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Science Fiction (diverse)



Achim Hiltrop

Gallaghers Sieg

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Gallaghers Sieg“ liegt der bislang dritte und letzte Band der Gallaghers Chroniken vom Autoren komplett überarbeitet im Atlantis- Verlag vor. Es gibt noch eine zweite Trilogie, die vor einigen Jahren im Basilisk- Verlag erschienen ist und einige Jahre später spielt. Der dritte Roman ist handlungstechnisch das bislang kürzeste Abenteuer und wird durch eine Kurzgeschichte „Krise auf Symirus“ abgerundet, welche Gallaghers Sieg in einen Pyrrhussieg verwandelt. Orientierte sich der ersten Band der Serie „Gallaghers Sturm“ noch sehr offensichtlich an der Euphorie der „Star Wars“ Abenteuer, legte das Errol Flynn Piratenabenteuer „Gegen alle Flaggen“ die Grundlage für den zweiten Band. Der dritte Roman ist eine Hommage an die abenteuerlichen Science Fiction Pulpgeschichten, welche insbesondere Murrey Leinster und Keith Laumer veröffentlicht haben. Alleine die Ausgangsidee ist faszinierend: eine Alienrasse, mit welcher die Menschen schon mehrmals in diversen Konflikten gelegen haben, schlägt einen Planetentausch vor. Während die erste Welt rohstoffreichhaltiger ist, kann sie aufgrund eines Schädlings in der Atmosphäre von den Außerirdischen nicht genutzt werden, die Menschen haben gerade in Person von Gallagher einen sauerstoffreichen, aber Rohstoff ärmeren Planeten mit Flugsauriern gefunden, den die Fremden gerne hätten. Dabei verheimlichen sie ihre wahren Motive. Gallagher arbeitet inzwischen zusammen mit seiner stetigen Freundin Debbie und Trigger für die Explorationsflotte der Erde und wird beauftragt, die beiden Planeten noch einmal gründlich in Augenschein zu nehmen und vor allem die Motive der Außerirdischen zu eruieren. Durch die Handlung zieht sich weiterhin Starafars Versuch, Gallagher zu töten. Die entsprechenden Situationen sind aus dem ersten und zweiten Band bekannt. Mal scheitert Starafar an den überlegenen Kräften, die Gallagher zur Verfügung stehen, dann an seiner eigenen Überambitioniertheit, um schließlich – keine Überraschung für den Leser – sein Ziel gänzlich zu verfehlen. Wirkten die Auftritte im ersten Band noch einigermaßen originell und vor allem die Spannung des Plots erhöhend, gelingt es Achim Hiltrop spätestens im dritten Roman nicht mehr, dieser Handlungsebene neue Impulse zu verleihen. Sie erhöht die Dramatik in einzelnen Situationen, aber mit etwas mehr Konzentration auf das grundlegende Szenario hätte der Autor gut und gerne auf diesen kontinuierlichen und sich immer stärker abnutzenden Cliffhangar verzichten können.

