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Science Fiction (diverse)



Francis/ Zoller

AD ASTRA 4:
Der falsche Saturnmond

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem vierten Band „Der falsche Saturnmond“ werden die gesammelten Romane um Innenillustrationen von Karl- Heinz Friedhoff ergänzt. Im vorliegenden Band sind die einzelnen Romane „Das falsche Saturnmond“ (UTOPIA Zukunftsroman 562) von H.G. Francis und „Kolonie über dem Abgrund“ (Utopia Zukunftsroman 564) von Arno Zoller zusammengefasst.

Die Handlung von „Der falsche Saturnmond“ (UTOPIA Zukunftsroman 562) setzt ein halbes Jahr nach den Ereignissen aus „Die gnadenlose Jagd“ ein. Der erste richtige Zeitsprung in der Serie. Ein wenig überraschend befindet sich Chet Morrow trotz seiner Rehabilitierung immer noch auf der Erde und immer noch bei den „Bodentruppen“. Er soll aber zu Beginn des Buches den Wissenschaftler Paul E. Cuttler zur TITAN Station auf dem Saturnmond bringen. Man erhofft von seiner Expertise Erkenntnisse über Funde auf dem Mond, die auf eine Basis der Außerirdischen hindeuten können. Obwohl zu Beginn des Romans noch einmal betont wird, das nur wenige Menschen in das Geheimnis der Außerirdischen eingeweiht sind, widerspricht diese These den vorangegangenen Romanen. Auch soll Chet Morrow auf der Venus zum ersten Mal einem Fremden begegnen sein, während auf der anderen Seite Roboterprototypen gestohlen worden sind, weil sie die getarnten Fremden entdecken können. Auch hat der Wissenschaftler Cuttler schon auf den Monden des Jupiters gearbeitet, wird hier aber zu Beginn der Reise wie ein Frischling behandelt. Diese kleinen Unachtsamkeiten summieren sich im Verlaufe des von Francis allerdings solide geschriebenen Romans. So muss die DYNA-CARRIER einen kranken Mann von einem Frachter übernehmen und ihn ins Lazarett auf einem der Monde bringen. Natürlich entpuppt sich der Fremde schnell als Saboteur. Unabhängig davon, dass diese Prämisse wirklich an den Haaren herbeigezogen wirkt, wiederholt sich der Einsatz von autark operierenden Saboteuren im bisherigen Verlauf der Serie einmal zu oft. Auf dem Mond selbst beginnt Morrow dem telepathisch begabten Wissenschaftler Cuttler zu misstrauen. Anscheinend kann/ können der Fremde oder die Fremden Menschen manipulieren und suggestiv beeinflussen. Berücksichtigt der Leser, das im vorangegangenen Band die Raumpiraten ebenfalls mittels Erpressung Mannschaftsmitglieder gefügig gemacht haben, ist es unverständlich, mit welcher Naivität sich Morrow im Verlaufe seiner Expedition zweimal mit dem im Grunde gleichen Trick – sein Partner unterliegt und entkommt und unterliegt wieder dem Einfluss des Fremden – hereinlegen lässt. Die Actionszenen sind solide. Im Vergleich zu vielen anderen utopischen Serien insbesondere der sechziger Jahre nutzen Francis und Co. die Möglichkeiten des Vakuums und unterschiedlicher Schwerkräfte sehr effizient und sehr geschickt aus. Trotz seiner halbjährigen Abstinenz ist Morrow ein erfahrener Raumpilot. Vom anfänglichen Funker aus dem ersten Band ist nichts mehr zu sehen. Seine Missionen wirken ein wenig zu konstruiert und am Ende des vorliegenden Heftes driften der zugrunde liegende Plot und die Hintergrundinformationen stark auseinander. Die Handlung verläuft geradlinig, wenn auch nicht immer glaubwürdig. Auch das stoische bis sture Verhalten seiner vorgesetzten Offiziere nutzt sich im vorliegenden inzwischen siebenten Roman ab. Hier wäre es sinnvoll gewesen, die Konstante ein wenig zu variieren. Die Idee, einen telepathischen begabten Menschen sich an den Toren zu der außerirdischen Basis versuchen zu lassen, steht in einem starken Widerspruch zu den im Grunde nicht vorhandenen Informationen über die Fremden. Weiterhin wäre es sinnvoll gewesen, mit voller Truppenstärke einzumarschieren und das Gelände besser abzusichern.

