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Science Fiction (diverse)



Achim Hiltrop

Gallaghers Schlacht

rezensiert von Thomas Harbach

Stellte auch nach Achim Hiltrops einführenden Worten der erste jetzt neu im Atlantis- Verlag veröffentlichte Band der Gallagher Chroniken noch eine tiefe Verbeugung vor „Star Wars“ dar, greift der in Hinblick auf seine Inspirationen findige Essener auf den Klassiker des Piratengenres „Gegen alle Flaggen“ mit Errol Flynn zurück. Die Ähnlichkeit ist dabei eher oberflächlich, sowohl im vorliegenden Gallagher Roman als auch dem Film geht es ja darum, ein Piratennest zu infiltrieren und von innen heraus auszuheben. Im Film wird ein englischer Offizier – Errol Flynn - als Spion bei den Piraten eingeschleust, um die Wehranlegen der Piratenfestung zu inspizieren. Offiziell ist er desertiert und muss das Vertrauen der Piraten gewinnen. Er lernt eine feurige Piratenbraut kennen und lieben, muss sich mit der Eifersucht einer Prinzessin auseinandersetzen und kann schließlich das Piratennest mit Hilfe der britischen Flotte ausheben und für seine Piratenbraut eine Amnestie erwirken. In Achim Hiltrops Roman wirkt das Einschleusen Gallaghers in das Piratennest weniger wie ein Bestandteil eines groß angelegten Plans, sondern basiert auf dem Prinzip des Zufalls. Vor allem weil Gallagher opportunistisch seine Dienste nicht nur den Piraten zur Verfügung stellt, sondern im letzten Drittel des Romans ebenfalls auf den ersten Blick ein weiteres Mal die Flagge in eine neue Windrichtung dreht. Diese Wendehalspolitik hilft Gallagher – und seinem Autoren Achim Hiltrop – eine kritische Situationen zu überstehen, wirkt am in Hinblick auf den gesamten Plot ein wenig einfallslos und eindimensional. Dreimal in einem Band – inklusiv des Vertrages mit den Söldnern – ist ein wenig viel.

Gallagher und sein Raumschiff Trigger landen abgebrannt und durch einen Zufall in einem abgeschiedenen Sonnensystem auf dem Weg zur Erde und schließen sich dem Söldnerführer Quint an. Dieser soll im Auftrag der Systemregierung die wertvollen Frachtschiffe schützen, die in letzter Zeit von immer dreister werdenden Piraten überfallen werden. Nachdem Gallagher bei seiner ersten Mission auf einen Bauerntrick hereingefallen ist und eine sehr wertvolle Ladung an die Piraten verloren hat, wächst in ihm die Erkenntnis, dass er es nicht mit einfachen Piraten zu tun hat, sondern einer Organisation, die insbesondere technisch den Söldnern überlegen ist. Der einzige Pirat, der wirklich für diese ausgeklügelten Coups in Frage kommt, ist seit vielen Jahren verschollen bzw. gilt als tot. Die einzige Chance ist, eine komplizierte Falle zu stellen und mittels eines Bauernopfers mehr über das Versteck der Piraten zu erfahren. Da sich Quint und Gallagher nicht unbedingt mögen, wird Gallagher mit dieser Selbstmordmission betraut. In der Zwischenzeit ist die Trigger schon ein Opfer der Piraten geworden und wird auf der geheimen Basis festgehalten. In der Basis selbst erwartet Gallagher mehr als eine Überraschung.

