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Science Fiction (diverse)



Siegfried Langer

Alles bleibt Anders

rezensiert von Thomas Harbach

Der Klappentext von Siegfried Langers Erstlingsroman “Alles bleibt anders” trifft im Gegensatz zu vielen anderen Veröffentlichungen des ATLANTIS- Verlages nicht ganz den Kern des Plots. Siegfried Langers Erstling ist keine klassische Zeitreise oder Parallelweltgeschichte. Beide Elemente sind für den Verlauf der Handlung wichtig, aber in erster Linie handelt es sich um eine Variation der “Sliders” Idee von unendlichen Erden, deren Entwicklung nebeneinander verläuft. Auf einer dieser Welten wacht Frank Miller ohne Gedächtnis auf. Nur durch einen Zufall gelingt es ihm, seinen Namen zu nennen. Auf einer kleinen Odyssee durch Berlin kommt er schließlich zu seinem ehemaligen Elternhaus, in dem ein freundlicher Nachbar ihn aufnimmt und ihm gleichzeitig erklärt, das er seit drei Jahren tot ist. Auf dem Friedhof trifft er seine Mutter an seines Vaters und seinem eigenen Grab. Seine Mutter hat niemals wirklich an seinen Tod geglaubt. Man hat seinen Körper neben den Bahngleisen gefunden. Anscheinend ist er von einem Zug erfasst worden. Nach und nach kehren Fragmente seines Gedächtnisses zurück. Er trifft seine Verlobte wieder, die inzwischen mit einem Widerling verheiratet ist. Das Berlin, durch das sich Frank Miller bewegt, ist nicht die Hauptstadt des Dritten Reichs. Die Zeit scheint sich nur unwesentlich von der Wilhelmischen Ära fortbewegt zu haben. Die Gründung der NSDAP steht aber ausgerechnet durch den Ehemann seiner ehemaligen Verlobten unmittelbar bevor, auch wenn inzwischen das Jahr 2008 geschrieben wird. Durch einen Zufall erinnert sich Frank Miller der Bedeutung des kleinen Medaillions, das er bei sich führt und das allgemeines Interesse von sehr unterschiedlichen Menschen auf sich lenkt. Es ist der Schlüssel zu anderen Welten. Anscheinend hat Frank Miller auf einer anderen Ebene an einem Experiment teilgenommen. Siegfried Langer wagt plottechnisch einiges, wenn er den ersten spannenden Handlungsbogen sehr abrupt abschließt und den Leser zusammen mit Frank Miller in die augenscheinlich erste Ebene zurücktransportiert. Hier erfährt der Außenstehende Betrachter die wichtigsten Hintergrundinformationen und lernt eine Welt kennen, in welcher die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben und inzwischen Europa aus Germania heraus regieren und mit ihrem Terror überziehen. Frank Miller wird Mitglied einer kleinen Widerstandsgruppe, die mittels ihrer Erfindung eine Parallelwelt suchen, in welcher sich die NSDAP nicht als dominierende Regierungspartei und der Nationalsozialismus als Diktatur einer Handvoll verrückter und machtgieriger Männer durchgesetzt hat. Gar nicht so einfach, wie die ersten Feldversuche zeigen, denn mehr als neunzig Prozent aller Welten haben eine ähnliche Entwicklung genommen. Plottechnisch interessant ist die Tatsache, dass Frank Miller ausgerechnet aus einer solchen idealen Welt gekommen ist. Die Gründung der Partei wäre zumindest dort noch zu verhindern, bzw. durch die chronologisch späte Parteigründung müsste die historische Entwicklung einen anderen Verlauf nehmen können. Im dritten wichtigen Handlungsbogen konzentriert sich Siegfried Langer schließlich auf die Umsetzung der im Mittelteil aufgestellten Theorien. Für den Autoren gibt es zwei wichtige Faktoren, welche die nicht von der NSDAP beherrschten Welten gemeinsam haben. Eine Idee ist die erfolgreiche Landung der Alliierten in der Normandie, die zweite Idee soll hier nicht verraten werden. Natürlich entspricht die Welt, in welcher die Landung der Alliierten erfolgreich gewesen ist, der Realität des Lesers. Aber Siegfried Langer macht sich ein böses Vergnügen daraus, auch diese Welt zu karikieren und auf die diversen Schwachstellen hinzuweisen. Mit dieser Vorgehensweise kann er den Leser noch einmal verblüffen, aber auf der anderen Seite sollte der Autor zumindest eine idealisierte “Welt” zur Verfügung stellen, um über eine Basis in seinem Roman zu verfügen. Die unterschiedlichen Parallelwelten - bis auf die angesprochene Schwäche - charakterisiert der Autor sehr überzeugend und extrapoliert eine Reihe von möglichen Geschichtsverläufen auf einer nachvollziehbaren und immer wieder gut begründeten Basis. Im Gegensatz zur Fernsehserie “Sliders” können sich die Charaktere nicht selbst begegneten, ihre Körper müssen quasi zwischen den einzelnen Welten getauscht werden. Dieser Austausch vollzieht sich am besten, wenn das Objekt der Begierde schläft. Auch ist ein Wechsel zu Welten nicht möglich, in denen die Protagonisten nicht leben. Diese Einschränkungen geben dem dank der ungewöhnlichen Struktur gut nachvollziehbaren Plot eine besondere Würze, auch wenn Siegfried Langer im Verlaufe des Romans auf eine Reihe von spannungstechnischen Klischees zurückgreift. Hinsichtlich des Showdowns wäre es vielleicht sogar sinnvoller gewesen, die Charaktere schon während ihrer Mission und nicht nur hinsichtlich des Endergebnisses scheitern zu lassen. Unabhängig von dieser Schwäche gelingt es Langer im letzten Augenblick, den Leser und die Protagonisten noch einmal zu verblüffen, bzw. verzweifeln zu lassen.