Positiv dagegen sind die neuen Informationen über die Fremden. Ob diese wirklich stimmen, werden die nächsten Romane entscheiden. Anscheinend haben die Fremden ihre eigene Welt nach einer Katastrophe verlassen und das Geheimnis des Sternenantriebs mit sich genommen. Die Wesen haben überlebt und hoffen im Sonnensystem die Spuren ihrer Vorfahren wieder aufnehmen zu können. Darum sind sie mit kleinen Generationenraumschiffen ins Sonnensystem eingedrungen. Der Antagonist hat eine Basis auf den Saturnmonden gefunden. Allerdings gehen die Informationen am Ende des Romans verloren und die Menschheit macht sich trotzig weiter auf den von der eigenen Technik geebneten Weg zu den Sternen. Francis gelingt es in wenigen Worten das tragische Schicksal eines fremden Volkes zusammenzufassen, ohne zu viele Informationen Preis zu geben. Diese Passagen ragen aus dem ansonsten handlungstechnisch ungewöhnlich dicht gestalteten Roman heraus. Mit Chet Morrows Rückkehr zu den Sternen kommt die Serie nach zwei eher schwachen Abenteuern wieder in Gang. Das sich alles – ebenfalls zum wiederholten Male – als komplexer Plan mit einem Lockvogel erweist, wirkt rückblickend ungewöhnlich und unwahrscheinlich. Im Verlaufe des Romans hat der Leser deutlich mehr den Eindruck, als könne nur Morrows Auffassungsgabe und Cutter trotz aller Versuche des Gegenteils ehrliches Wesen die Menschheit in dieser entscheidenden Stufe des möglicherweise feindlichen Kontakts retten. Francis hält sich nicht lange bei den einzelnen Schauplätzen auf, er treibt die einzelnen Spannungsbögen mit sichtlicher Entschlossenheit und einer Reihe kleiner, aber guter Ideen voran. Nur phasenweise scheint das Team zu bekannten Floskeln zu greifen, denn im Gegensatz zu den Vermutungen der Vorgesetzten weiß jeder in der Flotte, das Morrow Opfer einer Intrige geworden ist. Warum sollte man ihm deswegen Schwierigkeiten machen? Es sind diese kleinen Nuancen, die teilweise ein wenig flüchtig behandelt worden sind und die in insbesondere schwächeren Plots herausstechen.

Wenn der Leser bei einem Roman der Serie „Ad Astra“ von einem klassischen Westernplot sprechen kann, dann passt diese Beschreibung auf „Kolonie über dem Abgrund“ (UTOPIA Zukunftsroman 564) von Arno Zoller. Chet Morrow in der Clint Eastwood- Rolle. Eine abgeschiedene Kolonie auf dem Jupitermond Callisto wird von einer Handvoll Schurken tyrannisiert. Ihnen geht es um die Kontrolle über die reichhaltigen Bodenschätze. Mit einem Handstreich und Gewalt wollen sie die politischen Organe manipulieren und danach die Erträge aus der Förderung der verschiedenen Mineralvorkommen in die eigene Tasche wirtschaften. Das nächste Raumschiff soll erst in Monaten kommen. Zeit genug, um den Plan in Ruhe umzusetzen. Die Gangsterbande nennt sich FROST und sie tragen Masken, um ihre Identitäten in der kleinen Kolonie vor den Siedlern zu verbergen. Chet Morrow durchkreuzt indirekt ihre Pläne, als er alleine mit einem DYNA wieder Bote für die UNO spielt und mitten in den Konflikt hereinplatzt. So beobachtet er, wie ein Massageroboter einen Mann in der Kabine neben sich umbringt. Er selbst sollte zu diesem Zeitpunkt von drei Schönheiten massiert werden. Während die Regierung noch von einem Unfall spricht, findet Morrow ein weiteres Opfer, das bislang nur mit der Tötung seiner Familie erpresst worden ist. Es kommt zu zwei Mordanschlägen auf Morrow, da die Banditen jederzeit mit dem Auftauchen der gesamten DYNA- CARRIER rechnen müssen.

