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Science Fiction (diverse)



Paul Alfred Müller

Jan Mayen Band 2

rezensiert von Thomas Harbach

Der zweite Sammelband – im gewohnt schönen Layout mit einem einführenden Vorwort der Herausgeber Dieter von Reeken und Heinz Galle – fasst die Romane elf bis zwanzig der insgesamt einhundertzwanzig Heftromane umfassenden Nachfolgeserie „Sun Koh“s zusammen.
Während die ersten beiden Auftakthefte dieses Sammelbandes – die Handlung setzt unmittelbar an den Cliffhangar des zehnten Bandes mit seinem offensichtlich künstlich in den eisigen Norden abgelenkten Sonnenstrahl ein – „Der blendende Strahl“ und „3000 Stundenkilometer“ reine Science Fiction Abenteuer sind, präsentiert Paul Alfred Müller bzw. Freder van Holk mit dem dreizehnten Heft „Der gestohlene Sattel“ eine im Grunde klassische Westerngeschichte, in der Jan Mayen aber für sein Alter zu selbstbewusster junger Mann jetzt plötzlich auch über die Fähigkeit verfügt, schneller den Colt zu ziehen und präziser zu schießen als einer der vagabundierenden Halsabschneider, der bislang mit seinen Revolverfähigkeiten die kleine Gemeinde sicherlich im Auftrag höherer „Mächte“ tyrannisiert.
„Der blendende Strahl“ ist einer der Schlüsselromane der frühen Serie. Don Raffael, der bislang allgegenwärtige wie fast allmächtige Begleiter/Freund/Vertrauter Jan Mayens, muss offenbaren, dass er mehr über Jan Mayen und seinen Vater weiß, als er bislang zuzugeben hat. Seine Mission besteht im Grunde aus zwei Komponenten. Zum einen die Erfindungen des Vaters zu schützen, der hinter dem künstlichen Sonnenstrahl zu stehen scheint und diesen aus einem Raumfahrt im Orbit um die Erde zu lenken sucht, zum anderen aber auch den Sohn auf die bevorstehende Aufgabe vorbereiten. Durch den nicht geplanten frühen Tod des Dieners konnte Jan Mayens Ausbildung in diesem Punkt nicht abgeschlossen werden. Jan Mayen präsentiert sich im vorliegenden Roman als ausgesprochener Trotzkopf, was Freder van Holk am Ende des nicht unbedingt gelungenen „3000 Stundenkilometer“ fast resignierend feststellt. Mayen tritt auf einen ehemaligen Mitarbeiter seines Vaters, der in der Einsamkeit der nordischen Eislandschaften Zugriff auf zwei phänomenale unglaublich schnelle Flugkörper hat, die aufgrund einer Wechselwirkung der Magnetfelder in den oberen Atmosphärenschichten derartig schnell ohne Propeller oder Düsenkraft fliegen können. Es kommt zum Zerwürfnis zwischen Jan Mayen und Don Raffael, das erster zu ungeduldig fortschreiten und die technischen Erfindungen auch nutzen möchte. Das ihm diese Ungeduld postwendend zum Verhängnis wird, zeigt der nächste Roman „3000 Stundenkilometer“, in dem Mayen ohne Not arrogant und selbstherrlich mit der von ihm entliehenen Erfindung an die Öffentlichkeit tritt und sie prompt verliert.
Die beiden Romane zeigen die Stärken und Schwächen Freder van Holks sehr expliziert auf. Der Autor greift auf ein ganzes Arsenal von interessanten technischen Ideen zurück, die er ohne belehrend zu agieren, bildhaft und plausibel seinen Lesern erläutert. Aus heutiger Sicht erscheint es wenig wahrscheinlich, dass diese Erfindungen quasi in der Hinterhoffabrik entstanden sein können, aber Freder van Holk folgt einfach der utopisch technischen Hans Dominik Prämisse, agiert allerdings positiv gesprochen deutlich internationaler. Trotzdem befinden sich van Holks Ideen nicht auf der Höhe deutscher utopischer Phantastik vor dem Zweiten Weltkrieg, sondern schlägt den Bogen zu den amerikanischen Science Fiction Geschichten. Negativ dagegen charakterisiert der Autor seine Figuren insbesondere in „Der blendende Strahl“ und „3000 Stundenkilometer“ ambivalent. Jan Mayen wirkt zu arrogant, zu selbstverliebt, zu dickköpfig. Don Raffael handelt sich unentschlossen, im Grunde zu stümperhaft. Anstatt Jan Mayen eine Geschichte aufzutischen, dass es sich bei den im hohen Norden gefundenen Männern unter der Führung eines ehemaligen Mitarbeiters seines Vaters um persönliche Feinde handelt, die dessen Arbeit kopieren bzw. sabotieren suchen, verstrickt sich der bislang absolut loyale Don Raffael in Widersprüche und versucht aus einem in dieser Form bislang nicht gekannten Affekt heraus Jan Mayen am Starten des zweiten Wunderflugzeugs zu hindern. Auf die Konfrontation mit den Rivalen seines im Hintergrund agierenden Vaters kommt der Autor in den diesen Sammelband abschließenden Romanen „Die Wunderkugel“ und „Der Traumhut“ (Band 19 und 20) noch einmal zurück. Jan Mayen gewinnt bei einer Magierveranstaltung eine geheimnisvolle Kugel, die unglaublich schwer erscheint. Dem Magier ist sie aus Lateinamerika zugeschickt worden. Ein Mittelsmann versucht er Jan Mayen die aus verdichteten Atomen bestehende Kugel anzukaufen, anschließend greifen die Hintermänner zu rabiateren Mitteln, in dem sie – auch nicht zum ersten Mal – Jan Mayens Vertraute entführen und den jungen Mann zu einer Verfolgungsjagd zwingen. Solide und stringent spannend erzählt mit einer guten Auftaktprämisse unterstreichen die Paul Alfred Müllers Fähigkeit, wissenschaftliche Informationen in Person des exzentrischen Erfinders Markwart ausgesprochen plastisch und gut zu erläutern, bestehende technische Ideen ausgezeichnet zu extrapolieren und das ganze mit etwas Action und heldenhafter Verklärung zu vermischen.

