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Science Fiction (diverse)



Frank G. Gerigk

Als ich in der Fernsehwelt war

rezensiert von Thomas Harbach

Im Rahmen seiner belletristischen Reihe legt der EDFC einen Kurzgeschichtensammelband Frank G. Gerigks auf, der seit vielen Jahren seine sehr unterschiedlichen Storys in Magazinen wie „C´t“, „Fantasia“, „Exodus“ oder „Space View“ veröffentlichte. Der 1963 geborene Gerigk, verheiratet, Vater zweier Kinder, hat nach seinem Studium der Geowissenschaften für diverse Fachmagazine und Gutachterausschüsse gearbeitet. Inzwischen leitet er eine Public Relation Abteilung einer mittelständischen Firma der Bauzulieferindustrie. Neben seinen Kurzgeschichten hat der Autor sekundärliterarische Artikel in Fanzines wie den „Andromeda Nachrichten“ sowie dem „Perry Rhodan Report“ oder dem „Spektrum der Wissenschaft“ veröffentlicht. Im vorliegenden Band werden insgesamt zehn Geschichten zusammengefasst, die seine literarische Bandbreite von der Fantasy über die Space Opera bis zur Satire aufzeigen. Dabei nutzt Frank Gerigk gerne Versatzstücke der Science Fiction - siehe den tödlichen Kampfroboter auf „Derangement auf Sonntagmorgen“ -, um mit diesen oft als Klischee bezeichneten Elemente neue Welten zu entwickeln. Viele seiner Kurzgeschichten schwingen das scharfe Schwert der Satire, zeigen die Schwächen unserer Technik - und Mediengesellschaft auf und extrapolieren diese Entwicklung nicht immer ganz ernst in eine nicht unbedingt lebenswerte, aber ansehenswerte Zukunft.

Die Titelgeschichte „Als ich in der Fernsehwelt war“ ist keine Satire auf eine aus dem Lot geratene Mediengesellschaft, sondern eine anrührende Geschichte um einen offensichtlich in der Realität körperbehinderten Jungen- in diesem Punkt bleibt Gerigk ganz bewusst wage -, der in der virtuellen Realität lernen soll, seinen Körper zu beherrschen. Ausschließlich aus der Perspektive des Jungen erzählt stellt Gerigk die beiden „Realitäten“ gegenüber. Der Leser ist hinsichtlich des Plots dem unzuverlässigen Erzähler voraus, aber durch diesen Schritt weiter bildet sich die Sympathieebene sehr viel stärker aus als in der Dritten- Person Ebene. Dem Leser wird bewusst, wie zerbrechlich auch die reale Ebene sein kann. Eine gut geschriebene, emotional überzeugende Geschichte, welche nicht in den Kitsch abdriftet. In „Der Gutachter“ zeigt der Autor auf, dass unsere kommerzielle Welt im Grunde belogen werden will. Mittels der satirischen Seitenhiebe entlarvt er das Produktmarketing als reine Farce. Entsprechend technisch extrapoliert wirken seine Meinungsumfragen wie die Mitglieder einer Sekte der sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Im Vergleich zu anderen Texten wie „Als ich in der Fernsehwelt war“ distanziert Gerigk ganz bewusst seinen nicht unbedingt sympathischen Protagonisten vom Leser, um zynisch sein satirisches Schwert härter schwingen zu können. Das Ende ist ein wenig zu melodramatisch überzeichnet, der Vergleich mit den unnützen Schafen zu aufgesetzt. Während in „Der Gutachter“ er Protagonist das Geld aus den Umfragen dringend benötigt, um seine karge Rente aufzubessern, beschreibt Gerigk in „Derangement auf Sonntagmorgen“ eine Gesellschaft, die sich mittels der virtuellen Realität bzw. ihrer überragenden Technik die Langeweile vertreibt. Der Protagonist gerät bei seinem morgendlich Spaziergang auf der fiktiven Welt Sonntagmorgen in die Fänge eines überdimensionalen Kampfroboters, der in der Manier der Transformers sein Waffenarsenal ausbreitet und versucht, den Menschen zu töten. Als diese groteske Situation in einem Patt mittels taktischer Atombombe zu enden droht, versucht Gerigk den Plot mit einem kleinen, aber irgendwie aufgesetzten Trick zu beenden. Das Ende wirkt sperrig und erinnert eher an eine Farce als die anderen erzähltechnisch eher satirischen Elemente. „Welten“ als letzte der Virtual Reality Storys weißt eine der besten Prämissen der Sammlung - zusammen mit „Als ich in der Fernsehwelt war“ - auf, die allerdings nicht adäquat genug umgesetzt worden ist. Ein unter einer Schreibblockade leidender Autor lässt sich eine Reihe von Sensoren einpflanzen, die sein Gehirn stimulieren und dafür sorgen, dass seine Träume quasi bei ihm bleiben. Er zieht sich in ein Ferienhaus in einer kleinen Ortschaft zurück und lernt eine sehr attraktive Frau kennen. Aus der Ideen der mittels VR überwundenen Schreibblockade macht Frank Gerigk zu wenig. Auch gelingt es ihm nicht, eine Brücke zum Leser zu schlagen und das Ende der Geschichte wirkt unentschlossen, nicht besonders originell und aufgesetzt. „Welten“ gehört zu den schwächsten Texten der Sammlung.