Unabhängig von der brüchigen Prämisse, ein Raumschiff und einen Piloten als Boten für dann plötzlich nicht mehr so wichtige Nachrichten zu missbrauchen, hat Arno Zoller im vorliegenden Roman die Bestandteile des Westerns unterhaltsam, aber an einigen wichtigen Stellen nicht zwingend in die Zukunft übertragen. Chet Morrows Kampf alleine gegen alle wirkt teilweise ebenso befremdlich wie schließlich der Aufstand der Kolonialbevölkerung, als diese dank des mutigen Eingreifens des Fremden ermuntert wird, sich den Widersachern zu stellen. Vor allem macht der Kampf keinen Sinn, für die Banditen wäre es einfacher und viel effektiver gewesen, die Kolonialbevölkerung mit gefälschten Konten und Abrechnungen auszuplündern als mit roher Gewalt. Schließlich haben sie schon die Schlüsselpositionen besetzt und können weder die Förderung raufsetzen - das Material muss ja schließlich auch zur Erde transportiert werden - noch andere potentielle Aufkäufer anbieten, denen sie die Rohstoffe anbieten könnten. Aus diesem Grund ist der grundlegende Plot logisch nicht tragfähig. Unabhängig davon wirkt es unwahrscheinlich, dass sich die Männer mit ihren Familien, welche die Strapazen der erste Kolonie auf den Jupitermonden auf sich genommen haben, von den hier einfältig beschriebenen Handlangern des Schurken wirklich einschüchtern lassen. Auch Morrows Ermittlungen basieren auf dem Prinzip Zufall und führen eher ins Nichts.

Zu den Stärken des Romans und damit zu den besten Szenen der Serie gehört allerdings das Alltagsleben unter der Kuppel auf dem Jupitermond. Den Siedlern wird die Illusion einer Erde mit Regen und blauem Himmel angeboten. Bis auf die Familie Yaka Tamuras klammern sich die Siedler so an die Heimat. Tamura hat zusammen mit seinem Bruder seinen Kindern von Beginn auch die Realität des Callistomondes gezeigt. Weiterhin beschreibt Zoller eine Gesellschaft, die in panischer Angst vor einem Kuppelunglück lebt. Die Häuser haben eigene Sauerstoffversorgungen und alle sind mit Schutzanzügen ausgestattet. Diese beklemmende Atmosphäre in der Siedlung beschreibt der Autor mit einigen sehr effektiven Sätzen und vermittelt dem Leser auf der einen Seite die Faszination der letzten Frontier, gibt aber auf der anderen Seite auch einen nachhaltigen Eindruck vom alltäglichen Überlebenskampf in einem unwirtlichen Gebiet. Das zum Unterhaltungsprogramm auch ein Massagesaloon mit entsprechenden Schönheiten gehört, wirkt dann allerdings wieder konterproduktiv. Wahrscheinlich wäre es sinnvoller gewesen, den ersten Mord in der Kneipe der Siedlung stattfinden zu lassen. Die Szene mit dem Robotermasseur erinnert unwillkürlich an den James Bond Film „Feuerball“, der nur wenige Jahre vor diesem Roman in den Kinos gelaufen ist.

Die Actionszenen - von denen es eine Reihe gibt - sind sorgfältiger als in einigen der Vorgängerromanen geschrieben worden. Zoller nutzt den Hintergrund des Romans sehr gut aus und beschreibt einige Fallen, in die Morrow eben nur in dieser unwirtlichen Atmosphäre laufen kann. Am Ende des Romans überschlagen sich die Ereignisse ein wenig zu sehr. Wieder wirkt alles sehr gedrängt und abrupt, als habe Zoller auf den letzten Seiten bemerkt, dass er noch zu viel Plot für zu wenige Seiten hat. Das Eingreifen der DYNA- CARRIER Männer wird ein wenig zu überspitzt und pathetisch beschrieben. Auch der obligatorische Endgag erinnert mehr an die zweite Generation der Italo- Western als an einen geradlinigen Roman. Im Vergleich zum Vorgängerroman „Der falsche Saturnmond“ werden die eigentliche Handlungsstränge - sowohl die Reise zu den Sternen als auch die Infiltration durch die Außerirdischen - nicht weiter vorangetrieben. Was zurückbleibt ist ein kurzweilig zu lesender, manchmal vom Plot her zu deutlich konstruierter Western im All.

Francis/ Zoller: "AD ASTRA 4: Der falsche Saturnmond"
Roman, Softcover, 205 Seiten
Mohlberg- Verlag 2008

ISBN 9-7839-4018-1251

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