Siegfried Langer verweist in seinem kurzen Nachwort noch einmal darauf, dass es sich bei “Alles bleibt anders” um seinen Erstlingsroman handelt. Er hat sich sehr intensiv mit dem Hintergrund und der zugrunde liegenden Idee auseinandergesetzt. Der Roman leidet allerdings unter der teilweise sehr einfachen Charakterisierung der einzelnen Protagonisten. Vor allem gelingt es ihm nicht immer, wirklich eine Sympathieebene zwischen Frank Miller und dem Leser aufzubauen. Der erste Spannungsbogen wirkt teilweise sehr distanziert, ist allerdings auch über ambitioniert geschrieben. Hier versucht der Autor, möglichst viel in die teilweise sehr starren Beschreibungen hineinzupressen. Die Dialoge wirken teilweise ein wenig zu starr, zu konstruiert und auf der emotionalen Ebene ist Siegfried Langer teilweise noch ein wenig überfordert. Deutlich wohler fühlt sich der Autor in der emotionslosen, paranoiden Welt eines die Welt regierenden Dritten Reiches. Die Beschreibungen
der Verbrechen gegen die Menschlichkeit der nationalsozialistischen Ärzte sind schmerzhaft detailliert. Dazu kommen noch nicht mehr so genaue Beschreibungen der verschiedenen Foltermethoden, mit denen die Nazis ihren Gefangenen die wichtigen Informationen entlocken wollen. Die Atmosphäre ist sehr dunkel, düster. Das die Wissenschaftler allerdings ihre Experimente nach Germania verlegen müssen, ist eine der plottechnischen Konstruktionen, die mehr dem Hintergrund als der Überzeugung geschuldet worden sind. Immerhin befinden sich in dieser Welt auch die entsprechenden Gegenstücke nicht in der Reichshauptstadt und ob die Lösung auf die Frage nach einer effektiven Bekämpfung der scheinbar allgegenwärtigen NSDAP nur in Germania gefunden werden kann, wird auch nicht restlos überzeugend von Siegfried Langer dargestellt. Aus spannungstechnischer Sicht ist der Umzug von Großbritannien nach Germania notwendig, auch wenn es schier unglaubwürdig erscheint, dass die entsprechenden Behälter ohne Probleme unter den Augen eines gänzlich paranoiden Machtapparates wirklich transportiert werden könnten. Hinsichtlich der von Siegfried Langer angedeuteten Welt fallen dann allerdings die Beschreibungen teilweise ein wenig zu spärlich aus. Hier hätte sich der Leser mehr Informationen und vor allem ein besseres Zusammenspiel mit der bekannten Historie erhofft. Auch fallen der kleinen Gruppe eine Reihe von Erfindungen zu leicht. Immer wenn der Plot nach einer Verbesserung der Erfindung schreit - von dem körperlichen Austausch zwischen zwei Parallelwelten bis zur Zeitreise innerhalb einer anderen Welt - hat das kleine Team unter erschwerten Bedingungen eine Lösung parat. Nur das Versteckt auf der kleinen, friedlichen Ostseeinsel Bornholm reicht nicht, um den kritischen Leser wirklich zu überzeugen. Zumindest verzichtet der Autor auf das klischeehafte Happy End. Er lässt seinen Figuren eine kleine Hintertür offen und schließt den Kreis zumindest auf einer versöhnlichen Note.

Trotz der angesprochenen Schwächen und eines teilweise noch zu bemühten sowie manchmal überambitionierten, nicht immer wirklich fließenden Stils ist “Alles bleibt anders” eine interessante und vor allem teilweise sehr einfallsreiche Ergänzung der “Sliders” Problematik. Das Buch ist gut recherchiert und liest sich hinsichtlich des vielschichtigen Plots sehr fließend. Der technisch wissenschaftliche Hintergrund wird überzeugend, ohne belehrend zu sein, erläutert. Insbesondere die Welten an sich sind sehr gut entwickelt worden. Für den Leser fügen sich die einzelnen Szenarien erst im Verlaufe des Romans nachvollziehbar zusammen. Auch wenn die Charakterisierung teilweise ein wenig zu eindimensional ist, sind die einzelnen Protagonisten zumindest gezeichnet. Hinsichtlich der Nebenfiguren hat sich Siegfried Langer Mühe gegeben, Typen zu zeichnen. Ein guter, interessant zu lesender Erstlingsroman und seit langem wieder ein schöner empfehlenswerter “Parallelwelt/Zeitreise” - Roman nach Motiven der “Sliders” Fernsehserie - aus der Feder eines deutschen Autoren.


Siegfried Langer: "Alles bleibt Anders"
Roman, Softcover, 241 Seiten
Atlantis Verlag 2008

ISBN 9-7839-3674-2954

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