Im Gegensatz zum ersten Band der „Gallagher“ Chroniken „Gallaghers Sturm“ wirkt der vorliegende Roman geradliniger und stringenter. Über weite Strecken des Plots konzentrieren sich Protagonist, Leser und vor allem auch der Autor auf einen handlungstechnischen Strang. Das direkte Katz und Maus Spiel mit den Piraten nimmt den größten Teil des Romans ein. Zu Beginn des Buches gelingt es Hiltrop sehr gut, das Misstrauen Gallaghers sowohl gegenüber seinem neuen Befehlsgeber Quint als auch der Mission an sich auszudrücken. Die Piraten werden als rücksichtslos und brutal beschrieben, bei ihren Überfällen sind eine Reihe von unschuldigen Menschen ums Leben gekommen. Ein Element, das im Verlaufe des Buches – wie auch in Flynns „Gegen alle Flaggen“ – relativiert wird, in dem später von guten Piraten weiblichen Geschlechts – alles ist wenn nicht vergessen, so zumindest vergeben, es kommt eben darauf an, in letzter Sekunde die Kurve zu bekommen - und Schurken gesprochen wird. Diese ambivalente Position ist zwar literarisch vertretbar, moralisch eher fragwürdig. Zumindest wird die schwarzweiße Zeichnung des Auftakts verwischt, in dem hinter den Piraten weitere Verschwörer mit noch dunkleren Zielen stehen. Unabhängig davon gelingt es Hiltrop sehr überzeugend, die Spannung immer wieder durch gut geschriebene Actionszenen hochzuhalten und insbesondere im Mittelteil den Spannungsbogen rasant, aber nicht ungeschickt voranzutreiben. Zusammen mit Gallagher und im Gegensatz zu den Piraten kennt der Leser Teile des Plans. Diese verzerrte Perspektive erhöht die Spannung. Das diese einzelnen Facetten des von Hiltrop ironisch geschickt überdehnten Plans schließlich nicht nur das Leben des Helden, sondern vor allem weiterer inzwischen sympathisch gewordener Charaktere bedrohen, erhöht die Spannung. Negativ gesehen fragt sich allerdings der Leser, ob Gallagher nach den vorhandenen Informationen in das Verhalten der Söldnertruppen zu viel hinein interpretiert und quasi ohne Not die Fronten wechselt. Zumal Gallagher im Gegensatz zum Erroll Flynn Charakter sich nicht bei den Piraten einschleicht, sondern gefangen genommen wird. Das er so schnell die Fronten wechselt und der Piratenanführerin seine Trigger quasi im Vorbeigehen gegen Debbies Leben bzw. Überleben überlässt, wirkt ein wenig zu konstruiert. Natürlich ist das Motiv auf den ersten Blick griffig und natürlich spielt Gallagher mit seinen Gegnern, aber die einzelnen Elemente bilden sich zu konstruiert und zu wenig natürlich. So gibt es auch keine tiefer gehenden Sympathien zwischen der Piratenanführerin und Gallagher, sicherlich der Höhepunkt des Flynn Streifens. Gallaghers Sympathien konzentrieren sich mehr auf Debbie, eine junge attraktive Raumpilotin, welche er schon im ersten Band im Auge hatte und die er in einer äußerst schwierigen Situation „wieder gefunden“ hat. Gut, diese Ambivalenz muss der Leser akzeptieren, ansonsten funktioniert ein großer Teil des Plots nicht mehr so elegant bzw. zielstrebig. Am Ende des Buches greift Achim Hiltrop noch einmal auf diese Wendehalspolitik zurück. Es ist erstaunlich, dass zwei im Grunde machtvolle Antagonisten auf den gleichen Trick unabhängig voneinander reinfallen. Hier hätte sich Achim Hiltrop ein wenig mehr einfallen lassen müssen, um das Interesse des Lesers hochzuhalten bzw. herauszufordern. Überhaupt wirkt „Gallaghers Schlacht“ insbesondere im letzten Drittel eher ein wenig langatmig und handlungstechnisch weniger kompakt.Der Autor ist zu überambitioniert und will immer wieder nach eine Plotidee auf die laufende Handlung aufsetzen. Die Prämisse ist eindeutig, die Logik dahinter eher fragwürdig. Die Piraten sollen eine Invasion vorbereiten. Danach soll erst der eigentliche Krieg beginnen. Ausgerechnet die erste demokratische Regierung nach einer langen Militärdiktatur will so aus ihrem stimmungstechnischen Tief kommen und die nächste Wahl gewinnen. Hier wäre es sinnvoller gewesen, die Piraten als Provokateure hinzustellen und den gereizten Feind angreifen zu lassen, um sich als Bewahrer der Demokratie vor dem Volk präsentieren zu können. Die Entwicklung gipfelt in einer finalen Raumschlacht, in welcher eher unfreiwillig und stellenweise wie ein Running Gag wirkender alter Bekannter und neuer Feind Gallaghers in das Geschehen eingreift. Die Schlacht an sich ist sehr gut beschrieben und negiert die Schwierigkeiten, welche Achim Hiltrop im letzten Viertel seines Romans konzepttechnisch gehabt hat.