Zu den schwächsten Geschichten der Sammlung gehört die Fantasy Story „Die Ode von Halverik“. Das liegt weniger an der klassischen Mittelalterlichen Welt oder gar der faszinierenden Idee der Kriegsharfe sowie der geistigen Symbiose zwischen dem lebenden Instrument und dem jeweiligen Harfner, sondern in erster Linie an frank G. Gerigks sehr sperrigem Stil. Im gelingt es nicht, den richtigen Pathos zu erzeugen, der die großen Balladen so auszeichnet. Weiterhin wirkt die Geschichte sehr uneben strukturiert. Der Anfang ist sehr ausführlich, das Ende dagegen überhetzt und ideenarm. Viele der Handlungsstrukturen lassen sich viel zu früh erkennen. Die Dialoge erscheinen steif und künstlich verzerrt. Die Figuren selbst sind nicht überzeugend gezeichnet. In anderen Texten der Sammlung wie zum Beispiel „Der Gutachter“ verzichtet der Autor fast ganz auf eine individuelle Charakterisierung und alleine das satirische Element trägt eine solche deutlich kürzere Geschichte. In einem Heldenepos ist es allerdings außergewöhnlich wichtig, nicht nur die Protagonisten zu kennen, es muss eine Sympathieebene zu diesen im Grunde tragischen Figuren aufgebaut werden. Und in dieser Hinsicht funktioniert die unauffällig geschriebene längere Geschichte trotz der pointierten und gut eingesetzten Idee eines lebendigen Instruments nicht überzeugend genug. Mit „Vom Kampf des Samorix gegen den Anderugos“ fügt Gerigk eine historische Kurzgeschichte der Sammlung zu, die knapp 500 Jahre vor Christus spielt. Der Autor schildert das Aufeinandertreffen zweier Feldherren auf dem heute Roudomagos genannten Feld, das augenscheinlich von den Bauern gemieden wird. Gerigk gelingt es, eine dunkle, archaische Atmosphäre zu entwickeln. Aufgrund ihrer Kürze entwickelt er die beiden Antagonisten nur rudimentär, die historische Recherche ist aber insbesondere für einen so kurzen Text sehr eingehend.

Die längste Geschichte, fast eine Novelle, ist die Space Opera „Blauer Tee aus Sakri Kashkant“. In ihr folgt Frank G. Gerigk der Tradition Jack Vances. Jedes Kapitel wird mit Informationen über den Zielplaneten eingeleitet. Ein Agent wird auf die karge Wüstenwelt geschickt, deren Exportschlager ein blauer Tee ist. Dieser wirkt im bekannten Universum wie eine kräftige Droge und die Mächtigen möchten gerne hinter das Geheimnis der Herstellung dieses blauen Tees kommen, um ihn synthetisch nachbilden zu können. Durch die Augen des Einzelgängers in dieser nicht chronologisch erzählten Geschichte lernt der Leser nicht nur den exotischen sehr gut erdachten Planeten und seine freundlichen, friedlichen Bewohner kennen. Wie so oft ist es auch eine Reise in das Innere des Charakters, der bald das eigentliche Ziel seiner Missionen aus den Augen verliert und sich auf die Seite der Ureinwohner schlägt. Das Aufbrechen einer chronologischen Erzählstruktur soll die Spannung der Geschichte erhöhen. Der Charakter und Erzähler versorgt stellvertretend für den Leser andere Charaktere mit wichtigen Informationen, nimmt Ereignisse vorweg und überdeckt mit dieser Vorgehensweise das gute Plotende. Stellenweise negiert Gerigk mit dieser Vorgehensweise die von ihm selbst aufgebaute Spannung und das überzeugende Ende wirkt ein wenig zu hektisch, zu schnell erzählt. Es ist aber insbesondere der Planet des Blauen Tees, der aus dieser lesenswerten und stilistisch ansprechend geschriebenen Story herausragt.

