung eines Einzelnen, die Jan Mayen bei der Besiedelung Grönlands nutzbringend einsetzen könnte. Wie viele „Sun Koh“ und „Jan Mayen“ Abenteuer beginnt der Plot mit einem Paukenschlag. Ein im Hafen von New York liegendes Frachtschiff verschwindet fĂŒr kurze Zeit hinter einer Wand aus gefrorenem Wasser. Das von dem Professor und seinem „Sohn“ erfundene Tillyt kann sowohl Regenströme hervorzaubern, als auch Großwetterlagen beeinflussen. Jan Mayen kauft die Erfindung quasi per Handschlag, um sie dann mit dem Verschwinden des Professors zumindest nach menschlichem Ermessen wieder zu verlieren. Im Vergleich zu anderen in die Serie eingefĂŒhrten magischen Werkstoffen wie „Violan“ verlĂ€uft „Der Regenprofessor“ bis auf eine Wendung gegen Ende des offenen Plots ausgesprochen stringent. Im Vergleich zu anderen „Jan Mayen“ Abenteuern werden die potentiellen Antagonisten weniger brutal charismatisch, sondern sozial anerkannter und etablierter beschrieben, was es Jan Mayen auch schwerer macht, die jeweiligen Erfindungen fĂŒr die Zukunft Grönlands zu erwerben. Das Ende des vorliegenden Heftes muss man fast zweimal lesen, um die subtilen, unauffĂ€lligen Zwischentöne zu verstehen. Im Mittelteil dieser Hefttrilogien werden die sagenhaften Erfindungen den naiven Professoren nicht selten von kapitalistisch orientierten Gaunern abgeluchst, die sie umgehend fĂŒr eine Reihe von Verbrechen einsetzen. So werden eine Reihe von unterschiedlichen MĂ€nnern durch „Die glĂ€serne Kugel“ firm Schock gefrostet. Jan Mayen versucht der Spur der Kugeln zu folgen, wĂ€hrend der naive Wissenschaftler mit seiner Tochter gefangen in einer reichhaltig ausgestatteten Villa auf einen erfolgreichen Abschluss der Verkaufsverhandlungen warten. Obwohl der Mittelteil ein wenig vorhersehbar und Jan Mayen Aktionen eher Zufallsbestimmt sind, gelingt es Paul Alfred MĂŒller doch solide, Spannung zu erzeugen. Die unheimliche Wirkung der glĂ€sernen Kugeln wird nicht zuletzt dank wechselnder Perspektive und einer Erweiterung der Handlungsperspektive mit neuen Charakteren - unter anderem einem Detektiv, der Jan Mayens Ermittlungsarbeit zumindest phasenweise gewachsen ist - packend beschrieben. Im abschließenden Band „Tillyt“ werden die einzelnen Spannungsbögen zum bekannten wie markanten Happy End gefĂŒhrt. Es ist selten, dass Jan Mayen nicht eine elementare Erfindung und die entsprechenden geistigen VĂ€ter fĂŒr sein Vorhaben rekrutieren kann. Um nicht zu sehr auf bekannte Schemata zurĂŒckzugreifen, hat Paul Alfred MĂŒller die Erfindung in die HĂ€nde zweier etwas unterschiedlicher Gangster - einem Erpresser und einem klassischen opportunistischen ZwischenhĂ€ndler - fallen lassen, von denen der eine nur ĂŒber eine Anzahl von Übungskugel verfĂŒgt, die nicht alle tödliche Mischungen erhalten. Es ist schade, dass einige der Nebenfiguren nicht zum ersten Mal im Verlaufe der Serie zu schematisch beschrieben werden und insbesondere die Namensgebende Tilly von einer selbstbewussten und aufmerksamen Frau zum potentiellen Heimchen am Herd reduziert wird.
WĂ€hrend Paul Alfred MĂŒller die „Tillyt“ Handlung in einem „Sun Koh“ Leihbuch wieder aufgenommen hat, erschien der folgende Vierteiler serienunabhĂ€ngig als Leihbuch unter dem Titel“ Das Ende des Golfstroms“ in den fĂŒnfziger Jahren.
Die vier BĂ€nde „Alarm ĂŒber Europa“, „Heiho- Ohio!“, „Zusammenbruch am Golfstorm“ und „Mr. Steele lĂ€chelt“ (Jan Mayen Band 65 bis 68) beschĂ€ftigen sich mit einer Verlagerung des fĂŒr Europa lebenswichtigen Golfstroms durch eine Sperrung der Meerenge bei Florida. Wie Heinz J. Galle und Dieter von Reeken in ihrem informativen Vorwort herausarbeiten, kein ganz neues Thema. Schon zwanzig Jahre vor den „Jan Mayen“ Heften setzten sich eine Reihe von utopisch technischen Texten mit dieser fĂŒr Europa fatalen Situation auseinander. Das interessante an Paul Alfred MĂŒllers Romanen ist der ĂŒber die Verlagerung des Golfstroms hinaus eskalierende Konflikt zwischen Europa und den USA, der dank geschickter Nadelstiche in einem echten Weltkrieg mĂŒnden soll. Eine Idee, die aus Sicht des nationalsozialistischen Deutschlands keine fĂŒnf Jahre spĂ€ter bittere RealitĂ€t werden sollte. Was anfĂ€nglich als das Projekt eines exzentrischen MillionĂ€rs Mr. Steele und seinem aus Europa vertriebenen Helfer Madden ausschaut, wird nicht zu letzt dank des effektiven Einsatzes der Presse zum Funken, der das Pulverfass des Kriegs zu ĂŒberlaufen bringt. Auch wenn die Auflösung des Plots angesichts der insbesondere im ersten Roman „Alarm ĂŒber Europa“ ausgezeichneten PrĂ€misse ein wenig enttĂ€uschend und vor allem angesichts Paul Alfred MĂŒllers zahlreicher manchmal sehr belehrender Exkursion in physikalische und technische Bereiche enttĂ€uschend erscheint, so ĂŒberrascht sie durch ihre Ambivalenz. Zumindest verzichtet der Autor auf die deutschen Ingenieurstugenden, die Hans Dominik in seinen zeitgleich veröffentlichten Romanen so sehr beschworen hat. Jan Mayen und Barry stoßen durch einen abenteuerlichen Zufall - sie haben ihr Schiff von New York nach Europa verpasst und lassen sich vom Flugzeug abseilen anstatt logischerweise gleich durchzufliegen - auf den aggressiven Madden, der als Krimineller aus Europa verbannt inzwischen auf Rache am ganzen Kontinent sinnt. Zeitgleich sorgen die PlĂ€ne Mr. Steeles, dessen Herkunft ein Geheimnis ist, die Meerenge zwischen den Bahamas und Florida durch einen Damm zu sperren, in Europa fĂŒr Unruhe. Jan Mayen und Barry schmuggeln sich unter die rekurrierten Arbeiter. An Bord des SeelenverkĂ€ufers „Ohio“ kommen sie schließlich ĂŒber SchlĂ€gereien an Bord und einen Schiffbruch unmittelbar vor der KĂŒste an der Baustelle an, wo sie erkennen mĂŒssen, dass die Zementarbeiten am eigentlichen Damm sabotiert werden, wĂ€hrend ein gigantischer Turm mit mahnenden Worten ohne Probleme daneben errichtet wird.
Anschließend versuchen Jan Mayen und Barry sowohl Madden als auch Mr. Steele in London zu finden und ihre zumindest fĂŒr Jan Mayen nicht mehr logischen PlĂ€ne zu durchkreuzen.

