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Science Fiction (diverse)



Paul Alfred Müller

Jan Mayen 6

rezensiert von Thomas Harbach

Heinz J. Galle und Dieter von Reeken sprechen in ihrem Vorwort von Paul Alfred Müllers Tendenz, für spätere Buchausgaben Plots über vier Hefte zu strecken. Erwähnt wird allerdings nur ein im sechsten „Jan Mayen“ veröffentlichter Dreiteiler. In erster Linie hat der Autor bislang eher Doppelbände zu späteren Leihbuchausgaben erweitert. Mit dem Übergang zwischen der fünften und sechsten Buchausgabe wird das ein wenig anders. Paul Alfred Müllers „Überfall am Kranichfluss“ – Band 51 – ist nicht nur der Anschlussroman zu „Jim, der Schläfer“, sondern bildet das Fundament der kommenden zwei Bände, in denen Jan Mayen versucht, das aufgefundene Gold zu Geld zu machen.
Am Anfang von „Überfall am Kranichfluss“ steht – ungewöhnlich für Jan Mayen – eine Zusammenfassung des bisherigen Plots. Danach löst der Autor die zahlreichen Handlungsfäden um Jan Mayens Goldfund, sowie die aus dem angestürzten Flugzeug geborgenen Goldbarren auf. Grundsätzlich wird ein stringentes Abenteuergarn präsentiert, in dem die Handlanger der Schurken sich eher als dümmliche Opportunisten erweisen und der eigentliche Schurke am Ende von eigener Hand – wenn auch als unwahrscheinlicher Unglücksfall beschrieben – stirbt. Paul Alfred Müller spielt routiniert über die ganze Bandbreite der Tastatur inklusiv platonischer Liebe, diversen Entführungen und schließlich einem zu hektischen Happy End inklusiv entsprechender Belohnung für die bekehrten Halbschurken. Die Geschichte bietet nur wenige originelle Ideen und ist weit von den technischen Kuriositäten entfernt, die eine Reihe von „Jan Mayen“ Romane von Paul Alfred Müller sehr phantasievoll extrapoliert auszeichnet, aber die beiden aufeinander folgenden Romane lesen sich ausgesprochen gut.
Zu den Höhepunkten der vorliegenden Sammlung gehört ohne Frage der Doppelband „Die gelben Barren“/“Der Doppelgänger“, dessen Inhalt Paul Alfred Müller zwei schon vorher veröffentlichten Sun Koh Heften entnommen und für „Jan Mayen“ umgearbeitet hat.
Jan Mayen und Don Rafael müssen die gigantischen Goldfunde, die sie im australischen Outback gefunden haben, zu Geld machen. Durch verschiedene Kanäle versuchen sie das Gold bei Banken einzutauschen. Da Jan Mayen inzwischen den Verdacht hat, dass ihre Pläne offen kundig sind, täuscht er seine möglichen Schatten, in dem er in seinem Flugzeug Messing statt des Goldes transportiert. Das Gold bringt Don Rafael auf ein dem Landweg zur Bank. Paul Alfred Müller nimmt sich sehr viel Zeit, etwas ironisch überspitzt und durchaus sarkastisch das nur auf den ersten Blick erwürdige Gehabe der Banken zu beschreiben, wobei die Interbankenkommunikation schon in den dreißiger Jahren sehr gut funktioniert hat. So weiß der Besitzer einer kleinen Privatbank, dass an verschiedenen Finanzplätzen von anscheinend Unbekannten größere Mengen von Gold angeboten worden sind. Als einer seiner Kunden ein ähnliches Angebot zu unterbreiten sucht, ist der Mann vorsichtig. Am Ende bleiben die beiden Männer überrascht wie verblüfft zurück, da sich das Gold anscheinend in Messing verwandelt hat. Don Rafael geht dagegen etwas geschickter vor, auch wenn das Anmieten eines Schließfaches und das sofort Angebot, das Gold zu verkaufen, eher der oben angesprochenen Methode entspricht. Wie schließlich die Verbrecherorganisation versucht, das Gold in den Besitz zu bringen, ist spannend, vielleicht ein wenig zu stark konstruiert, aber vor allem originell beschrieben worden. Das „Bäumchen- wechsel- Dich- Spiel“ endlich mal mit einem ebenbürtigen Gegner unterhält ausgezeichnet, auch wenn es unwahrscheinlich erscheint, das dieser bei einer Verzögerung von nur zehn Minuten gleich seinen Notfallplan in Gang setzt. Paul Alfred Müller doppelt in den beiden Heftromanen sehr gerne. Zweimal werden die Helden mit Gas außer Gefecht gesetzt, zweimal versuchen die Gangster mit nicht ganz perfekten Doppelgänger das Gold in Besitz zu nehmen. Dabei ist der Leser stets auf Augenhöhe des Geschehens, was die Spannung deutlich erhöht.

