Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: SachbĂĽcher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Science Fiction (diverse)



Zoller& Francis

Ad Astra 2:
Der Gefangene von Mare Titow

rezensiert von Thomas Harbach

Den dritten Band „Der Wasserkönig aus der Zentaschlucht“ hat Arno Zoller verfasst. Er erschien als UTOPIA- Zukunftsroman 554 im Jahre 1967.
Hinter dem Pseudonym Arno Zoller versteckt sich der 1943 in Berlin geborene Werbeberater Rolf W. Liersch. Seit 1961 hat er unter Pseudonymen wie Chester Henderson oder Ed La Rocca Heftromane für die Zauberkreis SF oder die UTOPIA Zukunftsromane geschrieben. Neben „Red Corda“ - hier schließt sich der Kreis mit Francis und Mielke - hat Liersch unter anderem auch an „Die Terranauten“ mitgeschrieben und die Chronik dieser Serie als BASTEI Taschenbuch veröffentlicht.


Auf ihren Erprobungsflügen ist der DYNA- CARRIER jetzt von der Venus zum Mars unterwegs. Dabei entdecken sie ein Passagierschiff, das offensichtlich von Piraten überfallen worden ist. Die Besatzung ist verschwunden, die Passagiere sind bis auf eine junge Frau, die sich verstecken konnte, alle ermordet worden. Morrow bringt die Frau an Bord des CARRIERS. Hier stellt sich heraus, das es sich um die Tochter eines der Wasserkönige – in diesem Fall aus der Zentaschlucht und der einzige wohlhabende Amerikaner auf dem roten Planeten - des Mars handelt. Diese haben vor vielen Jahren die Wasserrechte für die unterirdischen Kavernen von der Regierung gekauft und entsprechende Filteranlagen auf eigene Kosten gebaut. Jetzt verkaufen sie das wertvolle Nass an die Bevölkerung. Auf dem Mars selbst hetzt ein unbekannter Mann – der Strahlende genannt – die Bevölkerung auf. Die Mitglieder des DYNA-CARRIERs geraten mitten in einen Aufstand. Die aufgebrachte Bevölkerung will ausgerechnet das Reservoir des Wasserkönigs überfallen, dessen Tochter sie gerettet haben. Es sind Gerüchte im Umlauf, dass die anderen Quellen verseucht sind. Diese stellen sich als wahr heraus. Morrow und Atkins erhalten gegen den Willen ihres Vorgesetzten von der UNO einen Sondermissionarsstatus. Sie sollen die Verseuchung der anderen Quellen, welche in Besitz von Asiaten sind, untersuchen. Mitten in einer solchen Untersuchung platzt das Gerücht, dass der Wasserkönig der Zentaschlucht die Notlage ausgenutzt und die Wasserpreise gegen Regierungsedikt verdoppelt hat. Morrow, Atkins und ihre Begleiterin werden als Spione von den aufgebrachten Wasserbaronen verhaftet. Wieder schlägt der unbekannte Saboteur zu.