Der Vierteiler ist ohne Frage der Höhepunkt des vorliegenden siebenten Sammelbandes. Nach einem dynamischen Auftakt greift Paul Alfred MĂŒller nicht auf die inzwischen schematischen EntfĂŒhrungen zurĂŒck. Insbesondere Barry wird aus verschiedenen brenzligen Situationen gerettet, ohne das die Motive des geheimnisvollen Retters erkennbar sind. Erst am Ende versucht Paul Alfred MĂŒller diesen emotionalen, aber nicht ĂŒberzeugenden Handlungsstrang zufrieden stellend abzuschließen. Zu den besten Passagen des Vierteilers gehört die Planung des Dammes. Hier fĂŒgt der Autor sein breites technisches Wissen unauffĂ€llig dem Plot hinzu. Die Actionszenen sind wohl dosiert. Viele globale Ereignisse werden ausschließlich mittels fiktiver Zeitungsartikel ausgesprochen kompakt berichtet, was der Geschichte sehr viel Dynamik und deutlich mehr GlaubwĂŒrdigkeit gibt als der unbesiegbare Held, der an allen Brennpunkten zugleich in Erscheinung tritt. Der Beruf des Reporters und die Macht der Medien haben MĂŒller schon immer begeistert, in keinem der bisherigen „Jan Mayen“ Mehrteiler hat er die Schreiberlinge mehr glorifiziert. Wie schon angesprochen ist das Motiv der Umleitung des Golfstroms ein wenig fragwĂŒrdig, zumal aus technischer Sicht MĂŒllers Alter Ego Jan Mayen erlĂ€utert hat, das es in dieser Meerenge realisierbar ist. Mit dem ominösen Mr. Steele und dem bösartig arroganten Madden verfĂŒgt der Autor ĂŒber zwei ausgesprochen gut gezeichnete Antagonisten; im zweiten Heftroman „Heiho- Ohio!“ fasst der Autor alle Klischees der modernen christlichen Seefahrt zusammen und integriert Jan Mayen sowie Barry als verkleidete Geheimagenten in dieses einzigartige Milieu. Das Ende in „Mr. Steele lĂ€chelt“ ist trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit sehr solide geschrieben. Madden und Steele versuchen mit einem interessanten Trick Jan Mayen zu diskreditieren. Mit einem Schuss mehr utopisch technischen Spielereien hinsichtlich der Umleitung des Golfstroms wĂ€re der vorliegende Vierteiler perfekt gewesen, so stellt er zumindest einen Höhepunkt der Serie dar.

