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Science Fiction (diverse)



Paul Alfred Müller

Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo

rezensiert von Thomas Harbach

Der dritte Sammelband des „Jan Mayen“ Nachdrucks fasst die Heftromane 20 bis 30 zusammen. Wie Heinz Galle in seinem Vorwort herausstellt, greift Paul Alfred Müller nicht nur auf Motive klassischer Science Fiction bis zu Jules Verne zurück – die Reise nicht zum Mittelpunkt der Erde, aber in ein unterirdisches Höhlensystem mit phantasievollen Tieren - , sondern integriert Anlehnungen an in den dreißiger Jahren veröffentlichte utopische Stoffe. Weiterhin hat Paul Alfred Müller – wie auch bei „Son Kuh“ Ideen aus der „Jan Mayen“ Serie in den Nachkriegsromanen extrapoliert. Die einzelnen Querverweise listet Heinz Galle in seiner bekannten wie markanten sorgfältigen Art auf.

Die ersten drei Romane „Durchbruch in Maracaibo“ (Heft 21), „Hölle und Paradies“ ( Heft 22) und „Das Tal des Vergessenes“ beschreiben die Jagd Jan Mayen nach seiner entführten Freundin Ursula von Thiel, die von dem geheimnisvollen wie in Bezug auf die Atomenergieforschung sehr beschlagenen Micero in seine lateinamerikanische Heimat entführt worden ist. Mittels eines Kommandounternehmens laden sie in der Nacht in Maracaibo. Diese geheimnisvolle Vorgehensweise negiert Jan Mayen, in dem er Micero in dessen Stadtpalast zur Freilassung Ursula von Thiels auffordert. Kaum den Klauen Miceros entkommen, macht sich Jan Mayen zusammen mit einem frisch rekrutierten Ölarbeiter, den Micero entlassen hat, auf den Weg in den Dschungel, um in dessen verborgenen Palast nach Ursula von Thiel zu suchen. Die Expedition führt die Männer nicht nur in den gefährlichen Dschungel Fieberkollern, blutrünstigen Krokodilen, sich in Stammeskonflikten befindlichen Indianern und letzt endlich ein abgeschiedenes Palais, sondern vor allem im letzten und interessantesten Roman dieser Trilogie „Das Tal des Vergessens“ zu Geiselnehmern, welche das Bewusstsein der überwiegend jungen Frauen – unter ihnen auch Ursula von Thiel – mittels Schlafsuggestion gänzlich ausgeschaltet haben. Diese Idee setzt Paul Alfred Müller über weite Strecken des Romans ausgesprochen effektiv ein. Der Cliffhangar am Ende von „Hölle und Paradies“ – als exotischer Abenteuerroman überzeugend, auch wenn die drei miteinander verbundenen Romane das Thema Entführung/ Befreiung von Thiels zu ausführlich abhandeln – mit einer anscheinend sich „freiwillig“ in Miceros Dschungelpalast aufhaltenden jungen Frau überrascht oder schockiert nicht nur Jan Mayen. Die Erklärungen werden nachgeliefert, auch wenn die Befreiungsaktion manchmal ein wenig zu sehr nach dem berühmten Zufall aussieht und Jan Mayen zum wiederholten Male im Verlaufe der Serie seine guten Karten am Ende nicht effektiv genug ausspielt. Jan Mayen und die Leser werden sicherlich noch von Micero hören, auch wenn der junge Mann die Gelegenheit gehabt hätte, die ständigen Konfrontationen zu beenden. Auf der anderen Seite überrascht, dass Micero im Auftaktband „Durchbruch in Maracaibo“ Jan Mayens Bluff schnell durchschaut, die Gunst der Stunde nicht nutzt, um seinen stärker werdenden Gegenspieler auszuschalten. In Bezug auf die Konfrontation zwischen Micero und Jan Mayen auf der einen Seite, sowie der unter Miceros Kontrolle befindlichen Atomforschung – ein Thema der zweiten Hälfte des vorliegenden Sammelbandes – geht Paul Alfred Müller routiniert geschickt, aber auch ausgesprochen ambivalent vor. Während die Zeichnung der Charaktere im Vergleich zu den anderen Bänden deutlich blasser, sich dem exotischen Plot unterordnend ist, lebt Paul Alfred Müllers Dschungel förmlich auf. Insbesondere für die dreißiger Jahre farbenprächtig und spannend, unterhaltsam informierend und nicht belehrend sind die drei zusammenhängenden Romane gut zu lesen, auch wenn das sich inzwischen wiederholende Entführungsmotiv vor einem aber anderen Hintergrund eher enttäuschend ist.