Mit einem geschickten wie hilfsbereiten Hoteldieb führt Paul Alfred Müller einen weiteren sympathisch bodenständigen Nebencharakter ein. Das Hotelschränke durchgängige Rückenwände haben erscheint eher wie eine Wunschvorstellung des Autoren, ist aber in diesem Fall handlungstechnisch ebenso effektiv wie das menschenfreundliche Vorgehen aller Verbrecher in den ersten Romanen dieser Sammlung. Don Rafael und Jan Mayen werden mehrmals mit einem schnell betäubenden Gas außer Gefecht gesetzt bzw. von den Schurken gefesselt zurückgelassen anstatt getötet. Sie kommen immer relativ schnell und effektiv wieder ins Spiel zurück, brauchen aber in den ersten drei Abenteuern Hilfe von außen. Dadurch wirken die vorliegenden Romane deutlich realistischer, auch wenn die Art der von Mayen und Don Rafael betriebene Geldwäsche sowohl für die damalige als auch heutige Zeit eher archaisch erscheint. Mit kleinen Bauerntricks und einer sehr interessanten kompakten Handlung gehören diese beiden Romane zu den Höhepunkten nicht nur der vorliegenden Sammlung, sondern der ganzen Serie. Auch die Plotauflösung ist deutlich effektiver, wirkt weniger überhastet und zeigt, dass Paul Alfred Müller nicht wie bei einigen anderen „Jan Mayen“ Abenteuer das Interesse am laufenden Abenteuer verloren und sich schon auf die nächsten Romane konzentriert hat.