„Der Mann ohne Kopf“ und „Die Unsichtbaren“ schließen den vorliegenden siebenten Sammelband ab. Der Mehrteiler wird allerdings erst im folgenden Band abgeschlossen. Paul Alfred MĂŒller nimmt sich des im Grunde ewigen Themas der Tarnkappe oder Laurins Mantel an. Ein Mann ohne Kopf - der Autor liefert fĂŒr das Ablenken der Lichtstrahlen eine ĂŒberzeugende technische ErlĂ€uterung nach - prĂ€sentiert sich einem verblĂŒfften Reporter, bevor er kurze Zeit spĂ€ter als Unsichtbarer mit BankĂŒberfĂ€llen beginnt. Dabei lockt er die Aufmerksamkeit von Miceros Adjutanten auf diese Bahnbrechende Erfindung, der sie in „Die Unsichtbaren“ nutzt, um im Nordwerk den dort gefangen gehaltenen Micero zu befreien. Eine ausgesprochen geradlinige ErzĂ€hlung, die in ihrem ersten Teil bis auf einen ominösen Hinweis positiv ganz auf Jan Mayen und sein Team verzichtet. Der Einbruch in das sehr gut gesicherte Nordwerk in Grönland ist sehr spannend beschrieben, auch wenn Jan Mayens Aufruf an die dort Angestellten mit einem schmetternden „Kameraden“ eingeleitet eher an die Nationalsozialisten erinnert und einem „Sun Koh“ in dieser Form nicht ĂŒber die Lippen gekommen wĂ€re. Auch wenn die Idee der Tarnkappe nicht neu ist, und Jan Mayen bislang offen gegen alle Erfindungen gewesen ist, ist es erstaunlich, dass er erstens die Presseberichte aus Berlin nicht zumindest zur Kenntnis genommen hat und zweitens sicherlich aus spannungstechnischen GrĂŒnden verzögert reagiert. Der Cliffhangar am Ende mit einem entfĂŒhrten wie verletzten Bunny ist solide, zumal Barry zum ersten Mal eine außerordentliche wie in der RealitĂ€t auch unmögliche Heldentat gelungen ist.

Im Vergleich zu den letzten beiden SammelbĂ€nden ist die QualitĂ€t der hier versammelten „Jan Mayen“ Romane ĂŒberdurchschnittlich. Wie schon angesprochen gehört der Vierteiler um die Ablenkung des Golfstroms zu den Höhepunkten der Sammlung, aber auch der Dreh von einer klassischen „Verbrecher“ Geschichte, die zeitgleich mit Filmen wie „Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt“ entstanden ist zu einer strategisch gut geplanten Action gegen Jan Mayens Nordwerk ist gelungen. Die Ausstattung des Sammelbandes ist von bekannter und gewohnter QualitĂ€t mit einem sehr guten Vorwort der beiden Herausgeber und wieder exzellenter Wiedergabe der Titelbilder der Originalausgabe.

Paul Alfred MĂŒller: "Jan Mayen Band 7"
Roman, Softcover, 327 Seiten
Dieter von Reeken 2011

ISBN 9-7839-4067-9543

Weitere Bücher von Paul Alfred MĂŒller:
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer
 - Jan Mayen 6
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM ĂŒber der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 12
 - Jan Mayen Band 2
 - Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sprung ĂŒber die Zeit
 - Sun Koh 1- Ein Mann fĂ€llt vom Himmel
 - Sun Koh- Ein Mann fĂ€llt vom Himmel

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