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Science Fiction (diverse)



Paul Alfred Müller

Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem fünften Band der „Jan Mayen“ Reihe im Verlag Dieter von Reeken liegen die Romane 41 bis 50 in der bekannten sehr schönen Ausgestaltung vor. Während – wie Herausgeber Heinz J. Galle in seinem Vorwort neben zahlreichen Beispielen von Paul Alfred Müllers Ideenrecycling – die letzten zehn Hefte in erster Linie der Vorbereitung des großen Zieles – eine Sonne über Thule aufgehen zu lassen – gedient haben, handelt es sich bei den vorliegenden Einzelheften eher um abgeschlossene Abenteuergeschichten vor exotischen Schauplätzen, auf denen Jan Mayen eher durch einen Zufall als durch absichtliche Planung in Erscheinung tritt.
In seinem Vorwort macht sich Heinz J. Galle aber auch zu leicht, Paul Alfred Müllers Arbeitweise zu entschuldigen. Es ist ein Unterschied, aus einer Kurzgeschichte einen Roman zu machen und dabei die Grundprämisse nachhaltig zu erweitern oder schon veröffentlichte Romane kaum umzuschreiben und nur mit einem neuen Protagonisten – Sun Koh statt Jan Mayen – versehen zu veröffentlichen. Ob es gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Versionen gibt, arbeitet Heinz J. Galle nicht heraus. Wie sehr sich allerdings die „Sun Koh“ Geschichten – unabhängig vom großen Ziel, das in den letzten Romanen angegangen wird – von den hier zusammengefassten „Jan Mayen“ Texten teilweise unterscheiden oder auch nicht, muss der Leser selbst bestimmen. Heinz J. Galles Vergleiche sind in mehreren Fällen nicht ganz treffend. So hat neben Paul Alfred Müller auch Jules Verne Dumas „Der Graf von Monte Christo“ als Vorbild für einen eigenen Roman genommen: Matthias Sandorf. Allerdings hat Jules Verne im Gegensatz zu Paul Alfred Müller die grundlegend übereinstimmende Prämisse in der zweiten Hälfte seines Romans deutlich interessanter und vielschichtiger extrapoliert als es Paul Alfred Müller in „Sven Horre kehrt heim“ getan hat.