Wie auch im zweiten Roman „Gallaghers Schlacht“ ist der Plot solide ausgearbeitet worden und trägt die Handlung komplett auf eigenen Schultern. Die hektischen Sprünge wie im ersten Band fehlen. Achim Hiltrop gibt sich sehr viel Mühe, die einzelnen Szenen solide und vor allem ruhig auszuformulieren und den Leser immer auf Augenhöhe in das Geschehen einzubeziehen. Vor allem verzichtet der Autor gänzlich auf die übliche schwarzweiße Malerei in Hinblick auf die Außerirdischen und gibt ihnen nachvollziehbare individuelle Züge. Der Leser kann sich über weite Strecken des Romans nicht sicher sein, ob die Friedensabsichten der Fremden – und auch der Menschen – wirklich ehrlich gemeint sind. Für die Menschen bedeutet der Planetentausch, dass sie den Fremden einen Einflugkorridor dank ihrer überlichtschnellen Raumschiffe zur Erde öffnen. In ihrer Argumentation übersehen sie, dass die Fremden ihnen auch einen vorgeschobenen Posten in Hinblick auf die eigenen Grenzen überlassen wollen. Auf diesen Gedankenfehler werden insbesondere die irdischen Behörden, die als bürokratisch, opportunistisch, schwerfällig und misstrauisch charakterisiert werden, ersten von den Fremden hingewiesen. Beide Planeten sind exotisch und Achim Hiltrop beschreibt sie ausführlich. In Hinblick auf die erste von Gallagher entdeckte Welt, greift der Autor schließlich im rasant geschriebenen Mittelteil auf Versatzstücke der „Indiana Jones“ und „Aliens“ Filme zurück. Hier steht vor allem James Camerons Fortsetzung Pate in Hinblick auf die Söldnertruppe, welche Gallagher ins Gefecht und ins Unbekannte führt.
Die Außerirdischen wollen zusammen mit Gallagher inklusiv einer Handvoll Söldner auf dem Planeten die alte Regierungshauptstadt finden, um gemäß einer Jahrtausendealten Tradition den Kaiser auf dem alten Thron krönen zu können. Diese Tradition ist im Verlaufe der Militärdiktatur in Vergessenheit geraten und wegen eines lange zurückliegenden Konflikts haben die Fremden den Planeten schließlich verlassen. Die dichte Wolkendecke ist ein mahnendes Erbe dieser militärischen Auseinandersetzung. Der Weg zur alten Hauptstadt und in den alten Palast ist mit vielen Hindernisse und perfiden Fallen versehen. Unachtsamkeit wird sofort mit dem Tode bestraft. Insbesondere Gallagher steht zwischen allen Stühlen. Auf der einen Seite muss er sich um seine Truppen kümmern, die ihm nicht zuletzt aufgrund der weiblichen Offizierin mit einer gehörigen Portion Misstrauen gegenüber stehen, auf der anderen Seite muss er den Aliens auf ihrer wichtigen und vor allem den Frieden in der Galaxis sichernden Mission beistehen. Diese Zwischenschritte beherrscht Achim Hiltrop sehr gut. Neben einigen gefährlichen aus dem Nichts auftauchenden Fallen gehören insbesondere die Hintergrundbeschreibungen der fremden Welt zu den besten Szenen dieser Trilogie. Vielleicht hätte sich der Autor noch ein wenig mehr Zeit nehmen sollen, um diese den Mittelteil des Buches dominierende Passage intensiver und vor allem ausführlicher zu beschreiben. Neben diesem klassischen Abenteuerszenario beherrscht die politische Auseinandersetzung auch innerhalb der verschiedenen opponierenden außerirdischen Kasten das Szenario und führt am Ende des Buches zu zwei spannenden, aber nicht mehr so packend wirkenden Szenen. Der Plot selbst ist stringent und eine bunte Mischung aus moderner Space Opera und Hommage an die Golden Age Zeit der Science Fiction. Von allen drei Büchern lässt sich „Gallaghers Sieg“ am flüssigsten lesen.