Die Charakterisierung seiner Figuren schwankt zwischen gelungen und verbesserungswürdig. Im Vergleich zum ersten Band sind es vor allem die Nebencharaktere, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Da wäre der Söldnerführer Quint, dessen Mission plötzlich persönliche Züge annimmt und der am Ende sich doch als anständiger Kerl erweist, obwohl er sich zumindest an den Nachkommen seines Erzfeindes rächen könnte. Ganz bewusst zeichnet Hiltrop in überdimensional, was in einigen Szenen wirklich passend ist. Alleine der Tag in der Strafzelle – eine sehr gute Idee, die wirklich effektiv eingesetzt worden ist – mit seinem ehemaligen Untergebenen und jetzigen Verräter ist köstlich und bleibt dem Leser lange im Gedächtnis. Der spätere Charakterwandel wirkt dagegen überhastet und nicht überzeugend genug. Hier hätte der Leser ein wenig mehr Widerstand bzw. Überzeugungskraft von Gallagher erwarten dürfen. Die neue Liebschaft Debbie steht klar im Schatten von Gallagher. Nach einer soliden ersten Szene gelingt es Achim Hiltrop immer weniger, sie als entschlossene und selbstständige Frau zu charakterisieren. Im Vergleich allerdings zu Tonya Delanne aus dem ersten Band eine klare Verbesserung. Die Piratenkönigin inklusiv Tochter erleidet das gleiche Schicksal wie Maureen O´Hara in der Flynn Verfilmung. Sie darf nur so lange ihren „Mann“ stehen, bis ein richtiger Held die Szene betritt. Wie sie auf die Entführung ihrer Tochter reagiert, grenzt an Hysterie und steht in einem krassen Gegensatz zu ihrem männlich aggressiven Verhalten zu Beginn des Buches. Es ist erstaunlich, dass Achim Hiltrop nicht die Chance genutzt hat, eine ebenbürtige Frauenfigur zu erschaffen, um so erheblich mehr Konfliktpotential in den Plot einzustreuen. Die guten Ansätze gehen unerklärlicherweise im Verlaufe des Plots verloren. Sein Antagonist Starafar aus dem ersten Band ist eher auf einen Running Gag reduziert worden. Aus dieser Figur könnte sehr viel mehr gemacht werden. Der beste Techniker der Galaxis Cartier mit seinem Helfer Strociewsky dienen in einigen Szenen als Comic Relief, im Vergleich zum ersten Buch sind die Charaktere allerdings unterentwickelt, auch wenn Cartier zumindest die wichtigen Hinweise in Hinblick auf die Identität des Piraten liefert. Wieder gelungen ist Trigger, Gallaghers intelligentes Raumschiff. Vor allem die Trennung der beiden in der ersten Hälfte des Romans gibt beiden Protagonisten die Möglichkeit, in einzelnen Szenen zu dominieren und die entsprechende Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Auf der anderen Seite fehlen teilweise die pointierten ironischen Dialoge zwischen Trigger und Gallagher dem Roman. Teilweise orientiert sich Achim Hiltrop zu sehr an der filmischen Vorlage und versucht die Mischung aus ernstem Abenteuer und humorvoller Unterhaltung insbesondere in Hinblick auf die Figuren zu stark, wenn auch würdevoll zu imitieren.

„Gallaghers Schlacht“ ist eine klassische, aber sympathische Space Opera, die sich nicht immer sonderlich ernst nimmt. Der Roman liest sich sehr zügig, stilistisch ansprechender als der ersten Band der Chroniken. Vor allem versucht Achim Hiltrop die zahlreichen vorhandenen Ideen besser auszuformulieren und die Szenarien ruhiger auszuspielen, als hektisch von einem Plotelement zum nächsten zu springen. Die grundlegende Überarbeitung Hiltrops hat dem Plot gut getan. Achim Hiltrop ist einer der Autoren, die mutig versuchen, eine Geschichte zu erzählen, die in erster Linie die Leser auf einem soliden Niveau unterhalten soll. Dass nicht alles passt und manche Charakterisierung noch ein wenig ungehobelt wirkt sowie nicht jede Idee zündet, lässt sich beim spürbaren Enthusiasmus des Autoren verzeihen.

Achim Hiltrop: "Gallaghers Schlacht"
Roman, Softcover, 209 Seiten
Atlantis Verlag 2007

ISBN 9-7839-3674-2855

Weitere Bücher von Achim Hiltrop:
 - Colin Mirth
 - Die Gallagher Chroniken: Die Kerian-Verschwörung
 - Gallaghers Tochter
 - Gallaghers Krieg
 - Gallaghers Sieg
 - Gallaghers Sturm
 - Rettungskreuzer Ikarus 30: Flammende Begeisterung
 - Rettungskreuzer Ikarus 45: Wächter des Imperiums
Weitere Links zu diesem Thema:
 - Achim Hiltrop: Biographie

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