Der Doppelauftakt „Der Schatzsucher“ und „Sven Horre kehrt heim“ ist von Paul Alfred Müller nicht nur in einem späteren „Sun Koh“ Leihbuch wieder verwandt worden, sondern stellt eine dreiste Kopie Alexandre Dumas „Der Graf von Monte Christo“ dar. Heinz J. Galle gibt zwar in seinem Vorwort zu, dass Paul Alfred Müller sich auch an der im 19. Jahrhundert Europa erschütternden Dreyfuss Affäre orientiert hat, aber Jan Mayen fragt in „Der Schatzsucher“ expliziert den auf der Insel gestrandeten Sven Horre, ob er sich als Graf von Monte Christo fühlt. Während der ersten Band – Jan Mayen und seine Gefährten landen nach der Notwasserung am Ende des letzten Abenteuern auf einer einsamen Insel, auf der sie einen von einem schweren Stein teilweise begrabenen Mann finden, retten und gesundpflegen, der in der von dem Stein verschlossenen Höhle nach einem gigantischen, märchenhaften Schatz erfolgreich gesucht hat – stringent, handlungstechnisch aber eher arm und trotzdem unterhaltsam ist, folgt die Rachegeschichte in „Sven Horre kehrt heim“ dem aus dem Dumasroman – und nicht den zahllosen Verfilmungen – bekannten Muster aus Helfen und Bestrafen.
Vor dem melancholisch nordischen Hintergrund leidet der Doppelband aber unter der bekannten Prämisse, wobei die Strafe auf Hochverrat mit fünf Jahren Zuchthaus ausgesprochen milde und nicht zeitgemäß ausfällt. Im Gegensatz allerdings zum Grafen von Monte Christo ist Sven Horre nicht gänzlich von seinen Rachegelüsten durchdrungen. Er hilft seinen Freunden weniger mit direkten Geldgeschenken, sondern schenkt ihnen neue Existenzen, die sie mit viel Fleiß und Energie für sich ausbauen können. Seine Feinde bestraft er ebenfalls nicht direkt, sondern zwingt sie zur Aufgabe ihrer Lebensstile bzw. säht Zweifel bei den Mitbewohnern, die sie schließlich stürzen. Jan Mayen unterstützt Sven Horre eher indirekt, da er ihm die Rechte an großen Marmorvorkommen „abkauft“, die in unmittelbarer Nähe seiner zukünftigen Produktionsstätte in Grönland liegen. Bis auf die eigentliche Rettungsaktion auf der Insel und Jan Mayens interessantem Umgang mit einem zu geschäftstüchtigen Insulaner hält sich Paul Alfred Müllers Protagonist insbesondere bei „Sven Horre kehrt heim“ positiv für den bekannten Handlungskontext im Hintergrund. Die Figuren sind aber für die bisherigen Heftromane deutlich nuancierter, vielschichtiger, wenn auch stellenweise etwas karikierend beschreiben.
„Das perlende Meer“ ist der Auftakt eines eher für „Jan Mayen“ typischen Abenteuers voll interessanter wie außergewöhnlicher technischer Ideen, einer bodenständig erpresserischen Handlung und einer hektischen Auflösung. Es ist das Erste von insgesamt vier Einzelabenteuern, die Jan Mayen und unterschiedliche Mitglieder seines Teams in alle Ecken des Globus treibt. Durch eine Verwechselung wird Jan Mayen in die Ereignisse um das geheimnisvoll perlende Meer – der Ursprung ist dem Leser allerdings bekannt - mit einbezogen, wobei sowohl die Erpressung als auch die vorangegangene Entführung des verantwortlichen Professors sowie die schon angesprochene Verwechselung eher wie Versatzelement erscheinen, die Paul Alfred Müller nach Belieben in einer Reihe