Obwohl prämissetechnisch deutlich schwächer, sind die beiden chronologisch folgenden Abenteuer „Der gestohlene Sattel“ (Band 13) und „Der singende Pat“ (Band 14) eine etwas unterhaltsamere Geschichte. Zum einen spielt der etwas zu stark konstruierte Plot Jan Mayen zum zweiten Mal im bisherigen Handlungsverlauf große Goldvorkommen zu, die ihm bei der Realisierung seiner Ziele selbstverständlich ausgesprochen hilfreich wären. Zum anderen agiert er in dieser Geschichte um Viehdiebstähle, Verbrecher hinter ehrenwert bürgerlichen Fassaden, einer eingeschüchterten Kleinstadt in Arizona und schließlich einem klassisch klischeehaften Duell deutlich zugänglicher, nicht so perfekt wie in den vorangegangenen Romanen. Zwar scheint ihm die Trennung von seinem bisherigen Ratgeber Don Raffael nicht viel auszumachen und seine beiden Begleiter erscheinen eher als Ablenkung hinsichtlich des Mayen´schen Perfektionismus denn als abgerundete Charaktere, aber der Plot ist deutlich spannender und erinnert an die Abenteuergarne „Die Reiherprinzessin“ (Band 6) und „Flucht auf dem Hyazinthenfluss“ (Band 7). Die Auflösung des roten Fadens im zweiten Band mit der zu langen Variation, dass Pat seinen Mentor für tot hält, sowie die abschließende Fokussierung auf Jan Mayen, der natürlich in letzter Sekunde die Täter im Gegensatz zum überzeugend charakterisierten Pat überführt, ist zu überstürzt, aber nimmt den amerikanischen fünfziger Jahren Westernserien die Entschlossenheit des Einzelnen, den Heroismus, sowie die patriotischen Ideale vorweg. Zusätzlich zu einem Abstecher in den Westenbereich findet sich mit „Die diamantene Sonne“ (Band 17) ein Kriminalgarn in der Sammlung. Jan Mayen und seine beiden Freunde befinden sich in Teheran, wo sie in den dreisten Diebstahl wertvoller Diamanten verwickelt werden. Das die örtliche Polizei nach anfänglichem Tatverdacht gegen Jan Mayen bei den Ermittlungen überfordert ist, erscheint rückblickend als der einzige Schwachpunkt eines originell geschriebenen Kriminalgarns, der zum Beispiel Eric Amblers „Topkapi“ vorwegnimmt.

