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Science Fiction (diverse)



Garett & Francis

Ad Astra 3:
Die HyÀnen des Alls

rezensiert von Thomas Harbach

Der dritte Sammelband der AD ASTRA Neuauflage umfasst die Romane “Die HyĂ€nen des Alls” (UTOPIA Zukunftsromane 558) aus der Feder J.A. Garretts alias JĂŒrgen GrasmĂŒck und “Die gnadenlose Jagd” (UTOPIA Zukunftsroman 560) aus der Feder H. G. Francis. Beide Romane erschienen ebenfalls 1967.

Mit “Die HyĂ€nen des Alls” - UTOPIA Zukunftsroman 558) betritt mit JĂŒrgen GrasmĂŒck unter dem Pseudonym J.A. Garrett ein weiterer Autor das “Ad Astra” Universum.

Hinter dem Pseudonym versteckt sich JĂŒrgen GrasmĂŒck. 1940 in Hanau geboren und im Jahre 2007 gestorben. Als SiebzehnjĂ€hriger veröffentlichte er sein erstes Leihbuch und gehörte vor allem in den fĂŒnfziger Jahren zu den produktivsten Leihbuch- als auch in den sechziger Jahren zu den fleißigsten Heftromanautoren, der unter diversen Pseudonymen sowohl an “Mark Powers” als auch “Rex Corda” mitgeschrieben hat. In den siebziger Jahren wechselte er die Pferde und verfasste neben Western auch Kriminalroman. Bekannt und beliebt sind die von ihm kreierten Horror- Fantasy Serie “MAcabros” und dessen Ableger “Larry Brent”, die im Zauberkreisverlag mit knapp zweihundert Heften alleine von ihm geschrieben erschienen sind.

Leider hat er in seinem Roman ein undankbare Aufgabe. Wie in “Das Gefangene des Mare Titow” geht es Schurken darum, die DYNA-CARRIER in ihre Gewalt zu bringen. Nicht wie im VorgĂ€ngerroman, um aus dem Sonnensystem zu fliehen und eine neue Existenz in den Weiten des Alls zu beginnen, sondern um das Sonnensystem zu beherrschen. Ein rĂŒcksichtsloser Pirat erobert die DYNA-CARRIER in einem Handstreich. UnabhĂ€ngig davon, dass er fĂŒr eine Heftromanserie unglĂŒcklich ist, zwei derartig Ă€hnliche PrĂ€missen aufeinander folgend zu prĂ€sentieren, wirkt GrasmĂŒcks Roman in seiner Zusammensetzung sperrig und nicht harmonisch. Es ist erstaunlich, mit welcher NaivitĂ€t der fĂŒhrende Offizier an Bord der DYNA-CARRIER ein fremdes Raumschiff an sich heran lĂ€sst und den um eine Besichtigung bittenden Offizieren TĂŒr und Schott öffnet. Einige Seiten spĂ€ter erfĂ€hrt der Leser, dass es sich bei dem Schurken um den berĂŒchtigsten Piraten zwischen Pluto und Merkur handelt. Auch in “Der Wasserkönig aus der Zenta-Schlucht” ist ein Passagierraumschiff ĂŒberfallen, die Besatzung und Passagiere sind getötet worden. Die Vorgehensweise wirkt insbesondere im Kontext mit diesen Tatsachen naiv und plottechnisch wenig einfallsreich. SpĂ€ter tauchen die obligatorischen VerrĂ€ter auf, die - weil ihre Familien auf der Erde gefangen gehalten werden - logistische Hilfestellung leisten. Ebenfalls befremdend wirkt die Degradierung Chet Morrows nach dieser Aktion zum FĂ€hnrich, weil er angeblich wichtige Informationen nicht weitergeleitet hat. Sowohl Morrow als auch der Leser - er hat diese Szene verfolgt - bestreiten diese Tatsachen. Anscheinend versucht sich ein Vorgesetzter wieder einmal auf dessen Kosten aus seinen eigenen Fehlern zu retten. Diese Idee wird im Verlaufe des Romans allerdings nicht wieder aufgegriffen. Chet Morrow mĂŒĂŸte jetzt eigentlich zu den Bodentruppen oder in den Maschinenraum - ebenfalls ein der Seefahrt entnommene Idee, die im All mit der komplizierten Technik und vor allem fehlendem Interesse an Heizern nicht funktionieren kann - versetzt werden. Statt dessen startet er mit Tom Atkins eine waghalsige Aktion und rettet eines der Triebwerke, bevor es in der Sonne verglĂŒht. Um den Chefingenieur von seiner sturen Haltung abzubringen, haben die Piraten ihn in eines der autark agierenden Triebwerke gesperrt und dieses in Richtung Sonne losgeschickt. Auch hier verschließt sich vor dem Leser die höhere Logik, denn erstens hĂ€tte ein normaler Pirat den nicht kooperationsbereiten Mann einfach erschossen oder zumindest gefoltert und zweitens sind sie an dem kompletten DYNA-CARRIER interessiert. Immerhin wollen sie mit dem Raumschiff das Sonnensystem beherrschen und selbst nach einer erfolgreichen Aktion hĂ€tte die irdische Regierung ein weiteres, leistungsstarkes Schiff gebaut. Darum macht es wenig Sinn, die eigene Beute zu demontieren und die eigene Position derartig zu schwĂ€chen.