Dagegen hat der Autor den folgenden Dreiteiler „Violan“, „Schatten hinter dem Vorhang“ und „50.000 Atmosphären gestohlen!“ (Band 54 bis 56) später zu einem „Sun Koh“ Abenteuer unter dem Titel des Auftaktbandes umgearbeitet. Es ist ein interessanter Dreiteiler, in dem Paul Alfred Müller wieder auf technische Ideen zurückgreift. Der Wissenschaftler Warton hat mit seinem Sohn seit vielen Jahren in dem selbst ausgerüsteten Laboratorium an verschiedenen Erfindungen gearbeitet. Anfänglich untersucht er bei einem ersten Besuch Jan Mayens verschiedene Lebensformen, die extreme Druckverhältnisse aushalten. Danach verabschiedet sich Jan Mayen über weite Strecken aus „Violan“, um auf den letzten Seiten zurückzukehren. Es ist nicht klar ersichtlich, wie viel Zeit zwischen den beiden Auftritten Jan Mayens vergeht, es reicht aber, um den ehrbaren biederen Wissenschaftler - Mitte vierzig, verwitwet - in Anlehnung an Heinrich Manns „Professor Unrat“ zu einem Wrack zu machen. Er verliebt sich in die deutlich jüngere Violan, die in erster Linie an seinem Geld interessiert ist. Mit ihrer Verschwendungssucht nimmt sie den hilflosen Wissenschaftler aus. Genüßlich zelebriert Paul Alfred Müller nicht nur den Altersunterschied, sondern beschreibt Violan anfänglich als naiv, dumm, berechnend und geistig einfach. Als Warton einen neuen Werkstoff - natürlich benannt nach seiner Frau - entdeckt, hofft er mit dem Verkauf der Erfindung die inzwischen angehäuften Schulden tilgen zu können. Nur zerfällt das Material - leicht wie Luft mit den Eigenschaften von Leichtmetall unter einem Überdruck von 50.000 Atmosphären hergestellt - nach drei Tagen. Violan möchte die Erfindung trotz der Bedenken Wartons an einen reichen Gönner verkaufen, der als Boten ausgerechnet Jan Mayen schickt. Während der erste Band den sozialen wie emotionalen Verfall Wartons beschreibt und aufgrund der gewählten Distanz ein wenig zu emotionslos, zu klischeehaft verläuft, ist der Mittelband „Schatten hinter dem Vorhang“ ein einzigartiges Kriminalstück. Aus Jan Mayens Tresor werden die Pläne und das Probematerial gestohlen, bevor der den entsprechenden Vertrag notariell aufsetzen kann. Es kommen aber insgesamt vier Personen in Frage. Der von seinem schlechten Gewissen geplagte Warton; dessen Sohn aus erster Ehe, der vielleicht ahnt, das das Material nicht stabil ist und seinen Vater vor der Schande bewahren möchte; Violan selbst, die verhindern möchte, das nach der Vertragsunterschrift irgendwelche Schadensersatzklagen die von ihr gemolkene „Kuh“ erreichen und ihr Bruder, den sie zum Diebstahl anstiften möchte. Die Polizei ist bei diesem Fall hilflos überfordert, wie der herbei gerufene Inspektor frustriert und verzweifelt auf den letzten Seiten seinem Vorgesetzten gesteht. Die Geschichte ist geradlinig, humorvoll und spannend. Paul Alfred Müller hat viel Spaß, im Grunde hinter jedem Vorhang einen neuen Verdächtigen hervorzuzaubern und keine Frage zu beantworten. Darauf konzentriert er sich schließlich im abschließenden dramatisch betitelten „50.000 Atmosphären gestohlen!“, da unter diesen extremen Druckverhältnissen der neue Wunderstoff Violan erst gefertigt werden kann. Obwohl zufriedenstellend geschrieben kann Paul Alfred Müller über weite Strecken inklusiv des etwas zu positiven Endes inklusiv der konsequenten Bestrafung der eigentlichen „Bösen“ kaum Spannung aufbauen. Don Rafael und Jan Mayen müssen erst einmal auf den Wissensstand des Lesers gebracht werden, was ein wenig holprig erfolgt. Der Fall mit mehreren Verdächtigen, die ohne gegenseitiges Wissen an einer einzigen Tat arbeiten, ist aber unterhaltsam.
Die Doppelgeschichte „Der Stellvertreter des Toten“/ „Die leeren Boote“ schlägt nicht nur zum ersten Mal seit gefühlten zwanzig Heften den Bogen nach Grönland und den dort entstehenden geheimen wie geheimnisvollen Industrieanlagen, die beiden Romane greifen plottechnisch wieder auf den scheinbar ewigen Antagonisten Micero sowie in einer kleinen Nebenrolle – wieder als Entführungsopfer – auf Ursula von Thiel zurück.
In „der Stellvertreter des Toten“ sucht der Reiseberichterstatter – Spezialist für schwierigste journalistische Situationen – Curly von seinem Chefredakteur neue Mittel für eine besonders aufregende wie gefährliche Mission. Curly will sich in Grönland einschleichen. Ein Gebiet, das gerade von Dänemark mit der Nutzung aller Resourcen auf neunundneunzig Jahre an eine Firma verpachtet worden ist. Durch einen Zufall findet Curly in Irland einen Toten, der bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Er hat einen Arbeitsvertrag und entsprechende Einreisepapiere nach Grönland. Er sollte dort als Pilot zwei Jahre arbeiten. Curly nimmt dessen Identität an und schleicht sich in Jan Mayens industrielle „Zentrale“, die fleißig am Plan arbeitet, Grönland wieder wie angeblich zu Zeiten der Wikinger bewohnbar zu machen.
Voller Bewunderung lernt Curly die modernen von einer geheimnisvollen Kraft angetriebenen Flugzeuge kennen. Als er auf Mission in den Norden zusammen mit einem Kameraden abstürzt, rettet ihm Jan Mayen persönlich das Leben. Ab dieser Sekunde setzt in Curly neben dem schlechten Gewissen ein Umdenkungsprozess ein. Die Schlagzeilen scheinen nicht mehr das Wichtigste zu sein, allerdings holt in die Vergangenheit gleich in zweifacher Form ein.
Die Handlung des Doppelbandes ist eher durchschnittlich, auch wenn Paul Alfred Müller einen wichtigen Charakter zwar heldenhaft, aber auch ein wenig überraschend auf den richtigen Pfad zurückkehrend sterben lässt. Es sind die technischen Entwicklungen- auch wenn Bezeichnungen wie „Nordwerk“ eher ungute Erinnerungen heraufbeschwören – und die unglaubwürdig idealisierte Arbeitsatmosphäre mit einem fairen Miteinander, die herausstechen. Viele in den vorangegangenen Bänden angesprochene Ideen sind umgesetzt worden. Im Gegensatz zu der „Ein-Mann-Operation“ Sun Kohs hat sich Jan Mayen parallel um die Beschaffung der notwendigen Mittel – siehe die diversen Goldoperationen – als auch die intellektuellen Größen gekümmert. Beides fließt natürlich ein wenig idealisiert hier zusammen. Insbesondere die Schutz seiner Anlage mit einem die Landschaft simulierenden durchlässigen Schirm, die unterirdischen Fertigungsanlagen oder die modernen Flugzeuge unterstreichen Paul Alfred Müllers Phantasie. Hier wird der im „Violan“ Dreiteiler begonnene Prozess vom Kriminalstück oder Abenteuergarn zur utopischen Erzählung fortgesetzt. Der Abschlussband „Die Sklavensteine“ ist dagegen enttäuschend. Jan Mayen und Don Rafael folgen Miceros Spur wieder nach Lateinamerika, obwohl er die Entführung der Frau nicht abschließen konnte. Sie stürzen über dem Dschungel ab, werden von Bluthunden aus einem nahen erstaunlicherweise Micero gehörenden „Sklavenlager“ angegriffen. Sie töten die Hunde, müssen dafür sich aber als Ausgleich Zwangsverpflichten. Bei erster Gelegenheit fliehen sie an Bord einer der Versorgungsmaschinen und stoßen durch einen Zufall wieder auf Micero. Während Paul Alfred Müller die unwirtlichen Arbeitsbedingungen im Lager ausgesprochen plastisch beschreibt, verläuft der eigentliche Plot nach einem fast mechanischen Schema. Er endet schließlich in einer insbesondere für den weiteren Handlungsverkauf Moebiusschleife, als Jan Mayen erkennt, dass die Entführung nicht gelungen ist. Der Leser beginnt sich zu fragen, ob Mayen nicht ein heimliches Vergnügen hat, Miceros Pläne immer wieder zu durchkreuzen als ihn endgültig auszuschalten.