Die beiden folgenden Einzelabenteuer „Der Mondnarr“ und „Das Haus der 1000 Wunder“ gehören zu den besten Romanen dieses Buches. Beide basieren teilweise auf einer ähnlichen Prämisse: Jan Mayen wird unter seltsamen Umständen entführt und in bizarre Projekte mit einbezogen. Trotzdem überzeugen die beiden Plots aufgrund ihrer exotischen Hintergründe - Mexiko und Indien -, aber vor allem der intelligenten Verflechtung von Mythen und modernen Science Fiction Ideen. In „Der Mondnarr“ trifft Jan Mayen auf einen exzentrischen Millionär, welcher der festen Überzeugung ist, das der Mond in den nächsten zwanzig Jahren zu stark von der Erde angezogen wird. Auf die Naturkatastrophen hat sich der Titel gebende Mondnarr vorbereitet, in dem er sechs Männer und vier Frauen unterschiedlicher Nationalitäten gefangen hält und sich mit ihnen zusammen auf die Zeit danach vorbereitet. Von der technisch utopischen Prämisse nimmt „Das Haus der Wunder“ die virtuellen Welten insbesondere solcher Science Fiction Fernsehserien wie „Star Trek- The Next Generation“ vorweg. Das Haus gehört einem indischen Prinzen, den Jan Mayen aus der Gefangenschaft des Mondnarren befreit hat. Aus Dankbarkeit lädt er Jan Mayen und seine beiden Getreuen/Helfer/ Freunde nach Indien ein, wo Mayen in die Fänge des Bruders des Prinzen fällt, der in einem eher kargen Laboratorium mit Hilfe entführter und hypnotisierter Wissenschaftler Bahn brechende Erfindungen machen will. Während sich die Ereignisse am Ende von „Der Mondnarr“ mit einer kleinen Hommage an Alexandre Dumas „Der Graf von Monte Christo“ fast überschlagen, verflacht „Das Haus der 1000 Wunder“ nach einem faszinierenden Auftakt - Jan Mayen glaubt durch das Haus des Prinzen in fremde Welten eintreten zu können - im zu phlegmatischen bis klischeehaften Mittelteil ein wenig ab, um dann rasant, aber zu hektisch auf einem bedingten Happy End zu enden. In beiden Romanen erweist sich Jan Mayen als zu stark für seine Umwelt und löst die Situationen zu stark an die „Sun Koh“ Werke angelehnt im Alleingang. In „Der singende Pat“ hat der Autor zumindest phasenweise auf eine andere Perspektive zurückgegriffen und ganze Kapitel auf Jan Mayen verzichtet, was dem Gesamtheft sehr gut getan hat. In die Reihe von Einzelabenteuern reiht sich auch „Der ewige Magnet“ (Band 18) ein. Durch einen Unfall auf dem Rückflug aus Asien trifft Jan Mayen auf den Hypochonder Markwart, der gleichzeitig ein genialer Erfinder ist. Er hat kein Interesse an der Auswertung seiner Ideen, zu denen auch ein besonderer Magnet gehört. Ihm werden diese Pläne von einem ebenfalls gestrandeten Mitreisenden gestohlen. Jan Mayen holt in einer spektakulären Aktion unter Nutzung eines einzigartigen Kleinflugzeugs nicht nur die Unterlagen zurück, sondern heilt den Erfinder von seinen Psychosen. Aus Dankbarkeit überlässt er Jan Mayen die Nutzung seiner Ideen und schließt sich zumindest vorläufig seiner kleinen „Mannschaft“ an. Auch bei diesem Heftroman beeindrucken die technischen Ideen mehr als die stringente Handlung, wobei der exzentrische Erfinder Markwart zu den am meisten sympathischen Figuren der Serie gehört.