Nach dem erdnahen Raum im ersten Band sowie der Venus im zweiten Roman geht es jetzt zum roten Planeten. Die Szenen, in denen der DYNA-CARRIER dem Schiffswrack begegnet, sind durch eine Doppelperspektive von Arno Zoller sehr packend beschrieben worden. Ihm gelingt es, aus dieser nicht sonderlich originellen Idee einiges zu machen. Leider werden im Verlaufe des Romans die sich aufwerfenden Fragen nicht annähernd beantwortet. So fragt sich die Besatzung des DYNA- CARRIERS, ob es wirklich ein Zufall ist, dass sie in den Weiten des Alls diesem Raumschiffwrack begegnen? Oder ob es sich um eine komplizierte Falle handelt? Welches Element das aufgebrachte Schiff in dem komplexen Plan steht, auf dem Mars eine Revolution anzuzetteln und das Gleichgewicht im Sonnensystem zu destabilisieren, wird nicht deutlich herausgearbeitet. Zu den offenen Fragen fügt sich noch die Identität des geheimnisvollen Attentäters hinzu. Erste Hinweise haben sich in dem Venusabenteuer befunden. Aber Francis geht sehr geschickt vor. Chet Morrow kann seine Vermutungen nicht beweisen, er ist quasi der einzige Augenzeuge. Und wie unbeliebt er bei seinen direkten Vorgesetzten ist, zeigt der dritte Band der Serie an einigen Stellen schon zu übertrieben deutlich. Francis parodiert das sture militärische Scheuklappendenken in seiner Serie und setzt interessante Kontraste gegen die zu dieser Zeit noch streng von K.H. Scheer durchorganisierte „Perry Rhodan“ Serie. Unabhängig davon ist er gezwungen, Chet Morrow und Tom Atkins einen von der UNO sanktionierten Sonderauftrag zu geben, um sie im zweiten Teil von „Der Wasserkönig aus der Zentaschlucht“ herauszulösen. Unabhängig davon hätte auch der ranghöchste Offizier an Bord des DYNA- CARRIERS aufgrund der vorgefundenen Sondersituation einen ähnlichen Auftrag geben können. Nur wäre in diesem Fall die attraktive, aber weder dumm noch naive kleine Wasserkönigin in den Plot integriert worden. Sowohl stimmungstechnisch als auch in Hinblick auf die stringente, aber mit einigen sehr guten Szenen durchsetzte Handlung überzeugt der dritte Band deutlich mehr als Mielkes „In den Wüsten der Venus“. Das Hintergrundszenario ist stimmig. Zoller schildert den Mars als kargen Planeten, die Wasserflächen sind unter der Oberfläche. Ein bisschen naiv ist das eher genossenschaftliche Vorgehen bei der Wasserverteilung, wo auf der einen Seite die Unternehmer das gesamte Risiko tragen, auf der anderen Seite allerdings die Regierung zu Gunsten der Siedler die Preise zumindest kontrolliert. Außerdem erfährt der Leser nur spärliche Informationen über den Hintergrund der anscheinend schon länger schwelenden Konflikte. Denn der Mars ist überwiegend von Asiaten besiedelt, die eher eine devote Haltung gegenüber Obrigkeiten an den Tag legen. Unabhängig von diesen Oberflächlichkeiten gelingt Zoller ein packender Roman. Der Zweikampf am Gipfel der Marsschlucht zwischen Morrow und dem Strahlenden gehört ebenso zu den Höhepunkten des Buches wie das Eindringen der staunenden Menschen in die unterirdischen Höhlen voller – jetzt allerdings verseuchtem – Wasser. Zoller verteilt die Actionszenen sehr gut über den gesamten Roman. Wieder beginnt es mit einem Paukenschlag – dem Auffinden des Raumschiffwracks. Eine wohltuende Abwechselung zu den Sabotageversuchen in den ersten beiden Büchern. Auch wenn in der zweiten Hälfte des Romans eifrig sabotiert und kollaboriert wird. Morrow und Atkins werden im vorliegenden dritten Band der Serie aber jetzt eindeutig in den Mittelpunkt der Handlung gerückt. Beruhten ihre Aktionen insbesondere im zweiten Teil der Serie eher auf der Prämisse „Zur rechten Zeit am falschen Ort“ werden sie jetzt für diese heikle Mission extra ausgewählt.


Den vierten Roman „Der Gefangene von Mare Titow“ hat wieder H.G. Francis verfasst. Er erschien als UTOPIA Zukunftsroman 556 ebenfalls 1967.

Der DYNA- CARRIER wird auf seinem Ruckflug vom Mars zum Mond umgelenkt. Hier droht ebenfalls ein Aufstand und der hochrangige Botschafter soll an der Bord des Raumschiffs sicher zur Erde zurückgebracht werden. Af dem Mond wird auch Dr. Trevor Jolass festgehalten, ein gefährliches Genie, ein Physiker mit ungeheurem Wissen. Nach eine Reihe von spektakulären Verbrechen ist er inzwischen in dem ausbruchssicheren Gefängnis im Mare Titow auf dem Mond eingesperrt. Während eines Aufstandes der Gefangenen gelingt ihm die Flucht. Seine Spuren führen zum DYNA-CARRIER, dem einzigen Raumschiff, das den Mond in den letzten Wochen angeflogen hat. Eine Durchsuchung führt nichts zu Tage. Genauso verzweifelt wird nach seiner Fluchtmöglichkeit gesucht. Chet Morrow lässt sich als Gefangener mit einer zwölfjährigen Haftstrafe einliefern. Ein Plotelement, welches Francis aus unerklärlichen Gründen im Verlaufe des Buches nicht weiter verfolgt, ist das Experimentieren mit den Gehirnen der Gefangenen. Hier hätte der Autor sicherlich bessere Ansätze gefunden, um die Flucht überzeugend zu gestalten. Chet Morrow vermutet schnell, dass Mannschaftsmitglieder eines der DYNA Schiffe Jolass geholfen haben müssen. Aber die Begründung wirkt nicht unbedingt zwingend. Im Gefängnis streitet sich Chet Morrow mit einem koreanischen Karatechampion und der rechten Hand Jolass. Er hofft, über diese Schiene den Fliehenden zu finden. Mit einer spektakulären Aktion will Jolass die UNO Regierung erpressen. Sein Ziel ist der DYNA-CARRIER. Mit diesem Schiff, ausreichend Proviant und den Gefangenen aus dem Mare Titow will Jolass Alpha Centauri erreichen und eine neue Kolonie gründen. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verliehen, zündet er über New York eine Lichtbombe. Als nächstes will er Bomben mit neuen bakteriellen Kampfstoffen über der Erde verteilen.