In Hinblick auf die einzelnen Charaktere hat sich Achim Hiltrop ebenfalls deutlich verbessert. Die Beziehung zwischen Gallagher und seiner Debbie wird durch deren Schwangerschaft und schließlich die Hochzeit der Beiden dominiert. Debbie bringt ein Mädchen zur Welt. Auch Achim Hiltrop ist Vater einer kleinen Tochter. Ob hier die Realität ein wenig die Fiktion bestimmt hat? ER bemüht sich. Gallagher als werdenden Vater mit allen Hoffnungen und Ängsten sowie einem eifersüchtigen intelligenten Raumschiff zu beschreiben. Dabei greift der Autor auf eine Reihe von inzwischen abgenutzten Klischees zurück und stellenweise ist der Leser von Gallaghers eher dümmlichen Aktionen und hilflosen Selbstzweifeln genervt. Warum der Autor nicht den Versuch unternommen hat, gegen diese Standardfloskeln anzuschreiben und einen entschlossenen Vater zu beschreiben, bleibt das Geheimnis des Autoren. Die Situation gipfelt in der Geburt auf einer fremden Welt dank der Hilfe von Ärzten, die sich sonst eher nur mit einer Eierlegenden Spezies auskennen. Hier hätte selbst Trigger als intelligenter und vor allem datentechnisch allwissender Geburtshelfer das bekannte Szenario ein wenig auflockern können. Debbie selbst will unbedingt als ehrbare – sprich geheiratete – Frau ihr Kind bekommen. Nur wo bekommt man einen entsprechenden Würdenträger her, welcher die Zeremonie schließen kann. Diese kleinen Nebenkriegsschauplätze sind zwar solide geschrieben, kommen dem Leser allerdings sehr bekannt vor und belasten die geradlinige Abenteuerhandlung über Gebühr. In Hinblick auf die Nebenfiguren entwickeln sich insbesondere Cartier und Starafar im Vergleich zu den ersten beiden Bänden deutlich zurück. Wie in „Gallaghers Sturm“ und „Gallaghers Schlacht“ führt Achim Hiltrop eine zweite weibliche Figur ein, mit welcher Gallagher unmittelbaren, wenn auch niemals amorösen Kontakt hat. In diesem Fall eine Offizieren seiner Spezialtruppe, die anfänglich seiner lockeren Art und Kommandoführung sehr skeptisch gegenüber steht. Aus diesem Szenario macht Achim Hiltrop zu wenig und der Funke springt nicht unbedingt über. Zusammengefasst ist die Zeichnung der einzelnen Figuren inklusiv der beiden Hauptprotagonisten ein wenig einfacher, eindimensionaler als ihm zweiten Band. Dagegen gelingen Achim Hiltrop in Hinblick auf die Zeichnung der Außerirdischen eine Reihe von hervorragenden Szenen und insbesondere die Leibwache des sympathischen Kaisers wird sehr gut gezeichnet.

Die Kurzgeschichte – mit knapp fünfundzwanzig Seiten schon fast keine Kurzgeschichte mehr – nimmt den Faden des laufenden Romans einige Jahre später wieder auf und rundet das Geschehen zufrieden stellend ab. Der eigentliche Roman verfügt über ein zu ruhiges, zu phlegmatisch erzähltes Ende, das den Paukenschlag der Pulpunterhaltung schmerzlich vermissen lässt. Gallagher ist inzwischen der Leibwache des Kaisers beigetreten und muss sich unter anderem zu seinem Leidwesen mit der kaiserfeindlichen Presse und schließlich einigen Attentätern auseinandersetzen, die ihre in „Gallaghers Sieg“ begonnenen Aktionen jetzt endlich zu seinem zufrieden stellenden Ende führen wollen. Die Geschichte ist sehr kompakt geschrieben, die Handlung ein wenig nihilistischer und die Dialoge sind deutlich pointierter. Viele im Roman selbst sehr optimistisch beschriebene Facetten des kosmischen Machtspiels werden aus der Perspektive der Kurzgeschichte bodenständiger und realistischer. Insgesamt ein sehr schöner Abschluss der ersten „Gallagher“ Chronik im Atlantis Verlag.

„Gallaghers Sieg“ ist ein trotz der angesprochenen Schwächen unterhaltsamer und flüssig zu lesender Roman, der insbesondere im Vergleich zum ersten Band der Trilogie „Gallaghers Sturm“ eine deutliche Verbesserung in allen Bereichen darstellt. Der Sense of Wonder ist ausreichend vorhanden und die Hommage an das Golden Age der Science Fiction über weite Strecken gelungen.

Achim Hiltrop: "Gallaghers Sieg"
Roman, Softcover, 220 Seiten
Atlantis Verlag 2007

ISBN 9-7839-3674-2862

Weitere Bücher von Achim Hiltrop:
 - Colin Mirth
 - Die Gallagher Chroniken: Die Kerian-Verschwörung
 - Gallaghers Tochter
 - Gallaghers Krieg
 - Gallaghers Schlacht
 - Gallaghers Sturm
 - Rettungskreuzer Ikarus 30: Flammende Begeisterung
 - Rettungskreuzer Ikarus 45: Wächter des Imperiums
Weitere Links zu diesem Thema:
 - Achim Hiltrop: Biographie

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