„Der große Pavian“ ist der Auftakt eines neuen Mehrteilers. Dieses al führt der Weg der nur mittelbar in das Geschehen involvierten Vertrauten Mayen und Don Rafael nach Afrika, wo eine junge Frau um das Erbe ihres ermordeten Vaters gebracht werden soll. Paul Alfred Müller lässt sich ausgesprochen viel Zeit, die eher sperrige und irgendwie viktorianisch erscheinende Handlung zu entwickeln. Der sechzigste Roman endet mit einem echten Cliffhangar, wobei der Titelgebende Pavian eine wichtige Rolle spielt. Zeitweise fühlt sich der Leser aber eher an ein Tarzanabenteuer erinnert. Dafür sind die Nebenfiguren gut gezeichnet. Der ganze Handlungsbogen lässt sich sowieso erst am Anfang des nächsten Sammelbandes beurteilen.

Wie bei allen Veröffentlichungen der Reihe sind die Titelbilder sorgsam reproduziert worden. Die einleitenden Worte sind dieses Mal kürzer als gewohnt, aber Heinz Galle und Dieter von Reeken weisen auf die zahlreichen Recyclingansätze Müllers hin. Qualitativ sind die hier versammelten zehn Romanhefte deutlich stärker als die „Jan Mayen“ Bände 41 bis 50. Der übergeordnete Plot wird ebenso interessant behandelt wie wahnwitzige spektakuläre Erfindungen oder klassische Abenteuerstoffe, bei denen Paul Alfred Müller sich aber eher als routinierter denn inspirierter Erzähler erweist.

Paul Alfred Müller : "Jan Mayen 6"
Roman, Softcover, 315 Seiten
Dieter von Reeken 2011

ISBN 9-7839-4067-9512

Weitere Bücher von Paul Alfred Müller :
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM über der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 12
 - Jan Mayen Band 2
 - Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo
 - Jan Mayen Band 7
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sprung über die Zeit
 - Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel
 - Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel

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