von Romanen benutzt hat. Die Auflösung des Plots und vor allem die Schaffung einer Abwehrmaßnahme der so gefährlichen Ultraschallwellen nehmen die letzten beiden Seiten des überhastet geschlossenen und unbefriedigenden Romans ein. “Das perlende Meer” hätte plottechnisch Platz für einen zweiten Roman gehabt. Als Doppelband solide konzipiert und vor allem etwas origineller strukturiert hätte der vorliegende Band zu den besseren Heften dieses Serienabschnitts gehören können.
So folgen sie der Spur ihres verschwundenen Bordingenieurs Hinrich in „Der weiße Hirsche“ bis ins tiefste Asien, retten auf dem Weg einem arroganten Engländer sein Leben und landen in einer Art archaischem Shangri- La, in dem allerdings der in Flugzeuge verliebte Herrscher eher ein Despot ist. Auch wenn die Auflösung ein wenig zu konstruiert erscheint, ist „Der weiße Herrscher“ ein geradliniges und sehr unterhaltsames Abenteuer. Noch interessanter ist „Die Seuche“. Durch einen Zufall erfährt Jan Mayen von einer Expedition in den Norden, deren Mitglieder alle an einer geheimnisvollen Seuche gestorben sind. Angeblich haben ihre Bohrungen unter die beständige Eisschicht nicht nur Fossilien ans Tageslicht befördert, sondern die tödliche Krankheit. Da Mayen seinen Freund Richter mit einem Zeppelin ebenfalls nach Norden geschickt hat, ist er besorgt. Bei der Rettungsaktion stellt sich die geheimnisvolle Seuche als Teil eines perfiden verbrecherischen Plans heraus. Wie andere Einzelromane hätte der Plot durchaus erweitert werden können. So wirkt das Ende konsequent, aber ein wenig überstürzt. Wie bei einigen anderen Romanen spielt über weite Strecke Jan Mayen keine Rolle, mit Richter verfügt die „Jan Mayen“ Serie aber über einen bodenständigen, besonnen handelnden Charakter, der eine idealere Ergänzung zum augenblicklich zu allwissenden Jan Mayen darstellt als zum Beispiel seine Helfer Barry und Bunny, von denen einer zum Arbeiten wie Lernen in die Zentrale nach Thule abkommandiert worden ist.
Mit „Der künstliche Acker“ nimmt sich Paul Alfred Müller wieder einem seiner weiteren Lieblingsthemen an. Der Kampf gegen den Hunger, gegen Missernten und eine ungerechte Nahrungsmittelverteilung durch die Züchtung von Pflanzen auf einer künstlich erzeugten, vom Mutterboden unabhängigen Nährflüssigkeit. Wie andere Wissenschaftler und Unternehmen sucht Jan Mayen diese spektakuläre Erfindung für seine Fabriken in Grönland zu erwerben, landet aber in der Hand von Verbrechern, die die zahlungskräftigen Kunden erst gefangen setzen, dann ausplündern und schließlich dem Hungertod in einer abgeschiedenen Hütte in Rumänien zu überlassen suchen. Nach diesem spektakulären Auftakt folgt eine rasante Verfolgungsjagd, in deren Verlauf die wahren Erfinder gefunden und die Verbrechen gestellt werden. Unabhängig von der technisch intelligent extrapolierten Idee handelt es sich bei „Der künstliche Acker“ um einen sehr stringenten, dynamisch wie packend erzählten Roman, in dem Jan Mayen lange Zeit den Ereignissen hinterherlaufen muss.
Bei den einzelnen Abenteuer dieser Sammlung mit großen Abstand der beste Roman, solide strukturiert mit einem interessanten, lange Zeit offenen Finale.