Sehr viel interessante ist die schon angesprochene „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ Trilogie, bestehend aus „Schuss aus dem Dunkel“, „Vorhof der Unterwelt“ und „Das brennende Ziel“. Jan Mayen reist mit seinen Freunden nach New York zu einem Symposium, bei dem auf einen der Wissenschaftler geschossen wird. Genau in dem Augenblick, in dem er von einem riesigen Höhlenlabyrinth in Honduras gesprochen hat. Und von einer absichtlich ausgelösten Explosion, die seine Forschungskollegen getötet hat. Als erster Verdächtiger wird ein kurzsichtiges vollkommen überraschter wie überforderter Wissenschaftler von der Polizei am Tatort des Verbrechens festgenommen. Nur gibt es keine Leiche und Jan Mayen kann schnell beweisen, das er nicht der Täter gewesen sein kann. Wie sehr Paul Alfred Müller auch ein Faible für den Deduktionsroman gehabt hat, wird an diesen soliden geschriebenen Passagen deutlich, in denen Jan Mayen eher wie ein jugendlich ein bisschen hitzköpfiger Sherlock Holmes agiert und vor allem argumentiert. Die Spur der „Leiche“ führt über einige Umwege nach Honduras, wo Jan Mayen und seine Freunde nicht auf einen offensichtlich Verrückten stoßen, der sich mittels eines Fallschirms in den erloschen Krater „absetzt“. Alleine diese fast ins Groteske gesteigerte Passage ist die Lektüre von „Vorhof der Unterwelt“ wert. Der Autor spielt mit seinem Publikum. Wie Heinz Galle in seinem ausführlichen Vorwort erläutert hat, wird die Reise ins Innere der Erde zusammen mit dem nur scheinbar verrückten Fallschirmspringer über Walter Kabels schon 1931 veröffentlichte Geschichte „An den Feuern der Ewigkeit“ bis zu Jules Verne reichen. Jan Mayen und Team begegnen neben Riesenkäufer oder urzeitlichen Krokodilen in einem gigantischen Flusssystem letzt endlich auch einem Riesenmaulwurf, wobei diese Kreatur trotz ihrer überdimensionalen Größe wenig greifbare Gefahren signalisiert. Die Expedition durch diese unwirtliche Welt ist überzeugend beschrieben, ihr fehlt aber der jugendliche Charme des Verne´schen Original. Dafür fügt Paul Alfred Müller etwas überambitioniert Mayens alten Antagonisten Micero in die Handlung ein. So lässt dieser naive Goldgräber in den unterirdischen Höhlen für sich schuften, um diese nach einer gewissen Zeit und bemerkenswerten Schürferfolgen für immer verschwinden zu lassen. Miceros Pech ist nur, dass ausgerechnet in diesem Moment Mayen seinem frevelhaften Tun einen Strich durch die Rechnung macht. Weiterhin stößt Mayen auf das Techniklabor Hartmanns, der zusammen mit seinem Team als Gefangene für Micero Erfindungen am Fließband fertigen musste. Paul Alfred Müller geht zwar nicht in die Details, aber der technische Ideenreichtum wird durch die kleinen, leuchtenden Luftschiffe positiv angedeutet. Im Gegensatz zu vielen anderen Jan Mayen Abenteuern wird dem jungen Mann das Heft des Handelns aus der Hand genommen und andere kommen Micero und seinen Welteroberungsplänen zuvor. Zwar wirkt das Ende dieser interessanten, mit phantastischen Ideen solide durchsetzten Geschichte wieder unnötig hektisch und etwas zu stark konstruiert, aber der Weg dahin ist mit so vielen kleinen interessanten Details gepflastert, das es eine Freunde macht, diesen handlungstechnisch zu den besten frühen Minizyklen – der allerdings in Bezug auf die Hohlwelttheorie wie ein Widerspruch erscheint – der „Jan Mayen“ Serien zählenden Reisenbericht zu goutieren. Während die 3 D Kino Fassung der „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ gezeigt hat, welches Potential aus dieser alten, auf den ersten Blick antiquierten und jeder wissenschaftlichen Forschung widersprechenden Idee noch abgeleitet werden kann, zeigt Müller, wie man einen exotisch bekannten Hintergrund zumindest rudimentär und bei weitem nicht zufrieden stellend extrapoliert in die utopisch technische Welt „Jan Mayens“ oder auch „Sun Kohs“ hinüber transportieren kann. Von den letzten Szenen wünscht sich der Leser einfach mehr, als Paul Alfred Müller bereit ist, zu zeigen.
Abgeschlossen wird der dritte Band durch die beiden Doppelabenteuer "Das gefährliche Auge"/"Zehn Jahre später" sowie "Der Indianerjäger" und "Der Rächer". Heinz Galle stellt zu Recht fest, dass sich Paul Alfred Müller nicht selten von Robert Kraft hat inspirieren lassen, aber die letzten drei der vier oben angesprochenen Heftromane sind klassischer Karl May mit den tragischen von den Irrungen der nicht selten unstandesgemässen Liebe getriebenen Wendungen und falschen Verdächtigungen, wobei Jan Mayen sich als Karl Mays Alter Ego Old Shatterhand/ Kara Ben Nemsi ohne allerdings das teilweise sehr aufgesetzte christliche Sendungsbewusstsein entpuppt. Wie Karl Mays Held greift Jan Mayen auch lieber zur Faust und hat damit in den vorliegenden Bänden einen durchschlagenden Erfolg, wie er sich insbesondere in der "Rächer" als vom Gerechtigkeitssinn getriebener Verfolger eines mehrfachen Mörders erweist, der passend zwischen Überführung und Verurteilung natürlich aus dem - von Jan Mayen professionell gleich richtig eingeschätzt - notdürftigen Gefängnis fliehen kann.