Im Vergleich insbesondere zu H.G. Francis sehr packenden Schreibstil und seiner Dynamik insbesondere in Hinblick auf Actionszenen wirkt “Die HyĂ€nen des Alls” unterkĂŒhlt. Ein wenig mehr Humor und vor allem eine interessante, variantenreichere Schilderung der beiden großen Kampfsequenzen - zu Beginn der Handstreich, dem die DYNA-CARRIER zum Opfer fĂ€llt und spĂ€ter der Kampf gegen die Piraten auf dem Merkur - hĂ€tten dem vorliegenden Buch gut getan. Dabei finden sich in dem nicht originellen Plot einige gute Ideen: die Rakete, die auf direkten Kurs zur Sonne fliegt und die UnfĂ€higkeit der fĂŒhrenden Offiziere. Aus beiden PrĂ€missen hĂ€tte ein geschickter Autor unter Ausnutzung anderer Perspektiven deutlich mehr machen können. So unterhĂ€lt “Die HyĂ€nen des Alls” leidlich. Die Tatsache, das am Ende Chet Morrow trotz seiner bekannten Unschuld und seinem Mut, einen Menschen und zusĂ€tzlich das elementare Triebwerk der DYNA-CARRIER zu retten, nicht in seinen ursprĂŒnglichen Rang zurĂŒckversetzt wird, unterstreicht die Unentschlossenheit von Expose und Roman.

T.R.P. Mielke verfasste mit “Die gnadenlose Jagd” (UTOPIA Zukunftsroman 560 einen ebenso unentschlossenen Roman, dessen Handlung allerdings eher im Agentenmilieu spielt. Weiterhin gibt Mielke allerdings einen tieferen Einblick hinter die Kulissen der nicht immer wirklich optimistischen Zukunft. Er zeigt, mit welchen Schwierigkeiten die Menschen auf der Erde zu kĂ€mpfen haben und unter welchen nicht immer glorreichen VerhĂ€ltnissen sie leben. Da haben es die Astronauten deutlich besser. Chet Morrow als FĂ€hnrich muss sich auch mit der RealitĂ€t nach seiner Degradierung auseinandersetzen. Auch wenn selbst der Geheimdienst UNO inzwischen seine Bestrafung als Intrige sieht. Pflichtbewusst und ĂŒbergenau leistet Morrow seinen Dienst ab. Der Zufall will es, dass er Opfer eines Saboteurs wird. Gleichzeitig schleicht sich ein Saboteur in die wichtigen Fabrikhallen der Raumfahrt ein. NatĂŒrlich glauben seine Vorgesetzen Morrow nach der Vereitelung einer Katastrophe nicht auf Anhieb. Die UNO stellt ihn schließlich als Sonderkurier. Er soll wichtige, aber inzwischen öffentliche DatensĂ€tze zur Archivierung bringen. AnfĂ€nglich ein reiner Routineauftrag, bis Morrow erkennt, das ein unbekannter AttentĂ€ter es nicht nur auf die DatensĂ€tze, sondern auch auf sein Leben abgesehen hat.