Wenn am Ende des packend geschriebenen Romans Chet Morrow zum vierten Mal im vierten Band der Insubordination beschuldigt wird, aber wegen seiner Verdienste um die Menschheit ebenfalls zum wiederholten Male mit einem blauen Auge und einem strengen verbalen Verweis davonkommt, wirkt diese Vorgehensweise pathetisch. Dazwischen liegt ein Abenteuer, das den damals noch nicht futuristischen James Bond Filmen näher steht als einer klassischen Space Opera. Dabei verarbeitet Francis eine Reihe von eher bekannten Plotelementen wie das Einschleusen ins Gefängnis, die Provokation des größten Schlägers im Knast und schließlich das waghalsige Manöver, um in letzter Sekunde den Holocaust der Menschheit zu verhindern. Mit Jolass bemüht sich Francis, einen charismatischen Antagonisten zu entwickeln. Leider integriert er ihn nur notdürftig in die laufende Handlung. Über weite Strecken des Buches lernt der Leser nur aus dritter Perspektive etwas über ihn. Damit umgeht Francis auf der einen Seite die Klischees des überintelligenten, aber letztendlich doch leicht zu überführenden Schurken, nimmt dem Roman aber auch ein Spannungselement. Ein Wechsel der Perspektiven hätte dem teilweise sehr spannend und vor allem mit ausreichender Brutalität geschriebenen Plot gut getan. Am Ende zeigt sich, das Chet Morrow auch seinen Emotionen freien Lauf lässt und lieber die Gerechtigkeit in die eigenen Hände nimmt als der irdischen Justiz über Gebühr zu vertrauen. Spannungstechnisch überspannt Francis besonders gegen Ende des Buches den Handlungsbogen, aber auf dem Weg dahin gelingen ihm trotz des im Grunde mechanisch ablaufenden Plots nicht nur einige gute Sequenzen, das Universum seiner Charaktere wird immer dichter. So spielt eine hübsche Geheimagentin aus dem ersten Roman wieder eine tragende Rolle. Zusammengefasst ist „Der Gefangene von Mare Titow“ ein eher durchschnittlicher Roman der Serie, aber nach der Erde, der Venus und dem Mars spielt jetzt auch eine Geschichte auf dem Mond.

Der zweite Sammelband der „Ad Adstra“ Reihe bietet eher handfeste Unterhaltung. Die Autoren konzentrieren sich darauf, bodenständige Geschichten zu erzählen, die oft zwischen den Pferdeopern anderer deutscher Leihbuch- und Heftromanautoren und einer durchaus kritischen Auseinandersetzung gängiger Strömungen hin und her pendeln. Beide Romane sind stilistisch solide geschrieben, wobei „Der Wasserkönig aus der Zentaschlucht“ das qualitativ ansprechender Abenteuer darstellt. Der Titel des zweiten Sammelbandes stammt vom später erschienenen UTOPIA Zukunftsroman, das Titelbild allerdings vom ersten der beiden veröffentlichten UTOPIA Romane. Zusätzlich zu einem kurzen Vorwort hat Heinz Mohlberg wieder die ursprünglichen Expose von H.G. Francis im Anhang abgedruckt. So erhalten die Leser einen sehr guten Endruck von den Vorlagen, auf denen sie ihre Romane aufgebaut haben.

Zoller& Francis: "Ad Astra 2: Der Gefangene von Mare Titow"
Roman, Softcover, 202 Seiten
Mohlberg- Verlag 2008

ISBN 9-7839-4018-1022

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::