„Miesens Electric gegen Unbekannt: Detektei Schradder und Prokop ermittelt“. Das der Anthologie jegliche Quellenangaben und vor allem ein einführendes Vorwort fehlt, ist nicht bekannt, ob Frank Gerigk weitere Geschichten um diese beiden Karikaturen der Industriespionagebranche geschrieben hat. Stimmungstechnisch greift der Autor auf die zahllosen italienischen James Bond Kopien der sechziger Jahre zurück. Unwillkürlich erinnert sich der Leser an „Dr. Goldfoot and the Bikini Machine“ von Mario Bava. Die beiden verschrobenen Detektive sollen einen stetig die Farben wechselnden Bikini zurückholen, der als Objekt der Industriespionage von einer attraktiven Frau am hübschen Körper tragend entwendet worden ist. Nach einigen Wendungen im Verlaufe des parodistisch geschriebenen Plot sind alle Seiten zumindest für den Augenblick zufrieden. Bei der einzigen Actionsequenz imitiert Gerigk die James Bond Filme. Darüber hinaus sind die Figuren eher bemüht lustig geschnitzt und die Dialoge wirken trotz der vorgegebenen Lockerheit sehr steif.

Ein weiterer absoluter Höhepunkt ist die Geschichte „Räumer und Gendarm“. Hier greift der Autor das unsägliche Thema Landminen auf. In einem Wettbewerb sollen verschiedene neuartige Räummethoden ausprobiert werden, bis die egoistischen Eifersüchteleien und die persönliche Missgunst das Gute im Projekt im wahrsten Sinne des Wortes abtötet. Als Bericht geschrieben fügt Gerigk seiner dunklen, humorlosen Geschichte eine Reihe von gut recherchierten Fakten bei, welche die Problematik dieser Millionen von hinterhältigen Vernichtungswaffen wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

Das erste und letzte Märchen der Sammlung „Schneewittchen 2.0 der Brüder Grimm und Frank G. Gerigk“ ist ein Lesegenuss. Der Autor das bekannte Märchen auf die Gegenwart umgedichtet, in dem er Schneewittchen als Ikone der Links darstellte, die sieben Zwerge zu indischen Programmieren mit Green Cards machte und schließlich den grundlegenden Plot zu einem Kampf um die meisten Klicks veränderte. Mit bissiger Ironie und leider sehr viel Wahrheit zwischen den ganz bewusst im alten Stil gelassenen Zeilen parodiert der Autor unsere schöne neue Welt. In den Anmerkungen extrapoliert der Autor seine ursprüngliche Intention und erläutert seine Vorgehensweise. Die lesenswerte Geschichte spricht allerdings für sich selbst und gehört zu den Höhepunkten der Sammlung.

Von den zehn hier zusammengefassten Geschichten überzeugen im Grunde alle Texte entweder als Ganzes oder zumindest von der Ausgangsidee - siehe „Welten“ - her. Sie unterstreichen Frank G. Gerigks stilistische Wandlungsfähigkeit und sein Auge, Trends der Gegenwart in mehr oder minder parodistischen bzw. bitteren Texten zu extrapolieren. Im Gegensatz zur Fantasy bzw. historischen Geschichte liegen seine Stärken im Spiel mit den verschiedenen Realitäten. Die vier hier versammelten Virtual Reality Texte zeigen, aus welch unterschiedlichen Perspektiven er diese gegenwärtigen Themen angeht und sie nicht von Beginn an verteufelt. So zeigt „Als ich in der Fernsehwelt war“ als einzige Geschichte, dass diese Techniken dem kranken Menschen auch helfen könnten. Zusammengefasst ist Frank G. Gerigks erste Kurzgeschichtensammlung eine interessante, sehr empfehlenswerte aber vor allem auch kurzweilige Lektüre. Sie gibt einen guten Überblick über die Brandbreite Frank G. Gerigks Kurzgeschichtenwerkes.

Frank G. Gerigk: "Als ich in der Fernsehwelt war"
Anthologie, Softcover, 232 Seiten
EDFC 2008

ISBN 9-7839-3991-4044

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