Mielkes Roman leidet trotz der dynamischen Anfangs unter einer quĂ€lend langsam verlaufenden Handlungen, die sich aus einer Reihe sehr unwahrscheinlicher VersatzstĂŒcke zusammensetzt. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass eine Agentin von einem Inspektor der Firma General Electrics gezwungen wird, ihre Mission aufzugeben und mit ihm zur nĂ€chsten Bahnstation zu fahren, um sich dort rechtmĂ€ĂŸig auszuweisen. Schließlich hatte sie verbotene elektronische GerĂ€te an Bord. Auch die Attentate auf Morrow wirken vor allem in Hinblick auf die Person der AttentĂ€ter fast leichtsinnig oberflĂ€chlich ausgefĂŒhrt. Das Morrow schließlich nicht nur auf den mehrmals begutachteten Filmen eine wichtige Information erkennt, welche den Spezialisten entgangen ist, ĂŒberzeugt ebenso wenig wie die Tatsache, dass er sich schließlich auf die Jagd nach seinen potentiellen Mördern im Alleingang macht und die Erde gegen die kaum bekannten Außerirdischen schon durch Zufall zumindest eine defensive “Waffe” entwickelt hat. Das diese dann auch noch gestohlen wird, ohne das die gesamten StreitkrĂ€fte informiert werden - zu diesem Zeitpunkt befand sich Morrow an Bord des modernsten Raumschiffs der Erde, dem DYNA- CARRIER ! - grenzt nicht an FahrlĂ€ssigkeit, sondern lĂ€sst sich nur durch diverse Verschwörungstheorien erklĂ€ren. Am Ende des Romans wird Morrow nicht nur in Amt und WĂŒrden zurĂŒckversetzt, die Menschheit macht sich romantechnisch daran, nach den unbekannten Außerirdischen zu suchen, denen Morrow sehr ĂŒberrascht schon im zweiten Heft “In den WĂŒsten der Venus” begegnet ist. Auch der Aufstand in “Der Wasserkönig der Zenta- Schlucht” ist auf einen perfiden Plan der Fremden zurĂŒckzufĂŒhren. Das plötzlich am Ende des vorliegenden Heftromans “Die gnadenlose Jagd” die militĂ€rischen AnfĂŒhrer ĂŒber ein umfangreicheres Wissen verfĂŒgen als bislang angenommen worden ist und anscheinend ohne weitere HintergrĂŒnde Morrow im Grunde nur zu einem menschlichen Köder degradiert worden ist, wirkt folgerichtig und wird von Thomas R.P. Mielke auch ĂŒberzeugend dargelegt. Nur im Kontext mit den anderen vorangegangenen Heftromanen ist der Bruch etwas zu stark und das Verhalten der MilitĂ€rs etwas zu forsch. Auch werden auf diese Art und Weise die vielleicht berechtigten AufstĂ€nde auf der Venus - wegen der im Grunde modernen GoldgrĂ€bergesellschaft und den schlechten Verkaufsbedingungen ihrer Waren - und auf dem Mars - warum das Wasser in einer derartig hierarchisch organisierten Gesellschaft privatisiert worden ist, entzieht sich dem Kenntnisstand der Leser - auf eine Verschwörung natĂŒrlich bösartiger außerirdischer MĂ€chte reduziert. Der Roman selbst erscheint mechanisch geschrieben. Zwar beschreibt Mielke das Eindringen des Saboteurs genauso eindringlich wie den Endkampf zwischen den AttentĂ€tern und Morrow, aber Mielkes Schreibstil ist im vorliegenden Band ĂŒberzogen distanziert. Auch wirkt es unglaubwĂŒrdig, dass die AttentĂ€ter - vor allem wenn der Leser ihre Natur kennt - mehrmals derartige Fehlleistungen abliefern. Hier hĂ€tten sich die Autoren etwas Besseres, Originelleres einfallen lassen sollen und können. Auf die Serie bezogen bekommt “Ad Astra” mehr und mehr ein einprĂ€gsameres Gesicht. Der Fokus geht zwar mehr von einer möglichen friedlichen Besiedelung fremder Welten dank der neuen DYNA-CARRIER Technik zu einer Auseinandersetzung mit bösartigen fremden Wesen, deren Vorgehensweise genauso wie ihre Motive noch im Dunkeln liegen. Zu den besten Szenen im vorliegenden Roman gehören die ruhigen Augenblicke, in denen Mielke Chet Morrows Frustration ĂŒber seine ungerechte Degradierung und vor allem den Verlust seiner Chance, auf einem ersten interstellaren Raumschiffe mit zufliegen, schreibt. Diese Selbstzweifel verschwinden allerdings in dem Moment, in welchem Chet Morrow auf den DatensĂ€tzen seine wichtige Entdeckung macht. Das niemand anders ĂŒber diese Bilder gestolpert ist, erscheint unwahrscheinlich. Sehr viel effektiver wĂ€re es gewesen, Morrow mit dem bekannten Wissen als Ködern und Lockvogel einzusetzen, um die Feinde aus den Verstecken zu locken. So wirkt insbesondere die zweite HĂ€lfte des Romans zu unwahrscheinlich, zu konstruiert und insbesondere in Person Morrows zu vorhersehbar.

Der dritte Sammelband “Die HyĂ€nen des Alls” vereinigt die beiden bislang schwĂ€chsten Romane der “Ad Astra” Serie. Plottechnisch sind sie wichtig, da in ihnen der Fokus mehr und mehr auf die außerirdische Bedrohung auf der einen Seite und die fehlende Kooperation zwischen Geheimdienst sowie MilitĂ€r, oder Untergebener/ Vorgesetzter gelegt wird. Sowohl GrasmĂŒck als auch Mielke zeigen nur an einigen wenigen Stellen, das sie spannend und unterhaltsam zu gleich schreiben können. Sicherlich werden sie auch durch die Mechanik der Exposes behindert, in denen Francis vor allem auf bekannte VersatzstĂŒcke zurĂŒckgreift und der exotische Flair insbesondere der beiden Auftaktromane zu Gunsten aus unzĂ€hligen Heftromanen vertrauter und auch Mitte der sechziger Jahre nicht mehr origineller Szenarien zurĂŒckgedrĂ€ngt wird.

Garett & Francis: "Ad Astra 3: Die HyÀnen des Alls"
Roman, Softcover, 202 Seiten
Mohlberg- Verlag 2008

ISBN 9-7839-4018-1145

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