„Das gefährliche Auge“ beginnt in Rio. Während Jan Mayen und Team sich etwas zu erholen suchen, wird der Stadt von geheimnisvollen Bränden heimgesucht. Dabei gehen die Häuser durch eine gewaltige, sich auf einen extrem kleinen wenig ausbreitenden Ort konzentrierende Stichflamme fast „in die Luft“. Als ein derartiger Brand auch in Mayens Hotel stattfindet, schaltet er sich ein. Anscheinend handelt es sich um eine neuartige Erfindung, die nicht optimal funktioniert. Ein junger finanziell unabhängiger Mann hat von seinem Vater – einem weltfremden Erfinder – ein modernen Fernsehgerät geerbt, mit dem man anscheinend auch durch die Wände blicken kann. Aber immer wenn dieses Gerät eingestellt wird, entfacht es in unmittelbarer Nähe diese extremen Brände. Mayen gelingt es, mit dem jungen Mann nicht nur Kontakt aufzunehmen, er kann den Diebstahl dieser anscheinend unfertigen Erfindung verhindern und das Gerät mit Einverständnis der Erben zerstören. Aber dessen Vater hat einen Partner gehabt, mit dem er das Gerät entwickelt hat. Dieser Partner hat sich aus gesundheitlichen Gründen auf eine Rinderfarm zurückgezogen, wo in Jan Mayen aufsuchen möchte. Dabei trifft er auf einen Gaucho, der diese Farm vor zehn Jahren – daher der Titel „Zehn Jahre später“ – aus emotionalen Gründen verlassen hat. „Zehn Jahre später“ ist in erster Linie eine sentimentale Geschichte voller Missverständnisse, fast übertrieben in Karl May Tradition erscheinenden emotionalen Ausbrüchen und natürlich einem Happy End, nachdem Jan Mayen die zwei Königskinder zueinander gebracht hat. Das Ende ist rührend, aber im Vergleich zu utopisch phantastischen Extrapolation des ersten Bandes eher enttäuschend.
Noch abenteuerlich positiv wie negativ sind die beiden abschließenden Romane „Der Indianerjäger“ und der „Der Rächer“. Bei einem Ritt durch den Dschungel begegnen Jan Mayen und ihre Freunde nicht nur einem aggressiven bis bösartigen Mann, der im Auftrag der umliegenden kleinen Goldschürfersiedlungen die Umgebung von Indianern reinigt. Kurze Zeit später findet Jan Mayen die Leiche eines Goldschürfers, dem der junge Mann nicht nur mit dem Umtausch von Gold gegen Geldscheine aus der Klemme geholfen hat. Jan Mayen wird automatisch des Mordes verdächtigt, kann sich aber vom Verdacht befreien und den einzigen wirklichen Verdächtigen stellen, der wie schon angedeutet sich natürlich der Justiz entzieht. Es entspinnt sich ein Karl May Garn mit einem unschuldigen wie naiv gut gläubigen Opfer, einem einzigen in Frage kommenden Täter und Jan Mayen als verlängerte Arm der Gerechtigkeit. Selbst für ein wenig Comic Relief wird nicht zum ersten Mal gesorgt. Sicherlich liest sich der Doppelband unterhaltsam und Paul Alfred Müller hat die blumige Sprache Karl Mays in einfachere Worte gefasst, aber die Vertrautheit der sicherlich nicht sonderlich originellen Szenen ist schon verblüffend und stellt einen zu starken Kontrast zu der bisher stärker utopisch phantastischen Ausrichtung der Serie dar.
Zusammengefasst präsentiert der dritte Sammelband mit den Heftausgaben 21 bis 30 ein ungewöhnlich breites und in dieser Form noch nicht präsentes Themenspektrum von Anleihen bei Müllers eigener Serie „Sun Koh“ sowie dem von ihm geliebten Entführungsmotiv zu Beginn, dann ein Abstecher zu Jules Verne und schließlich Karl May. Alleine dieses Wechselbad der Gefühle macht die Lektüre empfehlenswert und wer sich intensiver – wie Heinz Galle – mit dem Stoff beschäftigt, wird die zahlreichen aber nicht zahllosen Vorlagen sehr schnell finden. Wie bei allen Veröffentlichungen aus dem Haus Dieter von Reeken rundet ein sauberes Layout, ein informatives wie pointiertes Vorwort sowie der sehr gute Nachdruck der Originaltitelbilder einen weiteren „Jan Mayen“ Band ab.

Paul Alfred Müller : "Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo"
Anthologie, Softcover, 317 Seiten
Dieter von Reeken 2011

ISBN 9-7839-4067-9444

Weitere Bücher von Paul Alfred Müller :
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer
 - Jan Mayen 6
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM über der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 12
 - Jan Mayen Band 2
 - Jan Mayen Band 7
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sprung über die Zeit
 - Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel
 - Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel

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