Die Idee des Perpetuum Mobiles, einer sich selbst generierenden, natürlichen Energiequelle hat Paul Alfred Müller immer wieder fasziniert. Wie ein roter Faden zieht sich diese Idee durch sein werk, wie Heinz J. Galle im Vorwort ausführlicher darstellt. Der Dreiteiler “Das sterbende Land”, “Das verlorene Wunder” und “Das unsichtbare Feuer” – Hefte 44 bis 46 - greifen aber auch die Idee der Nutzbarmachung durch Menschen verödeter fruchtbarer Landflächen ebenso auf. Sowohl in einem “Sun Koh” Romane als auch in einer Episode des schon im Dieter von Reeken Verlags veröffentlichten Episodenwerkes “Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg sowie dem Leihbuch “Und alle Feuer erlöschen auf Erden” finden sich die drei oben angesprochenen “Jan Mayen” Romane. Jan Mayen muss aufgrund defekter Zündkolben seines Flugzeuges in Dakota notlanden, wo er eine Handvoll Banditen bekämpft. Das Land ist nicht mehr bewohnbar, die Wasserflächen versiegt und der Boden unfurchtbar. Durch einen Zufall lernt Jan Mayen den Professor Sparring - ein deutscher Name - kennen, der in der Einsamkeit nur dank der Unterstützung seines treuen Dieners an einer unerschöpflichen Energiequelle arbeitet, welcher die Idee des “aufwärts fließenden Wassers”, also der Aufnahme und Speicherung von unerschöpflicher Energie durch eine Nutzung von verschiedenen Magnetfeldern in Form zweier kleiner Kugeln zu Grunde liegt. Bevor Sparring aber seine Erfindung der Welt präsentieren kann, wird er bei einem erneuten Überfall der Banditen tödlich verwundet. Sein Diener soll die Erfindung zu Jan Mayen bringen. Im Mittelband wird das Schicksal des armen auf der Straße lebenden James Harding beschrieben, der durch einen Zufall Sparrings Diener begegnet. Dieser hat einen Teil der Erfindung während seiner Suche nach Jan Mayen verloren. Hardings verzweifelter Versuch, die seltsamen Kugeln schnell zu Geld zu machen, in dem er sich selbst als Erfinder dieser Maschine ausgibt, scheitert. Harding erkennt, dass er nicht rechtens gehandelt hat und ist froh, dem kurze Zeit später in der Stadt residierenden Jan Mayen die Erfindung übergeben zu können. Im abschließenden Band wird nicht nur nach Sparrings verschwundenen Diener gefahndet, sondern am Ende der Bogen in die Einsamkeit der Wüsten Dakotas geschlagen, in der Jan Mayen die Pläne der Erfindung vor einigen Banditen retten muss. Sieht der Leser davon ab, dass Paul Alfred Müller die Idee mehrmals verwandt hat und betrachtet man die drei Jan Mayen Romane als eine Art Urfassung, der später der etwas strukturierter geschriebene “Und alle Feuer erlöschen auf Erden” folgen sollte, handelt es sich bei dem Dreiteiler um eine interessante, solide zwischen phantastischer technischer Idee sowie geradlinige nicht ausschließlich Action orientierter Handlung ausbalancierte und lesenswerte Geschichte.
„Jim, der Schläfer“ ist der Auftakt eines Doppelbandes, dessen Ende erst in der sechsten „Jan Mayen“ Sammlung veröffentlicht wird. Daher ist der ganze Plot schwer zu beurteilen. Nach einem interessanten Auftakt. Jan Mayen und Don Rafael stürzen mit einer ganzen Ladung Goldbarren über einem Dschungelgebiet ab. Sie retten sich mit Fallschirmen. Als sie das Flugzeugwrack finden, fehlt vom Gold jede Spur. Nur Fußspuren führen weg. Die Verfolgung lässt sie auf eine Gruppe von Abenteuern und Goldsuchern stoßen, von denen einer eine verborgene Goldader entdeckt hat und von denen ein Mann weiß, was mit dem Gold passiert ist. Wie schon angesprochen ist der Auftakt sehr spannend, auch wenn Paul Alfred Müller auf Bekanntes zurückgreift. Im Mittelteil des Romans führt der Autor eine Reihe von potentiellen Verdächtigen ein, wobei nur eine Figur so überzeugend charakterisiert worden ist, dass sie mit dem Goldraub - auch eher eine Art MacGuffin Idee - in einem näheren Zusammenhang stehen könnte. Während die exotischen Hintergründe sehr gut beschrieben worden sind, kommt die Handlung in der ersten Hälfte des Doppelromans zu schwerfällig in Fahrt, um überzeugen zu können. Ein abschließendes Urteil kann aber noch nicht gefällt werden.
Zusammengefasst ist der vorliegende fünfte „Jan Mayen“ Band qualitativ etwas schwächer als die bisherigen vier Sammelausgaben. Das liegt zum einen an der Tatsache, dass der rote Faden – die Schaffung eines bewohnbaren Grönlands – eher beiläufig vorangetrieben wird und zum anderen in der Präsentation der Hefte. Unabhängig von der einleitenden „Graf von Monte Christo“ Episode versetzt Paul Alfred Müller seine technisch wie für die Zeit außergewöhnlich modernen und ohne Frage faszinierenden Ideen – Ultraschallwellen, ein Energie Perpetuum Mobile - in leider zu bekannte Szenarien – Verwechselungen, Entführungen -, die er teilweise zu mechanisch erzählt. Auf der anderen Seite werden Sammler dieser grundsätzlich empfehlenswerten „Jan Mayen“ Edition auch den vorliegenden Band kaufen, zumal Verleger Dieter von Reeken sich wieder viel Mühe bei der Gestaltung des Paperbacks gegeben hat, während Heinz J. Galles Vorwort das teilweise etwas übertriebene Ideenrecycling Paul Alfred Müllers zu sehr in Schutz nimmt.

Paul Alfred Müller: "Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer"
Anthologie, Softcover, 314 Seiten
Dieter von Reeken 2011

ISBN 9-7839-4067-9499

Weitere Bücher von Paul Alfred Müller:
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 6
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM über der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 12
 - Jan Mayen Band 2
 - Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo
 - Jan Mayen Band 7
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sprung über die Zeit
 - Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel
 - Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel

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