Wie beim ersten Sammelband haben die Herausgeber die einzelnen Titelbilder der Originalhefte drucktechnisch überzeugend an den Anfang des jeweiligen Textes gestellt. Neben dem ausführlichen Vorwort und der Auflistung aller „Jan Mayen“ Titel sowohl der Erstauflage als auch der kurzzeitigen Nachkriegsneuauflage sind es die auch heute noch lesenswerten, liebenswerten Pulpgeschichten, die diese lange auch berechtigterweise im Schatten von „Sun Koh“ vor sich hin schlummernde Serie, welche die Anschaffung dieser qualitativ hervorragenden Neuauflage empfehlenswert macht. Im Vergleich zum ersten Sammelband werden bis auf Komödie – einige Dialoge sind allerdings ausgesprochen gestelzt – sowohl utopische Ideen als auch klassische Abenteuerliteratur sowie zum ersten Mal ein reiner Kriminalstoff abgehandelt. Immer wieder fügt Paul Alfred Müller bekannte wie unbekannte Theorien und Forschungen allerdings überwiegend deutscher Wissenschaftler der Handlung bei. Mit Jan Mayen verfügt die Serie zwar über einen zu sehr heroisierten Helden, der bislang nicht das Charisma Sun Kohs erreicht. Die vorläufige Trennung vom deutlich nuancierter charakterisierten Don Rafael schadet den vorliegenden Texten auf der emotionalen Ebene, die Balance zwischen dem ungestümen, teilweise ausgesprochen arrogant erscheinenden Jan Mayen sowie dem hintergründigen Don Rafael kann durch die anderen Gefährten nicht ausgeglichen werden. Dem Endziel - eine Sonne über Thule aufgehen zu lassen, um aus Grönland wieder Grünland zu machen – kommt Jan Mayen in den vorliegenden Romanen keinen Schritt weiter, aber die vielen exotischen Schauplätze – vom Wilden Westen in Arizona über Mexiko, Persien bis Indien und wieder zurück nach Europa – entschädigen dafür sehr gut. Es empfiehlt sich allerdings, die Romane nicht als Blöcke zu lesen, dann fallen die von Paul Alfred Müller geliebten und häufig verwandten Schemata – wie zum Beispiel drei Entführungen und fünf Ideendiebstähle in den hier gesammelten zehn Texten - nicht so stark auf. Weiterhin einer der empfehlenswertesten Nachdrucke markanter und bekannter Science Fiction Serien auf dem Markt, der aufgrund der bisher über viele Jahre gezeigten Zuverlässigkeit der Herausgeber Heinz J. Galle und Dieter von Reeken sicherlich auch wie die Kollektion Laßwitz, die Kurzgeschichten Carl Grunerts oder die utopischen Texte Oskar Hoffmanns abgeschlossen wird und nicht das Schicksal der „Sun Koh“ Nachdrucke im Schweitzer SSI Media Verlag erleiden wird, die nicht über die ersten 5 Romane hinausgekommen ist.

Paul Alfred Müller: "Jan Mayen Band 2"
Anthologie, Softcover, 314 Seiten
Dieter von Reeken 2011

ISBN 9-7839-4067-9437

Weitere Bücher von Paul Alfred Müller:
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer
 - Jan Mayen 6
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM über der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 12
 - Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo
 - Jan Mayen Band 7
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sprung über die Zeit
 - Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel
 - Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel

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